Hugo Thimig wurde am 16. Juni 1854 als Sohn eines Handschuhmachers in Wien geboren. Zunächst absolvierte er eine kaufmännische Lehre und besuchte anschließend die "Dresdner Handelsakademie"; da sich Thimig für das Theater interessierte wirkte er in Dresden bei einer Laiengruppe mit, wo er eines Abends von dem Schauspieler Ferdinand Dessoir1) (1836 – 1892) gesehen wurde, der dem jungen Thimig ersten dramatischen Unterricht vermittelte.
Wenige Zeit später stand Hugo Thimig auf einer professionellen Theaterbühne und gab 1872 sein Debüt mit der Rolle des "Lanzelot Gobbo" in Shakespeares "Der Kaufmann von Venedig"; ein weiteres Engagement in Breslau schloss sich ein Jahr später an und während dieser Zeit gastierte Thimig auch an der Wiener Hofburg, dem späteren "Burgtheater". Kritiker und Publikum waren von dem Charakterdarsteller begeistert, am 7. Oktober 1874 erhielt Thimig ein Engagement in Wien und fand dort seine künstlerische Heimat. Vom "Burgtheater" wurde er als "Mitglied auf Lebenszeit" verpflichtet, 1881 erhielt er den Titel eines "wirklichen Hofschauspielers", führte ab 1897 auch Regie und wurde nach dem Tode Alfred von Bergers1) im Jahre 1912 mit der provisorischen Leitung des "Hofburgtheaters" betraut; die Ernennung zum Direktor erfolgte dann zwei Jahre später.

Hugo Thimig als "Schmock" in Gustav Freytags Lustspiel "Die Journalisten"
Quelle: Wikipedia: Scan aus "Spemanns goldenes Buch des Theaters" (1902)
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Hugo Thimig als "Schmock" in Gustav Freytags Lustspiel "Die Journalisten"; Quelle: Wikipedia; Scan aus "Spemanns goldenes Buch des Theaters" (1902) von Wikimedia-Benutzer-Goerdten; Die Schutzdauer für das von dieser Datei gezeigte Werk ist nach den Maßstäben des deutschen, des österreichischen und des schweizerischen Urheberrechts abgelaufen. Es ist daher gemeinfrei.
Danach legte er das Amt nieder, wurde für seine Leistung mit dem Titel "Hofrat" geehrt und stand dann noch bis 1923 als Darsteller auf der Bühne der "Burg". Anschließend folgte er einem Ruf an das "Theater in der Josefstadt", wo er 1933 unter frenetischem Beifall der Besucher und Kollegen seinen Abschied von der Bühne mit der Rolle des Musikers in Schnitzlers "Liebelei" gab. Anlässlich des seltenen 70-jährigen Bühnenjubiläums wurde ihm 1942 die "Goethe-Medaille für Kunst und Wissenschaft" verliehen.  
Zu Thimigs Glanzrollen zählten Werke bzw. Figuren von Shakespeare, so der Zettel in "Ein Sommernachtstraum"1) oder der Junker Andreas von Bleichenwang in "Was ihr wollt"1). Er brillierte unter anderem als Coquin in Calderón de la Barcas "Der Arzt seiner Ehre" oder als Schierling in Johann Nestroys Zauberposse mit Gesang "Alles und Nichts oder Der Traum von Schale und Kern" in einer Bearbeitung von Hans Sassmann1) und Egon Friedell1) → Foto bei bilddatenbank.khm.at. In dieser denkwürdigen Inszenierung am "Theater in der Josefstadt" im März 1926 stand Thimig gemeinsam mit seinen Kindern Hermann, Hans und Helene auf der Bühne, weitere Mitspieler waren Gustav Waldau und Hans Moser. Thimig zeigte seine enorme Wandlungsfähigkeit zudem in damals modernen Stücken wie als Billing in "Ein Volksfeind"
1) und als Hilmar "Stützen der Gesellschaft" von Ibsen, gestaltete Rollen in Gerhart Hauptmanns "Einsame Menschen" oder Otto Ernsts1) Komödie "Flachsmann als Erzieher", wo er als Schulinspektor Brösecke glänzte → Foto bei bilddatenbank.khm.at, Inhalt bei gutenberg.spiegel.de. Berühmt wurde Thimig auch durch die Rolle des "Winkeljournalisten" Schmock in Gustav Freytags Lustspiel "Die Journalisten" sowie durch seine einmalige Darstellung des Schmierentheaterdirektors Striese in seiner eigenen Inszenierung des bis heute unverwüstlichen Schwanks "Der Raub der Sabinerinnen"1) von Franz und Paul von Schönthan → weitere Rollen bei www.josefstadt.org.
Vereinzelt machte Thimig auch Ausflüge auf die Leinwand: So spielt er er beispielsweise in den stummen Streifen "Das Verbotene Land" (1924), "Das Spielzeug von Paris" (1925) und "Die Pratermizzi"1) (1927). In Georg Jacobys musikalischen Komödie "Geld auf der Straße"2) (1930) konnte man Thimig dann auch hören , hier mimte er den Max Kesselberg neben Lydia Pollman und Georg Alexander. In Otto Premingers ersten Regiearbeit für den Film "Die Große Liebe"2) (1931) war er ein Polizeikommissar und ein Jahr später sah man ihn in Carl Lamačs "Die Grausame Freundin"2) mit Anny Ondra und Fritz Rasp. Seine letzte Filmrolle spielte er in "Buchhalter Schnabel" (1935, auch " Ein junger Herr aus Oxford") an der Seite von Hans Moser, der den Titelhelden darstellte.
 

