Edgar Selge 01; Copyright Nadja Klier/Agentur Studlar Edgar Selge wurde am 27. März 1948 als Sohn eines Beamten im sauerländischen Brilon geboren und wuchs in Herford auf. Nach Schule und Abitur studierte er in München bzw. Dublin Philosophie und Germanistik, ein Studium in klassischem Klavier schloss sich in Wien an. Dann entschloss er sich Schauspieler zu werden und besuchte die renommierte "Otto-Falckenberg-Schule" in München, 1975 machte er seinen Abschluss. Sein Bühnendebüt hatte Selge bereits ein Jahr zuvor als "Ariel" in Shakespeares "Der Sturm"1) am "Deutschen Theater" in Göttingen gegeben, ein Jahr später wurde er Ensemblemitglied des Berliner "Schiller-Theaters", wo er bis 1978 viele große Rollen interpretierte. Anschließend wechselte er an die "Münchner Kammerspiele" und arbeitete dort bis 1996 mit so bedeutenden Regisseuren wie Dieter Dorn1), Thomas Langhoff1), Robert Wilson1), Hans Lietzau1) und Franz-Xaver Kroetz1) zusammen.
Nach seiner Zeit an den " Münchner Kammerspielen" gab er viele Gastspiele, begeisterte unter anderem am Wiener "Burgtheater", am Schauspielhaus Zürich und am " Deutschen Theater" in Berlin; am Münchener " Residenztheater" beispielsweise brillierte er als "Faust" in Christian Dietrich Grabbes Tragödie "Don Juan und Faust"1), bis Ende Juli 2001 gab er dort Friedrich Schillers "Wallenstein"1). Vielen großen Figuren verlieh Edgar Selge im Verlaufe der Jahre mit seinem facettenreichen Spiel, auch an der Seite legendärer Mimen, eindrucksvolle Bühnenpräsenz; so erlebte man ihn am " Schiller-Theater" unter anderem neben Marianne Hoppe als Edmund in O'Neills "Eines langen Tages Reise in die Nacht"1) sowie in in der Uraufführung von Hartmut Langes1) "Frau von Kauenhofen", mit dem legendären Bernhard Minetti spielte er in Shakespeares "Der Sturm".  
 
Foto mit freundlicher Genehmigung der Agentur Studlar
sowie der Fotografin Nadja Klier © Nadja Klier (www.klier-art.de)
In den Dieter Dorn-Inszenierungen "Groß und Klein"1) von Botho Strauß und "Dantons Tod"1) von Büchner spielte er an den "Münchner Kammerspielen" ebenso brillant wie in Dorns Umsetzung der Klassiker "Was ihr wollt"1) (von Shakespeare, Rolle: Bleichenwang) und "Iphigenie auf Tauris"1) (von Goethe, Rolle: Arkas) – um nur Einiges von Selges herausragendem Theaterwirken zu nennen. Seine schauspielerischen Leistungen wurden schon früh gewürdigt, bereits 1977 erhielt er den Preis der Berliner "Akademie der Künste" für die Rolle in "Eines Tages lange Reise in die Nacht", sechs Mal (1979, 1982 1983, 1984, 1994, 1995) wurde er von der Zeitschrift "Theater Heute", dem führenden Fachmagazin der Theaterwelt, zum "Schauspieler des Jahres" gekürt.
Zu Edgar Selges jüngeren Theaterarbeiten zählt "Faust I"1) von Johann Wolfgang von Goethe in einer Inszenierung des Regisseurs Jan Bosse
1), das 2004 am "Deutschen Schauspielhaus Hamburg" Premiere hatte und seither – bis auf die Spielzeit 2008/2009 – stets vor ausverkauftem Haus lief: Bosse hat das Stück zum Kammerspiel ganz ohne historische Kulisse " entrümpelt", "Edgar Selge, der 'Faust', gibt einen Altachtundsechziger, zottelig, betont unschick, hochtrabend in den Erwartungen, aber verklemmt, verhemmt, wenn es zur Praxis kommt. Voller Zweifel und auf der Suche nach Erkenntnis. Nicht unbedingt so, wie man sich einen älteren Herren vorstellt – eher einen Turbo-Talker mit eingebautem Hyperventilator (DER SPIEGEL)". (Zitat www.hr-online.de). Während einer Gastspielreise wurde das Stück unter anderem Mitte Mai 2005 auch am "Frankfurter Schauspielhaus" aufgeführt, eine Wiederaufnahme fand in Hamburg zur Spielzeit 2009/2010 statt.
Aktuell macht Selge seit der Premiere am 6. Februar 2016 am Hamburger "Deutschen Schauspielhaus" Furore in der von Intendantin Karin Beier1) inszenierten Bühnenfassung bzw. deutschen Erstaufführung von Michel Houellebecqs1) dystopischem Roman "Unterwerfung". In einer politischen Fiktion über das Frankreich im Jahre 2022, das von einem islamischen Präsidenten regiert wird, schildert der Roman1) die Vorgänge ausschließlich aus der Perspektive des Literaturprofessors François. "Der ist bei Selge ein eher unscheinbarer, leicht verwahrloster Zeitgenosse – ein kluger Kopf, aber durch und durch vom Leben enttäuscht. Insbesondere vom Sexualleben." notiert www.ndr.de. "In einem grandiosen, fast dreistündigen Monolog verkörpert der Starmime Selge die bitter-ironische sozialkritische Geschichte über die schleichende Islamisierung eines kulturell ausgehöhlten Frankreichs im Jahr 2022. Zunächst im schlecht sitzenden Anzug, am Ende in einem orientalischen Gewand, gibt er einen orientierungs- und bindungslosen Intellektuellen auf der Suche nach so etwas wie Glauben." schrieb das "Hamburger Abendblatt". Und bei www.spiegel.de konnte man lesen: "Schon rein äußerlich ließ Selge das Auditorium schmunzeln. Ein verhuschter Professor im cremefarbenen Dreiteiler, irgendwie als Houellebecq-Lookalike angelegt, von Mimik und Gestik immer wieder an Loriot erinnernd, dazu eine Proll-Prise ŕ la Hugo Egon Balder, setzte er Pointen mit der Routine eines Comedians." → siehe auch den Artikel bei www.faz.net. Das Stück steht noch bis Ende März 2016 auf dem Spielplan. "Unterwerfung" ist zudem eine der fünf Inszenierungen einer Werkschau, mit der das Hamburger Schauspielhaus vom 17. Februar bis 3. März 2016 beim renommierten Festival "Brandhaarden" in der "Stadsschouwburg Amsterdam"1) eingeladen ist.
 
