Tana Schanzara wurde am 19. Dezember 1925 als Konstanze Schwanzara (Schwanzara: tschech. Tschenzara = Spaßmacher) in Kiel geboren; ihr Vater Hans Schanzara war ein bekannter Opernsänger und Komponist, ihre Mutter Gertrud, eine Schweizerin, ebenfalls Opernsängerin. Nach der Schule, welche sie mit dem Abitur abschloss, ließ sich Tochter Tana in Köln bei Friedel Münzer zur Schauspielerin ausbilden. Erste Engagements erhielt sie anschließend an den "Bonner Kammerspielen" und in Köln, über Mannheim, Oldenburg und Gelsenkirchen kam sie 1956 an das "Schauspielhaus Bochum", das bis zuletzt ihre künstlerische Heimat war. Hier glänzte sie in vielen erfolgreichen Bühnenstücken, arbeitete im Verlaufe der Jahrzehnte mit so renommierten Regisseuren wie Peter Zadek, Rainer Werner Fassbinder, Peter Palitzsch, Claus Peymann oder Leander Haußmann zusammen – um nur einige zu nennen.
Tana Schanzara; Copyright Wilfried Böing In nachhaltiger Erinnerung bleiben Tana Schanzaras Auftritte in den Solo-Programmen "Solo für Tana" (1985) oder "Tana in New York" (1990) sowie in der Revue "Tana in Moskau" (1996) mit selbstverfassten Texten und Liedern. Ebenso legendär ist ihr einziges Gastengagement am Wiener Burgtheater, wo sie 1990 in "Tod und Teufel" von Peter Turrini die "Figur einer alten und versoffenen Frau" (Turrini) darstellte – eine Rolle, die alle Damen des Burgtheater-Ensembles zuvor strikt abgelehnt hatten, und für die sie von den Wienern umjubelt wurde. Die Rolle brachte ihr außerdem die Ernennung zur Schauspielerin des Jahres ein. Tana – die "Perle vom Pott", die "Ruhrpott-Duse", wie sie von ihrem Publikum, ihren Kollegen und Kritikern liebevoll genannt wird. (Zitat Schauspielhaus Bochum)
Das Repertoire der Schauspielerin war breit gefächert, reichte von der Tragödie bis hin zur Komödie. In den letzen Jahren spielte sie in Bochum in erfolgreichen Produktionen wie "Die Familie Schroffenstein" oder "Arsen und Spitzenhäubchen", unter der Regie von Helge Schneider glänzte sie in "Mendy – Das Wusical" (2003) und in der Theaterversion des Kinokultfilms "Harold und Maude" nach Colin Higgins interpretierte sie ein Jahr zuvor die weibliche Hauptrolle, berührte mit ihrer ergreifenden Darstellung der "Maude" das Publikum. Zuletzt war sie zur Spielzeit 2007/2008 auf der Bochumer Bühne mit den Liederabenden "A kiss is just a kiss" und "Ist das normal, ist das erlaubt?" zu sehen gewesen.

Foto mit freundlicher Genehmigung des Schauspielhauses Bochum;
das Copyright liegt bei Wilfried Böing.
Enorme Popularität erlangte Tana Schanzara seit Anfang der 1970er Jahre durch zahlreiche Film- und Fernsehrollen, wo sie meist typische "Ruhrpott"-Figuren mit unnachahmlicher Komik verkörperte. Neben Gastauftritten in so beliebten Krimi-Reihen wie "SOKO 5113", "Großstadtrevier" "Polizeiruf 110" oder "Tatort" erlebte man die charismatische Schauspielerin beispielsweise in den Mehrteilern "Die Knapp-Familie" (1981), "Leo und Charlotte" (1991) sowie "Die Zweite Heimat – Chronik einer Jugend" (1992), in Ulli Baumanns Comedy "Club Las Piranjas"1) (1995) mit Hape Kerkeling und Angelika Milster agierte sie als Oma Schadletzki. Erneut mit Hape Kerkeling begeisterte sie unter dessen Regie die Fernsehzuschauer einmal mehr als Else Bettenberg in der Groteske "Willi und die Windzors"1) (1996) und auch in "Die Oma ist tot"1) (1997) stand sie als Oma Vera – wenn auch nur zu Anfang – mit Kerkeling vor der Kamera. Seit 1999 mimte Tana Schanzara in der Serie "Die Anrheiner"1) viele Folge lang (55–439; bis 2007) die Figur der Elsbeth Pawelczik, zu ihren weiteren Arbeiten für das Fernsehen zählen unter anderem Filme wie "Das Vergessene Leben" (1998), "Zehn wahnsinnige Tage" (2000), "Verlorene Kinder" (2000) und "Eine Verflixte Begegnung im Mondschein" (2004).
  
