Carola Toelle wurde am 2. April 1893 in Berlin geboren; nach anderen Angaben (Kay Weniger: Das große Personenlexikon des Films) 1892 in Hannover. Auch wenn sie nie zu den ganz großen Diven der frühen Filmjahre gehörte, hat sie sich doch einen Platz in der Geschichte des deutschen Stummfilms erobert. 
Die Karriere der Schauspielerin begann 1916 an der "Volksbühne Berlin"1) unter der Direktion von Max Reinhardt1), wo sie am 19. März 1916 (Premiere) in dem Stück "Das Nürnbergisch Ei" von Walter Harlan1) in einer Inszenierung von Eduard von Winterstein Aufmerksamkeit erregte → www.volksbuehne-berlin.de. Im Herbst (Premiere 26.11.1916) erlebte man sie in dem Hauptmann-Drama "Rose Bernd" unter anderem neben Lucie Höflich und Emil Jannings.
Nur wenig später erhielt sie 1917 bei der "Deutschen Bioscop" erste tragende Rollen in den stummen Streifen "Irrende Liebe" (1917) und "Prinz Waldemar und Waldemar Prinz" (1917). Es folgten zahlreiche weitere Produktionen, in denen sie oft als Partnerin von Carl de Vogt2) (1885 – 1970) vor der Kamera stand, wie beispielsweise für "Erloschene Augen"3) (1917) mit dem Untertitel "Tragödie eines blinden Kindes", oder "Das Licht des Lebens" (1918, u.a. auch mit Hans Albers). Carola Toelle drehte Geschichten, deren Titel allein melodramatisches erwarten ließen, beispielsweise " Der Knute entflohen" (1917), "Die blonde Loo"3) (1919), "Der falsche Schein"3) (1919), "Die Ehe der Frau Mary"3) (1919) oder "Tötendes Schweigen"3) (1920). Die weibliche Hauptrolle der jungen Lona Sehring mimte sie als Partnerin von Hans Albers in der mehr als dramatischen Geschichte "Das Lied der Colombine"1) (1918), die Tochter des Senator und Revolutionärs Dr. Wenningx (Werner Krauß), in die sich der verheiratete Fürst Erik (Paul Otto) in "Die Insel der Glücklichen"1) (1919) verliebt. 

Foto: Carola Toelle ca. 1919/20
Urheber bzw. Nutzungsrechtinhaber: Alexander Binder1) (1888 – 1929)
Quelle: Wikipedia; Ross-Karte Nr. 262/2 (Ausschnitt)
Angaben zur Lizenz siehe hier

Carola Toelle ca. 1919/20; Urheber bzw. Nutzungsrechtinhaber: Alexander Binder (1888 – 1929); Quelle: Wikipedia; Ross-Karte Nr. 262/2 (Ausschnitt); Lizenz: Die Schutzdauer (von 70 Jahren nach dem Tod des Urhebers) für das von dieser Datei gezeigte Werk ist nach den Maßstäben des deutschen, des österreichischen und des schweizerischen Urheberrechts abgelaufen. Es ist daher gemeinfrei.
Carola Toelle vor 1929; Urheber bzw. Nutzungsrechtinhaber: Alexander Binder (1888 – 1929); Quelle: www.cyranos.ch Im gleichen Jahr kam der Streifen "Das ewige Rätsel"1) (1919) mit dem Untertitel "Ein Satyrspiel in 5 Akten" in die Lichtspielhäuser, in dem Carola Toelle als Köhlers-Tochter Eva einen alternden Dichter (Josef Ewald) verzauberte, schließlich aber mit dem Gutsherrn Richard (Paul Otto) ihr Glück findet. Ein weiteres Drama mit Carola Toelle in der Hauptrolle war beispielsweise der Film "Opfer"1) (1920), hier kämpfte sie als Revolutionärin Sonja Sassuwitsch für mehr Menschenrechte in Russland und verliebt sich ausgerechnet in den Zarewitsch Alexis (Henri Peters-Arnolds1)). In "Johannes Goth"3) (1920) agierte sie als Ehefrau eines Wahrheitsfanatikers und Schriftstellers (Ernst Stahl-Nachbaur), die sich aus Liebe zu ihrem Mann einem Verleger (Werner Krauss) hingibt, damit dieser ein Buch ihres Mannes herausbringt, in "Hazard"2) (1921) als eine junge Frau, die wegen ihres zwielichtigen Bruders (Anton Edthofer) um ihre Liebe zu dem Industriellen Hallström (Ernst Stahl-Nachbaur) kämpfen muss.
 
