Ferdinand Marian wurde am 14. August 1902 als Ferdinand Heinrich Johann Haschkowetz in Wien geboren; der Vater Ferdinand Marian1) (1859 – 1942), dessen Künstlernamen der junge Ferdinand später übernahm, war Bassist an der "Wiener Hofoper", die Mutter Magdalena wirkte eine Zeit lang als Sängerin am Budapester "Königlichen Operettentheater".
  Als Kind und Jugendlicher hielt er sich viel am Theater oder im Opernhaus auf, wohin er seinen Vater häufig begleitete. Dort lernte er schon früh jene Welt kennen, die später sein wichtigster Lebensinhalt werden sollte. Ein Ingenieurstudium in Wien brach er ab und riss für vier Jahre von zu Hause aus, wobei er sich mit verschiedensten Jobs über Wasser hielt. Marians Vater besaß ein Haus in Trofaiach in der Obersteiermark, wo sich Ferdinand Marian gerne aufhielt. Schließlich versuchte er es mit Vaters Hilfe doch am Theater und arbeitete zunächst als Charge und später als Schauspieler an Theatern in Graz, Trier, Mönchengladbach, Aachen, Hamburg und München. Seinen Durchbruch hatte er in Hamburg in einer Aufführung von Richard Billingers "Rauhnacht", 1938 kam er ans "Deutsche Theater" nach Berlin. Im Jahre 1939 erzielte er dort als Jago im "Othello" seinen größten Theatererfolg.2)

Seit Anfang der 1930er Jahre wirkte Marian beim Film, 1933 spielte er erstmals eine kleinere Rolle in dem Science-Fiction-Streifen "Der Tunnel"1), drei Jahre später folgte Erich Engels Bühnenadaption "Ein Hochzeitstraum"3), mit seiner Rolle des Verführers Roudolphe Boulanger in "Madame Bovary" neben Pola Negri konnte er sich 1937 endgültig auf der Leinwand etablieren und avancierte zum Frauenschwarm jener Jahre. Im gleichen Jahr erlebte man Marian als verführerischen Don Pedro de Avila in "La Habanera"1) an der Seite des Ufa-Stars Zarah Leander, es folgten Hauptrollen in Produktionen wie den Abenteuern "Nordlicht"3) (1938) und "Der Fuchs von Glenarvon"3) (1940) sowie den Krimis "Der Vierte kommt nicht"3) (1939) und "Morgen werde ich verhaftet"3) (1939).
1939 war der Nazi-Propagandaminister Joseph Goebbels auf den Schauspieler aufmerksam geworden, als dieser im "Deutschen Theater" in Shakespeares "Othello" die Rolle des "Jago" überaus bösartig interpretierte. Goebbels soll Marian bedrängt haben, in dem von Veit Harlan geplanten antisemitischen Hetz-Streifen "Jud Süß"1) die historische Figur des jüdischen Finanzbeamten Joseph Süß Oppenheimer1) (1698 – 1738) zu verkörpern. Marian habe sich fast ein Jahr lang geweigert, diese Rolle anzunehmen, aber "weil er gerne gut aß und trank", vor allem aber, weil er an einer ständigen Angst vor sozialer Missachtung litt, stellte er sich mit dieser Rolle vor die Kamera. Goebbels schrieb in sein Tagebuch: "Mit Marian über den Jud-Süß-Stoff gesprochen. Er will nicht recht heran, den Juden zu spielen. Aber ich bringe ihn mit einigem Nachhelfen doch dazu." Damit erlangte der eher als politisch desinteressiert geltende Schauspieler (bis heute) eine traurige Berühmtheit, rund 20 Millionen Menschen sahen das unsägliche Machwerk der NS-Propaganda zwischen 1940 und 1945; weitere Informationen zum Film "Jud Süß" aus dem Jahre 1940 bei www.filmzentrale.com sowie dem Bundesarchiv (mit Fotos und Dokumenten).
 
