Horst Schulze wurde am 26. April 1921 als Sohn eines Arbeiters in Dresden geboren. Nach Beendigung seiner Schulzeit ließ er sich ab 1937 zunächst drei Jahre lang zum Autoschlosser ausbilden, entschied sich dann aber für eine künstlerische Laufbahn. Schulzes ganze Liebe galt der Oper, bereits während seiner Lehrjahre war er Mitglied eines Chores und nahm in seiner Geburtsstadt privaten Gesangs- bzw. Schauspielunterricht an der "Opernschule Petrenz".
Sein Bühnendebüt gab Schulze in der komischen Oper "Der Waffenschmied"1) von Albert Lortzing, dann geriet seine beginnende Karriere während des 2. Weltkrieges ins Stocken, da er zum Wehrdienst einberufen wurde und später in Kriegsgefangenschaft geriet.
Nach seiner Entlassung erhielt er ein Engagement an der "Volksoper" in Dresden-Gittersee, wo er auch seine spätere Frau, die Sopranistin Anneliese Pillatzke, kennenlernte. Schulze vertiefte seine schauspielerischen Studien, nach kurzen Verpflichtungen an der "Dresdener Komödie" und der "Landesoper Sachsen" wirkte er am "Gerhart-Hauptmann-Theater" in Zittau und am "Nationaltheater" in Weimar. 1956 kehrte er wieder nach Dresden zurück und wurde in das Ensemble des "Dresdner Staatstheaters"1) berufen.
  

Horst Schulze 1962
Quelle: Deutsche Fotothek, (file: df_hp_0016274_062)
© SLUB Dresden/Deutsche Fotothek/Erich Höhne, Erich Pohl
Urheber: Erich Höhne1) (1912–1999), Erich Pohl1) (1904–1968) 
Datierung: 1962; Quelle: www.deutschefotothek.de
Genehmigung zur Veröffentlichung wurde am 27.03.2017 erteilt.

Horst Schulze 1962; Quelle: Deutsche Fotothek, (file: df_hp_0016274_062); Copyright SLUB Dresden/Deutsche Fotothek/Erich Höhne, Erich Pohl; Urheber: Erich Höhne, Erich Pohl / Datierung: 1962; Quelle: www.deutschefotothek.de; Genehmigung zur Veröffentlichung wurde am 27.03.2017 erteilt.
Neun Jahre stand er dort auf der Bühne, zeigte sich mit den unterschiedlichsten Rollen und avancierte rasch zum Publikumsliebling. Sowohl in klassischen Stücken als auch Werken der Moderne bewies Schulze immer wieder seine enorme Wandlungsfähigkeit, zu seinem breit gefächerten Repertoire zählten Titelrollen wie der Shakespeare'sche "Hamlet"1) oder Goethes "Torquato Tasso"1), als Schiller-Interpret begeisterte er die Zuschauer als Franz Moor in "Die Räuber"1), als Marquis Posa in "Don Karlos"1) und als Fiesco in "Die Verschwörung des Fiesco zu Genua"1), in Goethes "Faust"1) gab er den Mephisto – um nur Einiges zu nennen. Dass er auch im leichteren Fach zu überzeugen wusste, bewies er als Titelheld bzw. charmanter Georges Duroy, genannt "Bel Ami", in dem gleichnamigen Musical1) nach dem Roman von Guy de Maupassant1) mit Musik von Peter Kreuder1).
1965 wechselte Schulze für zwei Jahre zum "Berliner Ensemble"1), wo er unter anderem als Mackie Messer in Brechts "Die Dreigroschenoper"1) glänzte, anschließend wurde bis 1972 das Berliner "Metropol-Theater" seine künstlerische Heimat. Hier feierte er zehn Jahre lang als Professor Higgins in dem Musical-Klassiker "My Fair Lady"1) Triumphe, anfangs rund 300 Vorstellungen lang an der Seite einer nicht minder brillanten Maria Alexander1) als Londoner Blumenmädchen Eliza Doolittle. Dem klassischen Musiktheater blieb Schulze weiterhin treu, gab Gastspiele an verschiedenen Berliner Bühnen, an der Berliner "Staatsoper Unter den Linden" war mit seiner angenehmen Bariton-Stimme ein umjubelter, burlesker Papageno in Mozarts "Die Zauberflöte"1) neben Opernstars wie Peter Schreier1) (Tamino) und Sylvia Geszty1) (Königin der Nacht).
 
