Die Charakterdarstellerin Gisela Stein erblickte am 2. Oktober 1934 im pommerschen Swinemünde (heute Świnoujście, Polen) als Tochter einer Polin und eines deutschen Seemanns das Licht der Welt. Aufgewachsen in Stettin und Warschau sowie nach Ende des 2. Weltkrieges in Hessen, absolvierte sie 1952 eine Ausbildung an der "Wiesbadener Schauspielschule". Anschlie0end erhielt sie 1953 ein erstes Engagement am Theater in Koblenz, es folgten Verpflichtungen an der Bühne in Krefeld-Mönchengladbach und sowie (von Erwin Piscator1) entdeckt) an den "Städtischen Bühnen" in Essen. 1960 wechselte Gisela Stein nach Berlin an die "Staatlichen Schauspielbühnen", wo sie in Hans Lietzau1) ihren Mentor bzw. für die kommenden fast zwei Jahrzehnte ihre künstlerische Heimat fand. In Berlin profilierte sich die Mimin bald zu einer herausragenden Interpretin sowohl in klassischen als auch modernen Stücken. Zur Spielzeit 1979/80 ging sie an die "Münchner Kammerspiele", dessen Ensemble, dem sie bis 2001 angehörte, sie maßgeblich prägte und zu den wichtigste Protagonistin in den Inszenierungen von Dieter Dorn1) zählte; nach einem schweren Autounfall im August 1983, den sie nur knapp überlebte und der zahlreiche Operationen nach sich zog, musste sie längere Zeit pausieren.
Als Dorns Vertrag 2001 nicht verlängert wurde und er im gleichen Jahr die Intendanz des "Bayerischen Staatsschauspiels" übernahm, wechselte auch Dorns "prima diva assoluta" mit ihm. Darüber hinaus konnte man die Schauspielkunst Gisela Steins im Rahmen von Gastspielen bewundern, unter anderem bei den "Salzburger Festspielen", am "Staatstheater Stuttgart" und am "Schauspielhaus Zürich", und auch im Rahmen etlicher Lesungen erfreute sie die Zuhörerschaft.
Im folgenden eine Auswahl der Stücke, in denen Gisela Stein im Verlaufe ihrer Bühnenkarriere Publikum und Kritiker zu überzeugen wusste (wenn nicht anders vermerkt Link Wikipedia):
Über ihre brillante Gestaltung der Königinmutter Atossa1) in "Die Perser"1) (1993) von Mattias Braun nach Aischylos1) notierte der leitende Redakteur Dr. Franz Wille in der Fachzeitschrift "Theater heute"1) (Heft 7, 1993) unter anderem: "Gisela Stein, starr und schwarz, führt erlesenes, uneitles Tragödinnenhandwerk vor. Mit dem herben Charme eines preußischen Stiftsfräuleins, in ruheloser Konzentration, die Stirn von angespannten Falten umwölkt, Blitze in den Augen, arbeitet sie sich durch die Verse, nimmt Anläufe zu großen Emphasen, baut ökonomisch Steigerungen in ihre Gefühle, zwingt hölzerne Wechselreden in den Schein von Situationen."*) 2001 glänzte sie als Gräfin Olivia in "Was ihr wollt"1) von William Shakespeare, "spielt Olivia als eine eiserne Lady, die sich vor Aufregung den Schweiß von der Stirn wischen muß, wenn sie zum erstenmal der als Cesario verkleideten Viola begegnet ist." kann man bei www.zeit.de lesen.
Zu einer ihrer letzten großen, bravourös dargebotenen Rollen zählte an der Seite von Cornelia Froboess die Figur der Lissie Kelch in der Uraufführung (27.01.2005) des Botho Strauß-Stückes "Die eine und die andere", über die Gerhard Stadelmaier1) in der FAZ (28.01.2005) meinte: "Stein meißelt die Lissie mit der Überdrehtheit der Verliererin, die immer noch glaubt, Gewinne einzustreichen und mit letzter Kraft nach allem grapscht. (…). Gisela Stein macht aus der Seelenpeingrube dieser Frau eine schillernde Oberfläche."*)  
Der Theater und Autor C. Bernd Sucher1) schrieb über die große Tragödin in seinem Buch "Theaterzauberer – Schauspielerporträts" (S. 270): "Die Kunst der Stein ist es, sich nie in eine Figur einzufühlen. Sie schafft sie neu, indem sie sie analysiert und wieder zusammenfügt. Durch diesen Prozeß der Text-Interpretation nähert sich die Schauspielerin ihren Rollen, bevor sie sie annimmt. In ihrem Spiel werden deshalb auch die Widersprüche dieser Gestalten deutlich. (…) Und weil die Schauspielerin über all die Frauengestalten, die sie interpretiert, hoch denkt, sich ihnen, also auch denen, die vorschnell zu den Gescheiterten gezählt werden, mit Achtung nähert, gibt sie ihnen allen Größe."*)
 
