Udo Thomer wurde am 3. Oktober 1945 in Regensburg geboren, verbrachte dort auch seine Kindheit und Jugend; sein Vater Heinrich Thomer war 1939 als Schauspieler nach Regensburg gekommen, seine Mutter Kitty Thomer hatte als Sängerin ein Engagement am dortigen Theater. Gleich nach Beendigung der Schulzeit ließ er sich am der renommierten Münchner "Otto-Falckenberg-Schule"1) zum Schauspieler ausbilden, Engagements unter anderem in Regensburg, Hannover (Staatstheater), Hamburg (Thalia Theater), Stuttgart und in Münchner am "Staatstheater am Gärtnerplatz" sowie verschiedenen Münchner Keller- und Volkstheatern schlossen sich an. Darüber hinaus wirkte Thomer bei den Salzburger Festspielen oder den Kreuzgangspielen in Feuchtwangen mit, bis zuletzt war der Mann mit dem verschmitzten Lächeln ein Publikumsmagnet  bei den Luisenburg-Festspielen in Wunsiedel, wo er noch 2003 als Wurzels 1. Kammerdiener Lorenz in Ferdinand Raimunds romantischem Zaubermärchen "Der Bauer als Millionär" zu bewundern war.
Udo Thomer verkörperte im Verlaufe der Jahre viele schöne Bühnenfiguren, gab beispielsweise den Kaspar in Peter Handkes gleichnamigem Sprechstück über die Geschichte des Findlings Kaspar Hauser, den Büchner'schen "Woyzeck" oder den Shakespeareschen "Macbeth". Shylocks Diener Lanzelot in Shakespeares "Der Kaufmann von Venedig" oder Amphitryons Diener Sosias in Kleists "Amphitryon" zählten ebenso zu Thomers Repertoire wie der Sadist Clochet in Sartres "Tote ohne Begräbnis", der Handwerksbursche Leim in Nestroys "Der böse Geist Lumpacivagabundus" oder der Porthos in "Die drei Musketiere" nach Dumas – um nur Einiges zu nennen. 

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In den letzten Jahren glänzte er beispielsweise bei den Luisenburg-Festspielen als verfemter Schauspieler Kirsch in Felix Mitterers Tragikomödie "In der Löwengrube" (2002), trat bei den Burgfestspielen in Mayen unter der Regie Pavel Fiebers in dem Musical "Der Mann von La Mancha" (2004) und in Lessings Schauspiel "Nathan der Weise" (2005) auf. Mit Pavel Fieber erarbeitete Thomer auch die Figur des unscheinbaren und schüchternen Autors Sherman in der Erfolgskomödie "Verlegtes Glück" des Kanadiers Seymour Blicker, die am 19. März 2004 in der Stuttgarter "Komödie im Marquardt" Premiere hatte und in der Thomer auch noch 2006 auf einer Tournee in verschiedenen deutschen Städten zu bewundern sein sollte. In der witzigen Parodie auf den modernen Literaturbetrieb zog der Schauspieler an der Seite von Gerry Hungbauer als Freund Matt einmal mehr alle Register seines komödiantischen Talents. Ein weiteres "Highlight" mit Thomer in der Hauptrolle war Friedrich Dürrenmatts schwarze, boshaft-lustige Ehekomödie "Play Strindberg". Ein begeistertes Publikum fand der Valentin-Fan Thomer auch immer wieder mit seinem Soloprogramm "Sinniges und Unsinniges – Karl Valentin", in dem er Texte des Meisters der tief- bzw. unsinnigen Komik zum Besten gab; dazu gehörten beispielsweise eine Vereinsrede von "anno dunnemals", "Mir hat geträumt", "Briefe aus Aibling", "Riesenblödsinn" oder Verse aus "Die Fremden".

