Jason Robards ca. 1975 in "Lago Mar", Fort Lauderdale (Florida); Quelle: Florida Memory – The State Archives of Florida (Florida Photographic Collection, Bild-Nr.: PR21627); bzw. www.flickr.com / Wikimedia Commons; Urheber: Roy Erickson / State Library and Archives of Florida; Angaben zur Lizenz: www.floridamemory.com/disclaimer bzw. www.flickr.com/commons/usage Jason Robards wurde am 26. Juli 1922 als Jason Nelson Robards jr. und Sohn des Hollywoodstars Jason Robards sr.1) (1892 – 1992) in Chicago (Illinois) geboren, wuchs in New York und Los Angeles auf und wurde nach der Scheidung seiner Eltern von seinem Vater und dessen neuen Ehefrau erzogen. In seiner Jugend besuchte in Hollywood die High School, 1940 ging er zur "US Navy", wo er während des 2. Weltkrieges als Marineoffizier seinen Dienst tat und 1946, ausgezeichnet mit dem zweithöchsten amerikanischen Orden der Navy, dem "Navy Cross", ausschied. Anschließend begann er ein Studium an der "American Academy of Dramatic Arts" in New York. Nach seiner Ausbildung schlug er sich zunächst mit Gelegenheitsarbeiten durch, spielte kleinere Theaterrollen an New Yorker Bühnen, auch bei Fernsehen und Radio konnte er nicht so recht Fuß fassen. Der Durchbruch als anerkannter Charakterdarsteller gelang ihm dann mit der tragenden Rolle des Hickey in Eugene O'Neill's Drama "The Iceman Cometh" (Der Eismann kommt), in einem weiteren O'Neill-Stück, "Long Day's Journey Into Night"2) (Eines langen Tages Reise in die Nacht) verzeichnete er am dann Broadway als Alkoholiker Jamie Tyrone einen weiteren Erfolg.
Nun meldete sich auch der Film und bot ihm interessante Rollen an: Sein Leinwanddebüt gab Robards relativ spät in Anatole Litvaks Melodram "The Journey" (1959, Die Reise), doch in wenigen Jahren avancierte der Schauspieler zu einem Star der amerikanischen Filmszene, auch wenn er anfangs nur sporadisch vor der Kamera stand, da ihm seine Theaterarbeit wichtiger war. "Das Theater ist meine künstlerische Heimat und dorthin zieht es mich immer wieder zurück" bekannte er einmal.

Jason Robards ca. 1975 in "Lago Mar", Fort Lauderdale (Florida)
Quelle: Florida Memory – The State Archives of Florida (Florida Photographic Collection, Bild-Nr.: PR21627)
bzw. www.flickr.com / Wikimedia Commons
Urheber: Roy Erickson / State Library and Archives of Florida
Angaben zur Lizenz: www.floridamemory.com/disclaimer bzw. www.flickr.com/commons/usage

Er übernahm nun prägnante Haupt- und Nebenrollen in Filmen unterschiedlichen Genres, unter der Regie namhafter Filmemacher und an der Seite vieler berühmter Kollegen. John Sturges besetzte ihn neben Lana Turner und Efrem Zimbalist jr.in dem Melodram "By Love Possessed"3) (1961, Und die Nacht wird schweigen), Henry King in seiner F. Scott Fitzgerald-Adaption "Tender Is the Night" (1962, Zärtlich ist die Nacht) und in Sidney Lumets Filmfassung des O'Neill-Stück, "Long Day's Journey Into Night" (1962) war er an der Seite von Katharine Hepburn und Ralph Richardson mit seiner Bühnenrolle des alkoholsüchtigen Sohnes Jamie zu sehen und erhielt für seine Leistung den "Darstellerpreis" in Cannes.
Robardson agierte unter anderem in dem Biopic "Act One" (1963) über den erfolgreichen Broadway-Autors Moss Hart2) oder in "A Thousand Clowns"2) (1965, Tausend Clowns), der Hollywoodversion von Herb-Gardners Bühnenkomödie "Tausend Clowns", einem Stück, mit dem Robards zuvor auf dem Broadway Triumphe gefeiert hatte. Bis Ende der 1960er Jahre folgten unter anderem
der melodramatische Western "A Big Hand for the Little Lady"2) (1966, Höchster Einsatz in Laredo), die Komödie "Divorce American Style"2)  (1967, Scheidung auf amerikanisch) und "Hour of the Gun"3) (1967, Die fünf Geächteten), der psychologische Western von John Sturges über die berühmt-berüchtigte Auseinandersetzung im Jahre 1881 zwischen der Clanton-Bande und Wyatt Earp2) (James Garner), wo er die Rolle des tuberkulosekranken Spielers Doc Holliday3) gestaltete, der dem Protagonisten Wyatt Earp im Kampf gegen den Outlaw Ike Clanton und dessen Spießgesellen unerschütterlich zur Seite steht. In Roger Cormans Gangsterfilm "The St. Valentine's Day Massacre" (1967, Chikago-Massaker) mimte er den berühmt-berüchtigten Gangster Al Capone2), Sergio Leone besetzte ihn als geheimnisvollen Outlaw Cheyenne in dem Wersternklassiker "C'era una volta il West"2) (1968, Spiel mir das Lied vom Tod), William Friedkin in der Komödie "The Night They Raided Minsky's" (1968, Die Nacht, als Minsky aufflog), Karel Reisz in dem aufwendigen Streifen "Isodora"2) (1968) über die Lebensgeschichte der Tänzerin Isadora Duncan2) (1878 – 1927), gespielt von Vanessa Redgrave.
   
