Erich Schellow wurde am 27. Februar 1915 als Sohn eines Kaufmanns in Berlin geboren. Schon früh interessierte er sich für das Theater, wirkte bereits während seiner Zeit an der Luisenstädtischen Oberrealschule bei zahlreichen Schüleraufführungen mit. Nach dem Abitur wollte er zunächst Kunstgeschichte und Philosophie studieren, auf Anraten der Schauspielerin Lola Müthel1) ließ er sich dann aber ab 1935 zwei Jahre lang an der Schauspielschule des "Preußischen Staatstheaters" in Berlin ausbilden.
 Erich Schellow (rechts) bei der Verleihung des Berliner Kunstpreises 1960; von links nach rechts: Rudolf Nolte (Regisseur), Uwe Johnson (Schriftsteller), Erich Schellow (Schauspieler); Quelle: Deutsches Bundesarchiv, Digitale Bilddatenbank, B 145 Bild-P057015; Fotograf: Unbekannt / Datierung: 18. 3.1960 / Lizenz CC-BY-SA 3.0. Sein Bühnendebüt gab Schellow 1937 als "Mortimer" in Schillers "Maria Stuart" am Deutschen Volkstheater in Hamburg, zu dessen Ensemble er bis 1940 gehörte. Anschließend folgte einem Ruf an das Berliner Staatstheater, dem er bis 1945 angehörte, dann wechselte er für zwei Jahre an das Hamburger Schauspielhaus, dem ein Engagement am Berliner Schlossparktheater folgte. Seit 1951 stand Schellow am Berliner Schillertheater auf der Bühne, er gab Gastspiele unter anderem in Zürich sowie am Wiener Burgtheater.
 
 
Foto: Erich Schellow (rechts) bei der Verleihung des Berliner Kunstpreises 1960;
von links nach rechts: Rudolf Noelte*) (Regisseur), Uwe Johnson*) (Schriftsteller), Erich Schellow (Schauspieler)
 
Quelle: Deutsches Bundesarchiv, Digitale Bilddatenbank, B 145 Bild-P057015;
Fotograf: Unbekannt / Datierung: 18. 3.1960 / Lizenz CC-BY-SA 3.0.
Genehmigung des Bundesarchivs zur Veröffentlichung innerhalb
dieser Webpräsenz wurde am 11.10.2010 erteilt.
Originalfoto und Beschreibung:
Deutsches Bundesarchiv B 145 Bild-P057015 bzw. Wikimedia Commons
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Schnell war der blendend aussehende Schauspieler mit jugendlichen, klassischen Heldenrollen zu einem bedeutenden Charakterdarsteller avanciert, er interpretierte die Kleist'schen Figuren ebenso beeindruckend wie etwa Shakespeares "Hamlet", Goethes "Faust" und "Mephisto" oder den "Don Carlos" von Schiller. Zu seinen weiteren großen Rollen gehörten auch der "Karl Moor" in Schillers "Die Räuber" oder die Titelfiguren in "Ödipus" und "Ödipus auf Kolonos" von Sophokles – um nur weniges zu nennen. Mit zunehmendem Alter begeisterte Schellow Kritiker und Publikum auch in Stücken der Moderne, etwa mit zerrissenen Charakteren von Jean Anouilh, Max Frisch oder Friedrich Dürrenmatt, so etwa als "Möbius" in Dürrenmatts "Die Physiker". Zu einer seiner herausragenden Darstellungen zählt auch die des "George" in der deutschsprachigen Erstaufführung von Edward Albees "Wer hat Angst vor Virginia Woolf?" unter der Regie von Boleslaw Barlog, 1963 am Berliner Schloßparktheater. Noch an seinem 75. Geburtstag brillierte Schellow dort 1990 in Brian Clarks Stück "Offener Brief", im gleichen Jahr erlebte man ihn bei den Salzburger Festspielen als "Tod" in Hugo von Hoffmansthals "Jedermann". Die Süddeutsche Zeitung schrieb damals unter anderem "…nicht hämisch, nicht zynisch, nicht überzogen. Er ist mit seiner klugen Zurückhaltung, seiner, dem Hofmannsthalschen Text angemessenen Kunst-Distanz die einzige Ausnahme".

