Walter Schultheiß wurde am 25. Mai 1924 in Tübingen geboren. Nach einem Studium der Malerei sowie einer Ausbildung zum Schauspieler erhielt in Prag ein erstes Engagement, weitere Stationen seiner Bühnenkarriere waren unter anderem Esslingen und die Stuttgarter "Komödie im Marquardt", in München spielte er Kabarett. Seit Kriegsende stand der Vollblutschauspieler auf der Bühne, seinen Durchbruch hatte er 1947 mit der Rolle des "Pedro del Vegas" in der Fred Raimond-Operette "Maske in Blau" und auch mit Ralph Benatzkys "Im Weißen Rössl" feierte er Erfolge, stand mit der Operette mehr als 350 Mal auf der Bühne. Im Verlaufe der Jahre spielte Schultheiß in zahlreichen Bühnenstücken und Komödien, oft schwäbischen Kolorits, agierte unter anderem in einer schwäbischen Fassung von Goethes "Die Mitschuldigen", im berühmten "Konfirmandefescht" von Fitzgerald Kusz oder in der Silvesterkomödie "An guada Rutsch" von Monika Hirschle.
 
Populär wurde Schultheiß anfangs vor allem durch die Hörfunksendung des damaligen Süddeutschen Rundfunks "Gäste im Großen Sendesaal", ab 1963 ging er 20 Jahre lang gemeinsam mit Werner Veidt1) (1903 – 1992) auf Sendung und beide begeisterten die Zuhörer als Duo "Karle und Gottlob" mit den "Straßenkehrer-Sketchen": "Ich bin der Straßenkehrer Gottlob Friederich, ich kehr' für Arm und Reich, für Groß und Niederich"; einige wenige Sketche wurden auch für das Fernsehen produziert. Außerdem trat Schultheiß beispielsweise auch zusammen mit den Urschwaben Oscar Heiler1) (1896 – 1973) und Willy Reichert2) (1903 – 1992) sowie mit Georg Thomalla2) (1915 – 1999) im Hörfunk und Fernsehen auf.
Walter Schultheiß (links) als Titelheld in der schwäbischen Kultserie "Der Eugen" (1986) mit Alexander Gittinger (Karle); Foto mit freundlicher Genehmigung von SWR Media Services mit weiteren Infos zu der Serie; Copyright SWR Ein noch größeren Bekanntheitsgrad erlangte Schultheiß durch das Fernsehen: Neben Auftritten in Einzelproduktionen wie "Blauer Himmel, den ich nur ahne" (1979) avancierte er mit der Hauptrolle des eigenwillig-charmanten Weingutbesitzers Eugen Eisele in "Der Eugen"1) (ab 1986, mehr als 100 Folgen) oder der Reihe "Oh Gott, Herr Pfarrer"1) (1988, mit Robert Atzorn) und der Rolle des frömmelnden Altpfarrers Merkle zum "Vorzeige Schwaben" schlechthin.
 
Foto: Walter Schultheiß (links) als Titelheld in
der schwäbischen Kultserie "Der Eugen" (1986)
mit Alexander Gittinger (Karle)
Foto mit freundlicher Genehmigung von SWR Media Services; © SWR
Auch in der Serie "Pfarrerin Lenau"3) (1990, mit Irene Clarin) war er als Buchbinder Karl Engstinger mit von der Partie, köstlich auch sein schlitzohriger Justizoberinspektor Köberle in der Serie "Köberle kommt"3) (1983), der eigentlich Archivar ist, sich jedoch lieber mit der etwas eigenwilligen Lösung von Kriminalfällen beschäftigt, als in verstaubten Akten zu wühlen. Tatkräftig unterstützt wurde der Hobbyermittler zwölf Episoden lang von Kommissarin Annegret Herbig alias Witta Pohl. In der Serie "Der König von Bärenbach"3) (1991) mimte Schultheiß hinreißend 13 Folgen lang den Bürgermeister Willi Holzwarth, der für seine Gemeinde nur das Beste im Sinn hat, dann aber von dem selbsternannten Nachfolger Manfred Schnell (Christoph Hofrichter) aufs Altenteil abgeschoben wird. Die Rechnung hat dieser jedoch ohne den gewieften "König von Bärenbach" gemacht, der sich allerlei Tricks ausdenkt, um seinen Konkurrenten zu demontieren. Eine weitere Dauerrolle, wenn auch eine etwas kleinere, hatte Schultheiß ab 1994 in der SAT 1-Arztserie "Hallo, Onkel Doc!"1), hier mimte er vier Jahre lang den Albert Kampmann und Vater der Titelfigur Dr. Markus Kampmann alias Ulrich Reinthaller.

Seit Ende 2000 trat Walter Schultheiß mit einer kleinen, dennoch prägnanten Nebenrolle in den "Tatort"-Folgen aus Stuttgart auf und hinterließ immer wieder einen nachhaltigen Eindruck: Er mimte seit der Episode "Bienzle und das Doppelspiel" (EA: 10.12.2000) den nörgelnden und neugierigen Vermieter Rominger, der Kommissar Bienzle (Dietz Werner Steck) und dessen Lebensgefährtin Hannelore (Rita Russek) mit seiner Pingeligkeit so manches Mal zu Weißglut treibt. Bereits 1995 hatte man Schultheiß in der Folge "Bienzle und der Mord im Park"1) als Alfons Schierle auf dem Bildschirm gesehen, mit der letzten "Bienzle"-Folge "Bienzle und sein schwerster Fall" (EA: 25.02.2007) mussten sich die Zuschauer nun auch von der Figur des Rominger verabschieden → tatort-fundus.de.
Zur TV-Filmografie von Walter Schultheiß zählen auch die Fernsehspiele "Pannenhilfe" (1977) von Sepp Strubel und "Drei Tage im April" (1994) von Oliver Storz, weiterhin Erwin Michelbergers "Traumstreuner" (1994) und Dominik Grafs "Reise nach Weimar" (1996).
 
