Gojko Mitić wurde am 13. Juni 1940 im damals jugoslawischen Strojkovce bei Leskovac (heute Serbien) in eine Bauernfamilie hineingeboren. Er wuchs gemeinsam mit Bruder Dragan bei seinen Großeltern auf, da sein Vater Živojin am Befreiungskampf jugoslawischer Partisanen im Zweiten Weltkrieg teilnahm. Nach der Schule absolvierte Mitić zwischen 1958 und 1963 in Belgrad an der "Hochschule für Körperkultur und Sport" ein Studium, da er Sportlehrer werden wollte. Während dieser Zeit kam der athletische und gut aussehende junge Mann als Komparse und Stunt-Double in britischen und italienischen Produktionen mit dem Film in Berührung.
Einen ersten kleineren, im Abspann genannten Part erhielt er als tanzender Apachen-Krieger in der Karl May-Verfilmung "Old Shatterhand"1) (1964) mit Lex Barker, in dem nachfolgen Karl May-Streifen "Winnetou 2. Teil"1) (1964) wurden die Aufgaben schon ein wenig größer und in "Unter Geiern"1) (1964) betraute man ihn mit der Hauptrolle des Häuptlingssohns Wokadeh an der Seite von Stewart Granger (Old Surehand) und Pierre Brice (Winnetou).

Foto: Gojko Mitić, 8. Sommerfilmtage 1969 in Berlin
Quelle: Deutsches Bundesarchiv, Digitale Bilddatenbank, Bild 183-H0627-0018-001;
Urheber: Katscherowski (verehel. Stark / Datierung: 27. Juni 1969 / Lizenz CC-BY-SA 3.0 DE
Originalfoto und Beschreibung:
Deutsches Bundesarchiv Bild 183-H0627-0018-001 bzw. Wikimedia Commons

Gojko Mitic, 8. Sommerfilmtage 1969 in Berlin; Quelle: Deutsches Bundesarchiv, Digitale Bilddatenbank, Bild 183-H0627-0018-001; Fotograf: Katscherowski (verehel. Stark / Datierung: 27. Juni 1969 / Lizenz CC-BY-SA 3.0.
  
Mitić konzentrierte sich nach Abschluss des Studiums nun ausschließlich auf eine Filmkarriere und nahm Schauspielunterricht. Als die DEFA Mitte der 1960er Jahre als Antwort auf die westdeutschen Karl May-Filme das Genre der "Indianerfilme"1) aus der Taufe hob, wurde Gojko Mitić über Nacht zum Star. Gleich mit seiner ersten Hauptrolle des Indianerhäuptlings Tokei-ihto in "Die Söhne der Großen Bärin"1) (1966) avancierte er nicht nur in der ehemaligen DDR zum Publikumsliebling. Mit weiteren, ähnlich gelagerten Produktionen handelte sich Mitić den Ruf "Winnetou des Ostens" ein, obwohl er auf der Leinwand niemals diese Figur verkörperte. Bis weit in die 1970er Jahre stand er jährlich für mindestens einen Film vor der Kamera, in denen er überwiegend Indianerhäuptlinge verkörperte und Millionen von Zuschauern begeisterte. Zu nennen sind "
Chingachgook, die große Schlange" (1967), "Spur des Falken"1) (1968), "Weiße Wölfe"1) (1969), "Tödlicher Irrtum"1) (1969), "Osceola"1) (1971), "Tecumseh"1) (1972), "Apachen"1) (1973, auch Co-Autor), "Ulzana"1) (1974, auch Co-Autor), "Blutsbrüder"1) (1975) und "Severino"1) (1978). "Die Popularität dieses Schauspielers ist ungeheuer. Die Gerechtigkeit, die er verkörpert, die Wahrheitsliebe und Furchtlosigkeit – gepaart mit romantischem Abenteuer – machen ihn zu einem erstrebenswerten Freund, den man sonst nur aus Märchenbüchern kennt." schrieb unter anderem 1974 die Filmkritikerin Margit Voss.2) Insgesamt zeigte sich Mitić in rund einem Dutzend Indianer-Streifen auf die Leinwand, machte als einer der populärsten Schauspieler des DEFA-Films auch in Osteuropa, Afrika und Asien Furore. Mit riskanten Stunts, die er stets selbst übernahm, rasanten Ritten durch die Prärie, bei denen er majestätisch auf dem Pferd saß, schrieb Mitić Filmgeschichte. Mehrfach wurde er vom Jugendmagazin "Neues Leben" sowie der Zeitschrift "Filmspiegel" zum "Beliebtesten Schauspieler des Jahres" ausgezeichnet. Ein Kuriosum ist sicherlich, dass Mitić, obwohl er fließend Deutsch spricht (das hatte er schon in der Schule gelernt), in allen DEFA-Indianerfilmen auf Grund seines hörbaren Akzentes synchronisiert wurde.
 
