Die Schauspielerin Edith Schultze-Westrum wurde am 30. Dezember 1904 als jüngstes von drei Geschwistern in Mainz-Kastel geboren; ihre Eltern waren der Berufsoffiziers Karl August Schultze, der zu Beginn des 1. Weltkrieges fiel, und dessen Ehefrau Else, geborene Westrum. Ihre Kindheit und Jugend verbrachte Edith Schultze-Westrum in Ulm, Berlin sowie in Greifswald, wo sie das örtliche Lyzeum besuchte.
Schon früh interessierte sich die junge Edith für alles, was mit dem Theater zusammen hing, erste Erfahrungen auf der Bühne sammelte sie 1926 bei einer studentischen Laiengruppe an der Münchener Universität; hier tat sie sich unter anderem als "Kriemhild" in Hebbels "Die Nibelungen" hervor. Sie untermauerte ihr schauspielerisches Talent und nahm privaten Unterricht, den sie auf Vermittlung ihres Vetters, einem Professor für Anatomie, als medizinische Laborantin an der Anatomie finanzierte. Schon nach wenigen Monaten erhielt sie 1927 von Otto Falckenberg1) (1873 – 1947) ein erstes festes Engagement an den Münchener "Kammerspielen", spielte zunächst nur kleinere Rollen wie Zofen oder sonstige Dienstboten. Bald jedoch avancierte sie zu einer bedeutenden Charakterdarstellerin, stand unter anderem zwischen 1935 und 1945 am "Bayerischen Staatstheater" unter der Regie von Otto Falckenberg auf der Bühne. Kurz zuvor war sie wegen kritischer Äußerungen über das Nazi-Regime mit einem mehrmonatigen Spielverbot belegt worden.
Auch von den Kritikern der damaligen Zeit wurde sie durchweg sehr gut beurteilt. Es wurde vor allem auf die Wandlungsfähigkeit und Glaubwürdigkeit ihrer Rollendarstellung hingewiesen. "Das war elementare, großartig-schonungslose Darstellungskunst!", schrieb über ihre Leistung beispielsweise die "Münchener Zeitung" 1935 nach der Premiere des Stückes "Das Spiel von den deutschen Ahnen.2)
  
Nach Ende des 2. Weltkrieges konnte Edith Schultze-Westrum als Schauspielerin zunächst nicht so recht Fuß fassen und hielt sich neben einigen Gastspielen mit Synchronisationsarbeiten über Wasser. Nach einem erneuten, kurzen Engagement an den Münchener "Kammerspielen" arbeitete sie seit 1948 als freie Schauspielerin. Zu ihren Glanzrollen auf der Bühne zählen unter anderem die "Alkmene" in Kleists "Amphitryon", die "Selma Knobbe" in Gerhart Hauptmanns "Die Ratten" sowie die "Mutter Wolfen" in dessen "Der Biberpelz" oder die "Mrs. Evans" in O'Neills "Seltsames Zwischenspiel" – um nur weniges zu nennen.
  
