Der Schauspieler Alfred Schlageter erblickte am 26. August 1896 in Basel (Schweiz) das Licht der Welt. Nach dem Besuch der Realschule in seiner Geburtsstadt nahm er privaten Unterricht bei dem rumänisch-stämmigen Schauspieler Michael Isailovits1), zu seinen Mitschülern zählten Alfred Lohner1) (1900 – 1990; → cyranos.ch) und Oskar Wälterlin2) (1895 – 1961). 1916 trat Schlageter als Volontär ein Engagement am "Stadttheater Basel" an, gab sein Bühnendebüt mit dem Part des Boten Salerio in Shakespeares "Der Kaufmann von Venedig"2). Zwei Jahre später wechselte der aufstrebende Schauspieler 1918 an das "Alte Theater"2) in Leipzig, wo er sich rasch mit etlichen großen Rollen als renommierter Charakterdarsteller profilierte und schließlich 1934 zum "Kammerschauspieler" ernannt wurde. Für mehr als zwei Jahrzehnte fand Schlageter in Leipzig seine künstlerische Heimat. In der Nacht vom 3. auf den 4. Dezember 1943 zerstörte ein britischer Luftangriff in Leipzig viele kulturell bedeutsame Bauten, davon betroffen war auch das "Alte Theater; im Frühjahr 1944 kehrte Schlageter in die Schweiz zurück.

Alfred Schlageter als Gefängnisdirektor in "Café Odeon" (1959)
Quelle/Link: cyranos.ch bzw. Archiv "Praesens-Film AG" Zürich,
mit freundlicher Genehmigung von Peter Gassmann (Praesens-Film AG, Zürich); © Praesens-Film AG

Alfred Schlageter als Gefängnisdirektor in "Café Odeon" (1959); Quelle/Link: cyranos.ch bzw. Archiv "Praesens-Film AG" Zürich, mit freundlicher Genehmigung von Peter Gassmann (Praesens-Film AG, Zürich); Copyright Praesens-Film AG
Er nahm erneut ein Engagement am "Stadttheater Basel" an, wo er bis Mitte der 1950er Jahre blieb. Parallel dazu spielte von 1951 bis 1954 am "Deutschen Schauspielhaus" in Hamburg. Seit  1945 wirkte er als Gast am "Schauspielhaus Zürich", war dann dort ab 1956 fest engagiert und interpretierte bis Mitte der 1970er Jahre mehr als hundert Rollen. Sein Repertoire war breit gefächert, er brillierte vor allem im Fach des Bonvivants und Père noble. Nach dem 2. Weltkrieg gestaltete er in Basel beispielsweise den Herzog Vincentio in der Shakespeare-Komödie "Maß für Maß"2) (1946), den Hofmarschall von Kalb in Schillers Drama "Kabale und Liebe"2) (1951), 1954 den Geheimrat Clausen in Gerhart Hauptmanns naturalistischem Schauspiel "Vor Sonnenuntergang"2), den Riccaut de la Marlinière in Lessings Lustspiel "Minna von Barnhelm"2) und den König Magnus in George Bernard Shaws2) Komödie "Der Kaiser von Amerika". Im darauffolgenden Jahr erlebte man ihn als Graf von Moor in Schillers "Die Räuber"2) (1955), den Oberstleutnant Werschinin in Tschechows "Drei Schwestern"2) verkörperte er 1956 und 1957 den Ben, Willy Lomans verstorbenen Bruder, in Arthur Millers "Der Tod eines Handlungsreisenden"2). Zudem erfreute Schlageter mit diversen Rollen in Operetten, unter anderem als Baron Mirko Zeta in Lehárs "Die lustige Witwe"2) (1949), als Herzog von Palermo in Franz von Suppés "Boccaccio"2) (1954), als König Agamemnon in Jacques Offenbachs "Die schöne Helena"2) (1955) oder als Schwabe Jakob Eberle in Paul Burkhards "Der schwarze Hecht" (1955; hochdeutsche Variante: "Das Feuerwerk"2)).
Am "Schauspielhaus Zürich" überzeugte der Charaktermime unter anderem zur Spielzeit 1956/57 als Otto Frank2) in dem Theaterstück "Das Tagebuch der Anne Frank" (1956/57) von Frances Goodrich2) und Albert Hackett2), er spielte 1958 den Lord Panmure in der Uraufführung (21.06.1958) von Elsie Attenhofers2) Stück über Florence Nightingale2) mit dem Titel "Die Lady mit der Lampe" und 1960 den Don Octavio in Lope de Vegas2) Lustspiel "Die kluge Närrin" ("La dama boba"). Er war der der alte Giehle in Knut Hamsuns2) Schauspiel "Vom Teufel geholt" (1961), der Egeus, Vater der Hermia, in der Shakespeares Komödie "Ein Sommernachtstraum"2) (1962), der Monsieur Damiens in Jean Anouilhs2) Komödie "Cécile oder Die Schule der Väter" (1966) und der Lennox in Bertolt Brechts epischem Theaterstück  "Die heilige Johanna der Schlachthöfe"2) (1968) – um nur einiges zu nennen → mehr zum Theaterwirken bei tls.theaterwissenschaft.ch.
 