Die Arbeit vor der Kamera hatte für Gisela Stein stets eine untergeordnete Bedeutung, zwei Mal erlebte man sie in einer Kinoproduktion, so als Dichterin Else Lasker-Schüler1) in "Ich räume auf" nach deren gleichnamigen Streitschrift, in Szene gesetzt von Georg Brintrup1) → www.brintrup.com. Für Helma Sanders-Brahms1) gab sie die Tante Ihmchen in "Deutschland bleiche Mutter"1) (1980).
Sporadisch sah man die Schauspielerin auf dem Bildschirm, überwiegend in Bühnenadaptionen oder Theateraufzeichnungen. Beispielsweise spielte sie die Anne1), Tochter von Graf Warwick, in der zweiteiligen TV-Fassung von Shakespeares "König Richard III"4) mit Wolfgang Kieling2) in der Titelrolle. Als Agata Renni trat sie in "Das Vergnügen, anständig zu sein"4) (1966) nach der Komödie "Il piacere dell'onestà" von Luigi Pirandello1) in Erscheinung oder verkörperte in dem Dokumentarspiel von Leopold Ahlsen1) (Drehbuch) über die Ehe von Leo Tolstoi1) (Hans Christian Blech2)) und Sofja Andrejewna Tolstaja1) mit dem Titel "Tod in Astapowo" (1974) die Sofia → www.zeit.de. Mitunter machte Gisela Stein auch Ausflüge in das Krimi-Serienfach, tauchte beim "Kommissar"1) in der Folge "Herr und Frau Brandes"5) (1973), bei "Der Alte"1) in der Episode "Ein Parasit"4) (1979) und bei "Derrick"1) in der Story "Dr. Römer und der Mann des Jahres" (1983) auf.
In der mit dem "Adolf-Grimme-Preis" ausgezeichneten Literaturadaption "Sansibar oder Der letzte Grund"6) (1987), von Bernhard Wicki2) in Szene gesetzt nach dem gleichnamigen Roman1) von Alfred Andersch, übernahm sie die Rolle der verwitweten Mutter von Judith Levin (Cornelia Schmaus1)).
Des öfteren stand Gisela Stein zudem für ambitionierte Hörspiele vor dem Mikrofon, so bereits 1948 für die Erzählung "Der gestohlene weiße Elefant"7) von Mark Twain1) oder unter anderem als ledige Kindsmutter Anni in der Friedhofsgroteske "Die Bekanntschaft"8) (1964; Regie: Ludwig Cremer) von Wolfdietrich Schnurre1) → www.zeit.de; weitere Hörspiele mit Gisela Stein bei www.hördat.de oder bei der ARD-Hörspieldatenbank.
  
Für ihre herausragenden, unvergesslichen schauspielerischen Leistungen wurde Gisela Stein mehrfach ausgezeichnet, bereits 1967 erhielt sie den Förderungspreis des "Berliner Kunstpreises"1) in der Kategorie "Darstellende Kunst". Seit 1977 trug sie den Titel "Berliner Staatsschauspielerin", im gleichen Jahr konnte sie den "Tilla-Durieux-Schmuck"1) entgegennehmen, der alle zehn Jahre an eine hervorragende Vertreterin der deutschen oder der österreichischen Schauspielkunst verliehen wird. Weitere Ehrungen waren der "Deutsche Kritikerpreis"1) (1988), das "Verdienstkreuz am Bande der Bundesrepublik Deutschland" (1993), der "Bayerischer Maximiliansorden für Wissenschaft und Kunst"1) (1999), der "Bayerische Verdienstorden"1) (1999) und die Medaille "München leuchtet"1) (1999). Im neuen Jahrtausend würdigte man die Mimin mit dem "Oberbayerischen Kulturpreis"1) (2001, zusammen mit dem Schauspieler Martin Lüttge2)), 2004 überreichte man ihr als Nachfolgerin von Marianne Hoppe2) (1909 – 2002) den auf Lebenszeit verliehenen "Hermine-Körner-Ring"1) und 2007 die "Bayerische Verfassungsmedaille1) in Gold". Zudem war sie Mitglied der "Bayerischen Akademie der Schönen Künste" in München, der "Deutschen Akademie der Darstellenden Künste" in Frankfurt am Main sowie seit 1981 der Berliner "Akademie der Künste" → www.adk.de.

