Martin Lüttge 01; Copyright Virginia Shue Martin Lüttge wurde am 7. Juli 1943 in Hamburg geboren, verbrachte seine Kindheit in einem Dorf bei Bad Bramstedt und ging in Hamburg zur Schule. Da er zunächst Bauer werden wollte, machte er eine landwirtschaftliche Ausbildung in Großbritannien, nahm dann aber Anfang der 1960er Jahre Schauspielunterricht an der "Schauspielschule Zerboni"1) in München.
Zwischen 1966 und 1970 gehörte er dem Ensemble der "Münchner Kammerspiele" an, wo er sich schnell einen Namen als vielseitiger Charakterdarsteller machte. So sah man ihn dort unter anderem 1969 als Priester Kiro in Edward Bonds "Schmaler Weg in den tiefen Norden" unter der Regie von Peter Zadek. Anschließend stand Lüttge bis 1974 am "Düsseldorfer Schauspielhaus" auf der Bühne, ein weiteres Engagements führte ihn bis 1977 nach Stuttgart an das "Württembergische Staatstheater", wo er beispielsweise in Goldonis "Der Diener zweier Herren"1) oder unter Claus Peymann als Faust in "Faust I"1) und "Faust II"1) brillierte.
  
Das Foto wurde mir freundlicherweise von der Fotografin Virginia Shue (Hamburg)
zur Verfügung gestellt.  Das Copyright liegt bei Virginia Shue.
 
1978 gehörte Lüttge auf einem Bauernhof im oberbayerischen Mehring bei Burghausen zu den Mitbegründern der freien Theatergruppe "Zelttheater", dem heutigen "Theaterhof Priessenthal", mit dem er bis zuletzt als Regisseur, Autor und Schauspieler und Stücken wie "Wir Nibelungen", "Frauenschuh", "Das Kalte Herz" nach Wilhelm Hauff oder "Hamsterlegende", aber auch mit Klassikern durchs In- und Ausland tourte. Seit 1988 sah man Lüttge auf der Priessenthaler Bühne, beispielsweise  als Luzifer in Holger Frankes Komödie "Mensch Herrmann" sowie seit 1997 in dessen unkonventionellen Krimi "Der Kommissar, der Komödiant, der Tod und die Liebe". Seit der Premiere am 6. Dezember 2000 übernahm er neben Norbert Kentrup die Titelrolle des Jacob Grimm in Dagmar Papulas "Die Brüder Grimm", einem Stück über das Leben der berühmten "Märchenbrüder", bis 2009 stand "Die Brüder Grimm" auf dem Spielplan → www.theaterhof-priessenthal.de. Zum Jahresende 2006 und Jahresanfang 2007 gastiert Lüttge in Berlin mit der Theaterproduktion "Brüder Grimm" in der Rolle des Jacob Grimm, den er bereits seit 6 Jahren mit großem Erfolg auf Gastspielen in Finnland, Bulgarien, Polen und Estland verkörperte. Jetzt erst konnte er die Gelegenheit wahrnehmen, vor Ort in Berlin die letzte Ruhestätte der Brüder Grimm auf dem St. Matthäus-Friedhof in Schöneberg zu besuchen.2) 
In den letzten Jahren gingen Lüttge und das Ensemble des "Theaterhof Priessenthal" auch mit dem Shakespeare-Drama "Macbeth"1) auf Tournee, waren unter anderem im Sommer 2003 in der Burgruine von Dreieichenhain zu sehen; schon bei der Premiere Anfang März in Hamburg hatte der Schauspieler mit der Titelrolle sowohl Kritiker als auch Publikum begeistert. Ein weiteres Shakespeare-Schauspiel mit Lüttge ist die Komödie "Was Ihr wollt"1), welche am 7. April 2007 Premiere feierte, Lüttge glänzt hier bis 2012 mit der komischen Rolle des Haushofmeisters Malvolio → Shakespeare und Partner.
Einem breiten Publikum bekannt wurde Lüttge Anfang der 1990er Jahre mit seiner Rolle des leicht verschrobenen und brummigen Kriminalhauptkommissars Bernd Flemming in den "Tatort-Folgen aus Düsseldorf. Zusammen mit der charmanten Kommissarin Miriam Koch alias Roswitha Schreiner1) sowie dem stets verschuldeten und fahrigen Hauptmeister Max Ballauf alias Klaus J. Behrendt1) löste er bis 1997 so manchen kniffligen Fall. Dann ging Lüttge nach 15 Folgen mit "Brüder"1) vorzeitig in den wohlverdienten Ruhestand, weil er als Schauspieler nicht auf ein bestimmtes Rollen-Klischee festgelegt werden bzw. der ungeheuren Popularität entfliehen wollte.

