Der Volksschauspieler, Sänger und Kabarettist Kurt Sowinetz wurde am 26. Februar 1928 als Sohn eines Ottakringer1) Hausmeister-Ehepaares in der österreichischen Hauptstadt Wien geboren und wuchs auch dort auf. Nach dem Besuch der von Burgschauspieler Prof. Helmuth Krauss (1905 – 1963) geleiteten Wiener "Schauspielschule Otto"1) gab er 1944 am Stadttheater im bayerischen Fürth sein Bühnendebüt. Engagements vor allem an Wiener Bühnen schlossen sich an, ab 1955 war er am "Volkstheater" engagiert, 1964 wechselte er an das "Theater in der Josefstadt", seit der Spielzeit 1975/76 gehörte er zum Ensemble des berühmten "Burgtheaters", dessen Ehrenmitglied er seit 1990 war. Das Repertoire des Schauspielers Sowinetz war breit gefächert, er brillierte in Volksstücken, aber auch in klassischen und modernen Bühnenwerken, beispielsweise als "Der Werber" in Brechts "Mutter Courage und ihre Kinder"1) ("Volkstheater", 1963) oder als Estragon in Samuel Becketts "Warten auf Godot"1), den er sowohl im Fernsehen (1963) als auch bei den "Salzburger Festspielen" (1970) grandios darstellte. Besonderen Erfolg feierte er als Nestroy-Interpret, sei es im Film als Schneidergeselle Zwirn in "Lumpazivagabundus " (1965) nach der Zauberposse "Der böse Geist Lumpacivagabundus"1), oder als Geselle Fabian Strick in "Die beiden Nachtwandler oder Das Notwendige und das Überflüssige"1) 1973 in einer Aufführung des "Theaters in der Josefstadt". Sowinetz trat mehrfach bei den "Salzburger Festspielen" in Erscheinung, so als Polyphemio in Ernst Lothars1) Inszenierung des historischen Franz Werfel1)-Dramas "Juarez und Maximilian" (1958) und als "Dünner Vetter" in Hugo von Hofmannsthals "Jedermann"1) (1958, 1959, Regie: Ernst Lothar) mit Will Quadflieg2) in der Titelrolle sowie 1960 neben Walter Reyer2) (Regie: William Dieterle2)). 1959 gehörte er in Salzburg als Jude Simon zur Besetzung von Hugo von Hofmannsthals Trauerspiel "Der Turm"1) (Regie: Ernst Lothar), 1960 als Diener Rodrigo in Calderón de la Barcas Komödie "Dame Kobold"1) (Regie: Rudolf Steinboeck1)), als lustiger Gesell Brander in Goethes "Faust I"1) (1961, 1962; Regie: Leopold Lindtberg1)) und als "Der Neid" in Ferdinand Raimunds Zaubermärchen "Der Bauer als Millionär"1) (1961, 1962), dessen Aufführung als Filmfassung "Der Bauer als Millionär"1) (1961) einem breiten Publikum im Kino und im Fernsehen zugänglich gemacht wurde.
 
