Jürgen Thormann wurde am 12. Februar 1928 in Rostock geboren. Nach der Schule nahm er in Bonn privaten Schauspielunterricht, erste Engagements in Dessau, Bremen und Bochum schlossen sich an. 1962 folgte er einem Ruf Boleslaw Barlogs an das Berliner "Schiller-Theater", das für die nächsten 30 Jahre seine künstlerische Heimat blieb. Unter der Regie namhafter Theatermänner wie Fritz Kortner, Hans Schweikart oder Hans Lietzau interpretierte Thormann sowohl klassische als auch moderne Figuren, zeigte immer wieder seine enorme schauspielerische Wandlungsfähigkeit. So erlebte man ihn beispielsweise eindrucksvoll als Sekretär Wurm in Schillers "Kabale und Liebe", als Cäsar in Shakespeares "Antonius und Cleopatra" oder als Matrosen Trinculo in "Der Sturm" – ebenfalls von Shakespeare. Einer seiner letzten Bühnenauftritte in klassischen Stücken war Mitte der 1990er Jahre die Hauptrolle in Lessings "Nathan der Weise" am "Alten Schauspielhaus" in Stuttgart.

Jürgen Thormann Ende Mai 2011 nach einem Interview im Literaturhaus Berlin
Urheber: Helen Krüger; Lizenz: CC-BY-SA-3.0
Quelle: Wikipedia bzw. Wikimedia Commons

Jürgen Thormann Ende Mai 2011 nach einem Interview im Literaturhaus Berlin; Urheber: Helen Krüger; Lizenz: C-BY-SA-3.0; Quelle: Wikipedia bzw. Wikimedia Commons
Auch mit eigenen Inszenierungen machte der Schauspieler sich einen Namen, so setzte er beispielsweise an der "Berliner Tribüne" Brechts "Kleinbürgerhochzeit" (1991) und Tennessee Williams' "Die Glasmenagerie" in Szene, führte Regie bei Sternheims "Die Hose" und "Die Kassette"; in Stuttgart inszenierte er "Ein besserer Herr" von Walter Hasenclever.
In den letzten Jahren brillierte Thormann vor allem in Boulevardstücken, so zuletzt neben Maria Sebaldt und Harald Dietl in der Komödie von Ron Clark "Eine Bank in der Sonne", einer wunderbaren Geschichte von Freundschaft und Liebe im Alter. Die "Rheinische Post" schrieb nach der Premiere am 10. Mai 2006 in der "Düsseldorfer Komödie": "Das Stück des Kanadiers Ron Clark ist in erster Linie die Stunde dreier glänzender Komödianten" → www.komoedie-steinstrasse.de.
Erneut stand der Schauspieler seit 2007 wieder in dem Stück "Wind in den Pappeln" von Gérald Sibleyras neben Jörg Pleva und Harald Dietl auf der Bühne: Erzählt wird die komische Geschichte von den drei Kriegsveteranen Fernand (Jörg Pleva), Gustave (Jürgen Thormann) und René (Harald Dietl), welche im Sommer 1959 die Terrasse ihrer Seniorenresidenz okkupiert haben und gegen Eindringlinge wie Schwester Madeleine vehement verteidigen, so wie sie das früher im 1. Weltkrieg gegen den Feind getan haben. In der Inszenierung von Torsten Fischer zeigte sich das Trio in dieser Tragikomödie auch im Sommer 2010 am Hamburger "Ernst Deutsch Theater", "Thormann ist ganz unauffällig in seiner Auffälligkeit, wenn er eitel vor dem Spiegel paradiert, auf Etikette bedacht ist, mit geschlossenen Lippen ein böses Lachen hervorpresst, oder indigniert schaut. Ganz leise lässt Fischer das Stück beginnen, er räumt den Vollblutkomödianten alle Zeit der Welt ein. Ganz leise auch klingt es aus. Wunderbar." notierte WELT ONLINE; siehe auch www.renaissance-theater.de.

Neben seiner umfangreichen Theaterarbeit legte Jürgen Thormann schon früh den Schwerpunkt auf die akustischen Medien, wurde ein vielbeschäftigter Sprecher in zahllosen Film- und Hörspielproduktionen. Mit seiner unverwechselbaren, kraftvollen Stimme synchronisierte er nicht nur ausländischen Kollegen wie, Gene Wilder, Jean Rochefort, Robert Duvall, Dirk Bogarde, Tony Randall, Max von Sydow, Peter O'Toole oder Jeremy Irons, sondern lässt auch bis heute viele Hörspiele und Literaturlesungen zu einem Erlebnis werden. Seit vielen Jahren ist er die deutsche Stimme von Michael Caine, zu seinen Sprecherrollen zählte unter anderem die Kultserie "Department S", wo er dem Kriminalschriftsteller Jason King alias Peter Wyngarde seine Stimme lieh. Er ist in der populären Rundfunksendung "Ohrenbär" ebenso zu hören wie als Erzähler in "Geschichten von der Maus für die Katz" oder in den Krimis "Drei ???" und den Hörspielen der "Gespenster-Krimis" – um nur einiges zu nennen. Gemeinsam mit seinem Kollegen Rolf Schult1) erhielt Thormann 2007 den "Deutschen Preis für Synchron"1) für sein herausragendes Gesamtschaffen in der Synchronarbeit. → Auswahl der Hörspiele sowie Synchronarbeiten bei Wikipedia.
  
Seit Mitte der 1970er Jahre übernahm Jürgen Thormann auch als Darsteller sporadisch interessante Aufgaben für das Fernsehen, so erlebte man ihn beispielsweise in Eberhard Itzenplitz' Schul-Studie "Anpassung an eine zerstörte Illusion" (1977), Thomas Fantls Drama "Eingriffe" (1980) oder in der "Tatort-Folge "Eine Million Mäuse"2) (1987). Mit dem Regisseur Franz Josef Gottlieb drehte er einige populäre Fernsehfilme und war in prägnanten Nebenrollen an der Seite beliebter Stars zu sehen: So neben Inge Meysel in "Mrs. Harris fährt nach Moskau" (1987), mit Mario Adorf in dem Krimi "Keine Gondel für die Leiche" (1989), mit Herbert Herrmann und Susanne Uhlen in der Komödie "Trouble im Penthouse" (1989) und Helmut Fischer in der Literaturverfilmung bzw. Farce "Jede Menge Schmidt" (1989), nach einem Boulevardstück von John Graham. Zu Thormanns TV-Filmografie zählen weiterhin Serien wie "Elbflorenz" (1994), "Blankenese" (1994), "Der Mond scheint auch für Untermieter" (1995), "SK Babies" (1996) und "Praxis Bülowbogen". An jüngeren Arbeiten des Berliner Staatsschauspielers vor der TV-Kamera ist  das Drama "Kunstfehler" (2006) zu nennen.
 
Der mit der Schauspielerin Uta Sax1) verheiratete Jürgen Thormann war lange Jahre Dozent an der "Akademie für Autoren" in Potsdam.
 
Link: 1) Wikipedia, 2) tatort-fundus.de Stand: Januar 2015
Siehe auch Wikipedia, www.renaissance-theater.de
Filmografie bei der
Internet Movie Database
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