Vermutlich erinnern sich nur noch ältere Freunde des Boulevardtheaters an die brillante Komödiantin Elsa Scholten, welche Anfang der 1950er Jahre durch die Fernsehübertragungen aus dem "Millowitsch Theater"1) auch bundesweit populär wurde. Die Tochter jüdischer Eltern erblickte am 28. Februar 1902 im ehemaligen Homberg am Niederrhein (heute Duisburg-Homberg) als Elsa Erkelenz*) das Licht der Welt und hatte schon früh Kinderrollen im elterlichen Theater, einer mundartlichen Bühne, übernommen.
Bevor sie von Willy Millowitsch2) (1909 – 1999) für dessen rheinische Volksbühne entdeckt wurde, war Elsa Scholten Sängerin in einem Chor gewesen. Seit 1920 gehörte sie fortan zum Ensemble der Volksbühne, der sie ein Leben lang treu blieb. Rasch avancierte die dominante Frau mit der ausladenden Figur zum Star des "Millowitsch Theaters", spielte sich fast fünf Jahrzehnte lang in die Herzen des Publikums. Meist mimte sie die schlecht gelaunte Gattin des von Willy Millowitsch verkörperten Protagonisten, gab Weibsbilder mit Haaren auf den Zähnen, die jedoch im Grunde ein gutes Herz hatten. Mit ihrer voluminösen Erscheinung war sie die kongeniale Partnerin des ebenfalls raumfüllenden Millowitsch, machte sich mit oft deftigen Sprüchen als Pointengeberin unverzichtbar. Vom Publikum wurde sie nicht zuletzt wegen ihres kölschen Humors geliebt, als dann Anfang der 1950er Jahre das Fernsehen mit der Ausstrahlung von Stücken aus dem "Millowitsch Theater" begann, wurde auch Elsa Scholten zum Star und bundesweit bekannt.
Sie spielte beispielsweise in so legendären Schwänken wie "Prinzess Wäscherin: Die rote Jule" (1954), "Der Verkaufte Großvater" (1955), "Der Müde Theodor" (1959) oder "Der Kühne Schwimmer" (1960). In der Posse "Im Nachtjackenviertel" (1961), der turbulenten Geschichte um eine erwartete Erbschaft, glänzte sie als resolute Frau des Bäckermeisters Hermann Sourbrod (Franz Schneider), die von dem Gelegenheitsarbeiter Anton Palm (Willy Millowitsch) als "läufijer Barackendackel" beschimpft wird → www.youtube.com. In dem (mit einer Sehbeteiligung von fast 90 Prozent) erfolgreichen Millowitsch-Klassiker "Tante Jutta aus Kalkutta" (1962) mimte sie grandios die im fernen Asien lebende Titelheldin, welche von dem aufstrebende Rechtsanwalt Dr. Hans Hannemann (Peter René Körner) angepumpt wird, für die Zahlungen jedoch einen anständigen und bürgerlichen Lebenswandel erwartet. Als "Tante Jutta" dies überprüfen will und ihren Besuch ankündigt, gerät das Lügenkonstrukt – Hannemann hat unter anderem eine Ehefrau, einen Sohn und den Schwiegervater Dietrich Bollerkopp (Willy Millowitsch) erfunden – ins Wanken …
"Der Pedell" (1964), "Drei kölsche Jungen" (1965), "Der Doppelte Moritz" (1966), "Der Ungläubige Thomas" (1967) und natürlich der legendäre "Etappenhase" (1969) sind nur einige der vielen Publikumsrenner gewesen, mit denen Elsa Scholten nicht nur im Fernsehen Furore machte. Ihre Domäne blieb stets die Bühne des Kölner Volkstheaters, wo er sie sich bis heute einen Namen als brillante Charakterkomödiantin bewahrt hat.

Elsa Scholten starb überraschend am 14. Oktober 1981 mit 79 Jahren in Köln, sie war von Freunden tot in ihrer Wohnung aufgefunden worden. Die letzte Ruhe fand sie auf dem dortigen Kölner Friedhof Melaten; die Grabstelle existiert nicht mehr.
Der "Kölner Stadt-Anzeiger" (Nr. 240, 15.10.1981) schrieb unter anderem in einem Nachruf: "Als "uns Els'che" 1977 ihren 75. Geburtstag feierte, erwiderte sie auf die, Frage, wie lange sie zu spielen gedenke: "Bis ich umfalle." Gestern fanden sie Freunde tot in der Wohnung an der Venloer Straße. Am 28. Februar 1982 wäre Elsa Scholten achtzig geworden. Und zu diesem Ereignis plante ihr "Chef", Willy Millowitsch, eine Neuinszenierung ihres Lieblingsstücks "Im Nachtjackenviertel". Wenn sie in letzter Zeit auch nicht mehr ganz gesund gewesen war, gelang es ihr dennoch, ihr Publikum zum Lachen zu bringen. Und dann waren all ihre Schmerzen wie weggeweht."
Die Vollblut-Mimin war mit dem Schauspieler Heinz Scholten (1901 – 1960) verheiratet, mit dem sie auch verschiedentlich auf der Bühne des "Millowitsch Theaters" stand.
 

*) Laut Traueranzeige im "Kölner Stadt-Anzeiger" (Nr. 242, 17./18.10.1981)
Link: 1) Wikipedia, 2) Kurzportrait innerhalb dieser HP
Siehe auch Wikipedia; Filmografie bei der Internet Movie Database
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