Portrait des Schauspielers Günther Simon nach seiner Aufnahme in die Sozialistische Einheitspartei; Quelle: Deutsche Fotothek (df_roe-neg_0006626_009); Copyright SLUB Dresden/Deutsche Fotothek; Urheber: Roger Rössing (1929–2006)/Renate Rössing (1929–2005); Link Wikipedia); Abgebildeter Ort: Leipzig / Lizenz CC-BY-SA 3.0.; Originalfoto Fotothek: df_roe-neg_0006626_009 sowie Wikimedia Commons Günther Simon wurde am 11. Mai 1925 als Sohn eines Bankkaufmanns in Berlin geboren. Schon früh interessierte er sich für die Schauspielerei, besuchte bereits während seiner Gymnasialzeit eine private Schauspielschule. Nach seiner Zeit in einem Wehrertüchtigungslager meldete sich der erst 17-Jährige während des 2. Weltkrieges freiwillig als Soldat zum Wehrdienst, wurde zum Fallschirmjäger ausgebildet und an die Westfront geschickt. Mit der Invasion der Alliierten im Sommer 1944 geriet er in amerikanische Kriegsgefangenschaft und wurde in ein Camp nach Colorado gebracht, wo sich der junge Simon in einer Theatergruppe engagierte. 1947 entlassen, kehrte er nach Berlin zurück und nahm nun erneut Schauspielunterricht, diesmal bei Karl Meixner1) (1903 – 1976) an der dem "Hebbel-Theater" angeschlossenen Schule.
Sein erstes Engagement erhielt Simon am Stadttheater in Köthen und gab sein Bühnendebüt in dem sowjetischen Volksstück "Der Wirbelsturm" von Dimitri Tscheglow. Wenig später wechselte er an das Schweriner Stadttheater (1948–1950), zur Spielzeit 1950/51 wirkte er am "Staatstheater" in Dresden, danach zeitweilig an den "Städtischen Bühnen" in Leipzig. In nur kurzer Zeit avancierte Simon sowohl in klassischen Stücken als auch Werken der Moderne zu einem bedeutenden Charakterschauspieler.

 
Foto: Portrait des Schauspielers Günther Simon
nach seiner Aufnahme in die Sozialistische Einheitspartei
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Etwa zeitgleich übernahm Simon erste Aufgaben in DEFA-Produktionen, seine erste Arbeit vor der Kamera erhielt er vom damaligen Generalintendanten des Staatstheaters Dresden, Martin Hellberg1) (1905 – 1999) in dessen Kino-Regiedebüt "Das verurteilte Dorf"1) (1952), ein DEFA-Prestigeprojekt, in dem er gleich mit der Hauptrolle des Bauern bzw. des es aus russischer Gefangenschaft heimgekehrten Heinz Weidmann besetzt wurde. Mit der Figur des KPD-Politikers Ernst Thälmann2) (1886 – 1944) machte er dann in dem von Kurt Maetzig aufwendig inszenierten Zweiteiler "Ernst Thälmann – Sohn seiner Klasse"1) (1954) und "Ernst Thälmann – Führer seiner Klasse"1) (1955) auch international Furore. Günther Simon wird mit der Filmfigur eins. Er spielt den Sohn und Führer seiner Klasse kämpferisch, über Zweifel erhaben, prägnant im Ausdruck, klar und eindeutig konstituiert. Er wird mehrfach für seine Darstellung ausgezeichnet. Beide Teile werden in der DDR ein triumphaler Erfolg, erst nach der Auseinandersetzung mit dem Personenkult wird die Eindimensionalität des Films und der Figur Thälmanns kritisiert. Bis heute prägt die Rolle das Image des Schauspielers Günther Simon, auch privat ist sie entscheidend für ihn. Nach zahlreichen Gesprächen mit dem Publikum und den dortigen Anreden als Genosse, tritt er der SED bei, wird später Mitglied der Parteileitung des DEFA-Studios.2) Simon bzw. das gesamte Schauspieler-Ensemble wurde 1954 für die darstellerische Leistung in "Ernst Thälmann – Sohn seiner Klasse" mit dem "Nationalpreis der DDR I. Klasse"1) ausgezeichnet, für "Ernst Thälmann – Führer seiner Klasse" konnte Simon auf dem "Internationalen Filmfestival" im tschechischen Karlovy Vary (Karlsbad) den Preis als "Bester Schauspieler" entgegennehmen. Den Führer der deutschen Kommunisten Ernst Thälmann verkörperte Simon übrigens dann noch einmal in Konrad Petzolds Literaturadaption "Das Lied vom Trompeter"1) (1964).