Dass der attraktive Mitić auch in Produktionen anderen Genres zu überzeugen wusste, bewies er beispielsweise als Kosmonaut Terry in dem Science-Fiction-Abenteuer "Signale – Ein Weltraumabenteuer" (1970). Immer wieder versuchte der Schauspieler im Verlaufe der Jahre, dem Klischee des "DEFA-Chefindianers"  zu entrinnen, was ihm vor allem in verschiedenen TV-Produktionen gelang.
Gojko Mitic 1978 anlässlich der 17. Neubrandenburg-Sommerfilmtage, wo er als Zeichen der Freundschaft ein Abzeichen von der sowjetischen Schauspielerin Natalia Rytschagina erhielt. Quelle: Deutsches Bundesarchiv, Digitale Bilddatenbank, Bild 183-T0701-0015; Urheber: Benno Bartocha / Datierung: 1. Juli 1978 / Lizenz CC-BY-SA 3.0. So zeigte er sich unter anderem in den abenteuerlichen Mehrteilern "Das Geheimnis der Anden"1) (1972) und "Visa für Ocantros" (1974), in der Victor Hugo-Adaption "Die Liebe und die Königin" (1977) machte er als galanter Liebhaber Fabiano Fabiani an der Seite von Inge Keller eine gute Figur. Als Sportlehrer tauchte Mitić in "Zweite Liebe – ehrenamtlich" (1977) auf, in der Serie "Archiv des Todes"1) (1980) mimte er den Widerstandskämpfer bzw. den Agenten Boris, eine Figur, die er in der Nachfolge-Serie "Front ohne Gnade"1) (1984) als mutiger Partisan Pablo Calvo variierte. Auch auf der Leinwand verkörperte er in dem antifaschistischen Streifen "Ich will euch sehen" (1978) einen Partisanen. Eine ganz anders gelagerte Figur war die des Kellners Hannes Felix in der Komödie "Alma schafft alle"1) (1980).
 
Foto: Gojko Mitić 1978 anlässlich der 17. Neubrandenburg-Sommerfilmtage, wo er als Zeichen der Freundschaft ein Abzeichen von der sowjetischen Schauspielerin Natalia Rytschagina erhielt.
Quelle: Deutsches Bundesarchiv, Digitale Bilddatenbank, Bild 183-T0701-0015;
Urheber: Benno Bartocha / Datierung: 1. Juli 1978 / Lizenz CC-BY-SA 3.0 DE
Originalfoto und Beschreibung: Deutsches Bundesarchiv Bild 183-T0701-0015 bzw. Wikimedia Commons
In den 1980er Jahren ließ er mit Filmen wie "Der Scout"1) (1983) oder der zweiteiligen Karl May-Adaption "Präriejäger in Mexiko"1) (1988) sein einstiges Image als Indianer-Held noch einmal aufleben, eine schöne Rolle war die des Vaters in dem Kinderfilm "Das Herz des Piraten"1) (1988). Der Kinderfilm "Der lange Ritt zur Schule"1) erwies sich 1982 als Parodie auf all die Indianerfilme, mit denen Mitić berühmt wurde. Er schlüpfte hierbei in die Rolle des Sportlehrers, der in der Fantasiewelt des verträumten Schülers Alex zum "Roten Milan" wird.3) 
Mitić übernahm Gastrollen in beliebten Unterhaltungsserien wie der "Maxe-Baumann"-Reihe (1982, "Max bleibt am Ball") oder "Bereitschaft Dr. Federau"1) (1987/88), trat auch als Sänger (u.a. "Löscht das Feuer", "Ein Mann kann viel erzählen") auf und moderiert Fernsehsendungen, darunter die TV-Show "Ein Kessel Buntes" und die Quiz-Reihe "Gong". Darüber hinaus inszenierte er zwischen 1981 und 1989 für das Kinderfernsehen Filme um die Puppen "Jan und Tini", dessen Drehbücher aus seiner Feder stammten.
 
