Charlie Rivel; Copyright Virginia Shue Der spanische Clown Charlie Rivel wurde am 28. April 1896 als José Andreu i Lasserre in Cubellas (Katalonien, Provinz Barcelona) geboren. Seine Mutter war die französischen Artistin Marie-Louise Lasarre , sein Vater der spanische Artist Pedro Andreu (auch bekannt als Pere Andreu Rivels), der seine Familie mehr schlecht als recht mit einer kleinen Zirkustruppe über Wasser hielt. Bereits mit drei Jahren stand der kleine José zusammen mit seinen vier Brüdern Polo (1899 – 1977), Renato René (1903 – 1976), Marcel (1906 – 1970) und Roger (1909 – 2001) in der Manege und lernte sein Handwerkzeug von der Pieke auf; die 1897 geborene Schwester Maria Lluisa verstarb bereits 1916.1)
Es war ein langer Weg, bis er zu einem der berühmtesten Clowns der Welt avancierte. Einen ersten Erfolg konnte er 1907 zusammen mit seinen Brüdern als "The Rivels" in Paris beim "Zirkus Lambert" verbuchen, Engagements in London, Berlin und Amerika sollten sich anschließen.

  

Das Foto wurde mir freundlicherweise von der
Fotografin Virginia Shue (Hamburg) zur Verfügung gestellt.
Das Copyright liegt bei Virginia Shue.

Seinen Vornamen "Charlie" hatte er aus Verehrung zu Charlie Chaplin gewählt, etwa 1919 schlüpfte er erstmals in ein langes Hemd, setzte seine berühmte rote Pappnase auf, schminkte sich die Backen in grellen Farben rot und weiß, stülpte sich die Glatze mit dem fuchsroten Haarkranz auf den Kopf und wurde neben seinem Kollegen "Grock"2) zu einem der beliebtesten und begabtesten Clowns der Welt. "Das rot-weiß geschminkte Gesicht mit der kantigen Clownnase, umgeben von grellrotem Haarkranz, den kleinen, runden Körper im viel zu langen roten Hemd, in der einen Hand eine Gitarre, in der anderen einen Stuhl, den er hinter sich her zerrte – so kam Charlie Rivel mehr als 50 Jahre lang auf die Bühne." schrieb unter anderem DER SPIEGEL (31/1983) in einem kurzen Nachruf.
Vor allem im Berlin der 1920er und 1930er Jahre machte er Furore, dort entstand 1931 auch seine berühmteste Nummer "Akrobat schö-ö-ö-n", weiter der komische Trapez-Akt "Chaplin am Trapez" sowie verschiedene andere seiner zugkräftigsten Einfälle, mit denen Rivel legendär wurde. Bis 1934 arbeitete er mit seinen Brüdern zusammen, danach ging er eigene Wege. Zu seiner Nummer "Akrobat schö-ö-ö-n" wurde 1942/43 von Wolfgang Staudte auch ein Film mit dem gleichen Titel3) gedreht, in dem Rivel selbst die Hauptrolle übernahm: Der stellenlose Artist Charlie gibt seine Hoffnung auf einen großen Durchbruch nicht auf und trainiert wie besessen akrobatische Kunststücke und Zaubertricks. Während seine Schülerin Monika eine Stellung im Varieté "Tabarin" findet, kann Charlie dort lediglich eine Anstellung als Bühnenarbeiter und schließlich als Wach- und Schließmann bekommen. Als er eines Nachts heimlich auf der Varietébühne trainiert lernt er die ebenso erfolglose Artistin Bibiana kennen. Fortan üben die beiden gemeinsam vor dem dunklen, leeren Zuschauersaal. Durch ein Missgeschick schaltet sich die Lichtreklame des geschlossenen Theaters ein, was ausgerechnet der Direktor bemerkt. Empört kündigt er den beiden "Hilfsarbeitern". Als sich ein Mitglied der berühmten "Drei Martonis" die Hand verstaucht, erinnert sich der in Bedrängnis geratene Direktor an die nächtliche Vorstellung Charlies und Bibiana…4)
Charlie Rivel ganz privat (1982); Copyright Virginia Shue Gegen Ende des 2. Weltkrieges sowie nach 1945 zog sich Charlie Rivel viele Jahre lang ganz aus dem Showgeschäft zurück und lebte auf seiner Besitzung bei Chennevieres an der Marne, zusammen mit seiner Frau Canmen, einer ehemaligen Zirkusreiterin. Dort widmete er sich ganz seinen Liebhabereien, nämlich dem Angelsport und der Blumen- und Geflügelzucht. Erst sein berühmter Kollege "Grock" konnte ihn Anfang der 1950er Jahre überreden, wieder aufzutreten. Rivel feierte erneut Triumphe während einer Tournee durch Westdeutschland, zehn Jahre später feierte er in Hamburg sein 60-jähriges Bühnenjubiläum und anlässlich seines 70. Geburtstages strahlte das ZDF 1966 den Film "Der Clown" aus. Anfang 1981 unternahm der damals 85-jährige Charlie Rivel eine Abschiedstournee durch Deutschland, bei der unter anderem in München auch sein Sohn Juanito und Tochter Paulina in der Manege des Zirkus Krone auftraten.


