Fritz Benscher
Der Regisseur, Conférencier, Quizmaster und Moderator Fritz (Friedrich) Benscher wurde am 13. Oktober 1906 in Hamburg geboren. Erste Erfahrungen auf den "Brettern, die die Welt bedeuten" sammelte Benscher, der zeitweise auch unter dem Künstlernamen Fritz Bernd auftrat, als Statist an der "Hamburger Volksoper". Zwischen 1926 und 1929 gehörte er zum Ensemble der "Schiller-Oper" in Hamburg-Altona, wo er auch wieder ab 1931 auftrat.
Ab 1930 machte sich Benscher auch als Kabarettist einen Namen, mit der Machtergreifung der Nazis erhielt er dann Auftrittsverbot; Benschers Versuch, in die USA zu emigrieren, scheiterte. Ab Mitte der 1930er Jahre engagierte sich der Künstler beim Jüdischen Kulturbund1) in Hamburg, Mitte Juni 1943 wurde er nach Theresienstadt deportiert, von dort Ende September 1944 nach Auschwitz, sein Leidensweg endete in Dachau – Benscher überlebte das KZ und die nationalsozialistischen Gräueltaten.
 
Durch Vermittlung eines ehemaligen Kollegen beim "Hamburger Kulturbund", Klaus Brill, konnte Benscher bereits im Mai 1945 bei "Radio München" (ab 1949 "Bayerischer Rundfunk") Fuß fassen. Brill war zu dieser Zeit Programmdirektor bei dem von der US-amerikanischen Besatzungsmacht gegründeten Rundfunksender, Benscher wurde "erster" Ansager und später Sendeleiter. Schon früh war Benscher mit dem damals noch jungen Medium "Hörfunk" in Berührung gekommen, als er 1926 für den beim Sender Bremen angesiedelten sogenannten "Zwischensender" der Hamburger "Nordischen Rundfunk Aktiengesellschaft" (Norag) die Markberichte ansagte. Zu Benschers Aufgaben bei "Radio München" gehörten unter anderem ganz zu Anfang die Bekanntgabe der Ausgangs-Sperrzeiten, später war er als Dramaturg und Regisseur für Hörspiele zuständig, entwickelte und schrieb Unterhaltungssendungen → Übersicht der Arbeiten für das Hörspiel bei Wikipedia.
Mitte der 1950er Jahre konzipierte Benscher die erste Autofahrersendung im Bayerischen Rundfunk, "Nimms Gas weg! – Musik und Plaudereien für Autofahrer", hieß die Rundfunkreihe, die ab Juni 1955 immer Sonntags über den Äther ging; 1959 wurde die Sendung in "Gute Fahrt" umbenannt. Sein besonderes Charakteristikum dabei war, dass er in der Abmoderation immer leiser wurde, seinen Namen und die Verabschiedung von seinen gespannt lauschenden Hörern jedes Mal anders vernuschelte, so z.B. einmal mit: " …Ihr Löwen-Benscher."2)
 
Als Moderator des wöchentlich ausgestrahlten 15-minütigen "Tick-Tack-Quiz"1) wurde Benscher dann auf dem noch schwarz-weißen Bildschirm so richtig populär, erreichte ab 1958 Jahre mit diesem Format enorm hohe Einschaltquoten. Das "Tick-Tack-Quiz" war die deutsche Version der US-amerikanischen Show "Tic Tac Dough" mit dem Produzenten und zeitweise skandalumwitterten TV-Quizmaster Jack Barry3) (1918 – 1984). Das Spielprinzip für zwei Personen unterschiedlicher Herkunft war denkbar einfach: Zwei Kandidaten (X – der Champion und O – der Herausforderer) spielten um einen Jackpot. Auf dem quadratischen Spielfeld befanden sich 9 Felder, denen Fragekategorien zugeordnet waren. Abwechselnd suchte sich einer der Kandidaten eine Kategorie aus. Konnte er die ihm gestellte Frage beantworten, leuchtete sein Symbol (X oder O) auf dem Spielfeld auf. Die Kategorie war damit besetzt und dem Jackpot wurde – abhängig vom Schwierigkeitsgrad der Frage – ein Betrag hinzugefügt. Die Spieler mussten ihre Fragen so wählen, dass – waagerecht, senkrecht oder diagonal – eine Reihe aus drei gleichen Symbolen (XXX oder OOO) entstand. Allerdings waren die Fragen in der Mitte schwerer zu beantworten. Der Sieger kam eine Runde weiter – der Verlierer erhielt als Trostpreis eine Kuckucksuhr.4)
 