Foto: Carola Toelle vor 1929
Urheber bzw. Nutzungsrechtinhaber: Alexander Binder1) (1888 – 1929)
Quelle: www.cyranos.ch; Angaben zur Lizenz siehe hier
Danach zeigte sie sich Streifen wie beispielsweise "Landstraße und Großstadt" (1921) mit Fritz Kortner und Conrad Veidt, musste sich in dem dem Abenteuer "Die Perle des Orients"3) (1921) als Ehefrau des indischen Maharadschas Sadutra (Viggo Larsen) ins Meer stürzen, weil sie sich einem feindlichen Maharadscha (Ferdinand von Alten) hingegeben hatte, oder tauchte als Ehefrau des wohlhabenden Maklers Harry Yquem (Ludwig Hartau) in dem von Fritz Lang inszenierten, hochkarätig besetzten Krimi "Kämpfende Herzen"1) (1921) unter anderem neben Anton Edthofer auf. Beispielsweise notierte die "Lichtbild-Bühne" (Nr. 6; 05.02.1921): "Carola Toelle stets ladylike, wirkt als Florence durch feines, nuancenreiches Spiel; Ludwig Hartau gibt ihrem Gatten stärkere persönliche Züge; Anton Edthofer führt die Doppelrolle der Brüder Krafft durch. Auch in den anderen Rollen weist die Besetzung gute Namen auf."
In "Kean"2) (1921) verkörperte sie die Anna Danby, die den großen Schauspieler Edmund Kean1) (Alexander Moissi*)) vergöttert und ebenfalls Schauspielerin werden will, nach dramatischen auf Umwegen dann dessen Herz erobert. In "Die Tragödie im Hause Bang" (1922) spielte sie neben Paul Bildt, in "Menschenopfer" (1922) mit Alfred Abel und Hans Albers oder in "Christoph Columbus"1) (1923) an der Seite des Titelhelden Albert Bassermann sowie einmal mehr mit Ehemann Ernst Stahl-Nachbaur (Herzog von Medina-Celli), wo sie dessen Tochter mimte. Nach "Der rote Reiter" (1923, mit Fern Andra) zog sich Carola Toelle aus heute unbekannten Gründen vorerst aus dem Filmgeschäft zurück.  
 

Foto: Carola Toelle vor 1929
Urheber bzw. Nutzungsrechtinhaber: Alexander Binder1) (1888 – 1929)
Quelle: filmstarpostcards.blogspot.de; Ross-Karte Nr. 369/3
Angaben zur Lizenz siehe hier