 
Simon konzentrierte sich nun ausschließlich auf seine Arbeit als Filmschauspieler, in den nachfolgenden Produktionen gestaltete der stets kraftvoll, dennoch differenziert aufspielende Mime meist Vorzeige-Sozialisten, Bauern, positive Arbeiterhelden und väterliche Funktionäre, durchbrach aber gelegentlich dieses Rollenfach. So beispielsweise als autoritärer Ehemann und Partner von Lore Frisch in Hans Heinrichs musikalischem Unterhaltungsstreifen "Meine Frau macht Musik"1) (1959) oder als Flugzeug-Kommandant in Richard Groschopps "Die Liebe und der Co-Pilot"3) (1961).
Eine weitere Zusammenarbeit mit Kurt Maetzig ergab sich in "Das Lied der Matrosen"1) (1958), mit dem der Kieler Matrosenaufstand im November 1918 thematisiert wurde. Hier konnte Simon als Maschinist Erich Steigert neben Raimund Schelcher (Oberheizer August Lenz), Ulrich Thein (Maschinist Henne Locke) und Horst Kube (Heizer Jens Kasten) erneut beweisen, welch großartiger Charakterschauspieler er war.
Simon schlüpfte in die unterschiedlichsten Rollen, gab historische Persönlichkeiten wie den Ringer Richard Bertram in "
Einer von uns"1) (1960), ein Film, der dem Olympiateilnehmer von 1936, Werner Seelenbinder1) (1904 – 1944), gewidmet war, der wegen seiner Tätigkeit im kommunistischen Widerstand vom Volksgerichtshof in Potsdam zum Tode verurteilt und am 24. Oktober 1944 im Zuchthaus Brandenburg hingerichtet wurde. In Konrad Wolfs sozialkritischem Drama "Sonnensucher"1) (1958, Erstaufführung 1972) überzeugte er als der einarmige Obersteiger Franz Beier, in Johannes Arges Gegenwartsfilm "Der Fremde"1) (1961) tauchte er an der Seite von Protagonist Günther Grabbelt als Parteisekretär Reichert auf, in dem Spionagestreifen "Geheimarchiv an der Elbe"1) (1963) als SS-Gruppenführer Upitz und in dem Krimi "Schwarzer Samt"1) (1964) als Ingenieur Sibelka, der in den Westen abgeworben werden soll.
Mehrfach übernahm Simon tragende Rollen in Kinderfilmen, so als Kapitän eines Schleppers in "Das Traumschiff"1) (1956), als ein aus der Gefangenschaft heimgekehrter Vater in "Tinko"1) (1957), als Lehrer in "Sheriff Teddy"1) (1957) oder als Oberleutnant Suter in "Der Moorhund"1) (1960). Dass er auch ein hervorragender Komödiant war, bewies er als Vater Zitterbacke in dem von Konrad Petzold nach den gleichnamigen Kinderbüchern1) von Gerhard Holtz-Baumert in Szene gesetzten Film "Alfons Zitterbacke"1) (1966) und persiflierte hier gekonnt die Vorbild-Rolle eines Vaters, dessen zehnjähriger Sohn (Helmut Rossmann) so manches Chaos anrichtet. Zu Simons letzten Arbeiten vor der Kinokamera zählte die Produktion "KLK an PTX – Die Rote Kapelle"1) (1971), mit der Regisseur Horst E. Brandt detailfreudig 180 Minuten lang die Geschichte der als "Rote Kapelle"1) bekannten Widerstandsgruppe gegen den Nationalsozialismus erzählte. Hier verkörperte er den Journalisten und Widerstandskämpfer John Sieg1) (1903 – 1942), der wie der Luftwaffenoffizier Harro Schulze-Boysen1) (1909 – 1942; dargestellt von Klaus Piontek), der Ökonomen Arvid Harnack1) (1901 – 1942; dargestellt von Horst Drinda) und der Schriftsteller Adam Kuckhoff1) (1887 – 1943; dargestellt von Horst Schulze) zum Kern der "Roten Kapelle" gehörte.
 
Seit den 1960er Jahre stand Günther Simon wiederholt vor der Fernsehkamera und trat auch auf dem Bildschirm mit prägnanten Rollen in Erscheinung. Hier ist er vor allem als Dreher Fred Krause in dem Fünfteiler "Krupp und Krause"6) (1967–1969) in nachhaltiger Erinnerung geblieben: Erzählt wird seine Entwicklung vom politisch desinteressierten Krupp-Lehrling zum klassenbewussten Genossen und Werkdirektor des "Thälmann"-Werkes in Magdeburg. Er durchläuft einen langen, schweren Prozess der Erkenntnis, der von persönlichen, teils bitteren Erfahrungen, Begegnungen sowie der Anteilnahme am Schicksal anderer geprägt ist.4) Der TV-Film bzw. das gesamte Ensemble erhielt 1969 den "Nationalpreis der DDR I. Klasse".
