Gudrun Okras wurde am 8. Dezember 1929 in Berlin-Adlershof1) in eine Arbeiterfamilie hineingeboren und wuchs mit vier Geschwistern in ärmlichen Verhältnissen auf. Nach einem kurzzeitigen Schauspielunterricht hatte die Künstlerin mit der vollen, dunklen Stimme zunächst als Sprecherin für die Synchronisation und den Hörfunk gearbeitet. 1952 sammelte sie dann erste Erfahrungen als Schauspielerin bei der Westberliner "Vagantenbühne"1), der sie bis 1959 verbunden blieb. Weitere Theaterstationen wurden Eisleben, Leipzig, Eisenach, Dessau, Prenzlau und Stralsund, 1977 kam sie an das "Staatstheater Dresden"1), wo sie bis Anfang der 1990er Jahre eine künstlerische Heimat fand und sich rasch einen Namen als vielschichtige Charakterdarstellerin gemacht hatte. Die Fernsehzuschauer konnten sich davon überzeugen, als der "Deutsche Fernsehfunks"1) (DFF) am 12. Januar 1981 die Aufführung der Sophokles-Tragödie "Elektra"2) aus Dresden mit Regina Jeske1) in der Titelrolle übertrug, Hannelore Koch1) gab die Schwester Chrysothemis1), Gudrun Okras die Mutter Klytaimestra1) und Hans-Georg Körbel den Bruder Orest1). Die Neuinszenierung von Klaus Dieter Kirst1) war bereits anlässlich der "XXII. Berliner Festtage" vom 29. September bis 15. Oktober 1978 präsentiert worden. Ein Jahr später sendete der DFF am 15. Februar 1981 das ebenfalls von Kirst in Szene gesetzte Lessing-Trauerspiel "Emilia Galotti"2) mit Hannelore Koch als Emilia und Gudrun Okras als deren Mutter Claudia Galotti. Am 11. November 1984 kamen die Zuschauer in den Genuss eines Studiogastspiels mit dem Ensemble des "Staatstheaters Dresden", gesendet wurde Schillers Drama "Don Karlos, Infant von Spanien"2) mit Sylvester Groth1) als Titelheld, Okras gestaltete die Herzogin von Olivarez.
 
Erst spät kam Gudrun Okras zum Film, seit den 1980er Jahren trat sie in Produktionen der DEFA1) und des DFF in Erscheinung. Anerkennung zollte man der damals 54-Jährigen für die Verkörperung der 75-jährigen, fast erblindeten revolutionären Politikerin und Frauenrechtlerin Clara Zetkin1) (1857 – 1933) in Ralf Kirstens vielbeachtetem Biopic "Wo andere schweigen"3) (1984), der "Kunstpreis der DDR"1) war 1985 der Lohn für ihr eindrückliches Spiel. Es folgten Kinofilme wie der Krimi "Vernehmung der Zeugen"1) (1987), die Märchenverfilmung "Der Eisenhans"1) (1988) oder der Kinderfilm "Rückwärtslaufen kann ich auch"1) (1990).
Dem Fernsehzuschauer war die sympathische Schauspielerin – neben den erwähnten Theater-Aufführrungen – bereits 1982 als Kantinenwirtin Tante Kalkreuth in der beliebten Serie "Geschichten übern Gartenzaun"1) bekannt geworden, eine Figur, die sie auch in den Fortsetzungen "Neues übern Gartenzaun"2) (1985) mimte. Sie tauchte als verwitwete Oma Martha Schön in der Serie "Barfuß ins Bett"1) (1988) auf, "die sich resolut um Haushalt, Bruder, Sohn und Kindeskinder kümmert, während der Episodenhandlungen mit Eifersucht, Ängsten und verletzten Gefühlen ringt und auf Umwegen am Ende noch ein neues persönliches Glück findet."4)  
Das Publikum liebt sie als zupackenden, nicht fehlerlosen großmütterlichen Charakter, den sie auf eindrucksvolle und unverwechselbare Art variieren kann, mit Lebenserfahrung, Güte und Humor, aber auch mit Listigkeit, Schrullen und Widerspenstigkeit versieht. "Die pflegeleichte Oma war ihre Sache nicht", schreibt Christoph Funke 2009 in einem Nachruf zu Okras, "Sie zeigte in ihren Altersrollen, was Erfahrung kostet: dass gelebte Jahrzehnte nicht nur weise machen, sondern auch ungerecht, knurrig, gar hinterhältig."4)
Auch nach der so genannten "Wende" blieb Gudrun Okras eine gefragte Darstellerin bei Film und Fernsehen, in nachhaltiger Erinnerung ist sie vor allem mit Figuren zupackender, bodenständiger Frauen in verschiedenen Serien geblieben. So zeigte sie sich unter anderem als Marktfrau Herta Kowalski in "Der Nelkenkönig"5) (1994) an der Seite des Titelhelden Hans Teuscher, war in "Dr. Sommerfeld – Neues vom Bülowbogen"1) (1997–2004) die fürsorgliche Haushälterin und "waschechte Berlinerin mit Herz und Schnauze" Hanna Schulze, die sich um Dr. Sommerfeld alias Rainer Hunold und dessen Familie kümmert, oder spielte zwischen 1999 und 2004 die Frau Jansen in dem Quotenrenner "Der Landarzt"1) mit Walter Plathe als Dr. Ulrich "Uli" Teschner. Als Oma Grete tauchte sie in der Liebeskomödie "Vollweib sucht Halbtagsmann"1) (2002) auf, als Oma Wischonka, Großmutter der 13-jährigen Pauline, genannt "Pik", in dem Kinderfilm "Pik & Amadeus – Freunde wider Willen"1) (2006). Einen letzten Fernsehauftritt hatte Gudrun Okras als Mutter der Fotografin Moni (Sonja Kirchberger) in der Komödie "Willkommen in Lüsgraf" (2006).
 