In ihren letzten Lebensjahren hatte sich Gisela Stein vermehrt von der Bühne zurückgezogen, nicht zuletzt wegen der Spätfolgen ihres in den 1980er Jahren erlittenen Autounfalls. Zuletzt war sie Anfang 2008 mit der 2002 begonnenen Bibel-Lesung "Die Schrift" in der Übertragung von Martin Buber1) und Franz Rosenzweig1) aufgetreten. Als sie nach langer Krankheit am 4. Mai 2009 im Alter von 74 Jahren an ihrem Wohnsitz Mohrkirch1) in Schleswig-Holstein starb, trauerte die Theaterszene um eine große Tragödin. Christopher Schmidt schrieb unter anderem in der "Süddeutschen Zeitung" (06.05.2009): "Für sie bedeutete vielmehr die Welt selbst nur ein paar Bretter, zugige Notunterkunft für die verlorene Zeit, in der sie nicht Theater spielte. Die Bühne aber, das war die Sprungschanze in den Himmel und der Fahrstuhl in die Hölle; in der Schwebe zwischen diesen gegensätzlichen Klimazonen hat sie sich am ehesten heimisch gefühlt und am wohlsten, wenn diese Gegensätze ineinander spielten."*) (…) Sie war keine Einfühlungsschauspielerin, sondern eignete sich ihre Rollen mit kühlem Verstand und auch preußischer Zucht an. Fast seelenlos, verhärtet wirkte manchmal ihre gestaute Energie, erkaltet zu schroffer Emphase oder wächserner Virtuosität in der stolzen Souveränität, mit der sie über ihre staunenswerten Mittel gebot." → www.sueddeutsche.de. Für DIE WELT (www.welt.de) schien Gisela Stein " nie jung gewesen zu sein. Selbst ihre Olivia in Shakespeares "Was ihr wollt" war eine Tränenmegäre, ihre Lucette in einem ihrer selteneren Komödienausflüge mit Feydeaus "Ein Klotz am Bein" eine hysterische Diva. Die Stein schwebte vorwiegend als Phädra und Penthesilea, Atossa, Penelope, aber auch als Becketts Winnie und Strauß' Anita von Schastorf ("Schlusschor") im siebten Tragödinnenhimmel." Ihr Wegbegleiter Dieter Dorn sagte zu ihrem Tod: "Wir haben ein ganzes Leben auf der Bühne verbracht und uns dabei immer aufeinander verlassen können. Die Begegnung mit Gisela Stein war eine der wichtigsten meines Theaterlebens."
 
Die Schauspielerin, geschieden von ihrem Kollegen Wolfgang Hinze1), war Mutter einer Tochter.**)

Quelle (unter anderem*) **)): Wikipedia
Siehe auch die Nachrufe bei www.faz.net, nachtkritik.de, www.tagesspiegel.de
*) Henschel Theaterlexikon (Henschel Verlag, 2010, S.  831/832)
**) Langen Müller's Schauspielerlexikon der Gegenwart (München 1986, S. 977)
Link:
1) Wikipedia (deutsch), 2) Kurzportrait innerhalb dieser HP, 3) Wikipedia (englisch), 
4) Die Krimihomepage, 5) fernsehserien.de, 6) dieterwunderlich.de, 7) gutenberg.spiegel.de, 8) hoerspiele.dra.de
Filme
Filmografie bei der Internet Movie Database

(Link: Wikipedia, deutsches-filmhaus.de, Die Krimihomepage, Kurzportrait innerhalb dieser HP,
gutenberg.spiegel.de, fernsehserien.de, dieterwunderlich.de)
Kinofilme

Fernsehen (Auszug)

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