Mia May wurde am 2. Juni 1884 als Hermine Pfleger in Wien geboren. Früh zeigte sie Interesse für die Schauspielerei, nahm schon als Kind Ballett- und Schauspielunterricht. Bald stand sie am Wiener "Prater-Theater" mit Kinderrollen auf der Bühne; zu der Zeit hatte sie sich den Künstlernamen "Hermine Angelot" gegeben. 1902 heiratete sie Julius Otto Mandl1) (1880 – 1954), der sich später unter dem Namen "Joe May" – den Künstlernamen hatte er von seiner Frau übernommen – als Filmproduzent und Stummfilm-Regisseur einen Namen machte. In seiner Jugend hatte dieser das Leben eines Playboys geführt und das elterliche Vermögen restlos durchgebracht.
  
1910 zog das Paar nach Deutschland, unter dem Künstlernamen "Mia May" trat Hermine Mandl in Hamburg in Operetten auf, kam später in Berlin durch ihren Mann mit dem Film in Berührung; in den kommenden Jahren spielte sie fast ausschließlich unter dessen Regie in Melodramen und Gesellschaftsfilmen, arbeitete auch an einem Teil der Drehbücher mit; außerdem fungierte sie zeitweise als Geschäftsführerin der 1915 gegründeten "May-Film GmbH" und betätigte sich auch als Cutterin.
 

Foto: Mia May um 1922
Urheber bzw. Nutzungsrechtinhaber: Alexander Binder1) (1888 – 1929)
Quelle: Wikipedia bzw. Wikimedia Commons; Ross-Karte Nr. 533/3
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Mia May um 1922; Urheber bzw. Nutzungsrechtinhaber: Alexander Binder (18881929); Quelle: Wikipedia bzw. Wikimedia Commons; Ross-Karte Nr. Nr. 533/3; Lizenz: Diese Bild- oder Mediendatei ist gemeinfrei, weil ihre urheberrechtliche Schutzfrist abgelaufen ist. Dies gilt für die Europäische Union, die Vereinigten Staaten, Australien und alle weiteren Staaten mit einer gesetzlichen Schutzfrist von 70 Jahren nach dem Tod des Urhebers.
Mia May vor 1929; Urheber bzw. Nutzungsrechtinhaber: Alexander Binder (18881929); Quelle: filmstarpostcards.blogspot.de; Ross-Karte Nr. 532/6 1912 gab Mia May ihr Leinwanddebüt in dem stummen Bergarbeiter-Drama "In der Tiefe des Schachtes", populär wurde sie dann ab 1915 an der Seite von Max Landa in der beliebten Detektivserie um "Joe Deebs"1), eine Figur, die Ehemann Joe May entworfen hatte, so in "Sein schwierigster Fall" (1915) und "Die Gespensteruhr"1) (1916). Es folgten melodramatische Geschichten und Tragödien mit zugkräftigen Titeln wie etwa "In der Nacht…"2) (1915), "Ein einsam Grab"1) (1916), "Nebel und Sonne"1) (1916), "Ehre"2) (1917) oder "Die Silhouette des Teufels"1)  (1917). Mia May mimte Titelheldinnen in "Die Sünde der Helga Arndt"1) (1916), "Arme Eva Maria"1) (1916), "Die Liebe der Betty Raymond"1) (1917) oder "Hilde Warren und der Tod"1) (1917), in letzterem mit Bruno Kastner als Partner.
Nach Ende des 1. Weltkrieges gehörte Mia May zu den Diven der stummen Leinwand und spielte große Rollen, drehte beispielsweise "Das Opfer"2) (1918), "Fünf Minuten zu spät"2) (1918), "Ihr großes Geheimnis"2) (1918), "Wogen des Schicksals"2)  (1918), "Der Amönenhof"2) (1919), "Die platonische Ehe" (1919) und den Dreiteiler "Veritas vincit"2) (1919, zeigte sich als "Die Bettelgräfin"2) (1918) und als "Fräulein Zahnarzt"2) (1919). Sie agierte beispielsweise 1919/1920 als Maud Gregaards in der achtteiligen Reihe um die "Herrin der Welt"2), teilweise mit Joe May hinter der Kamera, mit Fritz Lang drehte sie das Drama "Das Wandernde Bild"1) (1920), Paul Bildt war ihr Partner in der Tragödie "Die Schuld der Lavinia Morland"1)  (1920). An der Seite Conrad Veidts als Bengalischem Maharadscha mimte sie die Irene Amundsen in den beiden Teilen des opulenten Monumentalfilms "Das Indische Grabmal"1), "Die Sendung des Yoghi"2) (1921) und "Der Tiger von Eschnapur"2) (1921), nach dem Roman von Thea von Harbou, zu dem Fritz Lang das Drehbuch geschrieben hatte.

