Erich von Stroheim wurde am 22. September 1885 als Erich Oswald Stroheim in Wien geboren und wuchs gemeinsam mit seinem 1889 geborenen jüngeren Bruder Bruno auf. Er stammte aus einer Familie jüdischen Glaubens, sein Vater Benno Stroheim besaß eine Strohhut-Fabrik und das "von" setzte sein Sohn erst später dem Namen voran. Gleichzeitig streute er Gerüchte, er stamme als "Graf Erich Oswald Hans Carl Maria Stroheim von Nordenwald" aus einer preußischen Adelsfamilie und habe eine Karriere als Kavallerie-Offizier hinter sich. Tatsächlich hatte er lediglich ab 1905 (angeblich freiwillig) kurz beim Militär in Österreich gedient, bevor er vermutlich zwischen 1908 und 1910 nach Amerika emigrierte. Zunächst arbeitete der junge Stroheim in New York in verschiedenen Jobs, kam dann 1914 als Stuntman zum Film, wurde wenig später Schauspieler, Regieassistent und militärischer Berater bei David W. Griffith'1) Firma "Triangle", der ihm kleinere Auftritte in seinen Filmen "Die Geburt einer Nation"1) (1915, The Birth of a Nation) und "Intolerance"1) (1916, Intoleranz) verschaffte. Aufgrund seiner Herkunft und Physiognomie wurde Stroheim während des 1. Weltkrieges vor allem als brutaler, teutonischer Militär besetzt, so erstmals in Wesley Ruggles "For France" (1917) als preußischer Offizier mit hoch aufgeschossener Gestalt, schlaksigem Gang und dem unvermeidbaren Monokel.
Es folgten Filme wie Alan Crosland "The Unbeliever" (1918) als Leutnant Kurt von Schnieditz oder Allen Holubars "The Heart of Humanity" (1918) als Eric von Eberhard, vor allem aber sein Auftritt als brutaler, rücksichtsloser und kindermordender, verschlagener preußischer Offizier von Bickel in Christy Cabannes antideutschem Propagandafilm "The Hun Within" (1918; →  film.at) schrieb er sich in das cineastische Gedächtnis ein und wurde in den USA in der Werbung mit dem Slogan ausgenutzt: "Erich von Stroheim – The Man You Love to Hate".

Foto: Erich von Stroheim
Quelle: Wikipedia bzw. Wikimedia Commons
Angaben zur Lizenz siehe hier

Erich von Stroheim; Quelle: Wikipedia bzw. Wikimedia Commons; Urheber unbekannt; entnommen aus dem 1920 veröffentlichten Buch "The First One Hundred Noted Men and Women of the Screen" (Moffat, Yard & company) von Carolyn Lowrey (Retrieved from Google Book Search). Lizenz: Diese Mediendatei ist gemeinfrei in den Vereinigten Staaten. Dies gilt für US-amerikanische Werke, deren Urheberrecht erloschen ist, üblicherweise, weil ihre Erstveröffentlichung vor dem 1. Januar 1923 liegt.
1919 gab er mit dem "stummen" Melodram "Blind Husbands"1) (Blinde Ehemänner) sein eindrucksvolles Regiedebüt, schrieb auch das Drehbuch, entwarf die Dekorationen und spielte die männliche Hauptrolle des Leutnant von Steuben. Die tragische und melodramatische Dreiecksgeschichte aus der europäischen Oberschicht zeigte bereits viele typische Merkmale des Stroheim-Stils. Der Film wurde ein großer Kassenerfolg, blieb aber das letzte von Stroheims Regie-Arbeiten, das ungekürzt auf die Leinwand gelangte. Es folgten weitere opulente Sittenbilder europäischer Dekadenz wie "The Devil's Passkey" (1920) und "Foolish Wives"1) (1922, Närrische Weiber2)), der ihn endgültig zum "enfant terrible Hollywoods" machte und in denen Stroheim zugleich die Hauptrolle des skrupellosen Verführers spielte. Seine Detailbesessenheit verschlang Unsummen, man schrieb seinen Namen zeitweise nur noch mit Dollarzeichen "$troheim", wegen extremer Budget-Überschreitungen kam es dann zum Konflikt mit den " Universal-Filmstudios" und Stroheim wechselte 1923 zu MGM.
Dort arbeitete er zunächst nur hinter der Kamera, drehte aufwendig das k.u.k.-Melodram "Merry-Go-Round"1) (1923, Rummelplatz des Lebens), und auch hier war ihm nichts zu teuer. Mit seinen Statisten übte er tagelang Exerzieren auf dem Studiogelände. Das Maß war voll, als er für eben jene Statisten Original k.u.k.-Seidenunterwäsche mit dem Monogramm der kaiserlichen Garde bestellte. Sie wäre im Film nie zu sehen gewesen, aber Stroheim fand, daß seine Leute nur mit dem Gefühl dieser Unterwäsche richtig spielen könnten. Die Produzenten sahen das anders und feuerten Stroheim."Merry Go Round" wurde von dem wesentlich bescheideneren Rupert Julian beendet.3)
 
