Jakob Tiedtke
Jakob Tiedtke wurde am 23. Juni 1875 als Jakob Karl Heinrich Wilhelm Tiedtke in Berlin geboren; sein Vater war humoristischer Schriftsteller und Mitarbeiter der reich illustrierten deutschen Wochenschrift "Fliegende Blätter"1), des "Kladderadatsch"1) u. Ä. Nach dem Besuch des "Köllnischen Gymnasium" seiner Geburtsstadt wurde Tiedtke Absolvent der "Seebach-Schule", die dem Berliner "Königlichen Schauspielhaus" angeschlossen war. Nach Beendigung der Studien debütierte der junge Schauspieler dort 1899 als Cato in Shakespeares Tragödie "Julius Cäsar", ging wenig später an das "Preußische Hoftheater", dem er bis 1905 als Ensemblemitglied angehörte. Dann folgte er für acht Jahre einem Ruf Max Reinhardts1) (1873 – 1943) an das "Deutsche Theater", 1913 wechselte er an das private "Deutsche Künstlertheater Societät"1), ein Jahr später an das "Lessingtheater" unter der Leitung von Victor Barnowsky1) (1875 – 1952); 1915 schloss sich ein dreijähriges Engagement am legendären Wiener "Burgtheater" an.
Bis 1925 gastierte er an verschiedenen Berliner Bühnen und gehörte von 1933 bis 1945 zum Ensemble der Berliner "Volksbühne". In der Zeit des Nationalsozialismus war er Präsidialbeirat im NS-Führerkorps "Kameradschaft der deutschen Künstler"1)2). Nach Ende des 2. Weltkrieges gründete Tiedtke zusammen mit Theo Lingen3) (1893 – 1978), Paul Kemp3) (1899 – 1953), Siegfried Breuer3) (1906 – 1954) und anderen Schauspielerkollegen die "Künstlergemeinschaft Bad Ischl", die zwei Jahre lang in Österreich auf Tournee ging. Danach konnte der Schauspieler wieder in München und Berlin erfolgreich Theater spielen und auch in Hamburg brillierte er unter anderem im "Thalia-Theater", wo anlässlich seines 50. Bühnenjubiläums die Komödie "Der gute Onkel Jan" von Eaydeau mit Tiedtke in der Titelrolle uraufgeführt wurde. 
Zu seinen Glanzrollen auf der Bühne zählten neben bedeutenden Theaterfiguren wie dem Jago in Shakespeares "Othello", dem Mephisto in Goethes "Faust I" oder dem Franz Moor in Schillers "Die Räuber" vor allem Interpretationen in klassischen Lustspielen und Komödien, unter anderem brillierte Tiedtke als Dorfrichter Adam in Kleists "Der "Zerbrochne Krug" und als Theobald Maske in Sternheims "Die Hose". Als Darsteller der Figuren von Molière beeindruckte er das Publikum als "eingebildeter Kranker", als "Tartuffe" und als "Der Geizige", gestaltete ebenso hinreißend den Theaterdirektor Emanuel Striese in dem Schwank "Der Raub der Sabinerinnen" von Franz und Paul von Schönthan oder den Baron Weps in der Operette "Der Vogelhändler" von Zeller. Sein Berliner Humor und die Berliner Unerschütterlichkeit prägten den Charakter Tiedtkes, die er auch seinen Figuren auf der Bühne verlieh. Er war eher ein stiller Komiker, dem das Herz mehr galt als die Pointe.
   
Schon früh war Tiedtke mit dem neuen Medium Film in Berührung gekommen und zeigte seine Kunst in verschiedenen stummen Streifen; seit Ende des 1. Weltkrieges hatte sich der Schauspieler fest an die "EFA-Filmgesellschaft" gebunden. Seine ersten Leinwandauftritte sollen bis auf das Jahr 1906 zurückgehen, wo er in Einaktern des Regisseurs und Filmpioniers Oskar Messter1) (1866 – 1943) mitspielte, was heute allerdings nicht mehr nachweisbar ist. Der erste gesicherte Film hingegen entstand 1913 mit dem Titel "Schuldig", ein Jahr darauf wirkte er neben Paul Wegener in dem Klassiker "Der Golem"4) mit. Bevorzugt arbeitete er mit Regisseur Ernst Lubitsch1) (1892 – 1947) zusammen, der ihm den Übernamen "Filmvater Tiedtke" gab und ihn in seinen stummen Produktionen "Die Puppe"1) (1919), "Kohlhiesels Töchter"1) (1920), "Romeo und Julia im Schnee"1) (1920), "Sumurun"1) (1920) und "Die Flamme"1) (1922) besetzte. Die imposante Gestalt des Mimen wurde von den Regisseuren immer wieder für schrullige und drollige Typen genutzt, denen Tiedtke stets Leben einzuhauchen verstand. Zu den weiteren großen Filmen der 1920er Jahre zählen unter anderem fünf Teile des Abenteuers "Der Mann ohne Namen"4) (1921), "Sie und die Drei" (1922), "Der Kaufmann von Venedig" (1923), "Das alte Gesetz" (1923), "Nanon" (1923), "Ein Walzertraum" (1925), "Die Mühle von Sanssouci" (1926), "Unter Ausschluss der Öffentlichkeit" (1927), "Gehetzte Frauen" (1927), "Moral" (1928) und "Mascottchen" (1929). In Hans Kysers prominent besetztem Historienfilm "Luther – Ein Film der deutschen Reformation"1) (1927) überzeugte Tiedtke, neben Eugen Klöpfer in der Titelrolle des Reformators Martin Luther1) (1483 – 1546), als Ablassprediger Johann Tetzel1) (1460 – 1519).
 
