Wer kennt nicht den Ausdruck "Menjou-Bärtchen", doch derjenige, der dieser Manneszierde den Namen gab, ist heute nahezu in Vergessenheit geraten: Es war der amerikanische Filmschauspieler Menjou, der am 18. Februar 1890 als Adolphe Jean Menjou in Pittsburg geboren wurde; väterlicherseits floss baskisches Blut in seinen Adern, seine Mutter Nora Joyce stammte aus Irland.
Aufgewachsen mit seinem um ein Jahr jüngeren Bruder Henri, besuchte Adolphe Menjou ab 1906 für ein Jahr lang die "Culver Military Academy" in Indiana, ab 1908 begann er ein zweijähriges Ingenieurstudium an der "Cornell Universitäty" in Ithaca. Danach kümmerte er sich zeitweise um das väterliche Hotel und nahm verschiedene Jobs in New York an.
1913 beschloss Menjou, Schauspieler zu werden, trat anfangs beim Varieté sowie bei Vaudeville-Theatern auf und kam dann 1914 zum Stummfilm. Sein Leinwanddebüt gab er mit einer winzigen Rolle in dem Streifen "The Acid Test", es folgten weitere Auftritte in unbedeutenden stummen Streifen wie beispielsweise "The Man Behind the Door" (1915), "A Parisian Romance" (1916), "The Price of Happiness" (1916), "The Devil at his Elbow" (1916), "The Kiss" (1916) oder "The Amazons" (1917).
 

Adolphe Menjou und Kathryn Carver kurz vor ihrer Hochzeit in Paris 1928
Quelle: Bibliothèque nationale de France bzw. Wikimedia Commons
Urheber: Agence de presse Meurisse; Angaben zur Lizenz siehe hier

Adolphe Menjou und Kathryn Carver kurz vor ihrer Hochzeit in Paris 1928; Quelle: Bibliothèque nationale de France bzw. Wikimedia Commons; Urheber: Agence de presse Meurisse
In den beiden letzten Jahren des 1. Weltkrieg holte man Adolphe Menjou zur amerikanischen Armee, er wurde zum Sanitätsdienst eingezogen und kämpfte zuletzt im Range eines Hauptmanns in Italien und in Frankreich. Nach Ende des Krieges setzte er seine Filmkarriere zunächst wenig erfolgreich fort, war kurze Zeit Produktionsleiter des "Van Buren Filmstudios" in New York und spielte Nebenrollen in Filmen wie "What Happened to Rosa" (1920), "The Faith Healer" (1921) oder "Through the Back Door" (1921). Erst mit seiner Rolle des Louis XIII in Fred Niblos stummem Mantel- und Degen-Film "The Three Musketeers"1) (1921, Die drei Musketiere) gelang ihm an der Seite von Douglas Fairbanks sr. der Durchbruch zum beliebten Leinwanddarsteller. Im gleichen Jahr erlebte man Menjou an der Seite des legendären Rudolph Valentino in dem Stummfilmklassiker "Der Scheich"1) (1921, The Sheik) als Freund des Scheichs, Raoul de Saint Hubert, in Frank Lloyds "The Eternal Flame" (1922) nach dem Roman von Honoré de Balzac, mimte er den Duc de Langeais.
1923 errang Menjou mit der Hauptrolle des verwöhnten, blasierten Lebemanns Pierre Revel in Charlie Chaplins "A Woman of Paris"1) (Die Nächte einer schönen Frau) weitere Popularität und wurde damit in vielen nachfolgenden Filmen auf den Typus des eleganten, routinierten Verführers und Frauenjägers festgelegt, dessen aristokratische Ausstrahlung faszinierte.
  