Nach der sogenannten "Wende" übernahm Mitić sporadisch kleinere Aufgaben in Film- und Fernsehproduktionen, zeigte sich auf der Leinwand in Bernhard Sinkels Hommage an die Stummfilmzeit "
Der Kinoerzähler"4) (1993), Peter Welz' Roadmovie "Burning Life"4) (1994) und Sebastian Petersons Komödie "Helden wie wir"4) (1999) sowie in den Kinderfilmen "Zirri – Das Wolkenschaf"1) (1993) und "Friedrich und der verzauberte Einbrecher"4) (1997); zu seinen letzten Ausflügen auf die Kinoleinwand zählt die Fantasy-Geschichte "The Antman"4) (2002, Planet B: The Antman) sowie die Tragikomödie "Esperanza"4) (2008).
Auf dem Bildschirm mimte er zwischen 1996 und 1997 knapp 100 Folgen lang den zwielichtigen Roberto Fiorani in der Daily-Soap "Verbotene Liebe"1), tauchte mit unterschiedlichen Gastrollen in beliebten Serien wie "Forsthaus Falkenau", "Küstenwache",  "Wege zum Glück", "Notruf Hafenkante", "In aller Freundschaft" oder "SOKO Stuttgart" auf. Auch in dem "Donna Leon"-Krimi war er in der Folge "Das Mädchen seiner Träume"4) (EA: 28.04.2011) zu sehen, spielte sich selbst bei der "SOKO Leipzig" in der Episode "Der Fall Gojko Mitić" (EA: 04.11.2011). Als besonnener Komantschenhäuptling Tahmahkera präsentierte er sich in dem SAT.1-Western "In einem wilden Land"1) (EA: 03.11.2013), thematisiert wurde das Schicksal deutscher Siedler in Texas Mitte des 19. Jahrhunderts. "Es ist der erste Indianer-Film, in dem man Mitić mit eigener Stimme hören kann, allerdings vollständig in einem Komantschen-Dialekt." notiert Wikipedia. Als die Macher von RTL mit dem aufwendig in Szene gesetzten Dreiteiler "Winnetou –Der Mythos lebt"1) an die legendären Karl May-Produktionen der 1960er Jahre anknüpften, war es fast so etwas wie eine Verpflichtung, Gojko Mitić mit ins "Boot zu holen" – weilten doch so berühmte Leinwanddarsteller der frühen Verfilmungen wie Pierre Brice und Lex Barker nicht mehr unter den Lebenden. Im ersten Teil "Eine neue Welt"1) (EA: 25.12.2016) schlüpfte der einstige "Vorzeige-Indianer" einmal mehr in das Kostüm von Winnetous Vater, dem Apachenhäuptling Intschu tschuna.
 
