Ida Wüst wurde am 10. Oktober 1884 in Frankfurt am Main1) geboren; nach dem Besuch eines Lyzeums absolvierte sie in ihrer Geburtsstadt die Schauspielschule von Thessa Klinghammer und erhielt um die Jahrhundertwende am Stadttheater von Colmar (Elsass) erst 16-Jährig ein erstes Engagement als Opernstatistin. 1902 wurde sie für ein Jahr an das Stadttheater Bromberg (heute Bydgoszcz, Polen) verpflichtet, 1904 wechselte sie für zwei Jahre an das Stadttheater Leipzig und wirkte dann ab 1907 an Berliner Bühnen, unter anderem dem "Lessingtheater", wo sie in Hosenrollen und Komödien zur gefragten Darstellerin avancierte, und unter anderem in der Berliner Erstaufführung des Stücks "Kammermusik" von Heinrich Ilgenstein Erfolge feierte.2)
 
Zum Film kam Ida Wüst Anfang der 1920er Jahre und erschien erstmals 1921 in der Komödie "Der wird geheiratet" sowie ein Jahr später mit der Rolle der Frau von Estrade in "Marquise von Pompadour" (1922) neben Werner Krauß auf der Leinwand. Es folgten stumme Dramen wie der Vierteiler "Tragödie der Liebe"3) (1923), "Die Vertauschte Braut" (1925), "Die Königin des Weltbades"3) (1926), "Unter Ausschluss der Öffentlichkeit" (1927), "Venus im Frack"4) (1927), "Königin Luise"3) (1927), "Der Bettelstudent" (1927), "Das brennende Herz" (1929) oder "Vater und Sohn" (1929) und auch im Tonfilm konnte sich die Schauspielerin in zahllosen Unterhaltungsstreifen mit meist profilierten Nebenrollen behaupten.

Ida Wüst vor 1929
Urheber bzw. Nutzungsrechtinhaber: Alexander Binder1) (1888 – 1929)
Quelle: www.cyranos.ch; Angaben zur Lizenz siehe hier

Ida Wüst vor 1929; Urheber bzw. Nutzungsrechtinhaber: Alexander Binder (1888 – 1929); Quelle: www.cyranos.ch
So erlebte man sie unter anderem in den 1930er Jahren in Produktionen wie "Drei Tage Mittelarrest" (1930), "Ein Burschenlied aus Heidelberg"4) (1930), "Man braucht kein Geld"3) (1931), "Peter Voss, der Millionendieb"3) (1932), "Das Lied einer Nacht"3) (1932) oder "Ich bei Tag und Du bei Nacht"3) (1932). Ida Wüst zeigte sich beispielsweise in Max Ophüls' Komödie "Lachende Erben"3) neben Heinz Rühmann als Ehefrau des geldgierigen Fabrikanten Justus Bokelmann (Max Adalbert) oder als Hofdame in dem Albers-Streifen "Bomben auf Monte Carlo"4) (1931). Meist waren es jedoch Personen adligen Standes, denen sie Kontur verlieh, so als Gräfin in den Operetten-Verfilmungen "Der Zarewitsch" (1933) und "Der Bettelstudent"4) (1936), als Fürstin-Mutter tauchte sie in "Des jungen Dessauers große Liebe"4) (1934) und "Die Czardasfürstin"4) (1934) auf, war Baronin in "Einmal eine große Dame sein"4) (1934) und "Eine Nacht an der Donau" (1935), konnte aber auch als einfache Frau aus dem Volk wie in "Kater Lampe"4) (1936) überzeugen.
In "Fremdenheim Filoda" (1937) mimte sie die Marie Filoda, in der Hauptmann-Verfilmung "Der Biberpelz"4) (1937) die Frau Wolff oder mimte in dem Lustspiel "Das Verlegenheitskind"3) (1938) die resolute Weinbäuerin Anna Vierköttel, die ihren Sohn Bartel (Paul Klinger) nicht ganz uneigennützig unter die Haube bringen will. Während der Kriegsjahre drehte Ida Wüst nur wenige Filme, trat in Produktionen wie "Die unvollkommenen Liebe"4) (1940), "Sieben Jahre Pech" (1940), "Wunschkonzert"3) (1940), "Hauptsache glücklich"3) (1941), "Sein Sohn"4) (1941), "Die Beiden Schwestern"4) (1943) oder "Die Brüder Noltius"4) (1945) in Erscheinung.
 