Seine mehr als 200 Filme lassen sich nicht alle aufzählen, in den 1920er Jahren sah man ihn unter anderem als Professor Josef Stock in Ernst Lubitschs Komödie "The Marriage Circle"1) (1924, Die Ehe im Kreise), an der Seite von Pola Negri als Kanzler in Lubitschs "Forbidden Paradise"1) (1924, Das verbotene Paradies) oder als Albert von Kersten-Rodenfels in "The Swan" (1925, Seine Hoheit verlobt sich). In "The Sorrows of Satan" (1926, Lord Satanas) mimte er neben Lya De Putti den Prinzen Lucio de Rimanez, in "A Gentleman of Paris" (1927, Der Gentleman von Paris) war er der Marquis de Marignan und in Frank Tuttles "Marquis Preferred" (1929) der Titelheld Marquis d'Argenville.
Mit Beginn des Tonfilms konnte Adolphe Menjou seine Erfolge weiter fortsetzen, er übernahm zahllose Rollen, wobei die Qualität der Filme sehr unterschiedlich war. 1930 agierte er als flotter Monsieur La Bessiere in Josef von Sternbergs Liebesdrama "Morocco"1)  neben der legendären Marlene Dietrich und Gary Cooper, ein weiteres Highlight in Menjous Karriere wurde sein Part des zynischen Verlegers Walter Burns in Lewis Milestones Komödie "The Front Page"1) (1931), wofür er mit einer Oscar-Nominierung als "Bester Hauptdarsteller" belohnt wurde. Weitere erfolgreiche Produktionen mit Menjou waren unter anderem die Bühnenadaption "The Easiest Way"1) (1931, Herz am Scheideweg), Frank Capras Melodram "Forbidden" (1932, Sehnsucht ohne Ende) als Partner von Barbara Stanwyck oder die Hemingway-Verfilmumg "A Farewell to Arms"1) (1932, In einem anderen Land), wo er an der Seite von Gary Cooper als Major Rinaldi überzeugte. Für das Melodram "Morning Glory"1) (1933, Morgenrot des Ruhms) stand Menjou mit Katharine Hepburn und Douglas Fairbanks Jr. vor der Kamera und auch mit dem ganz auf seine Protagonistin, den Eislaufstar Sonja Henie zugeschnittenen Eisrevue-Streifen "One in a Million"1) (1936, Die Eisprinzessin) feierte er Erfolge. William A. Wellman besetzte ihn als Oliver Niles in dem Drama "A Star Is Born"1) (1937, Ein Stern geht auf) mit Frederic March und Janet Gaynor, in Gregory La Cavas Drama "Stage Door"1) (1937, Bühneneingang) zeigte er sich mit Katharine Hepburn, Ginger Rogers und Lucille Ball. Nach der Komödie "One Hundred Men and a Girl"1) (1937, 100 Mann und ein Mädchen) tauchte er mit Barbara Stanwyck und William Holden in Rouben Mamoulians Theater-Adaption bzw. sozialkritischem Melodram "Golden Boy"1) (1939) auf.
 
Es folgten Produktionen wie die musikalische Komödie "You Were Never Lovelier"1) (1942, Du warst nie berückender) mit Fred Astaire und Rita Hayworth, erneut mit Ginger Rogers spielte er in der Satire "Roxie Hart"1) (1942) und mimte den gerissenen Strafverteidiger Billy Flynn. Ab Mitte der 1940er Jahren reduzierte Adolphe Menjou seine Leinwandauftritte, man sah ihn beispielsweise in "Man Alive" (1945), "The Bachelor's Daughters" (1946), "The Hucksters"1) (1947, Der Windhund und die Lady), "State of the Union"1) (1948, Der beste Mann) oder in der musikalischen Komödie "My Dream Is Yours" (1949, Mein Traum bist Du). William A. Wellman besetzte Menjou neben Protagonist Clark Gable in dem Western "Across the Wide Missouri"1) (1951, Colorado), Elia Kazan übertrug ihm in dem Streifen "The Man on a Tightrope"1) (1953, Ein Mann auf dem Drahtseil) die Rolle des diabolischen Polizeiagenten eines totalitären Staates, Stanley Kubrick gab ihm den eindrücklichen Part des moralisch völlig unsensiblen französischen Generals George Broulard in dem Anti-Kriegsfilm "Paths of Glory"1) (1957, Wege zum Ruhm) mit Kirk Douglas. Zu Adolphe Menjous letzten Arbeiten vor der Filmkamera zählt die Komödie "I Married a Woman" (1958, Links und rechts vom Ehebett) sowie die humorvolle Familiengeschichte "Pollyanna"1) (1960, Alle lieben Pollyanna), wo er als knurriger Mr. Pendergast in Erscheinung trat.
  
Adolphe Menjou erlag am 29. Oktober 1963 im Alter von 73 Jahren im kalifornischen Beverly Hills den Folgen einer chronischen Hepatitis. Die letzte Ruhe fand er auf dem "Hollywood Forever Cemetery" → www.findagrave.com.
Bereits 1947 hatte Menjou, der als der bestgekleidete Hollywood-Schauspieler seiner Zeit galt, seine Erinnerungen unter dem Titel "It Took Nine Tailors" veröffentlicht. Er soll drei Mal verheiratet gewesen sein, die erste (nicht 100prozentig belegbare) Ehe mit Katherine Tinsley wurde ebenso geschieden wie seine zweite Verbindung mit der Stummfilmdarstellerin Kathryn Carver2) (1899 – 1947), die er 1928 geheiratet hatte und von der er sich 1934 offiziell trennte3). 19354) ehelichte Adolphe Menjou die Schauspielerin Verree Teasdale2) (1903 – 1987), die bis zu seinem Tod an seiner Seite blieb; das Paar hatte einen Adoptivsohn.
Menjous jüngerer Bruder, Henri Menjou (1891 – 1956) versuchte sich ebenfalls als Schauspieler, war jedoch weniger erfolgreich; er drehte lediglich drei Filme.
Textbausteine des Kurzportraits von www.cyranos.ch
Siehe auch Wikipedia
Fotos bei film.virtual-history.com
Link: 1) Wikipedia (deutsch), 2) Wikipedia (englisch)
3) nach anderen Angaben (englischsprachige Wikipedia):  Heirat 1927, Scheidung 1933
4) nach anderen Angaben (englischsprachige Wikipedia): Heirat 1934
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Filmografie bei der Internet Movie Database sowie
Auswahl bei Wikipedia (englisch)
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