Seit Mitte der 1980er Jahre arbeitete Edgar Selge vermehrt für das Fernsehen und wurde bald einem breiten Publikum bekannt. Zunächst waren es noch kleinere Parts wie in der Kult-Reihe "Kir Royal", mit der Zeit wurden die Aufgaben größer. Neben verschiedenen Gastauftritten in populären Serien wie "Der Alte", "Derrick" und "Tatort" spielte er in Einzelproduktionen, wie beispielsweise den Rechtsanwalt Block in Norbert Kückelmanns "Abgetrieben" (1992), dem eindrucksvollem Doku-Drama um den Memminger Prozess von 1988/89 gegen den Abtreibungsarzt Dr. Theissen; zuvor hatte man ihn unter der Regie von Konrad Sabrautzky in der Komödie "Der Neue Mann" (1990)auf dem Bildschirm sehen können. Es folgte der Krimi "Ausgespielt" (1994), in dem mit dem "Adolf Grimme-Preis" ausgezeichneten packenden Psychothriller "Das Böse"2) von Christian Görlitz beeindruckte er 1997 dann erstmals mit der sensibel und unaufdringlich gespielten Rolle eines Kommissars.
Drei Jahre später schlüpfte er dann mit der Figur des Kriminalhauptkommissar Jürgen Tauber in der BR-"Polizeiruf 110"-Folge "Spurlos verschwunden" endgültig in die Ermittler-Rolle und gehört seither zu den beliebtesten TV-Kommissaren: Jürgen Tauber, der bei einem Diensteinsatz seinen rechten Arm verloren hat, ist eine ungewöhnlicher Typ, in sich gekehrt, eigenbrötlerisch, manchmal fast misanthropisch wirkend, mit Hang zum Zynismus und oftmals undurchschaubar. In den ersten Folgen war Gaby Dohm als Polizeipsychologin Dr. Sylvia Jansen seine Partnerin, seit 2001 wurde Tauber bei seinen Fahndungen in München von Kriminalhauptkommissarin Jo Obermaier alias Michaela May unterstützt, die genau das Gegenteil des Kopfmenschen Tauber ist und es nicht immer leicht mit dem Kollegen hat.
 
 

Michaela May (Kriminalhauptkommissarin Jo Obermaier)
und Edgar Selge (Kriminalhauptkommissar Jürgen Tauber)
in der "Polizeiruf 110"-Folge "Vater Unser" (2004; Link br.de).
Foto (Bildname: 11777-70-03) zur Verfügung gestellt vom Bayerischen Rundfunk (BR)
© BR/Foto Marco Orlando Pichler

Michaela May (Kriminalhauptkommissarin Jo Obermaier) und Edgar Selge (Kriminalhauptkommissar Jürgen Tauber) in der "Polizeiruf 110"-Folge "Vater Unser" (2004). Foto (Bildname: 11777-70-03) zur Verfügung gestellt vom Bayerischen Rundfunk (BR); Copyright BR/Foto Marco Orlando Pichler
Edgar Selge (Kriminalhauptkommissar Jürgen Tauber) in der "Polizeiruf 110"-Folge "Gelobtes Land" (2001). Foto (Bildname: 11777-14-33) zur Verfügung gestellt vom Bayerischen Rundfunk (BR); Copyright BR/Foto Gerhard Blank "Der Spiegel" schrieb unter anderem 2001: "Ein Paar hat sich gefunden und den deutschen Krimi aus den Fesseln des Berufsbeamtentums befreit". Des öfteren kommen die Folgen auch mit einer Portion Humor daher, so wie in der Folge "Die Prüfung", der am 3. Juli 2005 ausgestrahlten zehnten Geschichte mit dem Gespann Selge/May: Hier hatte sich Drehbuchautor Boris Gullotta in Sachen Behinderung noch eine Steigerung für den einarmigen Tauber ausgedacht: Wegen eines zerborstenen Rotweinglases ist dessen verbliebene Hand schwer verletzt und Tauber ist noch mehr auf die Hilfe seiner Kollegen angewiesen, was nicht ohne manche Situationskomik abgeht.
Für seine Leistungen im "Polizeiruf 110" wurde Edgar Selge Ende September 2003 bei der Verleihung des Deutschen Fernsehpreises in der Kategorie "Bester Fernsehfilm" als "Bester Deutscher Schauspieler" ausgezeichnet, speziell für seine Rolle in den beiden Folgen "Tiefe Wunden" und "Pech und Schwefel". Die Jury begründete die hohe Auszeichnung damit, dass Selge mit dem rauen Melancholiker Tauber eine ganz eigene Figur kreiert habe: "den Kommissar, dem man in die Seele blickt…"; seit Mitte Dezember 2004 sind Selge und May Münchner Ehrenkommissare der bayerischen Polizei. Bei "prisma" werden die Krimis "Taubers Angst"2) (2007), "Jenseits"2) (2007) und "Rosis Baby"2) (2008) näher behandelt. Für die Polizeiruf 110-Folge "Rosis Baby" erhielt Selge übrigens 2009 gemeinsam mit Juliana Götze und Michaela May den Medienpreis "Bobby"1).
 
 
Edgar Selge (Kriminalhauptkommissar Jürgen Tauber)
in der "Polizeiruf 110"-Folge "Gelobtes Land" (2001; Link: br.de).
Foto (Bildname: 11777-14-33) zur Verfügung gestellt vom Bayerischen Rundfunk (BR)
© BR/Foto Gerhard Blank
Am 8. November 2009 erfolgte mit der "Polizeiruf 110"-Folge "Endspiel"2) das "große Finale" für das erfolgreiche Ermittler-Duo. Edgar Selge und Michaela May gingen damit nach 17 gemeinsamen Fahndungserfolgen zum letzten Mal als Kommissare auf Verbrecherjagd. Ihren Abschied feiern Michaela May und Edgar Selge unter der Regie eines der renommiertesten deutschen Kino- und Fernsehregisseure: Andreas Kleinert ("Wege in die Nacht", "Polizeiruf 110 – Rosis Baby"). Das Buch zum großen Finale schrieb der mehrfach ausgezeichnete Autor Alexander Adolph ("Tatort: Der oide Depp", "Die Hochstapler").
Bereits im Sommer 2006 hatte Selge angekündigt, dass er ab 2009 die Produktion verlassen werde, auch Michaela May, die Tauberts Kollegin Jo Obermaier spielte, schied aus. Als Nachfolgeteam traten nun Jörg Hube als Hauptkommissar Friedl Papen und Stefanie Stappenbeck als (Noch-)Feldhauptmann Uli Steiger in Erscheinung, am 21. Oktober 2008 starteten die Dreharbeiten zu "Klick gemacht", die Erstausstrahlung erfolgte am 29. November 2009 → tittelbach.tv. Durch den plötzlichen Tod von Jörg Hube am 19. Juni 2009 wurde ab 2010 der Schauspieler Matthias Brandt neuer Kommissar in den "Polizeiruf 110"-Folgen aus München.
Doch neben seiner Dauerrolle als Kommissar Tauber zeigt Edgar Selge auch in anderen Filmen stets seine schauspielerische Vielseitigkeit, die sich durch eine dezidierte Mimik und Gestik auszeichnet: Er stand beispielsweise für Margarethe von Trottas für den "Adolf Grimme-Preis" nominierten Vierteiler "Jahrestage"1) (2000) nach dem Roman von Uwe Johnson vor der Kamera, spielte in Peter Patzaks Gesellschaftsdrama "Die Wasserfälle von Slunj" (2002), nach Motiven des Romans von Heimito von Doderer, den englischen Industriellen Robert Clayton, der die zunehmende Industrialisierung um die Jahrhundertwende nutzt, um von Wien aus ins "Ostgeschäft" zu expandieren. In "Väter – Denn sie wissen nicht was sich tut" (2006), einer vergnüglichen Geschichte, die den Kampf der Generationen humorvoll thematisiert, brillierte er unter der Regie von Hermine Huntgeburth als kongenialer Partner von Armin Rohde (siehe auch www.berlinonline.de).
Ende September 2007 zog der Charakterdarsteller in der in der ARD ausgestrahlten nachdenklich-amüsanten Geschichte "Angsthasen"1) mit seinem facettenreichen Spiel erneut alle Register seines schauspielerischen Könnens. Regisseurin Franziska Buch inszenierte hier eine von Edgar Selge grandios interpretierte Tragikomödie mit vielen witzigen Details. (…)  Hauptdarsteller Selge, der den meisten Zuschauern als einarmiger und trockener Ermittler aus der "Polizeiruf 110"-Krimireihe bekannt sein dürfte, kann sich hier endlich mal nach Herzenslust austoben und zeigt sein großes komödiantisches und schauspielerisches Potential in der Rolle des Angsthasen Adrian.
(Quelle: www.prisma.de)