Alfred Schlageter, der sich in erster Linie als Theaterschauspieler verstand, machte immer wieder Ausflüge auf die Leinwand. Bereits zu Stummfilmzeiten hatte er seit 1920 für einige Produktionen vor der Kamera gestanden und in Filmen mitgewirkt, die fast ausschließlich von Edmund Linke3) in Szene gesetzt und von der Leipziger "Orient-Film, Linke & Co." bzw. der Berliner "Willy Althoff-Film" produziert worden waren. Einen letzten Stummfilmauftritt hatte er in Linkes Melodram "Verkrachte Existenzen"2) (1924) → Zensurentscheidung vom 14.10.1924 (PDF).
Danach dauerte es mehr als ein Jahrzehnt, bis Schlageter wieder in einer Kinoproduktion zu sehen war, in der Literaturverfilmung "Hermine und die sieben Aufrechten"4) (1935) mimte er den Tischler Bürgi, in der musikalischen Komödie "Die göttliche Jette"2) (1937) den Vater des Grafen Eugen Opalla (Kurt Meisel) an der Seite von Grethe Weiser als Titelheldin. Erneut gingen mehr als zehn Jahre ins Land, bis sich Schlageter in Gustav Ucickys Melodram "Nach dem Sturm"5) (1948) mit einer kleinen Rolle präsentierte, in den 1950er Jahren trat er dann öfter in Schweizer Produktionen in Erscheinung. So gehörte er zur Besetzung von Kurt Frühs Milieustudien "Polizischt Wäckerli"2) (1955, → cyranos.ch) und "Bäckerei Zürrer"2) (1957, → cyranos.ch), der ihn auch mit kleineren Aufgaben in dem Kleinbürger-Drama "Hinter den sieben Gleisen" (1959, → cyranos.ch) und in "Café Odeon"3) (1959), der Hommage an den berühmten Zürcher Künstlertreff "Café Odeon", betraute. Die prägnante Figur des Bauernführers Walter Fürst2) stellte Schlageter in dem mit großem Aufwand gedrehten Streifen "Wilhelm Tell (Burgen in Flammen)"2) (1960) neben Protagonist Robert Freitag (Wilhelm Tell" dar. Zu Schlageters Arbeiten für das Kino zählen auch zwei Edgar-Wallace-Streifen, in "Der rote Kreis"2) (1960) tauchte er als Mr. Beardmore auf, der später dem dem unheimlichen Phantom zum Opfer fällt, und mit einer winzigen Rolle in "Der unheimliche Mönch"2) (1965). In dem Krimi "Der Würger vom Tower"2) (1966) agierte er als Sir Humphry, einen letzten Leinwandauftritt hatte er als Generalvikar in dem Schweizer Dialektfilm "Pfarrer Iseli"2) (1970) mit Ruedi Walter2) in der Titelrolle.
Schlageters Arbeiten für das in Fernsehen bleiben überschaubar, neben einigen Literatur-Adaptionen zeigte er sich unter anderem in dem von Nicolas Gessner2) in Szene gesetzten Schweizer TV-Film "Der Gefangene der Botschaft"2) (1964) als Colonel Duty. Das Drehbuch stammte von Edzard Schaper2), neben Mathias Wieman6) (Kardinal) und Willy Birgel6) (Botschafter), die die Hauptrollen verkörperten, wirkten eine Reihe weiterer Darsteller vom "Schauspielhaus Zürich" mit. Neben seiner umfänglichen Arbeit am Theater sowie den verschiedenen Film- und Fernsehauftritten betätigte sich der Schweizer im Laufe seiner über 60-jährigen Schauspielerkarriere auch beim Rundfunk. Während seiner Zeit in Leipzig engagierte er sich beim "Mitteldeutschen Rundfunk", seit 1944 für den Schweizer "Landessender Beromünster"2) und ab Anfang der 1950er Jahre für den NWDR → Auswahl an Hörspielen bei www.hördat.de.
 
Alfred Schlageter starb am 23. September 1981 in Alter von 85 Jahren in Zürich und fand seine letzte Ruhe auf dem dortigen Friedhof Enzenbühl2); die Grabstelle ist heute nicht mehr existent. Er war in erster Ehe mit der Schauspielerin und Volksliedsängerin Agnes Delsarto1) (1892 – 1965), in zweiter Ehe mit der Opern- und Konzertsängerin bzw. Sopranistin Else Böttcher1) (1905 – 1991) verheiratet.
Quellen (unter anderem) Wikipedia, www.cyranos.ch, tls.theaterwissenschaft.ch*)
*) Blubacher, Thomas: Alfred Schlageter, in: Kotte, Andreas (Hg.): Theaterlexikon der Schweiz (Chronos Verlag Zürich 2005, Band 3, S. 1607–1608)
Link: 1) tls.theaterwissenschaft.ch, 2) Wikipedia, 3) cyranos.ch, 4) Murnau Stiftung, 5) filmportal.de, 6) Kurzportrait innerhalb dieser HP
    
Filme
Filmografie bei der Internet Movie Database, filmportal.de
(Link: Wikipedia, Murnau Stiftung, filmportal.de, Filmlexikon, cyranos.ch, Die Krimihomepage)
Stummfilme (wenn nicht anders genannt: Regie: Edmund Linke)
  • 1920: Zopf und Turban (als Kadi)
  • 1921: Staatsanwalt Alexander oder Der Raubmord in der Ziegelgasse Nr. 17 (Regie: Ferdinand Walden; als Rechtsanwalt Schneller)
  • 1922: Geheimbundsklaven
    • 1. Dinge zwischen Himmel und Erde (als Conte Gregorio Pasquale)
  • 1922: Und dennoch ward es Morgen (2 Teile; als Graf Fedor von Trautenstein)
  • 1922: Die Teppichknüpferin von Bagdad (als Kalif)
  • 1922: Lilly Humbrecht, der Leidensweg einer Stieftochter
  • 1923: Die Spitzklöpperin von Valenciennes
  • 1924: Gedankensünden
  • 1924: Gift und Liebe
  • 1924: Verkrachte Existenzen
Tonfilme

Fernsehen (Auszug)

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