Anneliese Uhlig
Anneliese Uhlig wurde am 27. August 1918 als Tochter des hessischen Staatsschauspielers Kurt Uhlig (1887 – 1943) und der Opernsängerin Margarethe Maschmann in Essen geboren. Nach der Trennung ihrer Eltern wuchs sie bei der Mutter auf, lebte aufgrund deren Verpflichtungen in Essen, Dortmund, Leipzig und Braunschweig. Mit 19 Jahren kam Anneliese Uhlig 1937 nach Berlin und ließ sich an der "Peter-Reimann-Akademie" zur Schauspielerin ausbilden, machte außerdem eine Ausbildung als Modezeichnerin.
Im gleichen Jahr gab sie in dem Krimi "Manege"1) (1937) an der Seite von Attila Hörbiger und Lucie Höflich als Artistin Maria Morell ihr Leinwanddebüt, kurz darauf erhielt die junge Schauspielerin ein Engagement am Berliner "Schiller Theater", wo sie in Calderón de la Barcas Versdrama "Der Richter von Zalamea"2) neben dem legendären Heinrich George3) auf sich aufmerksam machte; eine Europatournee schloss sich an.
  
Mit weiteren Filmen avancierte Anneliese Uhlig rasch zu einem gefeierten Ufa-Star, meist verkörperte sie in Krimis oder Melodramen liebenswert-elegante "junge Damen", so als Brigitte von Gersdorf bzw. Titelheldin in Harald Paulsens Romanze "Stimme aus dem Äther"1) (1939) oder als Mädchen Monika in Karl Heinz Martins Kriminalgeschichte "Verdacht auf Ursula"1) (1939). Joe Stöckel besetze sie zusammen mit Magda Schneider und Paul Wegener in "Das Recht auf Liebe" (1939), Georg Jacoby gab ihr die Rolle der Sängerin Alice Souchy in dem spannenden Krimi "Der Vorhang fällt"1) (1939). 1940 folgte die Rolle der Barbara Sydow in "Kriminalkommissar Eyck"1), einem weiteren Krimi, den Milo Harbich mit Paul Klinger als Kriminalkommissar Günter Eyck in Szene gesetzt hatte: Während eines Wintersporturlaubs wird dieser in die Aktivitäten einer internationalen Bande von Juwelendieben, einen Mordfall und in die Liebesaffäre mit der Verdächtigen Barbara verwickelt. "Anneliese Uhlig lässt es glaubhaft erscheinen, dass auch ein Kriminalbeamter sie für einen Engel hält. So lieb kann sie sprechen und lächeln.", so Georg Herzberg im "Film-Kurier" vom 23. März 1940. In Robert A. Stemmles abenteuerlichen, romantischen Verwechslungsgeschichte "Golowin geht durch die Stadt"1) (1940) mimte sie die schöne Madeleine, die als einzige erkennt, das der Wiener Nervenarzt Dr. Cannenburgh alias Carl Raddatz nichts mit dem Betrüger Golowin gemein hat. "Eine sehr schöne Leistung zeigt Anneliese Uhlig in der Verwirrtheit ihrer Seele, die zwischen den beiden Männern, die ihr als einer erscheinen, zu entscheiden hat." (Günther Schwark, Film-Kurier, 09.10.1940).
In dem Melodram "Herz ohne Heimat" (1940) sah man sie als Musikstudentin Verena Wieland, in dem Ns-Propagandastreifen "
Blutsbrüderschaft"2) (1941), der bis heute zu den "Vorbehaltsfilmen"2) zählt, als attraktive Lazarettschwester Barbara, die sich zwischen zwei Männern, gespielt von Hans Söhnker und Ernst von Klipstein, entscheiden muss.