Hugo Thimig fotografiert von Dr. Josef Székely (1838 - 1901)
Quelle: Wikimedia Commons
Dieses Bild ist Teil der Porträtsammlung Friedrich Nicolas Manskopf der
Universitätsbibliothek der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main.
Signatur: S36_F10066; Lizenz zur Veröffentlichung siehe hier

Hugo Thimig fotografiert von Dr. Josef Székely (1838 - 1901); Quelle: Wikimedia Commons; Dieses Bild ist Teil der Porträtsammlung Friedrich Nicolas Manskopf der Universitätsbibliothek der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main (Signatur: S36_F10066).
Hugo Thimig, Träger des "Ehrenringes der Stadt Wien"1), starb am 24. September 1944 mit 90 Jahren in seiner Geburtsstadt Wien –  zwei Tage nach dem Ableben seiner Frau Franziska (geb. Hummel; 1867–1944); da er ohne seine Gattin nicht mehr leben wollte, hatte Thimig den Freitod gewählt. Seine letzte Ruhe fand er auf dem Sieveringer Friedhof in Wien (Abteilung 2, Gruppe 13, Nummer 76) neben seiner Gattin → Foto der Grabstelle bei Wikimedia Commons.
Seine Söhne Hermann Thimig3) (1890 – 1982) und Hans Thimig3) (1900 – 1991) sowie seine Tochter Helene Thimig3) (1889 – 1974), die Witwe des bekannten, 1943 verstorbenen Regisseurs und Theaterleiters Max Reinhardt1) (1873 – 1943), wurden ebenfalls brillante Charakterdarsteller und führten die Schauspielertradition ihres Vaters fort.
Thimig besaß die größte Privattheater-Sammlung (darunter 20.000 Druckschriften, 40.000 Autographen, 60.000 Bildobjekte), die er 1922 der "Österreichischen Nationalbibliothek" verkaufte (womit der Grundstock zum "Österreichischen Theatermuseum" gelegt war). Quelle: www.wien.gv.at)
Siehe auch Wikipedia, www.cyrynos.ch
Filmografie bei der Internet Movie Database
Fotos bei www.virtual-history.com
Link: 1) Wikipedia, 2) filmportal.de, 3) Kurzportrait innerhalb dieser HP
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