Noch im hohen Alter steht der Schauspieler immer mal wieder vor der Fernsehkamera und macht mit durchgehenden Episodenrollen in TV-Serien auf sich aufmerksam. So tauchte er in der Kinder- und Jugendserie "Ein Fall für B.A.R.Z."1) (2005 – 2008) als Opa Bertold Birkenstock auf, gab seit 2008 in der losen ARD-Familienreihe "Der Schwarzwaldhof"1) den alten Hausdiener Hermann Huck. Eine schöne Rolle war auch die des rüstige Opa Schaller in der sechsteiligen Mundartserie "Laible und Frisch"1), welche erstmals an den Weihnachtsfeiertagen 2009 vom SWR ausgestrahlt wurde. Erzählt wird die Geschichte der alteingesessenen Familienbäckerei Laible, die sich gegen einen Billigbackwarenfabrikanten behaupten muss. Auch gute Freunde, wie unter anderem der verwitwete Müller Hermann Häberle (Dietz-Werner Steck) oder der rüstige Opa Schaller (Walter Schultheiß), können nicht verhindern, dass Bürgermeister Karl Pfleiderer (Peter Jochen Kemmer) seinem langjährigen Freund Walter Laible (Winfried Wagner) den industriellen Großbäcker Frisch (Simon Licht) praktisch vor die Nase setzt. In dem Kinofilm "Global Player – Wo wir sind isch vorne", mit dem Regisseurs Hannes Stöhr ein tragikomisches Porträt einer mittelständischen, schwäbischen Textil-Unternehmerfamilie in der Globalisierung zeichnet, spielte der "Vorzeige-Schwabe" als knorriger, sturer Seniorchef Paul Bogenschütz seine erste Leinwand-Hauptrolle → www.zeit.de; Kinostart war der 3. Oktober 2013. Wenig später tauchte er in der "SOKO Stuttgart"-Folge "Mann ohne Gesicht" (EA: 31.10.2013) als Hubert Klein auf → www.fernsehserien.de.

Walter Schultheiß, der 2014 seinen 90. Geburtstag auch mit einer Matinee in der "Komödie im Marquart" feierte (→ www.stuttgarter-zeitung.de) und sich noch lange nicht aufs Altenteil setzen will, steht meist regelmäßig mehrere Wochen im Jahr auf der Bühne. Das SWR Fernsehen ehrte den 90-jährigen Jubilar am 10. Mai 2014 um 20.15 Uhr mit der Dokumentation "Walter Schultheiß – Ein Leben für die Bühne", außerdem zeigt der SWR in Baden-Württemberg am 24. Mai 2014 um 19.15 Uhr den Film "Walter Schultheiß wird Neunzig!".
Ende 2004 erhielt er als Erster die Auszeichnung "Ehrenmitglied" des "Alten Schauspielhauses Stuttgart", für sein großartiges Engagement und seine regelmäßigen Auftritte in beiden Theater, "Komödie im Marquart" und "Altes Schauspielshaus". Ein Jahr zuvor hatte der damalige Ministerpräsident Erwin Teufel den Schauspieler mit der "Verdienstmedaille des Landes Baden-Württemberg" ausgezeichnet. Für sein eindrucksvolles Lebenswerk wurde der Schauspieler am 8. Dezember 2013 anlässlich des Abschlusses der "19. Filmschau Baden-Württemberg" im Stuttgarter "Metropol Kino" mit dem "Ehrenfilmpreis des Filmbüros Baden-Württemberg" geehrt.
  
Zu den Leidenschaften des stets bescheiden auftretenden Vollblutmimen zählt nach wie vor die Malerei, neben seiner umfangreichen Arbeit für Theater und Fernsehen schreibt der Künstler witzige Dialoge, Gedichte und Valentinaden, in denen er meistens mit humorvollem und hintersinnigem Blick die schwäbische Seele seziert; ebenso populär sind die von ihm gelesenen "Gogenwitze".
Walter Schulheiß, der eher zu den stillen Stars zählt, ist seit Mai 1950 mit der Stuttgarter Schauspielerin Trudel Wulle1) verheiratet, bereits 1947 hatte sich das Paar kennengelernt. Aus der Verbindung stammt der gemeinsame Sohn Götz Schultheiß. Das Ehepaar lebt in Wildberg (Schwarzwald), beide erfreuen auch gemeinsam mit Lesungen das Publikum. Von Götz Schultheiß, der als freier Journalist tätig ist, stammt das Buch "Hamlet mit Apfelmus. Walter Schultheiß und Trudel Wulle auf der Bühne und zu Hause" (2007) → www.hohenheim-verlag.de.
 
Link: 1) Wikipedia, 2) Kurzportrait innerhalb dieser HP, 3) fernsehserien.de Stand Januar 2015
Textbausteine des Kurzportraits stammen von "Wikipedia sowie von www.swr.de;
siehe auch den Artikel bei www.stuttgarter-nachrichten.de
Filmografie bei der
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