Mit schönen Altersrollen konnte sich die Schauspielerin zudem einmal mehr im Kino zeigen, Peter Kahane besetzte sie in "Bis zum Horizont und weiter"1) (1998) als Mutter des ehemaligen Baggerführers Henning Stahnke (Wolfgang Stumph), der die Richterin Beate Nelken (Corinna Harfouch1)) entführt, Caroline Link als "Dicke Bertha" in der freien Kästner-Adaption "Pünktchen und Anton"1) (1999). Berührend war ihre Rolle der alten Witwe Johanna Haupt, die in dem Regiedebüt von Wolfgang Scholz "Verlorene Flügel"3) (2000) in einer geheimnisvollen, verfallenen Villa von dem 14-jährige Benja (Roy Helbig) aus ihren Erinnerungen gerissen wird. Ebenfalls 2000 kam Lars Büchels pfiffige Krimi-Tagikomödie "Jetzt oder nie – Zeit ist Geld"1) in die Kino, hier lief Gudrun Okras gemeinsam mit Elisabeth Scherer1) und Christel Peters zur Hochform auf. Erzählt wird die Geschichte des Senioren-Trios Lilli (Scherer), Carla (Okras) und Meta (Peters), die sich mittels eines Bankraubes den Traum einer gemeinsamen Luxuskreuzfahrt doch noch erfüllen wollen, nachdem sie ihr Erspartes bei einem Banküberfall verloren haben. zusammen mit ihren beiden Kolleginnen wurde Okras 2001 für diese herausragende komödiantische Leistung mit dem "Ernst-Lubitsch-Preis"1) geehrt.
Mit einer letzten Leinwandrolle erlebte man sie in der Niederländischen Produktion "Die Zwillinge"1) (2002, De Tweeling) in der Rolle der alten Anna. Der Film handelt von zwei alten Frauen, die sich in einem belgischen Kurort wiedertreffen und sich zum dritten und letzten Mal mit ihrer Vergangenheit auseinandersetzen. In den Hauptrollen sind Nadja Uhl1) und Thekla Reuten1) als die jungen Zwillingsschwestern Anna und Lotte zu sehen; der als "Bester nicht-englischsprachige" Oscar-nominierte Film ging in Deutschland am 7. Oktober 2004 an den Start.
Seit Mitte der 1980er Jahre stand Gudrun Okras auch immer mal wieder im Hörspiel-Studio, eine Auswahl der in der ARD-Hörspieldatenbank aufgeführten Stücke findet man hier am Ende des Artikels.
 
Gudrun Okras, die lange Jahre im Berliner Ortsteil Lichtenrade gelebt hatte, starb am 23. Juli 2009 im Alter von 79 Jahren nach mehreren Schlagabfällen bzw. langer schwerer Krankheit in Berlin; die letzte Ruhe fand sie auf dem Kirchhof der evangelischen. Kirchengemeinde in Berlin-Lichtenrade (Grabstelle: 20 UW-2-363) → www.berlin.friedparks.de, knerger.de.
Ihr Sohn Dieter Okras1), der am 1. Januar 1948 als Hans-Dieter Leuckert das Licht der Welt erblickte, war ebenfalls Schauspieler bzw. Synchronsprecher und stand auch verschiedentlich mit seiner Mutter vor der Kamera; er starb am 23. Januar 2014 mit nur 66 Jahren in seiner Geburtsstadt Berlin.
Quellen: "Lexikon der DDR-Stars"*), Wikipedia
Siehe auch den Nachruf bei www.tagesspiegel.de
*) "Lexikon der DDR-Stars" von F.-B. Habel und Volker Wachter (Ausgabe 1999, S. 246)
Fremde Links: 1) Wikipedia, 2) fernsehenderddr.de, 3) filmportal.de, 5) fernsehserien.de
4) Quelle: ehemalige Webseite defa-sternstunden.de → Memento bei web.archive.org
  
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Kino / Fernsehen
Filmografie bei der Internet Movie Database sowie filmportal.de
(Fremde Links: filmportal.de, Wikipedia, fernsehendeddr.de,
fernsehserien.de, tittelbach.tv, prisma.de)
Kinofilme Fernsehen (Auszug)
Hörspielproduktionen (Auszug)
(Link: ARD-Hörspieldatenbank (mit Datum der Erstausstrahlung), Wikipedia)
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