Eine weitere Aufzeichnungen, die im Fernsehen ausgestrahlt wurden, war 1962 das von Erich Neuberg1) in Szene gesetzt Ibsen-Stück "Stützen der Gesellschaft" aus dem Wiener "Volkstheater" mit Sowinetz als Adjunkt Rörlund. An TV-Ausstrahlungen aus dem "Theater in der Josefstadt" ist 1968 das Drama "Onkel Wanja"1) von Anton Tschechow zu nennen, wo er als verarmter Gutsbesitzer Ilja Iljitsch Telegin auftrat, in der Shakespeare-Komödie "Was ihr wollt"1) (1968) gab er den Kaspar, im darauffolgenden Jahr war er als Diener Scharf in Shakespeares "Zwei Herren aus Verona"1) (1969) sowie als Kritiker Rapp in der Uraufführung des Dramenfragments "Das Wort" von  Arthur Schnitzler1) in einer Bearbeitung von Friedrich Schreyvogl1) zu sehen. Die Aufführung der Komödie "Herr im Haus bin ich" ("Hobson's choice"3)) von Harold Brighouse mit Sowinetz als Timothy "Tubby" Wadlow gelangte 1970 zur Ausstrahlung, in "Das Feuerwerk"1) (1977) nach dem Erfolgsmusical von Erik Charell1) (Libretto) und Paul Burkhard1) (Musik) mimte er den Onkel Gustav Oberholzer. Achim Bennings1) "Burgtheater"-Inszenierung von Maxim Gorkis Drama "Sommergäste" (Rolle: Rjumin, Pavel Sergeevič) wurde 1981 gesendet, 1990 Schillers Drama "Wilhelm Tell"1), in dem er unter der Regie von Claus Peymann1) an der Seite des von Josef Bierbichler2) gespielten Titelhelden den Walter Fürst gestaltete.
Zu den Rollen, die Sowinetz am "Theater in der Josefstadt" interpretierte gehören unter anderem auch der Kleinganove "Der Merkl Franz" in Ödön von Horváths Volksstück "Kasimir und Karoline"1) (1965; Regie: Otto Schenk2)), am "Burgtheater" wirkte er beispielsweise in den Aufführungen von Anton Tschechows "Drei Schwestern"1) (1976 "Akademietheater"; Regie: Otto Schenk) mit, in "Professor Bernhardi"1) (1981; Regie: Angelika Hurwicz1), auch TV 1983) von Arthur Schnitzler zeigte er sich als der deutschnationale Professor Ebenwald – um nur Einiges zu nennen. Der "Nestroy-Ring"1), der "bis 1999 an Personen verliehen wurde, die sich durch außerordentliche und ungewöhnliche Leistungen Verdienste um die Stadt Wien in der Pflege der satirisch-kritischen Darstellung des Wesens dieser Stadt, sowie ihrer Bevölkerung im Sinne Nestroys erworben und diese Kritik auf höchstem geistigen Niveau ausgedrückt haben"4), war 1982 der Lohn für die herausragenden darstellerischen Leistungen des "Kammerschauspielers" Kurt Sowinetz.
 
Sowinetz' Arbeit für Film und Fernsehen kann sich ebenfalls sehen lassen, bereits 1948 hatte er in Rudolf Steinboecks Kino-Drama "Das andere Leben"5) nach der literarischen Vorlage von Alexander Lernet-Holenia1) einen winzigen Part übernommen. Es folgten Auftritte in Eduard von Borsodys Anzengruber-Adaption "Das vierte Gebot" (1950) oder in Rudolf Steinboecks Revue-Komödie "Abenteuer im Schloss"1) (1952). Seine Mitwirkung in Kinoproduktionen blieb jedoch eher sporadisch, etwa als Sam Brown in dem Götz-George-Streifen "Ich spreng euch alle in die Luft – Inspektor Blomfields Fall Nr. 1"1) (1968) oder das Drama "Die Standarte"1) (1977), wo er als kaiserlicher Kaminzimmer-Diener auftauchte.
Um so mehr trat Sowinetz seit Ende der 1950er Jahre auf dem Bildschirm in Erscheinung, war überwiegend in Bühnen- bzw. Literaturadaptionen zu sehen. Neben den verschiedenen Theater-Aufzeichnungen erlebte man ihn unter anderem als Schriftführer Dr. Zwirn in "In Ewigkeit Amen"6) (1961) nach der gleichnamigen Tragikomödie von Anton Wildgans1), als Geselle Johann Dunkler in "Das vierte Gebot"6) (1964) nach dem gleichnamigen Volksstück1) von Ludwig Anzengruber oder als Gutsbesitzer Bolshintsov in "Ein Monat auf dem Lande" nach der gleichnamigen Komödie1 von Iwan Turgenew. In den 1970er und 1980er Jahren präsentierte er sich beispielsweise an der Seite von Protagonist Fritz Muliar als Feldkurat Otto Katz in einigen Episoden der Serie "Die Abenteuer des braven Soldaten Schwejk"1) (1972), als Hofuhrmacher Drosselmeier in "Das Märchen von der harten Nuss" von E.T.A. Hoffmann1) oder als Herr Flanzl in der Wiener Tatort"-Folge "Mord im Krankenhaus"1) (1978). Brillant war seine Darstellung des Wiener Caféhaus-Literaten Peter Altenberg1) (1859 – 1919) in dem Biopic "Der Narr von Wien"1) (1982), für die er 1983 mit der "Goldenen Nymphe" ("Nymphe d'Or") auf dem "Festival international de Télévision de Monte-Carlo"1) geehrt wurde. In dem Vierteiler "Die Flucht ohne Ende"7) (1985) nach dem gleichnamigen Roman1) von Joseph Roth überzeugte Sowinetz als russischer Revolutionär und kommunistischer Politiker Leo Trotzki1). Eine schöne Rolle war die des Fahrlehrers Hansi Wagenpfeil, Spezi des fünffach geschiedenen Bestattungsunternehmers Oskar Schatz (Helmut Fischer), in der sechsteiligen Comedy-Serie "Rette mich, wer kann"1) (1986). Danach sah man Sowinetz nur noch wenige Male im Fernsehen, beispielsweise in der "Derrick"-Episode "Der kleine Gauner" (1989) oder in der 3. Folge "April 1945 – Das Plakat"7) (1990) aus der vierteiligen Filmreihe "Die Arbeitersaga"1).
 