Charlie Rivel ganz privat (1982)
Das Foto wurde mir freundlicherweise von der
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Charlie Rivel starb am 26. Juli 1983 im Alter von 87 Jahren in Barcelona; wenige Wochen vorher hatte er einen Schlaganfall erlitten, von dem er sich nicht mehr erholte; seine letzte Ruhe fand er auf dem Friedhof seiner Geburtstadt Cubelles. Noch im Juni 1982 hatte er zehn Jahre nach dem Tod seiner ersten Frau Carmen in Barcelona die 28 Jahre jüngere Margarita Camas geheiratet. Carmen († 1972), Tochter des Clowns Gregorio Busto, stammte ebenfalls aus dem Zirkusmilieu, am 15. Januar 1920 hatte das Paar geheiratet. Die gemeinsamen Söhne Juanito (1922 – 2004), Charlie jun. (1925 – 2011) und Valentino (1927 – 2006) sowie die 1921 geborene Tochter Paulina (verheiratete Schumann) aus dieser Ehe setzten die Familientradition fort und wurden ebenfalls artistische Weltstars.
→ www.circopedia.org/The_Charlivels bzw. www.circopedia.org/Paulina_Schumann.

Charlie Rivel mit Familie
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Charlie Rivel mit Familie; Copyright Virginia Shue
Charlie Rivel brachte Persönlichkeiten aus aller Welt ebenso wie das einfache Publikum mit seiner Kunst zum Lachen, unzählige Auszeichnungen, die er aus der Hand von Staatsgrößen erhielt, Widmungen, Briefe oder Autogramme von Stars zeugen von der Beliebtheit des großen Clowns. In Barcelona, auf Ibizza und in Cubellas wurden ihm zu Ehren Denkmäler erbaut. Auch in München erinnert vor dem "Zirkus Krone Bau" ein Denkmal an den legendären Künstler → Foto bei Wikimedia Commons.
In den Medien wurde Charlie Rivel anlässlich seines Todes als "einer der letzten großen Clowns" bezeichnet. In DIE ZEIT hieß es damals unter anderem: Kinder waren die Quelle seiner Heiterkeit und seines Spiels. Noch als Greis sah er ihnen zu. Warum? "Weil ein Clown nichts anderes ist als ein Kind, das versäumt hat, erwachsen zu werden." Er glaubte deshalb, dass ein Clown nur dann gut sei, "wenn alle Kinder ihn verstehen". Er hatte damit niemals Schwierigkeiten. "Ich denke an Kinder, wenn ich mir ein neues Stück ausdenke. Kinder haben diese unfreiwillige Komik, die Erwachsene überhaupt nicht kennen". Ihre Spiele im Sandkasten erlebte er als Komödien. So wurde er, zugleich ein Schlauer und Naiver, zu einem Demonstranten "einfacher Wahrheiten", und er pflegte sie bei seinen Auftritten intensiv uneilig darzustellen: ein philosophierender Spaßvogel, der keine Umwege, der nur die Wege lang, sehr lang machte, der kein Raffinement brauchte, obwohl es so schien, wenn er die kleinen inszenierten Katastrophen wie Naturereignisse darbot, diese sichtbar gemachten Überlegungen, etwa das unglaubliche Problem, wie mit einer Gitarre in der Hand auf einem Stuhl Platz zu nehmen sei. Dann glaubte man, die Zahnräder seiner Denkmaschine im Kopf knarren zu hören, nein, zu sehen: ein Optimist, dem die Abenteuer des Lebens am Ende gelingen – oder auch nicht. (M. Sack)."
 
Die Lebenserinnerungen Charlie Rivels ("Poor Clown") erschienen 1972 übersetzt unter dem deutschen Titel "Akrobat schööön".
 
Siehe auch Wikipedia, www.circopedia.org (in englisch) sowie den Nachruf bei www.zeit.de
Link: 2) Kurzportrait innerhalb dieser HP, 3) Wikipedia
Quelle:
1) Wikipedia-Artikel (aragonesischsprachige Wikipedia) zu Charlie Rivel
2) www.deutscher-tonfilm.de (Die Seite ist nicht mehr existent.)
Die nachfolgenden Fotos entstanden am 10. August 1982 im "Teatro Spettacolo" im Salzburger Volksgarten.
Sie wurden mir freundlicherweise von der Fotografin Virginia Shue (Hamburg)
zur Verfügung gestellt. Das Copyright liegt bei Virginia Shue.
Charlie Rivel 03 Charlie Rivel 04
Charlie Rivel 05    Charlie Rivel 06
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