Foto: Mia May vor 1929
Urheber bzw. Nutzungsrechtinhaber: Alexander Binder1) (1888 – 1929)
Quelle: filmstarpostcards.blogspot.de; Ross-Karte Nr. 532/6
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Mia May rührte das Publikum zu Tränen in "Der Leidensweg der Inge Krafft"1) (1920/21), nach dem vierteiligen Streifen "Tragödie der Liebe"1) (1922/1923) sowie "Die Liebesbriefe der Baronin von S."1) (1924) beendete der Stummfilmstar seine filmische Karriere, nicht zuletzt auch wegen eines privaten Schicksalsschlages: Am 10. September 1924 hatte sich ihre 1902 geborene Tochter Eva May3), die inzwischen auch auf der Leinwand als Stummfilmdarstellerin Furore gemacht hatte, in Baden bei Wien wegen der nicht zustande gekommenen Heirat mit ihrem Vetter, dem Industriellen Fritz Mandl1) (1900 – 1977), erschossen.
  
Mit Beginn des Nazi-Regimes emigrierte Mia May mit ihrem jüdischen Mann 1933 nach Amerika, wo Joe May bis 1944 mehr oder weniger erfolgreich weitere Filme drehte; Mia May trat als Schauspielerin nicht mehr in Erscheinung.
Nach Ende des 2. Weltkrieges eröffneten beide 1949 in Los Angeles mit "The Blue Danube" ein auf Wiener Küche spezialisiertes Restaurant das jedoch nach wenigen Wochen wieder schließen musste. Danach waren Mia May und ihr Mann finanziell auf die Unterstützung von Freunden und Kollegen sowie die Hilfsorganisation "European Film Fund"1) angewiesen.
 

Mia May als Maud Gregaards in dem 8-teiligen Stummfilm
"Die Herrin der Welt"1) (1919) von Joe May ("May-Film GmbH", Berlin)
Quelle: Deutsche Fotothek, (file: df_pos-2006-a_0000894) aus
"Vom Werden deutscher Filmkunst/1. Teil: Der stumme Film" von Dr. Oskar Kalbus
 (Berlin 1935, S. 48) bzw. Ross-Verlag 1919
© SLUB Dresden/Deutsche Fotothek/Unbekannter Fotograf
Quelle: www.deutschefotothek.de; Genehmigung zur Veröffentlichung: 30.03.2017

Mia May als Maud Gregaards in dem 8-teiligen Stummfilm "Die Herrin der Welt" (1919) von Joe May ("May-Film GmbH", Berlin); Quelle: Deutsche Fotothek, (file: df_pos-2006-a_0000894) aus "Vom Werden deutscher Filmkunst/1. Teil: Der stumme Film" von Dr. Oskar Kalbus (Berlin 1935, S. 48) bzw. Ross-Verlag 1919; Copyright SLUB Dresden/Deutsche Fotothek/Unbekannter Fotograf; Quelle: www.deutschefotothek.de
Der einstige Stummfilmstar Mia May starb am 28. November 1980 mit 96 Jahren in ihrer Wahlheimat Los Angeles; ihr Mann Joe May war bereits am 29. April 1954 in Hollywood gestorben. Die letzte Ruhe fand sie an der Seite ihres Gatten auf dem "Hollywood Forever Cemetery"1)  → Foto der Grabstelle bei www.findagrave.com.  
Mia May, eine Ikone der Stummfilmzeit, hatte auf der Leinwand als arme Waise begonnen, mimte die naive Unschuld in den Streifen jener Zeit, die melodramatisch Höhen und Tiefen des Lebens nachzeichneten. Ihr kindliches Puppengesicht stand im Kontrast zum eisernen Willen mancher ihrer Figuren und prädestinierte sie für den großen "Problemfilm".4)  
Textbausteine des Kurzportraits aus:
"Lexikon der deutschen Film- und TV-Stars" von Adolf  Heinzelmeier/Berndt Schulz (Ausgabe 2000, S. 238/239)
Siehe auch Wikipedia, www.film-zeit.de, www.exilarchiv.de
sowie www.cyranos.ch (Artikel zu Joe, Mia und Eva May)
Fotos bei www.virtual-history.com und filmstarpostcards.blogspot.de
Link: 1) Wikipedia, 2) Murnau Stiftung, 3) Kurzportrait innerhalb dieser HP
4) Quelle: "Lexikon der deutschen Film- und TV-Stars" von Adolf  Heinzelmeier/Berndt Schulz, Ausgabe 2000, S.  239
Lizenz Foto Mia May (Urheber: Alexander Binder): Diese Bild- oder Mediendatei ist gemeinfrei, weil ihre urheberrechtliche Schutzfrist abgelaufen ist. Dies gilt für die Europäische Union, die Vereinigten Staaten, Australien und alle weiteren Staaten mit einer gesetzlichen Schutzfrist von 70 Jahren nach dem Tod des Urhebers.
Stummfilme
Filmografie bei der Internet Movie Database
(Link: Murnau Stiftung, Wikipedia)
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