Neben seiner umfangreichen Arbeit für Theater, Film und Fernsehen wirkte das Multitalent Sowinetz bei diversen Hörspielen mit, war auch als Bildhauer, Kunstmaler und vor allem als Chansonnier erfolgreich. Mit Kabarett-Klassikern wie "Alle Menschen san ma zwider" (1972), angelehnt an Friedrich Schillers "Ode an die Freude" bzw. deren von Ludwig von Beethoven vertonten Version (mit der Textzeile "Alle Menschen werden Brüder"), oder den Couplets "Es ist alles ned wahr" (1979) von Ferdinand Raimund und Johann Nestroy stand der Künstler für eine "unverwechselbare überempfindlich-grantig-wienerische Art"8) → Auswahl Diskografie bei Wikipedia. Gemeinsam mit seinen Weggefährten Helmut Qualtinger2) und Walter Kohut1) bildete er zudem ein erfolgreiches Kabarett-Trio, "wobei Sowinetz die Episoden mit leisen, melancholischen Untertönen am besten zu Gesicht standen." kann man auf der Seite des ORF9) lesen. Zusammen mit Qualtinger brachte Sowinetz 1964 die LP "Moritaten Oder Das Morden Höret Nimmer Auf" auf den Markt.
 
Als Kurt Sowinetz am 28. Januar 1991 mit nur 62 Jahren in Wien starb, verlor nicht nur die Theaterszene einen der letzten Volkskomödianten, der neben den erwähnten Preisen 1974 das Österreichische "Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst" erhalten hatte.
Die letzte Ruhe fand er in einem ihm ehrenhalber gewidmeten Grab auf dem Döblinger Friedhof in Wien (Gruppe 7, Reihe 1, Nummer 3) → Foto der Grabstelle bei knerger.de.
Sowinetz hinterließ Ehefrau Inge sowie die gemeinsame Tochter Dunja, welche ebenfalls den Schauspielerberuf ergriff und am Wiener "Burgtheater" engagiert ist → burgtheater.at. Gemeinsam mit ihrer Mutter veröffentlichte sie 1991 die Erinnerungen unter dem Titel "Kurt Sowinetz – Man müsst mit an Vogerl Bruderschaft trinken" und zeichnete anhand von Notizen, den vielen Gesprächen sowie den Erinnerungen an die gemeinsam gelebten Jahre den Weg eines Mannes nach, der "ein Volksschauspieler im klassischen Sinn, ein Komödiant mit tragischen Facetten, ein Tragöde war, der in der Ausweglosigkeit den Humor aufblitzen ließ. Seine Bühnenfiguren hatten den doppelten Boden, den sein Leben auch besaß. Ein Clown, der auch Philosoph war, ein Philosoph, der das Leben nicht ernst nahm." (Quelle: www.amalthea.at)
Seit 2008 erinnert in Wien-Floridsdorf (21. Bezirk) die "Sowinetzgasse" an den vielseitigen, viel zu früh verstorbenen Künstler.
Quelle (unter anderem*)): Wikipedia, www.wien.gv.at
*) Langen Müller's Schauspielerlexikon der Gegenwart (München 1986, S. 881)
Link: 1) Wikipedia (deutsch),  2) Kurzportrait innerhalb dieser HP, 3) Wikipedia (englisch), 5) filmportal.de, 6) Die Krimihomepage, 7) fernsehserien.de
Quelle: 4) Wikipedia, 8) www.wien.gv.at
9) tv.orf.at
 
Filme (Auszug)
Filmografie bei der Internet Movie Database

(Link: filmportal.de, Wikipedia (deutsch/englisch), Die Krimihomepage, gutenberg.spiegel.de,
fernsehserien.de, film.at, Kurzportrait bzw. Beschreibung innerhalb dieser HP, deutsches-filmhaus.de)
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