"Marians Gesicht wurde damit weltweit zum antisemitischen Sinnbild des jüdischen Frauen- und Rassenschänders", so der Berliner Medienwissenschaftler und studierte Psychologe Dr. Friedrich Knilli1) in seinem Buch "Ich war Jud Süß. Die Geschichte des Filmstars Ferdinand Marian"1). In dieser im Jahre 2000 erschienenen Biografie schildert Knilli die tragische Lebensgeschichte des österreichischen Schauspielers, der an der Rolle menschlich zerbrochen ist: Nach 1945 wurde Marian mit einem Berufsverbot belegt und von der Filmindustrie geächtet, er sprach immer mehr dem Alkohol zu und kam schließlich nahe Durneck (Oberbayern) bei einem Autounfall ums Leben. Marian erlag seinen schweren Kopfverletzungen am 7. August 1946, danach wollten die Gerüchte nicht verstummen, der Schauspieler habe sich aus Verzweiflung das Leben genommen, ja sogar eine Mordtheorie wurde ins Spiel gebracht. Bis heute wird darüber spekuliert, ob es sich dabei um einen Suizid wegen seiner damaligen, perspektivlosen beruflichen Situation gehandelt habe. Dagegen spräche erstens, dass der amerikanische Filmoffizier Münchens, Eric Pleskow, zu diesem Zeitpunkt schon bereit gewesen wäre, Marian aufgrund einer angenommenen Unschuld irgendwann von der schwarzen Liste zu streichen und damit ein neuer Abschnitt in der Karriere des eigentlich beliebten Schauspielers hätte beginnen können und zweitens, dass außer Ferdinand Marian noch zwei Mitfahrer im Auto saßen, die nur leicht verletzt wurden.1)
 
Nach seiner Rolle in "Jud Süß" stand Marian unter anderem noch für den Propagandafilm "Ohm Krüger"1) (1941) als Cecil Rhodes1) vor der Kamera, mimte den Magier Graf Cagliostro in dem Albers-Kassenschlager "Münchhausen"1) (1943) und den sensiblen Komponisten Michael in dem herausragenden Film "Romanze in Moll"1) (1943) an der Seite von Marianne Hoppe. Zu Marians weiteren Filmen bis Kriegsende zählen die Romanze "Reise in die Vergangenheit"3) (1943) und der Krimi "Tonelli"3) (1943), die noch 1945 gedrehten Produktionen "Die Nacht der 12"3), "Dreimal Komödie"3) und "Das Gesetz der Liebe"3) gelangten erst nach Marians Tod 1949 in die Lichtspielhäuser.
Ferdinand Marian, der seit 30. März 1936 mit der 1904 geborenen, von Regisseur Julius Gellner1) geschiedenen Schauspielerin Maria Byk verheiratet gewesen war, fand seine letzte Ruhe auf dem Münchener Nordfriedhof. Maria Byk, die man 1949 ertrunken aufgefunden hatte (vermutlich handelte es sich um Selbstmord) wurde ebenfalls in diese Grabstätte beigesetzt → Foto der Grabstelle bei knerger.de.
 
Im Sommer 2009 begannen die Dreharbeiten zu Oskar Roehlers Film "Jud Süß – Film ohne Gewissen"1) mit Tobias Moretti (Ferdinand Marian), Justus von Dohnanyi (Veit Harlan), Martina Gedeck (Anna Marian) und Moritz Bleibtreu (Hitlers Propaganda-Chef Josef Goebbels) in den Hauptrollen. Die deutsch-österreichische Koproduktion thematisiert die Entstehung von Veit Harlans unsäglichem antisemitischen Propagandastreifens und und basiert auf Knillis Buch "Ich war Jud Süß". Die Uraufführung fand am 18. Februar 2010 im Rahmen der "60. Filmfestspiele von Berlin" statt, Kinostart in Deutschland war der 23. September 2010. 

Siehe auch Wikipedia, www.cyranos.ch, www.murnau-stiftung.de
Fotos bei film.virtual-history.com
Link: 1) Wikipedia, 3) Murnau Stiftung
Quelle: 2) Wikipedia (abgerufen 03.11.2011)
   
Kinofilme
Filmografie bei der Internet Movie Database
(Link: Murnau Stiftung, Wikipedia, filmportal.de, prisma.de)
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