Auch in den 1970er Jahren blieb Robards ein vielgefragter Leinwanddarsteller, obwohl seine Karriere 1972 fast beendet schien: Schwer verletzt überlebte er einen Autounfall, zu dem es aufgrund übermäßigen Alkoholkonsums gekommen sein soll. Der Schauspieler erholte sich nur langsam und musste auch einige Gesichtsoperationen über sich ergehen lassen.
Oft spielte er amerikanische Patriarchen, Personen der Zeitgeschichte oder Western-Helden, so überzeugte er in Sam Peckinpahs tiefgründigem Spätwestern "The Ballad of Cable Hogue"
2) (1970, Abgerechnet wird zum Schluss) mit der Titelrolle des vitalen Tramps und Goldsuchers Cable Hogue, der in der Wüste eine Wasserstation baut; in Alan J. Pakulas Watergate-Thriller "All the President's Men"2) (1976, Die Unbestechlichen) verkörperte er authentisch den Herausgeber der "Washington Post" Ben Bradlee2) und erhielt für seine Darstellung einen Oscar als "Bester Nebendarsteller". Ein Jahr später wurde ihm erneut diese begehrte Trophäe überreicht, diesmal für seine eindrucksvolle Interpretation des Schriftstellers Dashiell Hammett2) in Fred Zinnemanns Drama "Julia"2) (1977), nach der autobiografischen Erzählung von Lillian Hellman2). Für seine Rolle des spleenigen Erfinders, Produzenten und Millionärs Howard Hughes2) in Jonathan Demmes "Melvin and Howard"2) (1980), einer modernen Variante der Geschichte vom Hans im Glück, heimste er eine weitere Oscar-Nominierung als "Bester Nebendarsteller" ein. Überzeugend war auch seine Verkörperung des US-Präsidenten Ulysses S. Grant2) in dem ansonsten eher zu vernachlässigendem Western "The Legend of the Lone Ranger (1981, Die Legende vom einsamen Ranger).
  
Nicht ganz so erfolgreich verlief seine anfängliche Besetzung in Werner Herzogs Abenteuer "Fitzgeraldo"
2) (1982), nach verschiedenen Produktionskatastrophen gab Robards die Titelrolle an Klaus Kinski4) ab. Bis Ende der 1980er Jahre übernahm Robards weitere interessante Rollen in Kinoproduktionen, konzentrierte sich jedoch verstärkt auf seine Arbeit beim Fernsehen, stand vor allem wieder auf der Theaterbühne, wo er beispielsweise in Stücken von Eugene O'Neill wie "Ah, Wilderness!" (O Wildnis!) brillierte. 
In der Kinokomödie "Max Dugan Returns" (1983, Max Dugans Moneten) war er der ehemalige Gauner Max, der nach 25 Jahren zu seiner Tochter Nora (Marsha Mason) zurückkehrt und für allerlei Turbulenzen sorgt. In dem spannenden Thriller "Black Rainbow"
2) (1989, Black Rainbow – Schwarzer Regenbogen) zeigte Robards sich mit der Hauptrolle des Walter Travis, der mit Tochter Martha (Rosanna Arquette) als Medium durch Amerikas Kleinstädte tingelt. In "Reunion" (1989, Der wiedergefundene Freund), nach einem Roman von Fred Uhlman, spielte er den Amerikaner Henry Strauss, der sich nach fast 60 Jahren in Stuttgart auf die Suche nach einer verlorenen Freundschaft macht, in "Parenthood"2) (1989, Eine Wahnsinnsfamilie3)), der chaotisch-witzigen Geschichte über eine amerikanische Durchschnittsfamilie, mimte er das mürrische Familienoberhaupt Frank Buckman, dem die ganze Sippschaft einschließlich Sohn Gil (Steve Martin) plus Anhang ziemlich auf die Nerven geht.
Zur Kino-Filmografie der 1990er Jahre gehören unter anderem Stephen Sommers' Mark Twain-Adaption "The Adventures of Huck Finn" (1993, Die Abenteuer von Huck Finn) mit der Rolle des "Königs" und die dramatische Satire über das Leben im hektischen News-Geschäft von Ron Howard mit dem Titel "The Paper"2) (1994, Schlagzeilen). Er zeigte sich in der Sportlerkomödie "Little Big League"2) (1994, Little Big Boss) und in der König-Lear-Variante "A Thousand Acres"2) (1997, Tausend Morgen), weiterhin in dem melodramatischen Kleinstadt- und Naturdrama "Heartwood"2) (1998, Der Baumflüsterer), dem Action-Thriller "Enemy of the State"2) (1998, Der Staatsfeind Nr. 1) sowie in Paul Thomas Andersons Episodenfilm "Magnolia"2) (1999) mit seiner Rolle des todkranken TV-Moguls Earl Partridge - zugleich Jason Robards letzter Leinwandauftritt.