Foto mit freundlicher Genehmigung der Agentur Studlar
sowie der Fotografin Nadja Klier © Nadja Klier (www.klier-art.de)

Edgar Selge 02; Copyright Nadja Klier/Agentur Studlar
Die Paraderolle des hypochondrischen Neurotikers Adrian Zumbusch, der erst auflebt, als er erfährt, dass er bald stirbt, hatte ihm Filmproduzent und Drehbuchautor Ulrich Limmer auf den Leib geschrieben. Die gesamte TV-Presse war in der Vorankündigung einhellig von Selges Spiel begeistert und lobte seine großartige Schauspielkunst. "Goldene-Kamera"-Preisträger Edgar Selge lockt die Zuschauer auf eine Achterbahnfahrt der Gefühle, bei der Lachen und Weinen manchmal dicht beieinander liegen", schrieb beispielsweise die HörZu, "als lebensfroher Liebhaber in der ARD-Tragikomödie Angsthasen erfindet sich Edgar Selge neu" untertitelte der GONG seine Reportage zu dem TV-Film.
 
Freuen konnte man sich auch auf das von Josh Broecker für den NDR gedrehte Beziehungsdrama "Die Freundin der Tochter"2), für das Edgar Selge mit seiner Kollegin Katrin Saß im Frühjahr 2008 gemeinsam vor der TV-Kamera stand: Hannah (Katrin Saß) und Paul (Edgar Selge) sind beinahe 25 Jahre verheiratet – glücklich, wie Hannah meint. Doch dann findet sie Hinweise, dass ihr Mann sie betrügt. Wut, Verzweiflung und kleine Hoffnungsschimmer lösen einander ab; der sensibel inszenierte Film wurde am 15. Mai 2009 erstmals bei ARTE ausgestrahlt. "Regisseur Josh Broecker drehte dieses ergreifende Beziehungsdrama mit Top-Besetzung. In der Rolle der betrogenen Ehefrau überzeugt Katrin Saß bis in die kleinste Einstellung, als der gebeutelte Ehemann und überforderte Fremdgänger hätte Broecker keine bessere Besetzung als Edgar Selge finden können." meint prisma.de (siehe auch www.dieterwunderlich.de).
"Jenseits der Mauer"2) hieß ein weiterer Fernsehfilm, in dem Selge eine Hauptrolle verkörpert. Friedemann Fromm führte Regie bei dem ARD-Drama rund um die Ereignisse im Herbst 1989, neben Selge spielt Katja Flint seine Filmehefrau. Die Dreharbeiten begannen im Sommer 2008 in der Thüringer Landeshauptstadt Erfurt, weitere Drehorte waren Leipzig, Weimar und Berlin. Die emotionale Geschichte reicht zurück bis in das Jahr 1974: Grenzübergang Bösebrücke: Heike (Katja Flint) und Ulrich Molitor (Edgar Selge) sowie ihre beiden kleinen Kinder Klaus und Miriam werden bei einem Fluchtversuch gestellt. Nach ihrer Verurteilung stehen die Eltern vor einer schrecklichen Alternative: Sie können mit ihrem siebenjährigen Sohn in die BRD ausreisen, ihre zweijährige Tochter Miriam muss allerdings in der DDR zurückbleiben und wird zur Adoption freigegeben. Verweigern die Molitors diese Zwangsadoption, bleiben beide auf Jahre im Gefängnis und dann wird ihnen auch Klaus weggenommen. Aus dieser Situation heraus wird eine emotionale Geschichte erzählt, in der sich verschiedene Schicksale in Ost und West miteinander verbinden bis hin zum dramatischen Höhepunkt, dem Fall der Mauer.3) Weitere Darsteller sind unter anderem Henriette Confurius, Ulrike Krumbiegel, Herbert Knaup und Renate Krößner. Das Geschichtsdrama "Jenseits der Mauer" wurde am 30. September 2009 in der ARD gesendet, begleitet von einer Dokumentation über die dann zwanzig Jahre zurückliegenden historischen Ereignisse; siehe auch www.ziegler-film.com). Selges herausragendes Spiel wurde wenig später am 26. November 2009 im Rahmen der Gala in Potsdam mit dem Medienpreis "Bambi" gewürdigt, Selge konnte das begehrte goldene Reh in der Kategorie "Bester deutscher Schauspieler" mit nach Hause nehmen. Dr. Barbara Buhl, WDR-Programmgruppenleiterin Fernsehfilm und Kino, sagt zu der Auszeichnung: "Edgar Selges großartige Darstellung vermittelt eindringlich und realistisch, was Menschen teilweise über Jahre durchleben und -leiden mussten, wenn die Staatsmacht der ehemaligen DDR in die persönlichen Lebensumstände eingegriffen und diese für ihre Zwecke instrumentalisiert hat".

Einen großartig aufspielenden Edgar Selge sah man am 22. September 2010 in dem von Hermine Huntgeburth inszenierten ARD-Beziehungsdrama "Der verlorene Vater"2), wo er als Mitvierziger Arndt Salzbrenner alle Facetten seines Könnens zeigte, mit den Gefühlen seiner (nicht minder brillant spielenden) Geliebten (Ulrike Krumbiegel) und seiner Ex-Frau (Jeanette Hain) förmlich jonglierte. Der Schauspieler tritt in den Hintergrund, quälend ist es auch für den der Zuschauer, den unberechenbaren Reaktionen eines zutiefst verletzten, einsamen Mannes zu folgen, dessen vermeintliche Vaterliebe zu allen Mitteln greift, um seine Kinder an sich zu ziehen – das ist exzellente Schauspielkunst. "Niemand kann Einsamkeit so authentisch darstellen wie Edgar Selge. Dass "Der verlorene Vater" die Paraderolle für den Schauspieler bietet, beweist er nun als neurotischer Vater zweier Kinder, der die späte Liebe entdeckt." schreibt die F.A.Z..
In eine ungewöhnliche Rolle schlüpfte der Schauspieler in dem "Tatort" aus Köln "Altes Eisen"1) (EA: 04.09.2011), dem 50. Fall des populären Ermittlerteams Max Ballauf (Klaus J. Behrendt) und Freddy Schenk (Dietmar Bär). Selge zeichnete in dieser Geschichte um eine ermordete Hausbesitzerin die transsexuelle Trudi Hütten, die in das Visier der Kommissare gerät. "Edgar Selge spielt das Schicksal eine Frau im Männerkörper anrührend, tragisch-traurig und doch mit Augenzwinkern. (…) Am Ende gelingt sogar eine überraschende Auflösung des Falls. Trudis Tod bewegt, an Selges Auftritt wird man sich erinnern." notiert rp-online.de, Für www.stern.de verleiht Edgar Selge "dem "Tatort" die "Ganz großes Kino"-Momente" (…) "Wenn Behrendt und Bär auch über die Jahre eins geworden zu sein scheinen mit Ballauf und Schenk, wird dieser "Tatort" doch von einer anderen Figur überstrahlt: Edgar Selge brilliert als einfühlsame, sorgende und sympathische Trudi, sodass jede Szene ohne ihn ein Gefühl der Leere hinterlässt."
Die Dreharbeiten für das von Friedemann Fromm inszenierten, historische TV-Movie "Hannas Entscheidung"2) mit Selge in der männlichen Hauptrolle bzw. als Partner von Christine Neubauer begannen bereits am 2. Oktober 2010, Christine Neubauer und Edgar Selge verkörpern darin ein Ehepaar, das sich in den Jahren des Wirtschaftswunders mit einer völlig veränderten Lebenssituation auseinandersetzen muss. Selge als traumatisierter Kriegsheimkehrer bzw. kriegsversehrter Schreinermeister Karl, bot an der Seite einer ebenfalls großartig aufspielenden Christine Neubauer einmal mehr ein exzellentes Beispiel seiner Schauspielkunst. "Er spielt Karl herzzerreißend zerrissen. Bei ihm blitzen Überlebenswillen, ja Lebenslust aus purer Pore. Zugleich wird er immer wieder übermannt von plötzlicher Wut, die Amok-Angst weckt." notierte www.derwesten.de. Zur Ausstrahlung gelangte das bewegende TV-Drama, mit dem der Rollenkonflikt einer ganzen Generation thematisiert wurde, am 9. März 2012 → www.ziegler-film.com und Wikipedia.
Glänzende Fernsehunterhaltung bot die am 12. April 2012 ausgestrahlte, mit trockenem Humor gewürzte ZDF-Krimikomödie mit dem Titel "Bankraub für Anfänger"2), nicht zuletzt wegen eines brisanten Themas sowie der brillant aufspielenden Darsteller. Zugeschnitten auf den Protagonisten Wolfgang Stumph als modernem "Robin Hood", der als Bankangestellter Jürgen Wolf  nicht länger tatenlos zusehen will, wie sein Geldinstitut die Kunden mit windigen Anlagen um das sauer Ersparte bringt, mimte Selge als Kriminalhauptkommissar mit dem bezeichnenden Namen Frank Lamm dessen ebenbürtigen Gegenspieler. Jürgen Wolf übt Selbstjustiz, überfällt seine eigene Bank, um den geprellten Anlegern alles zurückzuzahlen, Lamm (auch genannt "der Terrier") kommt Wolf auf die Schliche, kann ihm den Überfall jedoch nicht nachweisen kann  … "So macht Gesellschaftskritik Spaß! Hier ein Schlagabtausch, da eine abstruse Situation garniert mit einer Prise Liebe zum Detail und einem Schuss trockenem Humor! Krimi-Expertin Claudia Garde inszenierte diese klassische (Krimi-)Komödie, die amüsant erzählt, was passiert, wenn man sich mit eigenen Methoden gegen das kriminelle System auflehnt. Sowohl Idee, Dramaturgie und die spielfreudigen Schauspieler überzeugen – bei dieser modernen Version ŕ la Robin Hood kann man die Fernbedienung getrost für 90 Minuten mal beiseite legen." notiert prisma.de; weitere Infos bei www.presseportal.de, www.tittelbach.tv.
  