Dann folgte das überlange Meisterwerk und Gegenwartsdrama "Greed"1) (Gier) nach dem naturalistischen Roman "McTeague" von Frank Norris, welches 1924 von anfangs 9 Stunden auf nur 140 Minuten "verstümmelt" in die Kinos kam; der Film avancierte zum Klassiker und zählt noch heute zu den größten Werken der Filmgeschichte. (siehe auch www.filmzentrale.com) Wieder kannte Stroheim bei der Produktion weder Grenzen noch Erbarmen. Beim Finale – unter unmenschlichen Bedingungen vor Ort in Death Valley gedreht – fielen einzelne Mitglieder seines Teams einem Hitzschlag zum Opfer. Stroheims Detailbesessenheit führte dazu, daß der Film in seiner vollständigen Fassung eine Länge von 42 Rollen (etwa acht bis zehn Stunden) hatte. Stroheim schlug vor, das Werk in zwei Teilen à zweieinhalb Stunden herauszugeben, doch die Geldgeber lehnten ab. Unter Protest kürzte Stroheim "Greed" auf 24 Rollen. Das genügte aber immer noch nicht. Sein Freund Rex Ingram mußte weitere 6 Rollen entfernen. Stroheim arbeitete an dieser Fassung zwar mit, lehnte es jedoch ab, sie zu autorisieren. Produzent Irvin Thalberg brachte am Ende eine zur Unkenntlichkeit verstümmelte 10-Rollen-Fassung ins Kino, in der alle Nebenhandlungen restlos eliminiert waren. Stroheim hat diese Verstümmelung seines Meisterwerkes, das heute nur noch in einer etwa zweieinhalbstündigen Fassung existiert, nie verziehen.3)

Auch die eher populäre Operetten-Verfilmung "The Merry Widow"1)  (1925, Die lustige Witwe) stieß bei Studio und Zensur vor allem wegen orgiastischer Szenen auf Probleme, so dass Stroheim erneut die Produktionsfirma wechselte und zu "Paramount" ging. In seinem "The Wedding March"1) (1928, Hochzeitsmarsch), der melodramatischen Geschichte über ein europäisches Königshaus, gab Stroheim erneut die Rolle des Verführers, doch der Zweiteiler kam wieder nur gekürzt in die Kinos. "Queen Kelly"1) mit Gloria Swanson in der Hauptrolle wurde 1928 nicht beendet, der Regie-Versuch mit dem Tonfilm "Walking Down Broadway"1) (1932/33, Hello Sister!) scheitert ebenso.
Stroheim zog sich nun auf eine Karriere als Schauspieler zurück, half daneben Kollegen als "Skript-Doktor". Mit Figuren wie der des zwielichtigen Bauchredners in "The Great Gabbo"1) (1929, Der Große Gabbo) begann er nun zunehmend, sein Image des Fieslings oder seinen Standardauftritt als knalliger Offizier ironisch zu brechen, später auch resignativ zu vermenschlichen. Er agierte in Filmen wie "Three Faces East" (1930), "Friends and Lovers" (1931), "The Lost Squadron"1) (1932, Die Letzten Vier), "As You Desire Me"1) (1932, Wie du mich wünschst; neben Greta Garbo), "Crimson Romance" (1934) und "The Crime of Dr. Crespi" (1935). Höhepunkt dieses Rollenwechsels wurde seine Verkörperung des deutschen Offiziers Rauffenstein in Jean Renoirs Meisterwerk "La grande illusion"1) (1937, Die große Illusion2)) an der Seite von Jean Gabin. Ab Mitte der 1930er Jahre arbeitete Stroheim vermehrt in Frankreich und stand für Filme wie "Macao, l’enfer du jeu"1) (1939, Die Spielhölle von Macao), "Rappel immédiat" (1939), "Le monde tremblera" (1939, Revolte des Lebens) oder "Tempête" (1940, Sturm) vor der Kamera. Dann ging er wegen der Besetzung Frankreichs durch die Nazis vorübergehend wieder in die USA, wirkte dort mit profilierten Nebenrollen, aber auch Hauptrollen in Filmen wie "So Ends Our Night" (1941), "Five Graves to Cairo"1) (1943, Fünf Gräber bis Kairo) – hier brillierte er als Feldmarschall Rommel – oder "Scotland Yard Investigator" (1945) und "The Mask of Diijon"1) (1945) mit.

Nach Ende des 2. Weltkrieges kehrte Stroheim nach Europa zurück und lebte ab 1946 wieder in Frankreich. Zu seinen Filmproduktionen der letzten Jahre zählen unter anderem "On ne meurt pas comme ça" (1946), "Le signal rouge" (1948, Rote Signale), "Danse de mort" (1948) und "Portrait d'un assassin" (1949). Für eine seiner letzten großen Rollen, den zum Kammerdiener und Chauffeur der Ex-Diva alias Gloria Swanson abgestiegenen Stummfilmregisseur Max von Mayerling in Billy Wilders düsterem Melodram "Sunset Boulevard"1) (1950, Boulevard der Dämmerung2)) wurde Stroheim für einen Nebenrollen-Oscar nominiert. 1952 konnte er als Professor Ten Brinken neben Hildegard Knef und Karlheinz Böhm in Arthur Maria Rabenalts Literaturverfilmung "Alraune"1) noch einmal mit einer Hauptrolle glänzen, in einem seiner letzten Auftritte vor der Kamera verkörperte er in Sacha Guitrys Biopic "Napoléon"2) (1955) den tauben Komponisten Ludwig van Beethoven.
 