1938 hatte Ida Wüst das Amt der Präsidentin der "Künstler-Altershilfe" übernommen, war in der Zeit der Nazi-Diktatur schuldig-unschuldig in Propagandafilme verstrickt, so dass ihr nach dem Krieg die sogenannte "Entnazifizierung" zunächst verweigert wurde  → www.spiegel.de. Auch warf man ihr vor, sie habe Kollegen wie Eduard von Winterstein5) (1871 – 1961) bei der Gestapo denunziert. Erst 1949 wurde Ida Wüst als "völlig entlastet" eingestuft und konnte wieder als Schauspielerin arbeiten. Sie trat erfolgreich am Theater sowie in einigen Unterhaltungsfilmen der 1950er Jahre auf, wo sie meist rüstige alte Damen, schrullige Tanten oder Großmütter gab. Beispielsweise stand sie für "Eva im Frack"4) (1951), "Heimat, deine Sterne" (1951), "Tante Jutta aus Kalkutta" (1953), "Die Herrin vom Sölderhof" (1955), "Die Barrings" (1955) und zuletzt als Tante Theresa für den Liebesfilm "Roter Mohn"3) (1956) vor der Kamera.
Während Bühnenproben zu der Komödie "Eine etwas sonderbare Dame" von John Patrick am Kölner "Theater am Dom" erlitt Ida Wüst 1958 einen Schlaganfall, von dem sie sich nicht mehr erholte und an dessen Folgen sowie einer hinzugekommenen Lungenentzündung sie (lt. Grabinschrift6)) am 4. Oktober 1958 mit 74 Jahren in einer Westberliner Klinik starb. Die letzte Ruhe fand sie auf dem Friedhof in Groß Glienicke bei Potsdam, wo auch ihre am 28. April 1963 verstorbene Schwester Elisabeth Tahlmann bestattet wurde.
Ida Wüst, die über Jahrzehnte zu den Publikumslieblingen des deutschen Film zählte, war bis 1923 mit dem Schauspieler Bruno Kastner5) (1890 – 1932) verheiratet, mit dem gemeinsam sie auch Drehbücher für die die stumme Komödie  "Nur ein Diener"3) (1919) und der Zweiteiler "Der König von Paris" (1920) geschrieben hatte.
  
Die vielbeschäftigte Schauspielerin drehte im Verlaufe ihrer Karriere über 100 Kinofilme, war in ihren frühen Militärklamotten und Operettenfilmen mal mondän, mal mütterlich, meist mit erotischen Ambitionen ausgestattet, eine freche Variante der spießbürgerlichen Leinwand-Gattinnen ihrer Zeit. Aus diesen Auftritten als "Frau in den besten Jahren" behielt sie später eine gewisse Robustheit bei, die der Nachkriegsfilm für Rollen unverwüstlicher alter Schachteln nutzte. Ihre resoluten Großmütter, reifen Tanten, ins Alter gekommenen Schwiegermütter waren manchmal wahre Besen, aber immer amüsant.7)  
Siehe auch Wikipedia, www.cyranos.ch, www.film-zeit.de
Fotos bei film.virtual-history.com
1) nach anderen Angaben am 3. Januar 1884 in Wiesbaden
2) Quelle: Wikipedia (abgerufen 10.07.2011), 7) "Lexikon der deutschen Film- und TV-Stars" von Adolf  Heinzelmeier/Berndt Schulz (Ausgabe 2000, S.  398)
Link: 3) Wikipedia, 4) Murnau Stiftung, 5) Kurzportrait innerhalb dieser HP
6) Laut Grabinschrift; siehe auch das Foto der Grabstelle bei  www.knerger.de; anderes Todesdatum: 04.11.1958
Lizenz Foto Ida Wüst (Urheber: Alexander Binder): Die Schutzdauer (von 70 Jahren nach dem Tod des Urhebers) für das von dieser Datei gezeigte Werk ist nach den Maßstäben des deutschen, des österreichischen und des schweizerischen Urheberrechts abgelaufen. Es ist daher gemeinfrei.
Kinofilme
Filmografie bei der Internet Movie Database
(Link: Wikipedia, Murnau Stiftung, filmportal.de)
Stummfilme (Auszug)
  • 1921: Der wird geheiratet
  • 1922: Marquise von Pompadour
  • 1923: Tragödie der Liebe Teil 1–4
  • 1924: Die Puppenkönigin
  • 1925: Kammermusik
  • 1925: O alte Burschenherrlichkeit
  • 1925: Die vertauschte Braut
  • 1925: Die Strasse des Vergessens
  • 1926: Die Königin des Weltbades
  • 1926: Die dritte Eskadron
  • 1926: Ledige Töchter
  • 1927: Die Bräutigame der Babette
  • 1927: Das Heiratsnest
  • 1927: Unter Ausschluss der Öffentlichkeit
  • 1927: Heimweh
  • 1927: Venus im Frack
  • 1927: Im Luxuszug
  • 1927: Feme
  • 1927: Mein Freund Harry
  • 1927: Der letzte Walzer
  • 1927: Königin Luise, Teil 1
  • 1927: Der Bettelstudent
  • 1928: Der Fall des Staatsanwalts M…
  • 1928: Die Königin seines Herzens
  • 1928: Großstadtjugend
  • 1928: Der Raub der Sabinerinnen
  • 1928: Herr Meister und Frau Meisterin
  • 1929: Das brennende Herz
  • 1929: Vater und Sohn
  • 1929: Tagebuch einer Kokotte
  • 1929: Fräulein Fähnrich
  • 1929: Madame X, die Frau für diskrete Beratung
  • 1929: Zwischen vierzehn und siebzehn
  • 1929: Ruhiges Heim mit Küchenbenutzung
  • 1930: Die Kaviarprinzessin
Tonfilme
Noch: Tonfilme
Um zur Seite der Publikumslieblinge zurückzukehren, bitte dieses Fenster schließen.
Home: www.steffi-line.de