Edgar Selge auf der "Volkswagen People's Night"
anlässlich der Berlinale 2008
Urheber: Thore Siebrands (Siebbi); Lizenz CC-BY-SA 3.0
Quelle: www.ipernity.com bzw. Wikimedia Commons/Wikipedia

Edgar Selge auf der "Volkswagen People's Night" anlässlich der Berlinale 2008; Urheber: Thore Siebrands (Siebbi); Lizenz CC-BY-SA 3.0. Quelle: www.ipernity.com bzw. Wikimedia Commons/Wikipedia
Die schauspielerische Bandbreite des Mimen ist unübersehbar, hatte er eben noch in der Grimmschen Märchenverfilmung "Rotkäppchen"1) (EA: 25.12.2012) als böser Wolf die Menschen in Angst und Schrecken versetzt, schlüpfte Selge wenig später in die Rolle eines Kindesentführers, den er sensibel-intensiv zu gestalten wusste. In der spannenden "Tatort"-Folge "Machtlos"1) (EA: 06.01.2012) war er der dem ersten Augenschein nach skrupellose Uwe Braun, dem die Berliner Ermittlern Till Ritter (Dominic Raacke) und Felix Stark (Boris Aljinovic) hilflos gegenüberstehen. "Edgar Selge ist es, der den Schweiger gibt, auch er ein Gefangener. Eine zu Beton gewordene Wirrnis aus Gedanken und Gefühlen lässt ihm keinen Spielraum. Er hat den kleinen Benjamin, Sohn eines Bankiers, entführt, daraus macht er keinen Hehl. Aber was will er? Sich für vergangenes Unrecht rächen? Ein ­Zeichen setzen gegen eine verdorbene Welt? Aus der geschlossenen Atmosphäre der Vernehmungen und der Litanei der Fragen entsteht ein Sog, dem niemand entkommt. Der Tatort als Kammerspiel. Spannung, die aus dem Innern wächst. Edgar Selge war nie besser." notiert prisma.de. → presseservice.rbb-online.de. Anzumerken ist, dass Selge für diese Produktion erstmals mit seinem Sohn Jakob Walser vor der Kamera stand, der als Michael Braun seinen Vater davor bewahren will, zum Mörder zu werden. Für Jakob Walser war es überdies sein TV-Debüt an der Seite seines berühmten Vaters. Am 7. April 2013 ab 22:00 Uhr beeindruckte Selge in der ersten Folge der ZDF-Serie "Verbrechen" nach dem gleichnamigen, Aufsehen erregenden Bestseller des Strafverteidigers und Schriftstellers Ferdinand von Schirach1). In "Fähner" agierte der Schauspieler als der Mediziner Dr. Friedhelm Fähner, der seine Frau auf brutale Weise ermordet hat. In der Haft schildert er seinem Strafverteidiger Friedrich Leonhardt (Josef Bierbichler) sein vierzigjähriges Martyrium → www.zdf.de.
Ebenso grandios war Selges Darstellung eines Serienmörders in dem von Hans Sebastian Steinbichler in Szene gesetzten äußerst spannenden "Chiemsee-Krimi" mit dem Titel "Hattinger und die kalte Hand"2) (EA: 25.11.2013), gedreht nach dem Buch "Chiemsee Blues" von Thomas Bogenberger. "Sein Auftritt als düsterer Gesell (…) ist ein Musterbeispiel für die Kunst des Schauspielers. (…) Selge spielt, nein, er ist! dieser Albrecht Ostermeier, der seine Tochter bei einer missglückten Abtreibung verloren hat und nach dem Tod seiner Frau als einsamer Wolf auf Rachefeldzug geht." notiert www.derwesten.de. Präsentierte sich Selge gerade noch als harmlos-biederer Spießer, mutierte er wenige Minuten später zu einem Mann, der in einen obsessiven Wahn verfallen ist, akribisch mordet und mit dem ermittelnden Hauptkommissar Hattinger (Michael Fitz) Katz und Maus spielt. "Biedermann wird Rachegott, Rachegott bleibt Biedermann: So zeigt sich dieser sehr außergewöhnliche Schauspieler jetzt aufs Neue, dieses Mal in exzessiver Opulenz." schrieb die "Frankfurter Allgemeine" ihrem Artikel "Der Mörder führt uns an die Gruselgrenze"; siehe auch www.tittelbach.tv.
Eine ganz andere, erneut äußerst sensible Rollengestaltung, war die Verkörperung des Berliner Bürstenfabrikanten Otto Weidt1) (1883 – 1947) in dem halbdokumentarischen TV-Film "Ein blinder Held – Die Liebe des Otto Weidt"1) (EA: 06.01.2014). Während des Nazi-Terrors stellte sich Weidt schützend vor seine jüdischen Mitarbeiter und rettete mehreren Juden das Leben; postum wurde er als "Gerechter unter den Völkern" geehrt. "Der Film hat einen hohen Anteil an Spielszenen, die durch Passagen aus einem Interview mit der imponierenden Inge Deutschkron1) ergänzt werden. Sorgfältig und ohne übertriebenes Pathos inszeniert." notiert www.tittelbach.tv. Und bei www.faz.net konnte man unter anderem lesen: "So lebendig Inge Deutschkron (im Interviewgespräch mit Sandra Maischberger) erzählt, so nachdrücklich setzt der Regisseur Kai Christiansen das alles nach einem Drehbuch von Heike Brückner von Grumbkow und Jochen von Grumbkow in Szene. (…) Das ist Doku-Drama at its best. (…) Dazu tragen die hervorragenden Schauspieler das Ihre bei – Julia Goldberg als Inge Deutschkron, Henriette Confurius als Alice Licht und Edgar Selge als Otto Weidt. Ihm nimmt man den Blinden vom ersten Augenblick an ab." Die "Frankfurter Rundschau" meinte "Herausragend aber wird das Werk durch Edgar Selge, dessen Darstellung des Arbeitgebers durchaus differenziert ausfällt  (…)." und "DIE WELT" kommentierte: "Edgar Selge macht das manchmal sehr Laute dieses Otto Weidt sehr fein, orchestriert es eindrucksvoll. Zeigt, wie Weidt es genießt, dass er gebraucht wird, dass er bewundert, angehimmelt wird, dass er mit der Obrigkeit spielen kann, wie brüchig aber auch dieses Leben voller Husarenstücke war, wie zwiespältig."
Zum Fernsehereignis der besonderen Art geriet am 24. November 2014 der kammerspielartige Film "Das Zeugenhaus"1), von Matti Geschonneck eindrucksvoll auch mit dokumentarischem Filmmaterial gedreht nach dem dem gleichnamigen Buch von Christiane Kohl1). Thematisiert werden die "Nürnberger Prozesse"1) kurz nach Ende des 2. Weltkrieges, doch aus einer ungewohnten Perspektive: In einer beschlagnahmten Villa in der Nürnberger Novalisstraße hatten die US-Amerikaner ein Gästehaus eingerichtet, in dem sie ehemalige NS-Funktionäre zusammen mit Antifaschisten, Mitläufern und Opfern des NS-Regimes unterbrachten, die ab Herbst 1945 als Zeugen beim Kriegsverbrecherprozess aussagen sollten. Betreut wurden sie von einer Hausdame, der Deutsch-Ungarin Ingeborg Gräfin von Kálnoky, (1909 – 1997), im Film von der fiktiven Gräfin Belavar (Iris Berben). Selge bereicherte als (fiktiver) wortkarger, in sich gekehrter und rätselhafter ehemaliger KZ-Häftling "Herr Gärtner" das hochkarätige, die