Über die Theaterszene bekannt und populär wurde Udo Thomer seit Mitte der 1970er Jahre durch zahlreiche Film- und Fernsehrollen. In beliebten Krimi-Serien wie "Der Alte", "Derrick", "SOKO 5113", "Schwarz-Rot-Gold", "Krimistunde", "Die Männer vom K3","Tatort" oder "Polizeiruf 110" wurde der Schauspieler mit unterschiedlichsten Rollen zum Dauergast auf dem Bildschirm, ebenso wie in vielen anderen TV-Quotenrennern. Zur umfangreichen Serien-Filmografie zählen unter anderem "Der Schwammerlkönig", "Schloßhotel Orth", "Die Schwarzwaldklinik", "Der Landarzt", "Forsthaus Falkenau", "Alle meine Töchter", "Die Schnelle Gerdi", "Tierarzt Dr. Engel", "Edel & Starck" oder "Siska", seit 1996 trat Thomer in über 30 Folgen um den "Bullen von Tölz"1)  regelmäßig als tollpatschiger Polizeihauptmeister Anton Pfeiffer in Erscheinung. Hinzu kamen zahlreiche Einzelproduktionen, vor allem in Volksstücken mit bayerischem Kolorit war der Schauspieler in seinem Element. So spielte er unter der Regie von Franz Peter Wirth an der Seite von Gustl Bayrhammer in Ludwig Thomas "Der Wittiber" (1975) sowie in "Die Leute von Feichtenreut" (1976) nach dem Roman von Hannes Burger, in Alois Johannes Lippls niederbayerischem Schelmenstück "Der Glockenkrieg"1) (1983) mimte er den Blasius Hackler. Als Bauern Franz Bauernfeind erlebte man ihn in dem Komödienstadl-Volksstück "Die Kartenlegerin" (1993), der den vermeintlich hellseherischen Fähigkeiten von Minna Schreiner alias Veronika Fitz aufsitzt, und auch bei den "Weißblauen Geschichten"1) war er wiederholt vertreten. In den letzten Jahren stand Thomer neben zahllosen Serien-Auftritten sowie seiner Dauerrolle des Polizeihauptmeisters Anton Pfeiffer im "Bullen von Tölz"1) unter anderem in TV-Spielen wie "Wilder Kaiser – Der Meineid" (2002), "Liebe ohne Fahrschein" (2002) und "Die Geierwally" (2005) vor der Kamera.
Auf der Leinwand zeigte sich Udo Thomer nur sporadisch, Vicco von Bülow übertrug ihm die Rolle des Herrn Maier-Grabenhorst in seinem Meisterwerk "Ödipussi"1) (1988) sowie eine kleinere Rolle in "Pappa ante Portas"1) (1991), unter der Regie von Michael Verhoeven spielte Thomer den Archivleiter Schulz in dem Gesellschaftsdrama "Das Schreckliche Mädchen"1) (1990); weitere Kinofilme waren Manfred Purzers "Randale" (1983) sowie Franz Seitz' Feuchtwanger-Adaption "Erfolg" (1991).

Neben seiner umfangreichen Arbeit für Theater und Fernsehen, fand Udo Thomer immer wieder Zeit für Lesungen, wie beispielsweise mit Weihnachtsgeschichten von Erich Kästner, Joachim Ringelnatz oder Hans Christian Andersen; begleitet wurde er dabei oft von seinem Sohn, dem Gitarristen David Thomer, der Meisterschüler am "Mozarteum" in Salzburg war.
 

Das Foto wurde mir freundlicherweise von der
Fotografin Virginia Shue (Hamburg) zur Verfügung gestellt. 
Das Copyright liegt bei Virginia Shue.

Udo Thomer; Copyright Virginia Shue
Der humorvolle und warmherzige Schauspieler erlag am 12. Januar 2006 im Alter von 60 Jahren seinen schweren Kopfverletzungen, die er sich bei einem Sturz in einem Münchner Restaurant Anfang des Jahres zugezogen hatte. Trotz einer Notoperation und künstlichem Koma hätten sich immer wieder neue Blutgerinnsel in Thomers Kopf gebildet, die letztlich zu einem Gehirnschlag führten, vermeldeten die Medien; seine letzte Ruhe fand er auf dem Neuen Südfriedhof in München → Foto der Grabstelle bei knerger.de.
Viele Kollegen und Weggefährten kommentierten den Tod des Schauspielers als "schmerzlichen Verlust"; Michael Lerchenberg‚ der Intendant der Luisenburg-Festspiele in Wunsiedel, wo Udo Thomer viele Sommer lang Erfolge gefeiert hatte, würdigte ihn als "einen der ganz großen bayerischen Volksschauspieler". Die "Mittelbayerische Zeitung" schrieb unter anderem in einem Nachruf: "Von Udo Thomer wären noch viele wunderbare Aufführungen zu erwarten gewesen. Sein Tod macht das Theater ärmer."
 
Siehe auch Wikipedia; Filmografie bei der Internet Movie Database
Link: 1) Wikipedia
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