Hanne Wieder; Copyright Virginia Shue Hanne Wieder wurde am 8. Mai 1925 als Tochter eines Offiziers im niedersächsischen Hannoversch-Münden geboren, sie selbst hatte als Geburtsdatum immer das Jahr 1929 verbreitet. Ihr Vater fiel im 2. Weltkrieg als Generalmajor der Schutzpolizei an der Ostfront. Hanne Wieder wuchs in vielen Städten auf, besuchte verschiedenste Schulen und machte später in Karlsruhe an der Schauspielschule des "Badischen Staatstheaters" eine Ausbildung. Danach spielte sie Theater, stand unter anderem in Stuttgart und Tübingen auf der Bühne und gab dort beispielsweise an der Seite von Hannes Messemer als "Marquis Posa" die "Eboli" in "Don Carlos". Dann entdeckte sie ihre Neigung und Begabung für das Kabarett und gehörte ab 1948 für viereinhalb Jahre zum Ensemble des Düsseldorfer Kabaretts "Kom(m)ödchen"1)
Anfang der 1960er Jahre hatte Hanne Wieder große Bühnenerfolge mit Cole Porters Musicals "Can Can" und "Kiss me Kate" in Luzern und Zürich; in den 1980er Jahren zog sie sich vom Kabarett zurück, gastierte dagegen mit eigenem Soloprogramm in TV-Shows und auf Bühnen, wie beispielsweise dem Programm "Hanne Wieder da" und avancierte mit ihrer rauchigen "Whiskey-Stimme" zu einer der bedeutendsten Chansoninterpretinnen der Nachkriegszeit.
 
Zum Film kam Hanne Ende der 1950er Jahre und mimte die Carla in "Mit Eva fing die Sünde an" (1958). Für ihre Rolle der Marga in "Das Mädchen Rosemarie"1) (mit Nadja Tiller als Rosemarie Nitribitt1)) wurde sie 1958 mit dem Kritikerpreis als "Beste Nebendarstellerin" ausgezeichnet. Nach Streifen wie "Labyrinth" (1959) und "Marili" (1959) konnte Hanne Wieder dann 1960 als "Gespenstin" Katrin in Kurt Hoffmanns bezaubernden Grusel-Komödie "Das Spukschloss im Spessart"1) endlich einmal beweisen, dass sie nicht nur auf den Typus des frivolen Mädchens abboniert war.
 
Das Foto wurde mir freundlicherweise von der
Fotografin Virginia Shue (Hamburg) zur Verfügung gestellt.
Das Copyright liegt bei Virginia Shue.
In den 1960er und 1970er Jahren stand sie für so erfolgreiche Filme wie "Das Haus in Montevideo"1) (1963) oder "Grieche sucht Griechin"1) (1966) vor der Kamera, zeigte sich an der Seite von Peter Alexander in dem Klamauk "Graf Bobby, der Schrecken des Wilden Westens"1) (1965). Zu ihren letzen Kinoproduktionen zählen der Erotikstreifen "Rosemaries Tochter"1) (1976) sowie Doris Dörrie's Komödie "Paradies" (1986). Im Fernsehen erlebte man sie beispielsweise 1966 in dem mehrteiligen TV-Krimi "Melissa"2) als Paula Hepburn oder in beliebten Krimi-Reihen wie "Dem Täter auf der Spur"; in dem Juhnke-Mehrteiler "Ein Mann für alle Fälle" spielte sie 1978 die Frau Schwarzhaupt.
In ihren frühen Jahren verkörperte Hanne Wieder meist leichte und verführerische Mädchen mit Federboa und wiegendem Gang auf Beinen mit Nahtstrümpfen, spielte diese schon deshalb bestechend, weil sie die Frauenfiguren selbstironisch anlegte. Ihre immer leicht umschatteten, dunklen Augen, die schwarze Existenzialisten-Frisur, der geschwungene, stets zu üppig geschminkt erscheinende Mund und ihr wohlgeformter, schwingender Körper traten in einen amüsanten Kontrast zu ihren lakonischen, intelligenten Sprüchen.3) 
 
Die Schauspielerin, Kabarettistin und Diseuse arbeitete neben ihrer umfangreichen Tätigkeit für Bühne, Film und Fernsehen als Gastdozentin für Chanson und Musical an der Musikakademie Berlin. Hanne Wieder gilt bis heute als eine der qualifiziertesten Interpretinnen für die Werke von Kurt Tucholsky, Walter Mehring und Klabund. Der Komponist Friedrich Hollaender widmete ihr das Chanson "Circe", das inzwischen zum Standardrepertoire jeder Diseuse gehört. (…) In der Homosexuellen-Szene hatte Wieder zeitweise Kultstatus, was u.a. mit ihrer tiefen, rauchigen Stimme, aber auch an markigen Äußerungen wie "An vielen Frauen heutzutage ist ein Mann verlorengegangen… und an vielen Männern auch" zusammengehangen haben mag.4)
  
Hanne Wieder erlag am 11. Mai 1990 drei Tage nach ihrem 65. Geburtstag in München-Feldafing ihrem Krebsleiden; ihre letzte Ruhe fand sie auf dem Friedhof in Stuttgart-Feuerbach, wo später auch ihre 2004 verstorbene Mutter Elfriede beigesetzt wurde → Foto der Grabstelle bei knerger.de.
Die "Schwäbische Zeitung" schrieb anlässlich ihres Todes unter anderem in einem Nachruf: " Hanne Wieder war eine Rarität. Die Wieder, das darf man sagen, war eine höchst kompetente Vertreterin kabarettistischer Gekonntheit. Sie verkörperte noch jene Mischung mit erotischem Appeal und intellektueller Süffisanz, die die Diseusen der zwanziger Jahre so reichlich besessen hatten." Und Friedrich Hollaender rühmte an ihr "das dreimal um die Ecke züngelnde Lächeln, das die ganze Erotik der Weltliteratur durch den Kakao zu ziehen vermochte". DER SPIEGEL (21/1990) notierte "Wenn sie mit maliziösem Timbre und Mitternachtsblick ein Chanson vortrug, schwang noch im banalsten Vers ein frivoler Unterton mit. (…) Ihren letzten großen Theaterauftritt hatte sie 1984 in Dürrenmatts "Besuch der alten Dame"."  
Siehe auch Wikipedia
Link: 1) Wikipedia, 2) Beschreibung innerhalb dieser HP
Quelle: 3) "Lexikon der deutschen Film- und TV-Stars" von Adolf  Heinzelmeier/Berndt Schulz, Ausgabe 2000, S. 391, 4) Wikipedia
  
Kinofilme
Filmografie bei der Internet Movie Database
(Link: Wikipedia, filmportal.de)
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