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Martin Lüttge 02; Copyright Virginia Shue
  
Die "Tatort"-Folgen mit KHK Bernd Flemming
(Link: tatort-fundus.de)
Martin Lüttge 03; Copyright Virginia Shue

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Bereits seit Mitte der 1960er Jahre hatte Lüttge Parts in verschiedensten Fernsehspielen übernommen. So sah man ihn neben Gastauftritten in so beliebten Krimi-Serien wie "Derrick", "Der Kommissar", "Kriminalmuseum" oder "Sonderdezernat K1" beispielsweise 1966 mit einer Hauptrolle in Fritz Umgelters "Bratkartoffeln inbegriffen", in den 1970er Jahren unter anderem als George Glumow in der TV-Version von Nikolai Ostrowskis "Eine Dummheit macht auch der Gescheiteste" (1977) oder in den 1980ern als jovialen Nazi-Schergen Doktor Lange in dem Doku-Spiel "Die Wannseekonferenz"1) (1984). 
Nach seinem Ausstieg als Tatort-Kommissar kehrte der Schauspieler immer wieder auf den Bildschirm zurück: So gab er den sympathisch-gewissenhaften Staatsanwalt Koerber in der ZDF-Serie "Koerbers Akte"3) (1996), trat beispielsweise in der SAT.1-Dürrenmatt-Adaption "Es geschah am helllichten Tag"4) (1997) in Erscheinung oder 1998 mit der Titelrolle des Bauamts-Chefs Lupo in Dagmar Wagners hochgelobtem Stück "Lupo und der Muezzin". Zudem blieb er aber auch dem Krimi mit Auftritten in "Die Verbrechen des Professor Capellari", der "Tatort"-Episode "Direkt ins Herz"1) (2000) oder der "Polizeiruf 110"-Folge "Bruderliebe"4) (2001) treu. 2001 zeigte sich Lüttge in der Liebeskomödie "Sag einfach ja!"4), 2002 als Richard Werner in der Romanze "Flamenco der Liebe"4), ein Jahr später als Präsident des Bundeskriminalamtes Horst Herold1) in dem von Oliver Storz inszenierten, preisgekrönten Zweiteiler "Im Schatten der Macht"1), dem Polit-Drama um die Verstrickung Willy Brands1) (dargestellt von Michael Mendl) in die Guillaume-Affäre.
Nicole Heesters mit Martin Lüttge in "Katz und Hund"; Szenenfoto mit freundlicher Genehmigung von www.ziegler-film.com; Copyright Ziegler Film GmbH & Co. KG Im April 2005 zeigte sich der Schauspieler in der Komödie "Neue Freunde, neues Glück"4), nach einem Roman von Leonie Ossowski: Hier verkörperte er wunderbar den pensionierten Architekten Ulrich Windeck, der Nele Ungureit (Christiane Hörbiger), die nach nach 35 Jahren von ihrem Mann wegen einer Jüngeren verlassen wurde, gemeinsam mit der tüddeligen Gerda Griese (Heidelinde Weis) und dem charmanten Ex-Banker Rupert Neumann (Ernst Jacobi) bei der Gründung einer Senioren-WG unterstützt. Turbulenzen mit Behörden, vor allem aber mit Neles Sohn Hannes sind da vorprogrammiert…
 
Martin Lüttge mit Nicole Heesters5) in der vergnüglichen Komödie "Katz und Hund"4) (2003)
Szenenfoto mit freundlicher Genehmigung von www.ziegler-film.com
© Ziegler Film GmbH & Co. KG
Es folgten Produktionen wie "Wen die Liebe trifft"4) (2005) oder "Die Pferdeinsel"4) (2006), ein Wiedersehen mit dem sympathischen Schauspieler konnten die Fernsehzuschauer seit Anfang Januar 2007 in den aktuellen Folgen um das "Forsthaus Falkenau"1) feiern. Lüttge mimte den Vater des neuen Försters Stefan Leitner alias Hard Krüger jr., der die Nachfolge von Martin Rombach (Christian Wolff) angetreten hatte. Mehr als 90 Folgen lang (221–312) gehörte Lüttge mit dieser Figur zur Besetzung des einstigen Quotenrenners, , seinen letzten Auftritt hatte Lüttge in der Geschichte "Spielverderber"3) (EA: 25.10.2013). Mit der Episode "Ende gut, alles gut?"3) beendete das ZDF am 27. Dezember 2013 diesen populären Dauerbrenner.
Daneben übernahm der Schauspieler immer mal wieder Gastrollen in anderen populären Serie wie "Großstadtrevier", "SOKO Stuttgart", oder "Heiter bis tödlich – Nordisch herb".
 
