Volker Prechtel
Spätestens wenn man an Jean-Jacques Annauds preisgekrönte Verfilmung von Umberto Ecos grandiosem, historischem Klosterkrimi "Der Name der Rose"1) (1986) denkt, fällt einem Volker Prechtel ein. Der Schauspieler mit den unverwechselbaren Gesichtszügen mimte den Mönch und Vorsteher des Scriptoriums, Malachias, vervollständigte zusammen mit dem knollennasigen Helmut Qualtinger2) als Pater Remigio, dem weißen Mondgesicht des glatzköpfigen und homosexuellen Geißlers Berenger alias Michael Habeck1) sowie dem debilen Buckligen Salvatore (Ron Perlman1)) den Reigen skurriler, mittelalterlicher Gestalten.
Volker Prechtel war erst spät zum Film gekommen, am 9. August 1941 in Hopfen am See (Allgäu) als zweiter von drei Söhnen des Ehepaares Dr. Georg Prechtel und dessen Ehefrau Brigitte geboren, hatte er zunächst auf Wunsch seiner Eltern ein Pädagogikstudium absolviert und war danach fünfzehn Jahre lang als Hauptschullehrer tätig gewesen. In seiner Freizeit nahm er Schauspielunterricht und trat auch schon bei Laienspielgruppen auf, als dann seine Karriere beim Film begann, hängte er den Lehrerberuf an den Nagel.
   
Wohl durch seine außergewöhnliche Physiognomie war der Film auf Prechtel aufmerksam geworden, er wurde immer dann besetzt, wenn markante und ausgefallenen Figuren gefragt waren. Meist waren es kleinste Nebenrolle wie Gefängniswärter, Landpolizisten oder Gerichtsdiener, denen Prechtel im wahrsten Sinne des Wortes ein Gesicht gab und damit in nachhaltiger Erinnerung blieb. Sein schauspielerisches Talent konnte er neben "Der Name der Rose" nur in wenigen Leinwandproduktionen unter Beweis stellen, etwa als Handwerksbursche in Werner Herzogs Büchner-Adaption"Woyzeck"1) (1979). Herzog hatte ihm bereits kleinere Aufgaben in seiner Kaspar Hauser-Geschichte "Jeder für sich und Gott gegen alle"1) (1974) sowie in dem düsteren Drama "Herz aus Glas"1) (1976) gegeben, Anfang der 1990er fand eine weitere Zusammenarbeit mit Herzog in "Cerro Torre: Schrei aus Stein" (1991) statt. 
Begonnen hatte Prechtels Arbeit für den Film mit Kinoproduktionen wie "Der Jäger von Fall"1) (1974), "Die Akte Odessa"1) (1974, The Odessa File), "Ace Up My Sleeve"1) (1976, Frankensteins Spukschloss) oder "Die Marquise von O…"1) (1976). Später besetzte ihn Jean Girault als Etagenkellner in der Hallervorden-Komödie "Ach du lieber Harry"1) (1981), Siggi Götz als Gerichtsdiener in dem Streifen "Piratensender Powerplay"1)  (1982) neben Thomas Gottschalk und Mike Krüger. Weitere Auftritte hatte Prechtel unter anderem in Xavier Kollers erfolgreichen Literaturverfilmung "Der Schwarze Tanner" (1985) und Markus Fischers Psychothriller "Zimmer 36"(1988), In den 1990ern sah man Prechtel unter anderem in Peter Sehrs preisgekrönter Siegfried Lenz-Adaption "Das Serbische Mädchen" (1991), in Christoph Bölls Satire "Sisi und der Kaiserkuß" (1991) mimte Prechtel den Hias von Konnersreuth, in Peter Zinglers hochkarätig besetzter Knast-Komödie "Alles nur Tarnung" (1996) einen Pfarrer.

Vor allem beim Fernsehen fand der ungewöhnliche Schauspieler seit Ende der1970er Jahre ein breites Betätigungsfeld, neben Gastrollen in beliebten Krimi-Reihen wie "Derrick" oder "Tatort" tauchte er mehrere Jahre lang in dem Dauerbrenner "Forsthaus Falkenau" auf, wirkte in den Kinderserien  "Meister Eder und sein Pumuckl" sowie "Das feuerrote Spielmobil" mit, war in der Science-Fiction-Serie "Der Andro-Jäger" (1982), der Familienchronik "Löwengrube" (1989) oder Ende der 1970er in der Comedy-Reihe "Nonstop Nonsens" mit Dieter Hallervorden zu sehen, wo er sein komödiantisches Talent unter Beweis stellen konnte. Er zeigte sich in Frank Streckers Teenager-Geschichte "Anna"1) (1988) und Christian Wagners Literaturverfilmung "Wallers letzter Gang"1) (1989), nach dem Roman "Die Strecke" von Gerhard Köpf, tauchte in Stücken mit bayerischem Kolorit auf, wie in dem historischen Dreiteiler "Sachrang"1) (1978), Stefan Rinsers "Blauer Himmel, den ich nur ahne" (1979), den Tagebuchszenen um Ludwig Thoma, oder Georg Lohmeiers Bauerndrama "Wer Knecht ist, soll Knecht bleiben" (1991). Zu Prechtels letzen Arbeiten für das Fernsehen zählen Julian Pölslers Zweiteiler "Die Fernsehsaga – Eine steirische Fernsehgeschichte"1) (1995), Hanns Christian Müllers Satire über Ausländerfeindlichkeit "Willkommen in Kronstadt" (1996) sowie der Krimi "Zwei Brüder – Nervenkrieg", der wenige Monate vor Prechtels Tod ausgestrahlt wurde.

Der seit 1967 verheiratete Volker Prechtel erlag am 7. August 1997 im oberbayerischen Gröbenzell seinem Krebsleiden – zwei Tage vor seinem 56. Geburtstag.
Neben seinen mehr als hundert Rollen bei Film und Fernsehen war Prechtel stets seiner eigentlichen Liebe, dem Theater treu geblieben. Er spielte unter anderem an der Berliner "Freien Volksbühne", trat aber vor allem in München auf, so an der "Kleinen Komödie", den "Kammerspielen" und dem "Volkstheater".
 
Link: 1) Wikipedia, 2) Kurzportrait innerhalb dieser HP
Siehe auch Wikipedia; Filmografie bei der Internet Movie Database
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