Ulrich Matschoss; Copyright Virginia Shue Ulrich Matschoss wurde am 16. Mai 1917 in Wanne-Eickel (heute Herne) geboren und wuchs im damaligen Schlesien auf. Während des 2. Weltkrieges musste er als Soldat kämpfen, 1941 geriet er in kanadische Kriegsgefangenschaft, aus der er erst 1947 wieder entlassen wurde. Bereits während seiner Gefangenschaft hatte er erstmals Theater gespielt, über verschiedene Bühnen kam er dann 1950 an das "Badische Staatstheater Karlsruhe", wo er fünf Jahre lang zum Ensemble gehörte. Dann wechselte er nach Lübeck (1955 – 1962), über das "Württembergisches Staatstheater Stuttgart" (1962 – 1970) kam Matschoss an das Hamburger "Thalia-Theater", welches für viele Jahre seine künstlerische Heimat blieb; darüber hinaus gab er Gastspiele, ging er auf Tourneen und trat bei Festspielen wie beispielsweise in Bad Hersfeld auf.

 
Das Foto wurde mir freundlicherweise von der
Fotografin Virginia Shue (Hamburg) zur Verfügung gestellt.
Das Copyright liegt bei Virginia Shue.
Populär wurde der Schauspieler nicht zuletzt durch das Fernsehen, seit Ende der 1950er Jahre spielt er in zahlreichen Serien und ambitionierten Einzelproduktionen die unterschiedlichsten Rollen. Erstmals sah man ihn unter der Regie von Franz Peter Wirth als Gestapomann in "Raskolnikoff" nach Fjodor Dostojewski (1957, mit Paul Verhoeven), ab Mitte der 1960er Jahre intensivierte Matschoss seine Arbeit für das Fernsehen, spielte in erfolgreichen Produktionen wie dem Ludwig Thoma-Stück "Moral" (1967), der Literaturverfilmung "Der Mann aus dem Bootshaus" (1968, Regie: Johannes Schaaf), Theo Mezgers Doku "Der Fall Liebknecht-Luxemburg"1) (1969) oder Rainer Erlers "Der Attentäter" (1969), der filmischen Umsetzung des Attentats des Georg Elser auf Adolf Hitler am 9. November 1939.
  
Ulrich Matschoss in "Die Geburtstagsfeier" von Harold Pinter 01; Copyright Virginia Shue Ulrich Matschoss in "Die Geburtstagsfeier" von Harold Pinter 02; Copyright Virginia Shue
Ulrich Matschoss in "Die Geburtstagsfeier" von Harold Pinter
(unten mit Eva Maria Bauer)
Theater in der Kunsthalle (TiK), Hamburg, 1981
Ulrich Matschoss und Eva Maria Bauer in "Die Geburtstagsfeier"; Copyright Virginia Shue von Harold Pinter
Die Fotos wurden mir freundlicherweise von der Fotografin Virginia Shue (Hamburg) 
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Man erlebte Ulrich Matschoss in erfolgreichen Krimi-Serien wie "Stahlnetz", "Die Fünfte Kolonne" und "Tatort", eine durchgehende Rolle, die des besonnenen Kriminalrats Karl Königsberg und genauen Gegenteils von Kommissar Schimanski alias Götz George, mimte er ab 1981 über zehn Jahre lang in den Tatort-Folgen aus Duisburg; letztmalig verkörperte er diese Figur in der Episode "Schimanski muss leiden"1) (2000). Eine schöne Rolle war auch die des Carl Engels in der fünfteiligen Familienreihe "Engels & Consorten"2) (1986, u.a. mit Rainer Hunold), ebenso wie die des undurchsichtigen Franz Laub in Kai Wessels eindringlichen Sozialstudie "Martha Jellneck"3) (1988) mit Heidemarie Hatheyer in der Titelrolle. In der SAT1-Serie "Hallo, Onkel Doc!"4) mimte Matschoss ab 1994 mehrere Jahre lang den Professor Hermann Lüders, der dem Titelhelden und Kinderarzt Dr. Markus Kampmann (Ulrich Reinthaller) an seiner Klinik eine neue Chance gibt. Zur Serien-Filmografie zählen weiterhin unter anderem wiederholte Auftritte bei "Ein Fall für Zwei", "Der Alte", "SOKO 5113", "Unsere Hagenbecks", "Mit Leib und Seele" und "Alles Glück dieser Erde".

Der Schauspieler zeigte sich mit prägnanten Nebenrollen auf dem Bildschirm, so in der Krimikomödie "Ich beiß zurück"1) (2000), unter der Regie von Matti Geschonneck zeigte er sich in dem spannenden Melodram "Jenseits der Liebe"1) (2001) und dem Psychokrimi "Die Mutter"1) (2002). Die Rolle des Professors Dr. Rudolf Loebelt, der in der "Tatort"-Folge "Verraten und verkauft"4) (2004) eine unrühmliche Vergangenheit vertuschen will, zählt ebenfalls zu den aktuelleren Fernseharbeiten des Schauspielers, ebenso wie das Beziehungsdrama "Der zweite Blick"1) (2006) mit Suzanne von Borsody und Michael Mendl sowie zuletzt der packende Thriller "Die Entführung"1) (2007) mit Heiner Lauterbach.
 
Auf der Leinwand war Matschoss eher selten präsent: 1962 spielte er einen kleinen Part in George Seatons Thriller "The Counterfeit Traitor"4) (Verrat auf Befehl), 1989 erlebte man ihn in Alexandra von Grotes Drama "Reise ohne Wiederkehr" und 1997 in Jon Avnets Krimi "Red Corner"1) (1997, Red Corner – Labyrinth ohne Ausweg). Stefan Ruzowitzkys Horrorstreifen "Anatomie"4) (2000) und Dan Veretes preisgekröntes Road Movie "Metallic Blues"5) (2004) waren Matschoss' letzte Arbeiten vor der Kinokamera.

Ulrich Matschoss starb am 1. Juli 2013 im hohen Alter von 96 Jahren an seinem Wohnort in der Lüneburger Heide; er war verheiratet und Vater von drei Söhnen.
  

Link: 1) prisma.de, 2) fernsehserien.de, 3) www.filmportal.de, 4) Wikipedia, 5) www.film.at
Siehe auch Wikipedia sowie den kurzen Nachruf bei www.stern.de
Filmografie bei der Internet Movie Database
Ulrich Matschoss und Opernstar Anja Silja (01); Copyright Virginia Shue Ulrich Matschoss und Opernstar Anja Silja (02); Copyright Virginia Shue
Ulrich Matschoss traf den Opernstar Anja Silja im Zug von Hamburg nach Ludwigshafen, 
wo er in Pavel Kohouts "Maria kämpft mit den Engeln" ein Gastspiel gab. 
Beide lösten mit großer Begeisterung Kreuzworträtsel, um sich die Zeit zu vertreiben.
Die Fotos wurden mir freundlicherweise von der Fotografin Virginia Shue (Hamburg) zur Verfügung gestellt.
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