Zu Beginn des 2. Weltkrieges trat Anneliese Uhlig unter anderem in Holland, Frankreich, Polen und in Russland in Fronttheatern vor Wehrmachtssoldaten auf, 1942 ging sie wegen persönlicher Differenzen mit Propagandaminister Goebbels nach Italien und wirkte dort in einigen Kinoproduktionen mit. So in Riccardo Fredas "Don Cesare di Bazan" (1942), Giacomo Gentilomos "Mater dolorosa" (1943), Gennaro Righellis "Tempesta sul golfo" (1943), Ivo Perillis "La primadonna" (1943) und zuletzt in Enrico Guazzonis "La fornarina" (1944). Zudem arbeitete sie nach Mussolinis vorläufiger Entmachtung im Juli 1943 als Dolmetscherin für dessen Familie.
Danach ging Anneliese Uhlig 1944 nach Deutschland zurück und zeigte sich bis Kriegsende mit Hauptrollen in Filmen wie Hans Deppes "Der Majoratsherr"1) (1944), einem Melodram mit Willy Birgel in der Titelrolle, Carl Boeses Krimi "Um neun kommt Harald"1) (1944) sowie Werner Klinglers Ehedrama "Solistin Anna Alt"2) (1945) mit Will Quadflieg, einer der letzten Berliner Filmpremieren vor dem Ende des Zweiten Weltkriegs. Karl Antons Krimi "Ruf an das Gewissen"1) wurde erst später fertiggestellt und gelangte Anfang Februar 1950 in die Kinos, ebenso wie Wolfgang Staudtes Komödie "
Das Mädchen Juanita"2) (auch: "Frau über Bord") mit Heinrich George und Axel von Ambesser, die Mitte Mai 1952 uraufgeführt wurde.

Nach 1945 widmete sich Anneliese Uhlig anderen Aufgaben und war nur noch sporadisch als Darstellerin für den Film tätig. Zunächst arbeitete sie als Produzentin und Regisseurin für den "US-Special-Service" in Salzburg, ab 1946 als Auslandskorrespondentin in Italien, Österreich und Amerika, schrieb bis Mitte der 1960er Jahre über politische Themen, sowohl für deutsche Zeitungen als auch für den Rundfunk.
Seit 1948 hatte sie ihren Wohnsitz in die USA verlegt und berichtete unter anderem als Redakteurin für die in Alexandria (Virginia) ansässigen Zeitung "Alexandria Gazette" auch aus dem "Weißen Haus", daneben war sie ab 1960 vier Jahre lang am Theater in Alexandria als Produzentin sehr erfolgreich; von 1963 bis 1965 wirkt sie als Dozentin für Dramatik und Deutsch an der "Thammasat-Universität"2) in Bangkok (Thailand).
Seit den 1950er Jahren stand die Schauspielerin wieder vereinzelt in Deutschland auf der Bühne, trat beispielsweise in Hamburg an der "Kleinen Komödie" oder dem Berliner "Renaissance-Theater" auf. In den 1970er Jahren erlebte man sie am Kölner "Theater am Dom" (1973/74 und 1979/80), 1975 begeisterte sie als "Glaube" in Hofmannsthals "Jedermann"2) bei den Festspielen in Heppenheim.
Auf der Leinwand agierte Anneliese zuletzt 1956 unter der Regie von Eduard von Borsody in der Komödie "Dany, bitte schreiben Sie"2) an der Seite von Sonja Ziemann und Rudolf Prack, für das Fernsehen übernahm sie ab den 1970er Jahren einige interessante Rollen wie unter anderem als Lady Julia Verinder in der zweiteiligen Wilkie Collins-Verfilmung "Der Monddiamant"3) (1974) oder als Baronin Anna von Heynau in dem Mehrteiler "Der Winter, der ein Sommer war"3) (1976) nach dem Roman von Sandra Paretti. In der Komödie "Guten Abend, Mrs. Sunshine" (1980) sah man sie als Kitty Fordyce an der Seite von Lia Wöhr, mit Heinz Rühmann in "Es gibt noch Haselnuß-Sträucher"4) (1983) nach dem Roman von Georges Simenon. Zu den letzten Arbeiten für das Fernsehen zählen die Serie "Immenhof"2) (1994/95), die Pilcher-Verfilmungen "Wechselspiel der Liebe" (1995) und "Heimkehr" (1998, "Coming Home" u.a. mit Peter O'Toole) und ihrer Rolle der Tante Lavinia → fernsehserien.de.