Einem breiten Publikum wurde Horst Schulze durch zahlreiche Kino- und Fernsehproduktionen bekannt. Seine erste Leinwandrolle erhielt er als Graf Appiani in der DEFA-Verfilmung von Lessings "Emilia Galotti"1) (1958) neben der Protagonistin Karin Hübner3) (1936 – 2006). Fortan zeigte sich Schulze – seit Mitte der 1960er Jahre festes DEFA-Mitglied – mit prägnanten und unterschiedlichsten Rollen. Sein nachhaltigster Part ist wohl die Figur des Marxisten Karl Liebknecht1) (1871 – 1919) in Günter Reischs Filmbiografie "Solange Leben in mir ist"1)  (1965) geblieben, mit dem das Leben Liebknechts in den Jahren 1914 bis 1916 während des 1. Weltkrieges nachgezeichnet wurde. Für seine schauspielerische Leistung erhielt Schulze 1966 den "Nationalpreis II. Klasse" der DDR. Auch in der Fortsetzung "Trotz alledem!"1) (1972) verlieh Schulze dem Begründer der Kommunistischen Partei Deutschlands Kontur, diesmal thematisierte Regisseur Reisch Liebknechts Wirken in den Jahren 1918 und 1919.
Eine andere historische Person gestaltete Schulze unter der Regie von Rudi Kurz in dem TV-Vierteiler "Hans Beimler, Kamerad"2) (1969) über den KPD-Politiker, Reichstagsabgeordneten und antifaschistischen Widerstandskämpfer Hans Beimler1) (1895 – 1936), hier überzeugte er in der Titelrolle des Hans Beimler erneut mit seinem differenzierten Spiel. "Fern jeder Heldenschablone gestaltete Horst Schulze das menschlich-kämpferische Profil des großen deutschen Arbeiterführers mit subtilen Mitteln, mit Wärme und individueller Überzeugungskraft" schrieb unter anderem 1973 der Autor und Kritiker Manfred Heidicke – ein weiterer "Nationalpreis" war der Lohn. Auch den Lehrer bzw. KPD-Abgeordneter Ernst Schneller1) (1890 – 1944), der am 11. Oktober 1944 von den Nazis im KZ Mauthausen ermordet wurde, stellte Schulze in dem gleichnamigen TV-Zweiteiler1)  (1977) authentisch dar, in Wolf-Dieter Panses "Chef der Gelehrsamkeit – Wilhelm von Humboldt" (1983) verkörperte er den Gelehrten, Staatsmann und Mitgründer der Berliner Universität Wilhelm von Humboldt1) (1767 – 1835). In der vierteiligen Biografie "Johann Sebastian Bach"1) (1985) über Leben und Wirken des berühmten Komponisten, dargestellt von Ulrich Thein3), gab er den Kirchenliederdichter und Theologen Erdmann Neumeister1) (1671 – 1756). Als Wolf-Dieter Panse den Historienfilm "Bebel und Bismarck" (1987) mit Jürgen Reuter3) als revolutionärem Führer der deutschen Arbeiterpartei August Bebel1) (1840 – 1913) und Wolfgang Dehler3) als "eisernem" Reichskanzler Otto von Bismarck1) (1815 – 1898) drehte, besetzte er Schulze als den sozialistischen Abgeordneten Wilhelm Liebknecht1) (1826 – 1900); seit Juni 2012 ist der Dreiteiler auf DVD in der Reihe "Große Geschichten – DDR-TV-Archiv" im Handel erhältlich.

Horst Schulze deckte wie auf der Bühne auch im Film die gegensätzlichsten Figuren ab, zeigte sich auch schon mal als schurkischer Typ in den beliebten DEFA-Indianer-Streifen neben Leinwand-Idol Gojko Mitić3), so als Minenboss Harrington in "Weiße Wölfe"1) (1969) und als reicher Plantagenbesitzer bzw. Sklavenhalter Raynes in "Osceola" (1971. In dem Drama "KLK an PTX – Die Rote Kapelle"1) (1971), mit dem Regisseur Horst E. Brandt detailfreudig 180 Minuten lang die Geschichte der als "Rote Kapelle"1) bekannten Widerstandsgruppe gegen den Nationalsozialismus erzählt, verkörperte er den Schriftsteller Adam Kuckhoff1) (1887 – 1943, der wie der Luftwaffenoffizier Harro Schulze-Boysen1) (1909 – 1942; dargestellt von Klaus Piontek3)), der Ökonomen Arvid Harnack1) (1901 – 1942; dargestellt von Horst Drinda3)) zum Kern der "Roten Kapelle" gehörte.
Immer wieder waren es Literatur-Adaptionen, in denen Schulze auf dem Bildschirm glaubwürdig und facettenreich seine Rollen ausfüllte, etwa an der Seite von Angelica Domröse als Baron Geert von Imstetten in der von Wolfgang Luderer für das Fernsehen inszenierten Fontane-Verfilmung "Effi Briest"2) (1970) oder als Dr. Erich Schattmann in Kurt Jung-Alsens Verfilmung des Peter Edel-Romans "Die Bilder des Zeugen Schattmann"1) (1972, mit Gunter Schoß als Sohn Frank Schattmann). In Siegfried Kühns Kinoversion von Goethes "Wahlverwandtschaften"1) (1974) gab er den ehemaligen Geistlichen Mittler, in der Fallada-Verfilmung "Altes Herz geht auf die Reise"2) (1987) grandios den Professor Gotthold Kittguß, dessen scheinbar vorgezeichneter Lebensweg eine unvorhergesehene Wendung nimmt. "Meist nutzten die Regisseure sein scharf geschnittenes Profil, die geschliffene Artikulation und stolze Körperhaltung für strenge, preußisch-protestantische Charaktere. In viele Rollen brachte Schulze sein Wissen um politisch-historische Zusammenhänge und die Differenziertheit der menschlichen Seele ein" schrieb unter anderem die "Berliner Zeitung" (BZ; 26.04.2011) anlässlich des 90. Geburtstag des Charakterdarstellers.
  