Carola Toelle vor 1929; Urheber bzw. Nutzungsrechtinhaber: Alexander Binder (1888 – 1929); Quelle: filmstarpostcards.blogspot.de; Ross-Karte Nr. 369/3
Sie intensivierte nun wieder ihre Arbeit auf der Bühne, trat in Berlin am "Deutschen Künstlertheater" und am "Deutschen Theater" sowie in Frankfurt am Main am "Kleinen Haus" der "Städtischen Bühnen" auf. Am "Deutschen Theater" bzw. den "Kammerspielen" glänzte sie beispielsweise ab Anfang September 1924 in Frank Wedekinds Drama "Frühlings Erwachen"1) als Wendla Bergmann, Mathias Wieman gestaltete den Moritz Stiefel, Regie führte Max Reinhardt. Bereits 1918 hatte sie diese Figur in der Reinhardt-Inszenierung an dessen "Kleinen Schauspielhaus" in der Fasanenstraße an der Seite von Ernst Deutsch als Moritz Stiefel gespielt.
Erst in den 1940er Jahren übernahm Carola Toelle wieder für kurze Zeit Aufgaben vor der Kamera. In Carl Froelichs Romanze "Hochzeit auf Bärenhof"1) (1942) mit Heinrich George als Baron von Hanke, dem Herren auf Bärenhof, mimte sie die Ehefrau des Freiherrn Leonhard von Krakow (Paul Wegener). Ein Jahr später sah man sie in Veit Harlans Storm-Adaption bzw. dem Melodram "Immensee"1) (1943) als Mutter der jungen Elisabeth Uhl (Kristina Söderbaum), ihren endgültigen "Abgang" von der Leinwand hatte Carola Toelle mit kleinen Rollen in der Komödie "Seinerzeit zu meiner Zeit"2) (1944) und in dem von der nationalsozialistischen Filmzensur verbotenen Drama "Der verzauberte Tag"1)  (1944), der erstmals am 9. Januar 1952 uraufgeführt wurde. Die von Boleslav Barlog in Szene gesetzte Produktion "Tierarzt Dr. Vlimmen"3) (1945) mit Hans Söhnker in der Titelrolle blieb unvollendet.
Nach Kriegsende stand sie nur noch auf der Theaterbühne, spielte beim "Staatsschauspiel" in Dresden sowie ab 1951 am Berliner "Renaissance-Theater".
 
Carola Toelle starb am 28. Januar 1958 im Alter von 64 Jahren in Berlin-Grunewald. Sie war mit dem Schauspieler und Regisseur Ernst Stahl-Nachbaur3) (1896 – 1960) verheiratet, der in einigen Filmen auch als ihr Leinwandpartner in Erscheinung trat. Ihre Schwester Uschi Elleot4) machte sich ebenfalls als Darstellerin beim Stummfilm einen Namen. 
Siehe auch Wikipedia, www.cyranos.ch, filmstarpostcards.blogspot.de (englisch)
Fotos bei film.virtual-history.com 
Link: 1) Wikipedia, 2) Kurzportrait innerhalb dieser HP, 3)  Murnau Stiftung,  4)  www.cyranos.ch
*) Die Angabe bei der Filmbeschreibung von "Kean" bei der Murnau Stiftung, dass Heinrich George die Titelfigur gespielt habe, ist offensichtlich falsch; siehe auch filmportal.de.
Lizenz Foto Carola Toelle (Urber Alexander Binder): Die Schutzdauer (von 70 Jahren nach dem Tod des Urhebers) für das von dieser Datei gezeigte Werk ist nach den Maßstäben des deutschen, des österreichischen und des schweizerischen Urheberrechts abgelaufen. Es ist daher gemeinfrei.
  
Filme
Filmografie bei der Internet Movie Database
(Link: Murnau Stiftung, Wikipedia)
Stummfilme Noch: Stummfilme
  • 1921: Hazard
  • 1921: Das Mädchen, das wartete
  • 1921: Landstraße und Großstadt
  • 1921: Um den Sohn
  • 1921: Baron Bunnys Erlebnisse
    • 1. Teil: Der Meisterdieb
  • 1921: Die Perle des Orients
  • 1921: Kean
  • 1922: Der einzige Zeuge
  • 1922: Die Flucht in die Ehe. Der große Flirt
  • 1922: Menschenopfer
  • 1922: Der Mann aus Stahl
  • 1922: Man soll es nicht für möglich halten oder
    Maciste und die Javanerin
  • 1922: Die Tragödie im Hause Bang
  • 1923: Christoph Columbus
  • 1923: Ein Kind – ein Hund
  • 1923: Der rote Reiter
Tonfilme
Um zur Seite der Publikumslieblinge zurückzukehren, bitte dieses Fenster schließen.
Home: www.steffi-line.de