Die Kinozuschauer erlebten Lüttge 1968 mit der kleinen Rolle des Studenten, der aus Geldmangel in einem Fahrstuhl lebt, in dem Kult-Film "Zur Sache, Schätzchen"1) auf der Leinwand, der Durchbruch gelang ihm 1973 mit der Titelrolle des berüchtigten Ein- und Ausbrechers Julius Adolf Petersen1) in der Gaunerkomödie "Der Lord von Barmbeck"
1). In Bernhard Sinkels Zeitportrait "Berlinger – Ein deutsches Abenteuer"1), einem Film über das Leben des fiktiven deutschen Wissenschaftlers, Abenteurers und Industriellen Lukas Berlinger, übernahm er 1975 neben Martin Benrath und Hannelore Elsner die Rolle des Pfeiffer, in Wolfgang Staudtes Psychodrama über eine Selbstmörderin "Zwischengleis"6) sah man ihn 1978 als Alfons Eichmayr an der Seite von Mel Ferrer und Pola Kinski. In dem Kinderfilm "Bananen-Paul"1) (1980) mimte er einen Dompteur, in Adolf Winkelmanns preisgekröntem Streifen "Jede Menge Kohle"1) (1981) den Fahrer Lewandowsky, in Hark Bohms komödiantischem Wirtschaftskrimi "Der Kleine Staatsanwalt"4) (1987) den missbrauchten Bauingenieur Kaiser. 1989 wirkte Lüttge in dem niederländischen Streifen "Laura Ley" mit, 1997 als Kommissar in dem Kinderkrimi "Schweinesand – Eine Insel voller Geheimnisse"6), in dem Road-Movie "Verrückt nach Paris"4) (2002) tauchte er als Kollakowski, Heimleiter einer Einrichtung für Behinderte, auf. Zuletzt spielte Lüttge in Didi Danquarts Drama "Bittere Kirschen"6) nach dem Roman "Lenas Liebe" von Judith Kuckart in einer Kinoproduktion und verkörperte den Julius Dahlmann, bei dem die Schauspielerin Magdalena Behsler, genannt Lena (Anna Stieblich), als Untermieterin einzieht. Vorgestellt wurde der Film bei den "45. Internationalen Hofer Filmtagen" Ende Oktober 2011.
  
Martin Lüttge konnte während seiner langen Schauspielerkarriere zahlreiche Auszeichnungen für seine herausragenden Leistungen entgegennehmen: So erhielt er unter anderem 1968 den "Förderpreis für Nachwuchsdarsteller" der Stadt München, 1982 den Förderungspreis "Darstellende Kunst" der "Berliner Akademie der Künste", 1993 den "Bayerischen Heimatpreis" in der Sparte "Kultur und Gemeinschaft", 2000 den "Kulturpreis" des Landkreises Altötting sowie 2001 den "Oberbayerischen Kulturpreis"
1).
 
Der Schauspieler starb am 22. Februar 2017 im Alter von 73 Jahren nach längerer schwerer Krankheit im schleswig-holsteinischen Plön. "Bühne und Leben – beides musste für ihn immer zusammenpassen. Glaubwürdigkeit war ihm daher am wichtigsten. Martin Lüttge wollte vor allem ein aufrichtiger, ehrlicher Charakter sein – und das ist ihm geradezu vorbildlich gelungen. (…) Wenige hielten so konsequent an ihren politischen Prinzipien und an ihrer Lebenseinstellung fest wie dieser Schauspieler, dem jeder Fanatismus völlig fremd war. Das machte Martin Lüttge daheim in Priessenthal zu einem ausgesprochenen Sympathieträger. Er konnte ein ganzes Dorf von sich überzeugen und das ist allemal schwerer als ein Staatstheaterpublikum zu begeistern." schrieb unter anderem Peter Jungbluth in einem Nachruf bei www.ndr.de.
Lüttge war in erster Ehe bis 1972 mit seiner Kollegin Gila von Weitershausen5) verheiratet  und Vater zweier erwachsener Töchter. Seit 1999 war die Schauspielerin bzw. Ehefrau Marlen Breitinger an seiner Seite → www.theaterhof-priessenthal.de.
Siehe auch www.prisma.de, Wikipedia, deutsches-filmhaus.de sowie
den Artikel zum 70. Geburtstag (07.07.2013) bei www.focus.de
1) Link: Wikipedia, 3) fernsehserien.de, 4) prisma.de, 5) Kurzportrait innerhalb dieser HP, 6) filmportal.de
Quelle: 2) Wikipedia
  
Filme (Auszug)
Filmografie bei der Internet Movie Database, filmportal.de
(Link: Wikipedia, filmportal.de, fernsehserien.de, Die Krimihomepage, 
Beschreibung innerhalb dieser HP, deutsches-filmhaus.de, prisma.de)
Kinofilme Fernsehen (Auszug)
… und hier noch Martin Lüttge 

… 1990/1991 als Wilhelm Tell
in dem Schauspiel von Friedrich Schiller,
bei dem er auch Regie führte
(Tourneetheater Erich Kuhnen)
© Fotografin Virginia Shue (Hamburg)

Martin Lüttge 1990/1991 als Wilhelm Tell in dem Schauspiel von Friedrich Schiller; Copyright Virginia Shue
… 1992 auf Tournee mit Ehefrau
Marlen Breitinger
in der Shakespeare-Tragödie
"Timon von Athen"
© Fotografin Virginia Shue (Hamburg)
Martin Lüttge 1992 mit Ehefrau Marlen Breitingerin der Shakespeare-Tragödie "Timon von Athen"; Copyrigt Virginia Shue
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