Vor allem als Interpret komischer Rollen bzw. im Fach des älteren Bonvivant avancierte Tiedtke auf der Leinwand zu einem bekannten und populären Darsteller, blieb auch in den 1930er Jahren bzw. im Tonfilm ein vielbeschäftigter Schauspieler, wusste sich mit prägnanten Nebenrollen bzw. schrulligen Typen in beliebten Lustspielen jener Zeit, aber auch Produktionen anderen Genres in die Herzen der Zuschauer zu spielen. So erlebte man ihn beispielsweise als Gutsbesitzer und Junggeselle Philipp Klapproth in dem Schwank "Pension Schöller"1) (1930), als Titus Hasenklein in "Hasenklein kann nichts dafür" (1932) oder als Onkel Emil in der Operette-Adaption "Der Vetter aus Dingsda" (1934). Zur umfangreichen Filmografie, die in der "Internet Movie Database" ab 1914 alleine 195 Titel ausweist, zählen unter anderem erfolgreiche Streifen wie "Das Flötenkonzert von Sans-souci"4) (1930), "Yorck" (1931), "Das Blaue vom Himmel" (1932), "Mein Freund, der Millionär" (1932), "Saison in Kairo" (1933), "
Kleiner Mann – was nun?"1) (1933), "Schwarzer Jäger Johanna"1) (1934), "Der Doppelgänger"1) (1934) "Petersburger Nächte" (1935), "Die Göttliche Jette"1) (1937) oder die Rühmann-Filme "So ein Flegel"1) (1934) und "Nanu, Sie kennen Korff noch nicht?"1) (1938).
In dem Abenteuer "Verwehte Spuren"4) (1938) agierte Jakob Tiedtke erstmals unter der Regie von Veit Harlan3) (1899 – 1964), mit dem er in den nächsten Jahren einige weitere Filme wie "Das unsterbliche Herz"1) (1939) realisierte; dazu gehörten aber auch der unsägliche Hetz-Steifen "Jud Süss"1) (1940) sowie die Propaganda-Filme "Der große König"4) (1942) und "Kolberg"1) (1945).
Die Zusammenarbeit zwischen Harlan und Tiedtke bestand auch nach dem 2. Weltkrieg fort, Harlan besetzte Tiedtke in seinen Filmen "Unsterbliche Geliebte" (1950), "Hanna Amon"1) (1952) und "Die blaue Stunde" (1953). An Tiedtkes weiteren Nachkriegsfilmen sind unter anderem "Das seltsame Leben des Herrn Bruggs"1) (1951), "Königin einer Nacht"1) (1951), "
Keine Angst vor großen Tieren"1) (1953), "Damenwahl" (1953) "Der Raub der Sabinerinnen"1) (1954), "Emil und die Detektive"1) (1954) sowie zuletzt "Urlaub auf Ehrenwort" (1955) zu nennen. Danach zog sich Tiedtke langsam von der Schauspielerei zurück.
Auf der Bühne feierte er 1955 einen seiner letzten Erfolge mit der Rolle des "Theodosus" in einer Aufführung von Shaws "Cäsar und Kleopatra" im Berliner "Schiller-Theater"; nach der Vorstellung wurde er für seine Lebensleistung mit dem "Bundesverdienstkreuz" ausgezeichnet.
  
Der Schauspieler und Charakterkomiker Karl Jakob Tiedtke starb wenige Tage nach seinem 85. Geburtstag am 30. Juni 1960 in seinem Heim in Berlin-Kladow; er war plötzlich in eine tiefe Bewusstlosigkeit verfallen, aus der er nicht mehr erwachte. Seine letzte Ruhe fand er auf dem Berliner Friedhof Heerstraße, sein Nachlass befindet sich in der Berliner Staatsbibliothek.
Seine Erinnerungen hatte der mit der Balletttänzerin Ingrid Peterson verheiratete Tiedtke 1951 unter dem Titel "Aufrichtigkeiten eines ermüdeten Lügners" veröffentlicht.
Textbausteine stammen von www.cyranos.ch, siehe auch Wikipedia 
Fotos bei film.virtual-history.com
  
Link: 1) Wikipedia, 3) Kurzportrait innerhalb dieser HP, 4) Murnau Stiftung
Quelle: 2) nach Wikipedia (abgerufen 15.09.2011)
    
Kinofilme (Auszug)
Filmografie bei der Internet Movie Database
(Link: Wikipedia, Murnau Stiftung, filmportal.de)
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