Zeugen spielende Schauspielerriege. Beispielsweise sah man Matthias Brandt als depressiven Generalmajor Erwin von Lahousen1) (1897 –1955), Udo Samel als schlau-jovialen Reichsbildberichterstatter bzw. Hitlers "Leibfotografen" Heinrich Hoffmann1) (1885 – 1957), Rosalie Thomass als dessen Tochter Henriette1) (1913 – 1992) bzw. naive Ehefrau des angeklagten Reichsjugendführers Baldur von Schirach1), die keinerlei Unrechtsbewusstsein entwickelt. Tobias Moretti schlüpfte in die Maske des skrupellosen, ersten Gestapo-Chefs Rudolf Diels1) (1900 – 1957), Vicky Krieps präsentierte sich als als Résistance-Mitglied bzw. KZ-Überlebende Marie-Claude Vaillant-Couturier1) (1912 – 1996), Gisela Schneeberger als Hermann Görings1) spitzzüngige, ehemalige Privatsekretärin Gisela Limberger (1893 – 1957) → residence.aec.at. Auch die Figur der Elise Krollmann, gespielt von Johanna Gastdorf, hatte ein historisches Vorbild: Elise Krülle besaß und bewohnte das Haus in der Novalisstraße 24 in Nürnberg, als es von US-Truppen requiriert wurde. Im "Zeugenhaus" fungierte sie als Hausangestellte, wohnte mit ihrem damals 13-jährigen Sohn Werner (= Prof. Dr. Ing. Gerhard Krülle, 1932 – 2012; gespielt von Louis Hofmann) im Keller. Auf Seiten der Amerikaner stellte unter anderem Jeff Burrell den Father Fabian Flynn (1905 – 1973) dar, katholischer Priester und hochdekorierter Major der US-Armee. "Magnus Vattrodt (Drehbuch) und Matti Geschonneck (Regie) haben ("nach Motiven" von Christiane Kohls journalistischer Recherche Mitte der neunziger Jahre) einen bemerkenswerten Film gemacht. Sie nähern sich dem – denkbar voyeuristisch auslegbaren – Thema respektvoll, nehmen sich aber gleichzeitig fiktionale Freiheit heraus im Blick in die unterschiedlichsten menschlichen Abgründe." schrieb unter anderem Claudia Schwartz in der "Neuen Zürcher Zeitung". Über Selges Rollengestaltung konnte man in der "Westdeutschen Zeitung" lesen: "Es sind jene feinen Nuancen, die große Schauspielkunst auszeichnen. Edgar Selge hat dieses besondere Gespür. Sein mehrfach preisgekröntes Spiel geht dem Zuschauer nachhaltig unter die Haut. Auch seine aktuelle leise, aber bewegende Rolle in dem spannungsgeladenen TV-Nachkriegsdrama "Das Zeugenhaus" über die Nürnberger Kriegsverbrecherprozesse und die bizarrste Wohngemeinschaft der deutschen Geschichte wirkt lange nach."; mehr zum Film bei www.zdf.de, www.dieterwunderlich.de, www.tittelbach.tv, www.spiegel.de.
Filme mit Edgar Selge sind stets ein Highlight, so auch das nach eigenem Drehbuch von Petra K. Wagner in Szene gesetzte Beziehungsdrama "Nie mehr wie immer"2), welches am 7. Januar 2015 in der ARD gezeigt wurde und in dem Selge kongenial zusammen mit seiner Frau Franziska Walser ein im eigenen Kosmos lebendes Ehepaar spielt, dessen scheinbar harmonisches Leben durch lange zurückliegende Ereignisse zerstört wird. Erzählt wird "bedächtig und in beklemmender Atmosphäre von Lügen, Unausgesprochenem und dem erzwungenen Ende des Schweigens. Intensives Zusammenspiel von Franziska Walser und Edgar Selge. Gelungene Inszenierung aus dem Blickwinkel eines isolierten Paars, das in seiner eigenen Innen-Welt zu leben scheint." schreibt tittelbach.tv. Und www.zeit.de meinte "Es ist gespenstisch, wie Edgar Selge und Franziska Walser – auch im wirklichen Leben verheiratet – dieses Paar mit seinen einstudierten Mechanismen von Abhängigkeit und Schuldgefühlen vorführen.", für stern.de war es eine der wenigen "Sternstunden" in der Fernsehunterhaltung. Die WAZ zog als Fazit: "Kluge Vorlage, spannend inszeniert, Hauptdarsteller grandios. Grimme-Kandidat."
Abgedreht war der von Kilian Riedhof nach eigenem Drehbuch für die ARD in Szene gesetzte zweiteilige Politthriller "Der Fall Barschel" über den mysteriösen, bis heute ungeklärten Tod des ehemaligen Ministerpräsidenten von Schleswig-Holstein Uwe Barschel1) (gespielt von Matthias Matschke) in der Nacht vom 10. zum 11. Oktober 1987 im Genfer Hotel "Beau Rivage". Neben den Protagonisten Alexander Fehling als Reporter David Burger und Fabian Hinrichs als dessen Kollege Olaf Nissen, die als investigative Journalisten die Vorgänge rund um den rätselhaften Tod des CDU-Politikers aufzuklären versuchen, gehörte auch Edgar Selge als Walter Brauneck, Urgestein der Redaktion der "Neuen Hamburger Zeitung" und Leiter des Politikressorts,  zum Ensemble. Seine Premiere erlebt der Film am 27. Juni 2015 auf dem "33. Filmfest München" und wurde mit dem Produzentenpreis "Bernd Burgemeister Fernsehpreis" ausgezeichnet; Sendetermin in der ARD war der 6. Februar.2016 → www.welt.de, tittelbach.tv.
Gespannt sein durfte man auf das von Matti Geschonneck inszenierte, hochkarätig besetzte ZDF-Kammerspiel mit dem Titel "Ein großer Aufbruch" (EA: 16.11.2015), das sowohl das brisante Thema des selbstbestimmten Sterbens als auch zwischenmenschliche Abgründe thematisierte. Matthias Habich war der krebskranke, sterbewillige einstige Entwicklungshelfer Holm Hardenberg, der sich mit einem letzten großen Auftritt von seiner Familie, aber auch von Freund Adrian (Edgar Selge) und dessen Ehefrau Katharina (Ulrike Kriener) verabschieden möchte. Das meisterliche Stück lebte von den pointierten, zum Teil bitterbösen Dialogen (Drehbuch: Magnus Vattrodt) und dem exzellent aufeinander abgestimmten Schauspieler-Ensemble: Neben Habich, Kriener und Selge gab Hannelore Elsner Holms Ex-Frau Ella, Katharina Lorenz und Ina Weisse Holms charakterlich gegensätzlichen Töchter Charlotte und Marie, die von Freund und Top-Jurist Heiko (Matthias Brandt) zum Treffen gefahren wurde. Holms Plan, einen niveauvollen Abschied zu feiern, verläuft vollkommen anders als gedacht, im Laufe des Abends brechen unterdrückte Animositäten auf, Lebenslügen, Halbwahrheiten und daraus resultierende Verletzungen kommen gnadenlos auf den Tisch. "Was für eine Schauspielkunst, was für eine fantastische Ensembleleistung. Man sieht es schon Deutsche-Fernseh- und Grimme-Preise regnen." schrieb unter anderem DIE WELT; siehe auch  →  www.presseportal.de, tittelbach.tv. Am 6. Februar 2016 erhielt "Ein großer Aufbruch" die "Goldene Kamera"1) in der Kategorie "Bester deutscher Fernsehfilm".
  