Simon gehörte unter anderem zur Besetzung der dreiteiligen Fallada-Adaption "Jeder stirbt für sich allein"5) (1970, mit Erwin Geschonneck, Elsa Grube-Deister),  Danach folgten nur noch wenige TV- bzw. -Kinoproduktionen, Simons letzte Arbeit war die Hauptrolle des Brigadiers Helmut Kamp in dem für das Kino konzipierten anrührenden Drama "Reife Kirschen"3) (1972), dessen Erstaufführung am 28. September 1972 er jedoch nicht mehr erlebte.
Portrait des Schauspielers Günther Simon bei seiner Aufnahme in die Sozialistische Einheitspartei; Quelle: Deutsche Fotothek, (df roe-neg 0006626 005); Copyright SLUM Dresden/Deutsche Fotothek; Urheber: Roger Rössing (1929–2006)/Renate Rössing (1929–2005); Abgebildeter Ort: Leipzig / Lizenz CC-OY-SAU 3.0.; Originalfoto Fotothek: df_roe-neg_0006626_005 sowie Wikimedia Commons Günther Simon starb am 25. Juni 1972 in Berlin – wenige Wochen nach seinem 47. Geburtstag. Er war in erster Ehe mit seiner Frau Margaritha, einer Solotänzerin, die er während seiner Zeit am Schweriner Stadttheater kennen- und lieben gelernt hatte, verheiratet; er hinterließ vier Kinder, drei Söhne und eine Tochter.
Die letzte Ruhe fand der Charaktermime auf dem Berliner "Dorotheenstädtischen Friedhof" (Bezirk Mitte) → Foto der Grabstelle bei knerger.de.
Neben den erwähnten Auszeichnungen erhielt Simon 1956 den "Heinrich Greif Preis1) II. Klasse für Synchronisation" (gemeinsam mit Wolfgang Krüger), sowie drei Mal den "Kunstpreis des FDGB" (im Kollektiv): 1967 für den TV-Zweiteiler "Irrlicht und Feuer" (1966, nach dem gleichnamigen Roman von Max von der Grün1)), 1968 für die Arbeiterbiographie "Brot und Rosen" (1967, Hauptrolle des Drehers Georg Lenau) sowie 1971 für "KLK an PTX – Die Rote Kapelle" (gemeinsam mit Horst Drinda, Irma Münch und Klaus Piontek). 1959 veröffentlichte Heinz Hofmann im Berliner "Henschel Verlag" ein Portrait des Schauspielers in der Reihe "Künstler unserer Zeit".
 
Foto: Portrait des Schauspielers Günther Simon
bei seiner Aufnahme in die Sozialistische Einheitspartei
Quelle: Deutsche Fotothek, (df roe-neg 0006626 005)
© SLUB Dresden/Deutsche Fotothek
Urheber: Roger Rössing (1929–2006)/Renate Rössing (1929–2005); Link Wikipedia)
Abgebildeter Ort: Leipzig / Lizenz CC-BY-SA 3.0.
Genehmigung der Deutschen Fotothek zur Veröffentlichung innerhalb dieser Webpräsenz wurde am 12.11.2010 erteilt.
Originalfoto Fotothek: df_roe-neg_0006626_005 sowie Wikimedia Commons
Im "rororo-Filmlexikon" (Ausgabe 1978) ist Günther Simon "der markanteste und wichtigste Volksschauspieler der DDR", Klaus Wischnewski schreibt in "Vor der Kamera – Fünfzig Schauspieler in Babelsberg"7): "Autoren und Regisseure verdanken viel seinem ganz eigenen Charme des Typs, des schweren Helden. Aber die Zuschauer empfanden mehr: Das Charisma der Integrität. Konrad Wolf erinnerte 1972 in seiner Trauerrede für den mit 47 Jahren verstorbenen an "seine gradlinige, vitale Naivität": "Er verstand nicht zu taktieren… und wurde hilflos, wenn er mit Unredlichkeit der Charakterlosen konfrontiert wurde. Das machte ihm zu schaffen. Oft für lange Zeit." Er wehrte sich mit sichtlichem Erfolg auf die Festlegung auf die Ikone, auf den revolutionären Klassenkämpfer und exemplarischen Arbeiter (…) Günther Simon hat viel dafür getan, die Sicht auf deutsche Geschichte "von unten" zu öffnen und als normal zu erfahren."
Quellen: Wikipedia, www.film-zeit.de bzw. www.defa.de
Link: 1) Wikipedia, 3) filmportal.de, 5) prisma.de, 6) fernsehserien.de
Quelle:
2) www.film-zeit.de
4) www.defa-sternstunden.de (Seite nicht mehrt verfügbar)
7) Klaus Wischnewski in "Vor der Kamera – Fünfzig Schauspieler in Babelberg", Henschel Verlag Berlin 1995, S. 213
Filme
Kinofilme / Fernsehen
Filmografie: Internet Movie Database, filmportal.de
(Link: Wikipedia, defa-stiftung.de, filmportal.de, defa.de, fernsehenderddr.de, fernsehserien.de)
Kinofilme Fernsehen (Auszug)
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