Die Sendung war nicht zuletzt wegen Fritz Benscher bei uns so erfolgreich, es kam nicht so sehr auf die strenge Einhaltung der Spielregeln an, sondern vielmehr sollte der Zuschauer mit Spaß und Witz unterhalten werden. Benscher schlug mit seinem trockenem Humor, Wortwitz, lockeren Sprüchen und manchmal auch verbalen Bosheiten für die damalige Zeit ungewohnte Töne an, was nicht immer auf Gegenliebe stieß. Doch damit setzte er Maßstäbe für nachfolgende Kollegen, Benscher gehört zu den Fernsehmachern der ersten Stunde, der mit Recht den Titel "Entertainer" für sich in Anspruch nehmen darf.
Benscher kommentierte den Applaus der Zuschauer beim Auftritt mit den Worten "Danke, danke, hab' ich erwartet" und machte spontane Gags, die von geistreichen Kommentaren bis zum simplen Kalauer reichten. Quizfrage: "Was hat ein Patient, der zum Dermatologen geht?" – "Darminfektion." – "Sie meinen Arschäologe …" (Damals war dieser Witz noch neu.) Außerdem legte er die Spielregeln großzügig aus und winkte manchmal mit dem Zaunpfahl, um Kandidaten auf die Sprünge zu helfen.5)

Neben der 1959 mit Benscher ausgestrahlten Quiz-Reihe "Der Schlüssel zum Glück" moderierte der Mann mit der ungewohnt lästerlichen Zunge 1961 auch die nachmittägliche BR-Sendung "Wie kamen Sie darauf?", besuchte verschiedenste Leute an ihrem Arbeitsplatz und fragte sie über ihre nicht ganz alltäglichen Beschäftigungen aus. Doch vor allem mit dem "Tick-Tack-Quiz" schrieb sich Benscher in die Annalen der Fernsehgeschichte ein, 1995/96 wurde die Spielidee als "XXO – Fritz & Co" bei SAT.1 noch einmal mit Fritz Egner und neun Prominenten ins Programm gehoben, das Remake konnte jedoch nicht an den Erfolg der frühen Jahre bzw. den unvergessenen Fritz Benscher anknüpfen.
 
Sporadisch wirkte Fritz Benscher auch als Schauspieler in einigen Filmproduktionen mit, einen seiner ersten kleinen Auftritte hatte er 1949 in Josef von Bákys Emigranten-Drama "Der Ruf"1) (mit Fritz Kortner). In den 1950er Jahren mimte er mal Reporter wie in dem Albers-Streifen "Käpt'n Bay-Bay" (1953) oder dem Lustspiel "Der Bauerndoktor von Bayrischzell" (1957), gab auf dem Bildschirm Direktoren wie in der Groteske "Streichquartett" (1962) und der von Paul Verhoeven mit Chariklia Baxevanos inszenierten Komödie "Mamselle Nitouche" (1963). Mit Hans Albers spielte Benscher auch in dem Abenteuerstreifen "Jonny rettet Nebrador"1) (1953), Ende der 1960er Jahre agierte er in den TV-Serien "Hafenkrankenhaus" (1967) und "Hauptstraße Glück" (1968), zuletzt stand er für die Episode "Der Zwischenfall" aus der Reihe "Toni und Veronika" vor der Kamera, die jedoch erst nach seinem Tod ausgestrahlt wurde.
 
Fritz Benscher starb am 10. März 1970 im Alter von 63 Jahren in München; seine letzte Ruhestätte fand er auf dem dortigen Nordfriedhof in der Urnenhalle-Süd (Grabnummer 406).
  
Siehe auch Wikipedia; Filmografie bei der Internet Movie Database
Link: 1) Wikipedia (deutsch), 3) Wikipedia (englisch)
Quelle:
2) Wikipedia (zu Fritz Benscher)
4) Wikipedia (Tick-Tack-Quiz)
5) Das Fernsehlexikon: Alles über 7000 Sendungen von Ally McBeal bis zur ZDF Hitparade, von Michael Reufsteck und Stefan Niggemeier
(Verlag Goldmann, ISBN-10: 3442301246/ISBN-13: 978-3442301249)
Um zur Seite der legendären TV-Stars zurückzukehren, bitte dieses Fenster schließen.
Home: www.steffi-line.de