Auf der Leinwand erlebte man Selge seit Mitte der 1980er Jahre seine erste Kinorolle hatte der Schauspieler unter der Regie von Wolf-Eckart Bühler in dem Drama "
Der Havarist" (1984) gespielt. Es folgten Produktionen wie Hermine Huntgeburths "Im Kreis der Lieben" (1991), ein Jahr später Konrad Sabrautzkys psychologischer Streifen "Der Nächtliche Besucher" (1992). Peter Timm besetzte ihn in der Komödie "Rennschwein Rudi Rüssel"1) (1995), neben Max von Sydow verkörperte er in Jan Troelles Kino-Biografie "Hamsun"1) (1996) den Gauleiter Josef Terboven1), Reichskommissar für die vom Deutschen Reich besetzten norwegischen. 1997 agierte er in Helmut Dietls Kassenschlager "Rossini"1) als Bankvorstand Melk, weitere Produktionen waren Thomas Jahns Krimikomödie "Kai Rabe gegen die Vatikankiller" (1998), Dagmar Knöpfels Melodram "Requiem für eine romantische Frau" (1999) und Klaus Krämers bissiger Filmspaß "3 Chinesen mit dem Kontrabass"1) (2000), wo Selge als penetranter Nachbar Rüdiger auftauchte und für seine Darstellung den "Deutschen Filmpreis" einheimste. Zur Kino-Filmografie zählen der Debüt-Film des Malers Jochen Kuhn "Fisimatenten"2) (2000), Matthias Lehmanns Road-Movie "DoppelPack"2) (2000), Oliver Hirschbiegels beklemmender Psychothriller "Das Experiment – Black Box"1) (2001) und Oskar Roehlers schräge Geschichte "Suck My Dick"2) (2001) mit der Hauptrolle des Autors Dr. Jekyll, der ein großes Problem mit seiner Hauptfigur Hyde hat, die eine unüberschaubare Eigendynamik entwickelt und das Leben seines Schöpfer bedroht. Als Direktor Prof. Dr. Dr. Quirin Bartels zeigte Selge sich in dem Kinderfilm "Bibi Blocksberg und das Geheimnis der blauen Eulen"1) (2004), nach der hochgelobten Komödie "Im Schwitzkasten"2) (2005) von Regisseur Eoin Moore stand er für Ingo Raspers Regiedebüt "Reine Geschmacksache"2) (2007; siehe auch Wikipedia) als despotischer, biederer Damenoberbekleidungs-Vertreter "Wolfi" vor der Kamera und erntete auch hier wieder überragende Kritiken für sein exzellentes Spiel → www.reinegeschmacksache.de.
Zu Edgar Selges aktuelleren Arbeiten vor der Kinokamera zählt die internationale Produktion "
Der Preis der Vergeltung"2) (2007, Ha-Hov / The Dept), ein Thriller von Regisseur Assaf Berenstein, sowie das Drama mit Krimi-Elementen "Im nächsten Leben"2) (2008) von Marco Mittelstaedt (Regie und Drehbuch). Selge spielt den im Mittelpunkt der Geschichte stehenden ostdeutschen Polizeireporter Wolfgang Kerber, der nach einem vermissten Mädchen sucht, dabei mit Ereignissen aus seinem eigenen Leben konfrontiert wird und den Teufelskreis aus Verdrängung und Manipulation durchbrechen muss; Kinopremiere war der 28. Mai 2009.
Edgar Selge Anfang Februar 2011 bei "Markus Lanz"; Quelle: Wikipedia bzw. Wikimedia Commons; Urheber: Udo Grimberg; Diese Datei ist unter der Creative Commons-Lizenz Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Unported lizenziert. Die Erstausstrahlung im Fernsehen für den in Koproduktion mit dem ZDF (" Das kleine Fernsehspiel") und ARTE entstandenen Film erfolgte am 26. Juni 2010 auf ARTE. Marco Mittelstaedt konnte für seinen Film, der auf autobiographischen Stützen seitens seines Vaters steht, namhafte Schauspieler verpflichten. So spielt die Hauptfigur der Geschichte, Wolfgang Kerber, der durch und durch überzeugende Edgar Selge. Mit einer unglaublichen Präsenz dominiert der Schauspieler seine Szenen und spielt seine Figur stark und ehrlich. In einer kurzen Szene ist auch Ludwig Trepte zu sehen, der durch eine sensationelle Wirkung ein mehr als würdiger Gegner des großen Edgar Selge ist. (Quelle: www.moviesection.de) Und br-online schreibt "Im nächsten Leben" ist eine berührende, unprätentiöse Geschichte über jemanden, der gewendet hat, als der Wind bereit stand und nun mit dem neuen Tempo nicht zurechtkommt. Am Steuer: Ein wie immer großartiger Edgar Selge.
www.tittelbach.tv notiert: Edgar Selge spielt diesen Wolfgang Kerber und man könnte sich keinen Besseren wünschen. Dieses Verbissene, diese verzweifelte Flucht nach vorn. Dazu dieses markante und zugleich kantige Auftreten.
 