Auf der Leinwand sah man sie unter anderem mit der kleinen Rolle der verwirrten Mutter in Ulli Lommels grellem Vampir-Film "Die Zärtlichkeit der Wölfe"1) (1973), Adolf Winkelmann besetzte sie in seiner Aussteigerkomödie "Jede Menge Kohle"1) (1981) sowie in dem Science Fiction-Film "Super" (1984) und in der Komödie "Peng! Du bist tot!"1) (1987). Zu Tana Schanzaras weiten Arbeiten für das Kino zählen auch Filme wie "Schluckauf" (1989), "Dead Flowers" (1992), "Die Denunziantin" (1993) oder "Männerpension"1) (1996). In Tomy Wigands Komödie "Fußball ist unser Leben"1) (2000) mimte sie die "Omma" Käthe von Hans Pollak alias Uwe Ochsenknecht, bei dem sich alles um den Liga-Verein FC Schalke 04 und seinen Fan-Club "Dios Knappen Gelsenkirchen" dreht. In Peter Thorwarths herrlich makabren Komödie über Leute vom Bau, "Was nicht passt, wird passend gemacht"1) (2002), sah man sie als Mutter der Hauptfigur Werner Wiesenkamp, gespielt von Dietmar Bär. Danach stand Tana Schanzara für Produktionen wie "Don't Get Stuck" (2003), "Jazzclub – Der frühe Vogel fängt den Wurm"1) (2004), "Aus der Tiefe des Raumes –…mitten ins Netz!"1) (2004) sowie mit der Hauptrolle der Margarethe Krause in "Ein Dichter in der Familie" (2006) vor der Kamera. Autor und Produzent Werner Streletz sowie Regisseur Johannes Klaus gelang mit diesem Film eine Hommage an die Charakterschauspielerin, "in der sie einen sensiblen, vielleicht auch gebrochenen Charakter zeichnen kann, eine Rolle mit differenziertem Tiefgang, die gleichwohl nicht nur dem Bierernst huldigen sollte." so Werner Streletz → www.eindichterinderfamilie.de.
Tana Schanzara; Copyright Edmond Frederik Auch als Schallplatten-Star wurde Tana Schanzara berühmt: Unvergessen bleibt bis heute ihr Platten-Debüt 1970 mit dem Song "Vatter, aufstehn!", dem die Songs "Vatter, aufpassen" und "Vatter, Augen zu" folgten.
In ihrem Buch "Jeden Morgen dasselbe Theater" erzählt die Ruhrgebietsikone aus ihrem aufregenden Leben, viele einzigartige Fotos runden das amüsante Selbstporträt ab. Sie ist ein Original – und eine grandiose Schauspielerin, die nicht nur im Theater, sondern auch im Kino ihr Publikum begeistert: Tana Schanzara, die "Königin des Ruhrpotts". Eigenwillig und humorvoll erzählt sie von den Höhen und Tiefen ihres ungewöhnlichen Lebens. In Bochum hat sie Theatergeschichte geschrieben, und sie hat Menschen getroffen, die ähnlich waren wie sie kämpferisch, klug und voller Herzlichkeit. (Auszug Klappentext)
  
 
Das Foto wurde mir freundlicherweise von dem
Fotografen Edmond Frederik zur Verfügung gestellt.
© Edmond Frederik
Tana Schanzara, "Perle des Ruhrgebiets" und "Kohlenpott-Duse", starb am Tage ihres 83. Geburtstages, am 19. Dezember 2008 in einer Bochumer Klinik; ihre letzte Ruhe fand sie auf dem Hauptfriedhof in Krefeld → Foto der Grabstätte bei www.knerger.de.
Der langjährige Star des Bochumer Schauspielhauses galt als "Heidi Kabel des Kohlenpotts", hatte für ihre darstellerische Leistungen zahlreiche Ehrungen erhalten. Bereits 1989 wurde ihr der "Ehrenring der Stadt Bochum" überreicht, im gleichen Jahr hatte der Verein "Pro Ruhrgebiet" sie zur "Bürgerin des Ruhrgebietes" gekürt. Für ihre Gastrolle im Wiener "Burgtheater" erhielt sie 1990, wie erwähnt, vom Theatermagazin "Theater heute" den Titel "Schauspielerin des Jahres". 1994 wurde Tana Schanzara der "Verdienstorden des Landes Nordrhein-Westfalen" verliehen, noch am 4. Juni 2008 war sie von der Oberbürgermeisterin der Stadt Bochum, Dr. Ottilie Scholz, mit dem "Verdienstkreuz 1. Klasse des Verdienstorden der Bundesrepublik" ausgezeichnet worden. Auf Vorschlag von NRW-Ministerpräsident Jürgen Rüttgers wurde mit Tana Schanzara eine große deutsche Volksschauspielerin geehrt, "die bundesweit in vielen Inszenierungen ihre vielseitigen schauspielerischen Fähigkeiten gezeigt hat."

Die Künstlerin, eine große Hundeliebhaberin, war viele Jahre in Herne zu Hause und widmete ihre Freizeit auch ihren geliebten Vierbeinern, hatte zeitweise mehr als 40 davon, wie sie 2004 in der ZDF-Sendung "Johannes B. Kerner" verriet. Zuletzt hatte sie in einem Altenstift in der Nähe des Bochumer Schauspielhauses gelebt.
Am 15. Juli 2010 wurde der bisherige "Westfalenplatz" gegenüber dem Schauspielhaus in Bochum ihr zu Ehren in "Tana-Schanzara-Platz" umbenannt.
 
Link: 1) Wikipedia
Siehe auch Wikipedia; Filmografie bei der Internet Movie Database
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