2013 kam es in dem vielbeachteten Fernsehfilm "George"2) (EA: 22.07.2013 auf ARTE) nach Jahrzehnten zu einem Wiedersehen mit Anneliese Uhlig. In dem mit szenischen Filmelementen – Sohn Götz George3) verkörpert seinen Vater – und Rückblenden durch historisches Filmmaterial angereicherten Doku-Drama werden die wichtigsten Stationen im Leben des legendären "Jahrhundertschauspielers" Heinrich George3) seit der Machtergreifung der Nationalsozialisten bis hin zu seiner letzten Theatervorstellung im Gefangenenlager Hohenschönhausen aufgezeigt. Als Zeitzeugen äußern sich neben Anneliese Uhlig  unter anderem die Söhne Jan und Götz George sowie Dokumentarfilmer Christian Weisenborn, Sohn des Schriftstellers und Widerstandskämpfers Günther Weisenborn2).
 
1989 wurde die Schauspielerin für ihre Leistungen mit dem "Verdienstkreuz l. Klasse des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland" geehrt. Rund zehn Jahre zuvor hatte sie ihre Memoiren unter dem Titel "Rosenkavaliers Kind. Eine Frau und drei Karrieren" (1977) auf den Markt gebracht. Ein weiteres Werk aus ihrer Feder ist der Anfang der 1980er Jahre publizierte Reisebericht "Einladung nach Kalifornien".
Der ehemalige Ufa-Star Anneliese Uhlig war in erster Ehe seit 1939 kurzzeitig mit dem Schauspieler Kurt Waitzmann3) (1905 – 1985) verheiratet, von dem sie nach wenigen Jahren geschieden wurde; aus der Verbindung stammte Sohn Peter, der 2013 verstarb. Nach Kriegsende ehelichte sie in Salzburg den Oberleutnant der US Army, Adjutant beim Zonenkommandeur im Land Salzburg, und späteren Kunsthistoriker Douglas B. Tucker († 2009). Mit ihrem Mann ging sie 1948 in die USA und nahm die amerikanische Staatsbürgerschaft an. Anneliese Uhlig lebte im kalifornischen Santa Cruz (USA), dort starb sie am 17. Juni 2017 im hohen Alter von 98 Jahren. Laut Informationen der "Frankfurter Allgemeine" soll an ihrem 99. Geburtstag (27.08.1917) im Pazifik eine Seebestattung stattfinden. In einem Nachruf wird bei www.faz.net zudem weiter ausgeführt: "Am 1. August sollte es eine Hommage zu Anneliese Uhligs Geburtstag geben, der sich am 27. August zum 99. Mal jährt. Den Termin hatte ich vor einigen Wochen mit dem "Filmmuseum Frankfurt" ausgemacht, möglichst zeitnah, denn Anneliese Uhlig ging es nicht mehr so gut. Sie selbst freute sich riesig, dass in Deutschland an sie erinnert werden sollte und sogar ihr liebster Film "Solistin Anna Alt" eingespielt würde."
Siehe auch www.cyranos.ch, Wikipedia, www.film-zeit.de, filmportal.de
Fotos bei film.virtual-history.com
Link: 1) Murnau Stiftung, 2) Wikipedia, 3) Kurzportrait bzw. Beschreibung innerhalb dieser HP, 4) prisma.de
  
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(Fremde Links: Murnau Stiftung, Wikipedia, filmportal.de, fernsehserien.de)
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