Edgar Selge Anfang Februar 2011 bei "Markus Lanz"1)

Quelle: Wikipedia bzw. Wikimedia Commons

Urheber: Udo Grimberg (Wikipedia-Benutzer Chester100)
Lizenz zur Veröffentlichung siehe hier
Auf der Berlinale 2009 konnte eine Neuverfilmung von "Lippels Traum"2) nach dem gleichnamigen Jugendbuchklassiker1) von Paul Maar Premiere feiern. Regisseur Lars Büchel hatte die Geschichte um den verträumten zehnjährigen Schuljungen Philipp Mattenheim (Karl Alexander Seidel), den seine Eltern nur "Lippel" rufen mit Moritz Bleibtreu, Anke Engelke, Christiane Paul und Eva Mattes gedreht. Edgar Selge ist als Herr Schmiedle zu sehen, Kinostart war der 15. November 2009. Im Herbst 2008 starteten in der Schweiz die Dreharbeiten zu der Romanverfilmung "Der grosse Kater"1) nach dem gleichnamigen Erfolgsroman des Schweizer Schriftstellers Thomas Hürlimann1), bei dem Hürlimanns Vater Hans (ehemaliges Mitglied des Schweizer Bundesrates und 1979 Schweizer Bundespräsident) offenbar als literarisches Vorbild diente. Regie führt in der schweizerisch-deutschen Koproduktion Wolfgang Panzer, das Familiendrama spielt zur Zeit des Besuchs des spanischen Königspaars 1979 in der Schweiz. Die von Bruno Ganz in der Geschichte dargestellte Titelfigur "Kater" ist der eidgenössische Bundespräsident, der die hohen Gäste empfängt, beim Festessen allerdings einen peinlichen Ehekrach erleidet. Er entdeckt, dass sein wichtigster Verbündeter eine perfide Intrige gesponnen hat, um ihn zu Fall zu bringen. Während "Kater" versucht, den Schaden in Grenzen zu halten, wird ihm bewusst, dass sein rücksichtsloser Aufstieg an die Macht nun doch Konsequenzen haben wird … An der Seite von Bruno Ganz in der Titelrolle spielt Marie Bäumer (Marie), ebenfalls zur Topbesetzung gehörten neben Edgar Selge (Nuntius) unter anderem Ulrich Tukur (Dr. Stotzer/Pfiff), Christiane Paul (Dr. Bässler) und Walo Lüönd (Schneider Feinstein); Kinopremiere war im Januar 2010 in Bern, mehr zum Film bei www.dergrossekater.ch
In Estland begannen im Juni 2009 die Dreharbeiten zu der SWR-Kino-Coproduktion "Poll"1), dem dritten Spielfilm von Regisseur Chris Kraus ("Scherbentanz", "Vier Minuten"). Die internationale Produktion spielt im Sommer 1914, der Umbruchzeit kurz vor Ausbruch des Krieges. Auf dem Gut Poll in Estland, am Rande der europäischen Zivilisation, verliebt sich die 14-jährige Oda in den jungen estnischen Anarchisten Schnaps. Sie versteckt den Verletzten vor den Kosaken, die auf dem Gut stationiert sind, und vor ihrer Familie: ihrem Vater Ebbo, dessen Leidenschaft dem Sezieren von Gehirnen gilt, seiner zweiter Frau, der in eine Affäre mit Verwalter Mechmershausen verstrickten Milla, und vor Cousin Paul. Im Laufe des Sommers steigt die innere Temperatur der Menschen auf Poll. Ohne Bewusstsein von der äußeren Bedrohung ihrer Welt steuern die Gutsbewohner auf ihre eigene Katastrophe zu.4) Die 14-jährige Oda wird von der Nachwuchsschauspielern Paula Beer dargestellt, Selge spielt deren frustrierten Vaters Ebbo, einen verschrobenen Arzt und Hirnforscher; Jeanette Hain verkörpert die Milla, Tambet Tuisk den estnischen Revolutionär Schnaps. Kinostart war der 3. Februar 2011, mehr bei der ausführenden Filmfirma "Kordes & Kordes" bzw. www.poll-derfilm.de).
Bei der Verleihung des "Bayerischen Filmpreises 2011" am 14. Januar 2011 im Rahmen einer festlichen Galaveranstaltung im Münchner "Prinzregententheater" gehörte auch Edgar Selge zu den Preisträgern. Er erhielt die begehrte Porzellanfigur "Pierrot" als "Bester Darsteller" für seine Rolle im Film "Poll", darüber hinaus wählte die Jury Paula Beer zur "Besten Nachwuchsdarstellerin", einen dritten Preis für "Poll" gab es für Silke Buhr für das "Beste Szenenbild".
Am 26. Dezember 2012 ging der von Marie Noëlle und Peter Sehr inszenierte Spielfilm "Ludwig II"2) mit Sabin Tambrea als jugendlichem, idealistischem und Sebastian Schipper als altem, versponnenem Ludwig II. an den Kinostart; Selge verlieh hier den Komponisten Richard Wagner Kontur, als Kaiserin Sissi tritt Hannah Herzsprung auf, in weiteren Rollen sah man unter anderem Axel Milberg als König Max II. und Katharina Thalbach als Königin Marie → www.bavaria-film.de sowie kundendienst.orf.at.
Nach der Rolle des Dr. Notz in der Romanverfilmung "
Feuchtgebiete"1) (Kinostart: 22.08.2013) spielte Selge in der US-amerikanischen Produktion "Inside WikiLeaks – Die fünfte Gewalt"1) (The Fifth Estate; Kinostart Deutschland: 21.10.2013) den Vater des Informatikers Daniel Domscheit-Berg1) (Daniel Brühl), der als ehemaliger Sprecher der Enthüllungsplattform "WikiLeaks"1) und Autor bekannt wurde.
Einmal mehr zur Hochform lief Selge als Partner von Iris Berben in der von Sigrid Hoerner inszenierten Komödie "Miss Sixty"2) auf, die am 24. April 2014 an den Start ging. Erzählt wird die Geschichte der renommierten Molekular-Biologin Luise (Berben), die als Erfüllung ihres bisherigen Lebens im Alter von 60 Jahren zum ersten Mal Mutter werden will. Im Park lernt sie zufällig Frans Winther (Selge) kennen, einen mädchenverrückten, selbstverliebten Galeristen, der mit dem Altwerden kämpft bzw. dem Jugendwahn verfallen ist. Dass Luise ausgerechnet auf den Sohn von Frans (gespielt von Björn von der Wellen) bei der Suche nach einem potentiellen Samenspender für ihre eingefrorenen Eizellen stößt, gibt der Story zusätzlichen Nahrung für humorige Situationen und sorgt für weitere Turbulenzen. Der Streifen entwickelt sich zur "wortwitzigen, warmherzigen und gelegentlich sogar lebensweisen Filmkomödie" notiert "www.tagesspiegel.de" und schreibt unter anderem weiter: "Dazu tragen auch die mit Michael Gwisdek als lakonischem Künstlerfreund des Galeristen und Carmen-Maja Antoni als herzlicher Biologinnen-Mutter stimmig besetzten Nebenrollen bei. Und Berben und Selge als sprödes, erst die jeweiligen Marotten hingebungsvoll pflegendes und schlussendlich lässig einander annehmendes, körperlich überdurchschnittlich gut erhaltenes Liebespaar."
Unter anderem gemeinsam mit Ehefrau Franziska Walser drehte Selge zuletzt seit Ende April 2014 die deutsch-brasilianische Koproduktion "Bach in Brazil" (Regie: Ansgar Ahlers) und spielt den etwas schrulligen Musiklehrer Marten Brückling, der von der Mitteilung überrascht wird, von einem alten Jugendfreund ein Original-Notenblatt von Johann Sebastian Bach geerbt zu haben. Da der Jugendfreund in Brasilien lebt, fliegt Marten aber auf Drängen seiner ehemaligen Kollegin Marianne (Franziska Walser) nach Ouro Preto, eine bunte Barockstadt inmitten der brasilianischen Berge – und gerät unerwartet in ein Abenteuer bzw. bringt Straßenkindern das Musizieren bei …; seine Weltpremiere feierte der Film Anfang Juni 2015 beim "26. Internationalen Filmfest Emden-Norderney", allgemeiner Kinostart war der 17. März 2016 → filmreporter.de, www.filmstarts.de.
Franziska Walser und Edgar Selge;  Copyright Nadja Klier/Agentur Studlar Edgar Selge ist seit 1985 mit der Schauspielkollegin Franziska Walser1), der ältesten Tochter des Schriftstellers Martin Walser1), verheiratet; er hat zwei Kinder und lebte mit seiner Familie lange Zeit in München; Sohn Jakob Walser trat in die Fußstapfen seiner Eltern und ließ sich zum Schauspieler ausbilden, seit der Spielzeit 2012/13 war er festes Ensemblemitglied der Wuppertaler Bühnen, wechselte dann 2014 an das Theater in Bielefeld  → www.studlar.de.
Das Paar Selge/Walser zog es zur Spielzeit 2005/06 nach Zürich, wo beide für zwei Jahre zum Ensemble des Schauspielhauses Zürich gehörten, das seit Sommer 2005 von Matthias Hartmann geleitet wird. Im Februar 2006 war Selge in der Premiere von Kleists "Der Zerbrochene Krug"1) (Regie: Jan Bosse) als Dorfrichter Adam gemeinsam mit seiner Frau auf der Bühne zu sehen, die die Figur der "Marthe Rull" gestaltete.
 