Das Fernsehen bot dem Charakterdarsteller seit Ende der 1970er Jahre ein breites Betätigungsfeld, auch hier verkörperte er oft Patriarchen und Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens. In der Mini-Serie "Washington: Behind Closed Doors" (1977) beispielsweise gab er als Präsident Richard Monckton eine beeindruckende Charakterstudie des US-Präsidenten Richard Nixon2), in "F.D.R.: The Last Year" (1980) verkörperte er den schwerkranken Präsidenten Franklin D. Roosevelt2), in "The Perfect Tribute" (1991) war er als Präsident Abraham Lincoln2) auf dem Bildschirm zu sehen, eine Figur, die er bereits 1964 in "Abé Lincoln in Illinois" verkörpert hatte. In nachhaltiger Erinnerung bleibt auch seine Rolle des vom Tode gezeichneten Dr. Oates, der sich in dem spektakulär erfolgreichen Anti-Kriegsfilm "The Day After"2) (1983, The Day After – Der Tag danach3)) nach einer nuklearen Katastrophe in den Trümmern seiner Heimatstadt wiederfindet. 1988 wurde Robards für den Gerichtsfilm "Inherit the Wind" (Wer den Wind sät), nach dem Bühnenstück von Jerome Lawrence, mit dem "Emmy-Award"2) als "Bester Schauspieler in einer Serie" ausgezeichnet; das Stück war bereits 1960 von Stanley Kramer mit Spencer Tracy verfilmt worden.
Vor allem Dokumentar- und Literaturverfilmungen schienen in den letzten Jahren Robards Domäne zu sein, so übernahm er auch die Hauptrolle in "Mark Twain and Me" (1991, Mein Freund Mark Twain), der liebevollen Verfilmung des autobiografischen Roman "Enchantment" von Dorothy Wilson, in der Spyri-Verfilmung "Heidi"2) (1993) mimte er den den griesgrämigen "Alm-Öhi". Zu den letzten Fernseharbeiten des Schauspielers zählen die Literaturverfilmung "My Antonia" (1995, Wege der Liebe) sowie das Drama "Going Home" (2000).
Vielen unterschiedlichen, oft gegensätzlichen Figuren verlieh der Schauspieler im Verlaufe seiner Karriere Kontur, das Spektrum seiner Charakterrollen reicht von Komödien wie "Divorce American Style" über Western wie Sergio Leones "Spiel mir das Lied vom Tod" bis hin zu Kriegsfilmen wie "Tora! Tora! Tora!"2) (1970); er interpretierte den Brutus in Stuart Burges Shakespeare-Adaption "Julius Caesar" (1970) ebenso facettenreich wie den träumerischen Westernhelden in "The Ballad of Cable Hogue" (1970) oder den Gouverneur Lew Wallace in Sam Peckinpahs "Pat Garrett and Billy the Kid"2) (1973, Pat Garrett jagt Billy the Kid).

Der mehrfach ausgezeichnete Jason Robards erlag am 26. Dezember 2000 in Bridgeport (Connecticut) im Alter von 78 Jahren in einem Krankenhaus seinem langjährigen Lungenkrebsleiden; er hinterließ seine vierte Ehefrau Lois O'Connor, die er 1969 geheiratet und mit der er zwei gemeinsame Kinder hatte. In erster Ehe war der Schauspieler von 1948 bis 1958 mit Eleanor Pittman verheiratet gewesen; aus der Verbindung stammen drei Kinder, unter anderem der 1948 geborene Sohn Jason Robards III, der ebenfalls Schauspieler wurde. 1959 ehelichte er die Schauspielerin Rachel Taylor, diese Verbindung ging jedoch nach zwei Jahren in die Brüche. Robards dritte Ehefrau wurde 1961 für acht Jahre die Hollywood-Schönheit und Bogart-Witwe Lauren Bacall4) (1924 – 2014), die ihm im gleichen Jahr Sohn Sam schenkte; auch Sam Robards2) trat in die Fußstapfen seines Vaters bzw. seiner Mutter und ergriff den Schauspielerberuf.
  
Von Stephen Black erschien 2002 das Buch "Jason Robards Remembered" mit Interviews und Essays des Schauspielers sowie dessen Erinnerungen an sein bewegtes Leben.
Siehe auch Wikipedia, u.a. mit einer Übersicht der Auszeichungen sowie
www.prisma.de
Link; 1) Wikipedia (englisch), 2) Wikipedia (deutsch), 3)  prisma.de, 4) Kurzportrait innerhalb dieser HP
     
Kinofilme (Auszug)
Filmografie bei der Internet Movie Database sowie
Wikipedia (englisch)
(Link: Wikipedia, in Klammern: prisma.de)
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