Auch der Film griff, wenn auch erst spät, immer wieder gerne auf die wandlungsfähige Schauspielerin zurück; bereits 1932 hatte sie in dem Streifen "Kiki – Der Lebensweg einer kleinen Choristin" mitgewirkt, 1949 spielte sie eine kleinere Rolle in Kurt Meisels "Tragödie einer Leidenschaft", der sie auch in seinem Film "Verspieltes Leben" als Elisabeth von Kanzler besetzte, sowie das Fräulein Diethof in Kurt Hoffmanns "Heimliches Rendezvous". 1950 sah man sie als Schwester Grete in Viktor Tourjanskys Kriminalgeschichte "Vom Teufel gejagt"1) neben Hans Albers und Willy Birgel, es folgten Auftritte in Produktionen wie "Das ewige Spiel"1) (1951), "Haus des Lebens"1) (1952), "Die Große Versuchung"1) (1952), "Zwerg Nase"1) (1953), "Sauerbruch – Das war mein Leben"1) (1954), "08/15 – In der Heimat"1) (1955) oder "Santa Lucia"1) (1956). Bernhard Wicki besetzte sie als Mutter Bernhard in seinem Anti-Kriegs-Drama "Die Brücke"1) (1959), eine Mutterrolle spielte sie auch in Frank Wisbars "Nacht fiel über Gotenhafen"1) (1959) sowie in Paul Mays "Via Mala"1) (1961); für ihre Rolle der Mutter Lauretz in dieser Verfilmung nach dem Roman von John Knittel wurde sie mit dem "Bundesfilmpreis in Gold" für die "Beste Nebenrolle" geehrt. Bis Ende der 1960er Jahre stand die Schauspielerin für Filme wie "Sherlock Holmes und das Halsband des Todes"1) (1962), "Die Försterchristel"1) (1962), "Ein Frauenarzt klagt an"1)  (1964) oder "Dr. med. Hiob Prätorius"1)  (1965) vor der Filmkamera. Beeindruckend auch ihre Rolle der alten Witwe Kauders in Kurt Hoffmanns "Das Haus in der Karpfengasse"1) (1965), eine Figur, die sie auch in der dreiteiligen TV-Fassung gestaltete. Letztmalig wirkte sie in der Simmel-Verfilmung "Alle Menschen werden Brüder" (1973) in einer Kinoproduktion mit.
Seit Mitte der 1950er Jahre übernahm Edith Schultze-Westrum auch immer wieder Aufgaben für das Fernsehen und wirkte in zahlreichen Literaturverfilmungen mit. Man erlebte sie unter anderem 1962 als Anna Quangel und Partnerin Alfred Schieskes in Falk Harnacks Fallada-Adaption "Jeder stirbt für sich allein", als Isabelle D'Arc in Paul Verhoevens "Der Fall Jeanne D'Arc" (1966), als perfektes Hausmädchen Ellen in dem von Günter Gräwert in Szene gesetzten Krimi "Die selige Edwina Black"3) (1965) oder als Jeanne Gloanec in dem TV-Mehrteiler "Paul Gauguin" (1975). Zu ihren letzten Fernsehrollen gehört Wolfgang Schleifs Drama "Wie Rauch und Staub" (1979) nach der Novelle "Aquis submersus" von Theodor Storm sowie die erfolgreichen Mehrteiler "Jauche und Levkojen"4) (1979) und "Nirgendwo ist Poenichen" (1980) nach dem gleichnamigen Roman von Christine Brückner. Daneben hatte sie immer wieder Gastauftritte in so beliebten Krimi-Reihen wie "Die fünfte Kolonne", "Das Kriminalmuseum", "Dem Täter auf der Spur", "Sonderdezernat K1", "Derrick", "Der Alte" und "Der Kommissar".
 

Foto: Edith Schultze-Westrum (rechts) mit Käte Jaenicke4) in "Der Sog" (1968)
Foto mit freundlicher Genehmigung von SWR Media Services; © SWR

Käte Jaenicke und Edith Schultze-Westrum in "Der Sog" (1968); Foto mit freundlicher Genehmigung von SWR Media Services mit weiteren Infos zu dem Fernsehspiel; Copyright SWR
Edith Schultze-Westrum starb am 20. März 1981 im Alter von 76 Jahren in München an den Folgen der Parkinson-Krankheit; ihre letzte Ruhe fand die Künstlerin auf dem Waldfriedhof im Münchener Stadtteil Solln (Nr. 16-W-24)2). Die Schauspielerin war von 1940 bis zur Scheidung 1945 mit dem Filmproduzenten Toni Schelkopf1) (1914 – 1975) verheiratet; aus der Verbindung ging Tochter Regine hervor. Der Vater ihres Sohnes Thomas Schultze-Westrum, der sich später als der Zoologe und Tierfilmer einen Namen machte, war der Schauspieler und Regisseur Paul Verhoeven4) (1901 – 1975).
 
Siehe auch Wikipedia, www.cyranos.ch 
Filmografie bei der Internet Movie Database sowie Wikipedia
Link: 1) Wikipedia, 3) Die Krimihomepage, 4) Beschreibung bzw. Kurzportrait innerhalb dieser HP
Quelle: 2) Wikipedia (abgerufen 05.09.2011)
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