Franziska Walser und Edgar Selge
Foto mit freundlicher Genehmigung der Agentur Studlar
sowie der Fotografin Nadja Klier © Nadja Klier (www.klier-art.de)
"Jan Bosse gelang 2006 am Schauspielhaus Zürich eine Inszenierung, die so schlank und gegenwärtig wie sein furioser Hauptdarsteller Edgar Selge war." notiert das Berliner "Maxim Gorki Theater", wo das Stück am am 27. März 2010 eine erneute Premiere feierte. Die Adaption der Produktion des 2Schauspielhauses Zürich" in Koproduktion mit den "Ruhrfestspielen Recklinghausen" stand auch 2011 auf dem Spielplan des Hauses, bis Ende März 2011 konnte man Edgar Selge und seine Frau Franziska Walser noch in der Inszenierung von Jan Bosse bewundern. "Es ist ein Abend nicht für die Kleist-Schriftgelehrten. Aber ein deftiges Update mit hochlebendigen komödiantischen Menschenfiguren." vermerkt Peter Hans Göpfert vom "rbb kulturradio".
Weitere gemeinsame Arbeiten des Ehepaares auf der Theaterbühne gab es unter anderem am "Schauspielhaus Zürich" in der "Hamlet"-Inszenierung1) von Jan Bosse, die seit März 2007 auf dem Spielplan stand; hier hatte Selge die Rolle des "Claudius" übernommen, Franziska Walser verkörperte die "Gertrud". Nach Goethes "Iphigenie auf Tauris" am "Maxim Gorki Theater" (Premiere: 10.12.2011 → www.gorki.de) stand das Paar in der Uraufführung "Faust 1–3" der Nobelpreisträgerin Elfriede Jelinek1) in Zürich in einer Inszenierung von Dušan David Pařízek1) ebenfalls gemeinsam auf der Bühne (Premiere 08.03.2012): Im Projekt "Faust 1–3" des tschechischen Regisseurs Dušan David Pařízek teilen sich zwei Faust-Spieler (Edgar Selge/Frank Seppeler) die Rollen, arbeiten sich durch einen Zitatenschatz gewordenen Theatermythos und suchen, analog zum Titelhelden, einen Sinn in ihrem Tun bzw. in ihrer gemeinsamen theatralischen Sendung. In der Begegnung mit dem "gar unschuldig Ding" Gretchen droht den beiden Männern Ungemach aus heutiger Zeit: Goethes Verse werden durch Jelineks Theatertext hinterfragt. Die auftauchenden Frauen (Franziska Walser: FaustIn/Miriam Maertens: GeistIn/Sarah Hostettler: GretIn) sind nicht ohne ihre gemeinsame Vergangenheit im Keller(-Theater) zu denken oder zu haben.5) www.schauspielhaus.ch
Auch vor der Kamera trat das Paar schon mehrfach auf, so beispielsweise mit Hauptrollen in Diethard Klantes beeindruckendem TV-Ehedrama "Im Chaos der Gefühle" (2002), in der "Polzeiruf 110"-Folge "
Vater unser"6) spielte Franziska Walser 2004 die Schwester des Kommissar Tauber.

Neben den erwähnten Preisen erhielt Selge im Jahr 2000 den "Deutscher Filmpreis"1) als bester Nebendarsteller in Klaus Krämers Filmkomödie "Drei Chinesen mit dem Kontrabass", von der Zeitschrift "Theater heute" wurde er bisher sechs Mal zum "Schauspieler des Jahres" gewählt. Ein Höhepunkt in der Karriere des Charakterdarstellers war sicherlich auch die Verleihung der "Goldenen Kamera"1) der deutschen Medienillustrierten "Hörzu" am 1. Februar 2007. Anlässlich der Gala-Veranstaltung in der mit viel Prominenz besetzten Ullstein-Halle des Axel-Springer-Hauses in Berlin wurde Selge für seine Rolle als Kommissar Tauber in "Polizeiruf 110" geehrt. In der Begründung der Jury hieß es, er habe mit "seinem hochsensiblen Prädikatsschauspiel" eine der spannendsten Figuren der deutschen Fernsehkrimi-Geschichte dargestellt.
Zu Selges Auszeichnungen, mit denen seine eindrucksvollen Interpretationen gewürdigt werden, gesellte sich am 9. Mai 2008 mit dem "Bayerischen Fernsehpreis"1), dem "Blauen Panther", ein weiterer wichtiger Medienpreis. Selge konnte anlässlich der Gala im Münchner "Prinzregententheater" den Preis für sein laut Jury "virtuoses Spiel als panikgeplagter Hypochonder in "Angsthasen" (BR/ARD) in der Kategorie "Bester Schauspieler Fernsehfilm" entgegennehmen. Wie erwähnt erhielt Selge am 14. Januar 2011 den "Bayerischen Filmpreis"1) als "Bester Darsteller" für seine Rolle im Film "Poll". Für seine Hauptrolle in dem Dokudrama "Ein blinder Held – Die Liebe des Otto Weidt" wurde er am 4. September 2014 im "Nationaltheater" von Südkorea bei den "Seoul International Drama Awards" in der Kategorie "Bester Schauspieler" ausgezeichnet.
Edgar Selge bei der Agentur Carola Studlar
Siehe auch www.prisma.de, Wikipedia, www.deutsches-filmhaus.de
Link: 1) Wikipedia, 2)  prisma.de, 6) tittelbach.tv
Quelle: 3) www.ziegler-film.com, 4) www.presseportal.de, 5) www.schauspielhaus.ch
Stand: April 2016 
Lizenz Foto Edgar Selge (Urheber Udo Grimberg):
Diese Datei ist unter der Creative Commons-Lizenz Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Unported lizenziert.
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Filmografie bei der Internet Movie Database
(Link: filmportal.de, Wikipedia, prisma.de, tittelbach.tv, br.de)
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