Ab Anfang der 1990er Jahre ließ der einstige "Vorzeigeindianer in der DDR" seinen Ruhm wieder aufleben, diesmal nicht auf der Leinwand sondern "live" bei den Karl-May-Spielen auf der Freilichtbühne von Bad Segeberg. Als Nachfolger seines "West-Konkurrenten" Pierre Brice übernahm er ab 1992 die Rolle des Winnetou. Am 10. September 2006 verabschiedete sich Mitić nach insgesamt 15 Spielzeiten und 1.024 Aufführungen mit "Winnetou III " von seinem Publikum; die Nachfolge trat im darauffolgenden Jahr der in Istanbul geborene Schauspieler Erol Sander1) in dem Stück "Winnetou I." an.
Bereits seit Mitte der 1970er Jahre hatte Mitić Bühnenerfahrungen gesammelt, während der Sommersaison 1975 des "Harzer Bergtheaters" in Thale konnte er als "Spartacus" erstmals sein schauspielerisches Talent außerhalb des Kinos unter Beweis stellen. Weitere Rollen wie der Musketier D'Artagnan, der Held Robin Hood oder der Räuber Rinaldo Rinaldini sollten in den nächsten Jahren in Abenteuer-Stücken des "Harzer Bergtheaters" folgen.
Vom 30. März 2007 bis zum 22. Januar 2009 gestaltete Mitić am "Mecklenburgischen Staatstheaters Schwerin" den Häuptling Bromden in dem Stück "Einer flog über das Kuckucksnest"1), ebenfalls am "Staatstheater" zeigte er sich im Rahmen der "Schlossfestspiele 2009" als Protagonist in dem Musical "Sorbas"1) nach dem Roman "Alexis Sorbas" von Nikos Kazantzakis. 2013 trat er noch einmal bei den "Karl-May-Spielen" in Bad Segeberg in Erscheinung und spielte in "Winnetou I – Blutsbrüder" den Häuptling der Mescalero-Apachen Intschu tschuna, die Figur des Winnetou wurde von Jan Sosniok verkörpert, Old Shatterhand von Wayne Carpendale → karl-may-wiki.de.
 
 

Gojko Mitić im November 2016
Urheber Frank Liebig; Lizenz: CC BY-SA 3.0 DE
Quelle: Wikimedia Commons

Gojko Mitic im November 2016; Urheber Frank Liebig; Lizenz: CC BY-SA 3.0 DE; Quelle: Wikimedia Commons
Gojko Mitić, der ab 1974 zwei Jahre lang mit seiner Kollegin Renate Blume liiert war, lebt zurückgezogen in Berlin-Köpenick und ist Vater von Tochter Nathalie (geb. 1992). Seine Erinnerungen ("Gojko Mitić – Erinnerungen"), aufgezeichnet von Alex Wolf, veröffentlichte der Schauspieler 1996.
In seiner Heimat Serbien erhielt Gojko Mitić wenige Tage vor seinem 70. Geburtstag Anfang Juni 2010 im Belgrader Nationaltheater zwei der bedeutendsten Auszeichnungen, den Stiftungspreis bzw. die Medaille für internationales Filmschaffen der "Brüder Karic" sowie die staatliche Auszeichnung "Goldene Nadel für Diaspora".
Am 28.Februar 2012 wurde erstmals die Dokumentation "Ostlegenden – Gojko Mitić" ausgestrahlt, der Film von Lutz Rentner und Frank Otto Sperlich erzählt das Leben des wohl bekanntesten Gesichts der DEFA als ein Stück Zeitgeschichte. 
Siehe auch Wikipedia, www.cinegraph.de, www.prisma.de, defa-stiftung.de
Fremde Links: 1) Wikipedia, 4) prisma.de
Quelle:
2) Frank-Burkhard Habel und Volker Wachter "Lexikon der DDR-Stars", Ausgabe 1999, S. 229
3) www.prisma.de
  
Filme
Filmografie bei der Internet Movie Database, filmportal.de
(Link: Wikipedia, defa-stiftung.de, filmportal.de, prisma.de, 
fernsehenderddr.de, fernsehserien.de, tittelbach.tv)
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