Erich von Stroheim, der noch zwei Monate vor seinem Tod in die französische Ehrenlegion aufgenommen worden war, erlag am 12. Mai 1957 im Alter von 71 Jahren auf Schloss Maurepas bei Paris seinem Krebsleiden; die letzte Ruhe fand er auf dem dortigen Friedhof → Foto der Grabstelle bei knerger.de.
Der Leinwand-Pionier war mehrmals verheiratet: Mitte Februar 1913 (nach anderen Quellen 1914) ging er in Amerika die kurze Ehe mit Margaret Knox ein. Knox war eine Art Mentor für Stroheim, sie brachte im die fremde Sprache bei, führte ihn in die Literatur ein und ermutigte ihn, selbst zu schreiben; in dieser Zeit verfasste er die Erzählung "In the Morning". Ob die Ehe geschieden wurde oder aufgrund des Todes von Margaret Knox ein Ende fand, bleibt unklar, in Internetquellen findet man beide Aussagen. 1916 gab Stroheim der Schneiderin Mae Jones das Ja-Wort, die offizielle Trennung erfolgte trotz des gemeinsamen Kindes Erich von Stroheim Jr. (1916 – 1968) im Juli 1919. Ehefrau Nummer 3 wurde von Mitte Oktober 1920 bis zu seinem Tod die Schauspielerin Valerie Germonprez (1897 – 1988), mit der er verschiedentlich vor der Kamera stand; eine Trennung soll um 1936 erfolgt sein, eine offizielle Scheidung erfolgte nie. Während dieser Ehe machte Stroheim 1933 eine schwere Krise durch, Valerie Germonprez erlitt durch einen Unfall in einem Frisiersalon schwere Verbrennungen im Gesicht, und ein Sohn Stroheims erkrankte an Kinderlähmung. Stroheim dachte in dieser Zeit wiederholt an Selbstmord. Freunde wie Clark Gable, der in Stroheims "Die Lustige Witwe" einen seiner ersten Filmauftritte als Komparse gehabt hatte, konnten ihn aber von diesem Vorhaben abbringen. Von Stroheim, der tagelang bei seiner Frau im Krankenhaus wohnte, verarbeitete seine Erfahrungen teilweise in seinem Originaldrehbuch "Between Two Women", eins seiner wenigen Projekte, das – freilich nicht unter seiner, sondern der Regie von George B. Seitz – 1937 auch tatsächlich verfilmt wurde.4)
Bis zu seinem Tod war die französische Journalistin und Schauspielerin Denise Vernac5) (1916 – 1984) seine Lebenspartnerin, die seit 1938 als seine Sekretärin bzw. Assistentin arbeitete; das Paar lebte später in Maurepas bei Paris. Aus der Ehe mit  Valerie Germonprez stammt der spätere Sound-Spezialist Josef von Stroheim (1922 – 2002).
Richard Koszarski veröffentlichte 1983 eine Biografie des Schauspielers und Regisseurs unter dem Titel "The Man You Loved to Hate: Erich von Stroheim and Hollywood" sowie "The Life and Films of Erich von Stroheim". Von Maurice Bessy erschien das Buch "Erich von Stroheim. Eine Bildmonographie", Wolfgang Jacobsen u. a. veröffentlichten die Dokumentation "Erich von Stroheim".

Textbausteine des Kurzportraits von www.prisma.de
Siehe auch Wikipedia, www.film-zeit.de, www.cyranos.ch, www.arte.tv
Fotos bei www.virtual-history.com
Link: 1) Wikipedia (deutsch), 2)  prisma.de, 5) Wikipedia (englisch)
Quelle:  3) prisma.de, 4) Wikipedia, abgerufen 15.07.2011)
Lizenz Foto Erich von Stroheim: Urheber unbekannt; entnommen aus dem 1920 veröffentlichten Buch "The First One Hundred Noted Men and Women of the Screen" (Moffat, Yard & company) von Carolyn Lowrey (Retrieved from Google Book Search). Diese Mediendatei ist gemeinfrei in den Vereinigten Staaten. Dies gilt für US-amerikanische Werke, deren Urheberrecht erloschen ist, üblicherweise, weil ihre Erstveröffentlichung vor dem 1. Januar 1923 liegt. 
Kinofilme (Auszug)
Filmografie bei der Internet Movie Database
(Link: Wikipedia, in Klammern: prisma.de)
Als Darsteller (Auszug) Als Regisseur
Um zur Seite der Publikumslieblinge zurückzukehren, bitte dieses Fenster schließen.
Home: www.steffi-line.de