Schellow, der vereinzelt auch schon mal Ausflüge in die Welt der Operette unternahm – so als "Jupiter" in Offenbachs "Orpheus in der Unterwelt" –, arbeitete seit Ende der 1940er Jahre auch sporadisch für den Film. Sein Leinwanddebüt hatte er mit einer kleinen Rolle in Helmut Käutners Episodenfilm "In jenen Tagen"2) (1947) gegeben, 1954 spielte er erneut unter der Regie Käutners in dem Melodram "Bildnis einer Unbekannten" an der Seite von Ruth Leuwerik und O.W. Fischer, im gleichen Jahr sah man ihn in "Ein Mädchen aus Paris" unter der Regie von Franz Seitz. In Fritz Kortners Milieustudie "Die Stadt ist voller Geheimnisse" (1954) mimte er den Ingenieur Rudolf Thomas, in dem kriminalistischen Zirkusfilm "Drei vom Varieté" (1954) war er ebenso zu sehen wie in Falk Harnacks "Der 20. Juli"2) (1955). Josef von Báky besetzte ihn als Louis Adlon in seiner gleichnamigen Verfilmung über die Geschichte des "Hotel Adlon" (1955), Gottfried Reinhardt gab ihm die Rolle des Wolfgang Clausen in seiner Gerhart Hauptmann-Verfilmung "Vor Sonnenuntergang", mit Hans Albers in der Hauptrolle des siebzigjährigen Konzernchefs Claussen, der sich in das achtzehnjährige Mädchen Inken Peters alias Annemarie Düringer verliebt. Auch in Helmut Käutners Zuckmayer-Verfilmung "Der Hauptmann von Köpenick"2), mit Heinz Rühmann in der Titelrolle, konnte Schellow als schneidiger Hauptmann von Schlettow einmal mehr sein schauspielerisches Können beweisen.

Im Fernsehen erlebte man Schellow unter anderem in Literaturverfilmungen, so beispielsweise als Boris Trigorin in "Die Möwe" (1963) von Anton Tschechow oder mit den Titelrollen in "Der Apoll von Bellac" (1964) von Jean Giraudoux und Goethes "Clavigo". Ungeheure Popularität erlangte der Schauspieler auf dem Bildschirm 1967 mit der Titelrolle des legendären Meisterdetektivs in der TV-Serie "Sherlock Holmes"2); zusammen mit seinem treuen Assistenten Dr. Watson, gespielt von Paul Edwin Roth, ging er sechs Folgen lang auf Verbrecherjagd. Zu Schellows letzten Arbeiten für das Fernsehen zählt Eberhard Itzenplitz' Fontane-Verfilmung "Wanderungen durch die Mark Brandenburg" (1986).
Neben seiner umfangreichen Arbeit für das Theater, Film und Fernsehen arbeitete Schellow gelegentlich auch für die Synchronisation. So lieh er unter anderem Mel Ferrer, Rex Harrison und Peter Cushing seine Stimme.

Erich Schellows schauspielerische Leistungen wurden während seiner langen Karriere mit zahlreichen Auszeichnungen gewürdigt: So erhielt der 1963 zum "Berliner Staatsschauspieler" ernannte Charaktermime 1965 das "Bundesverdienstkreuz I. Klasse", 1960 und 1971 verlieh man ihm den "Berliner Kunstpreis"2), 1966 den "Deutschen Kritikerpreis"2). Seit 1965 war Schellow Mitglied der Berliner "Akademie der Künste", aus der er 1992 aus Protest gegen die gesamte Übernahme der Akademiemitglieder der ehemaligen DDR wieder austrat.3) 1985 wurde er zum Ehrenmitglied der Staatlichen Schauspielbühnen Berlin ernannt, außerdem war er Ehrenmitglied der "Deutschen Sherlock-Holmes-Gesellschaft".

Erich Schellow starb am 25. November 1995 im Alter von 80 Jahren nach längerer, qualvoller Krankheit in Berlin im Zehlendorfer Hubertus-Krankenhaus; 1983 hatte er einen ersten schweren Schlaganfall erlitten, von dem er sich nicht mehr so recht erholte; er hinterließ seine Frau Elke sowie den gemeinsamen Sohn Alexander; seine letzte Ruhe fand er auf dem Friedhof Berlin-Wilmersdorf → Foto der Grabstelle bei Wikimedia Commons.
Der "Don Carlos" in der Inszenierung des damaligen Bochumer Intendanten Leander Haußmann war 1993 Schellows Abschiedsvorstellung auf der Bühne gewesen. Ein applausumrauschtes, vierstündiges Klassiker-Happening, in dem Schellow die ganze Machtfülle des Großinquisitors verkörperte; danach spielte er nie wieder Theater. Nach einem zweiten Schlaganfall blieb er gelähmt, konnte nur noch mit den Augen sprechen; es sei unfassbar, sagte seine Frau in einem Interview, "mit welcher Kraft und Disziplin er das alles ertrug".
Noch kurz vor seinem Tod war das Buch "Schellow Holmes: Erich Schellow zum Achtzigsten" erschienen, das neben einer mit zahlreichen Szenenfotos bebilderten Dokumentation der Fernsehserie auch ein umfangreiches Interview mit dem großen Mimen enthält.
 
Link: 1) Kurzportrait innerhalb dieser HP, 2) Wikipedia, 3) Quelle: Wikipedia (abgerufen 16.10.2011)
Siehe auch Wikipedia; Filmografie bei der Internet Movie Database
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