Das Genre des Krimis war dem Schauspieler ebenfalls nicht fremd, mehrfach wirkte Schulze seit Ende der 1970er Jahre in der beliebten "Polizeiruf 110"-Reihe1) mit, in Konrad Petzolds spannenden Kino-Geschichte "Für Mord kein Beweis"1) (1979) mimte er den ehemaligen Nazi-Arzt Zinn, dessen Frau tot aufgefunden wird. Hauptmann Lohm (Winfried Glatzeder) wird mit der Klärung des mysteriösen Falls betraut …
Eine schöne Rolle war auch die des Oskar Hübscher und Freundes von Oma Martha (Gudrun Okras) in der Familienserie "Barfuß ins Bett"1) (1990), in den nachfolgenden Jahren trat Schulze mit Gastrollen in weiteren beliebten TV-Serien wie "Luv und Lee" (1991), "Kanzlei Bürger" (1995) oder "Heimatgeschichten" (1998) in Erscheinung. Zu seinen letzten Fernsehauftritten zählen unter anderem kleinere Aufgaben in der Komödie "Liebe ist die halbe Miete"4) (2002), der "Tatort"-Geschichte "Todesfahrt"1) (2002) sowie die Episode "Mädchen und Jungs" (2006) aus der Serie "Abschnitt 40"1).
Die Berliner "Akademie der Künste"1) verwaltet das "Filmarchiv Horst Schulze", unter anderem mit Werk-, Szenen- und Rollenfotos, Werbematerialien und Kritiken zu seinen Theaterrollen, biografischen Unterlagen und Porträtfotos → www.adk.de.
 
Auch im fortgeschrittenen Alter blieb der vielseitige Mime nach wie vor auf der Bühne präsent, so begeisterte er in den letzten Jahren das Publikum mit Lesungen, brachte Gedichte und Balladen zu Gehör. Er rezitierte beispielsweise Texte von Friedrich Nietzsche, Szenen aus Goethes "Faust, der Tragödie Erster Teil" und Gedichte von Friedrich Schiller, wie noch im Oktober 2011 am "Staatsschauspiel Dresden". In jüngerer Zeit bot der inzwischen über 90-jährige Schauspieler Anfang April 2012 in der "Villa Teresa" im sächsischen Coswig nahe Dresden – wie schon seit einigen Jahren – erneut mit zwei "Faust"-Abenden einmal mehr eine Probe seines Könnens; diese Veranstaltungen mit Horst Schulze haben inzwischen Kult-Status erreicht.
Schulze, der ab 1972 zeitweise als Dozent an der "Berliner Musikhochschule" sowie in seiner Heimatstadt Dresden tätig war, ist Vater von zwei Kindern, die ebenfalls einen künstlerischen Beruf ergriffen. Tochter Andrea Schulze (geb. 1953) arbeitet als Theater- und Konzertpädagogin sowie Puppenspielerin → www.theater-und-orchester.de, Sohn Ralf-Peter Schulze (geb. 1955) gehörte lange Jahre (1979–1992) zum Ensemble des "Deutschen Nationaltheaters" in Weimar, inszenierte dort auch verschiedene Stücke. Zwischen 1990 und 1993 fungierte er als Spielleiter am "Landestheater Eisenach", von 1998 bis 2000 als Schauspieldirektor am "Landestheater Neustrelitz", um dann von 2000 bis 2011 die Intendanz bzw. künstlerische Geschäftsleitung der "Theater und Orchester GmbH Neubrandenburg/Neustrelitz" zu übernehmen; seit Januar 2012 ist er Leiter des " Mittelsächsischen Theaters" in Freiberg/Döbeln → www.theater-und-orchester.de.
Quellen (unter anderem): Wikipedia, staatsschauspiel-dresden.de
1) Link: Wikipedia, 2) fernsehenderddr.de, 3) Kurzportrait innerhalb dieser HP, 4) prisma.de
     
Filme
Kinofilme / Fernsehen
Filmografie bei der Internet Movie Database, filmportal.de
(Fremde Links: Wikipedia, defa-stiftung.de, fernsehserien.de, prisma.de)
Kinofilme Fernsehen (Auszug)
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