Friedrich Nowotny im Juni 1985 bei einer Veranstaltung in Rheinbach; Urheber: Elke Wetzig (Elya); Lizenz: CC-BY-SA-3.0); Quelle: Wikipedia bzw. Wikimedia Commons Friedrich Nowottny wurde am 16. Mai 1929 als Sohn eines Schmiedemeisters im oberschlesischen Hindenburg (heute Zabrze/Polen) geboren. Ab 1935 besuchte er zehn Jahre lang die Schule seines Geburtsortes sowie in Rybnik, nach dem Krieg – sein Vater war noch kurz vor Ende des 2. Weltkrieges gefallen – und der Vertreibung aus der Heimat, lebte die Familie in Westfalen. Der erst 16-jährige Nowottny schlug sich kurze Zeit als Schlagzeuger und Telefonist durch, ab 1946 arbeitete er zwei Jahre lang als Dolmetscher bei der britischen Besatzungsmacht in Bielefeld. Danach war er bis 1950 als freier Journalist und Lokalreporter bei der Bielefelder Tageszeitung "Freie Presse" tätig, um dann für drei Jahre zur Bielefelder Hauptverwaltung der "Deutschen Eisenbahn-Versicherungskasse" zu wechseln. Doch dann zog es ihn wieder zum Journalismus zurück, 1953 machte er ein Volontariat bei Tageszeitung "Freie Presse", wurde später Redakteur und schließlich 1958 Ressortleiter.
1962 kam Nowottny zum Saarländischen Rundfunk, wo er zunächst die TV-Hauptabteilung "Wirtschaft und Soziales" leitete und mit der Sendung "Der Markt – Wirtschaft für jedermann" rasch einem breiten Publikum bekannt wurde; drei Jahre später erhielt er die Ernennung zum stellvertretenden Chefredakteur. Seit 1967 war er Stellvertreter des Studioleiters im WDR-Fernsehstudio in Bonn, welches er dann ab 1973 selbstverantwortlich leitete. Gleichzeitig war Nowottny Chefkorrespondent der ARD und viele Jahre lang Moderator der politischen Sendung "Bericht aus Bonn"1).
 
Foto: Friedrich Nowotny im Juni 1985 bei einer Veranstaltung in Rheinbach
Urheber: Elke Wetzig (Elya); Lizenz:
CC BY-SA 3.0)
Quelle: Wikipedia bzw. Wikimedia Commons
1985 wurde der Journalist zum Intendanten des Westdeutschen Rundfunks berufen, ein Amt, welches er bis 1995 überaus erfolgreich ausübte und damit maßgeblichen Einfluss auf die Entwicklung der Rundfunk- und Fernsehanstalten nahm. Dass der WDR als bundesweit erster Sender 1994 ein tägliches Vollzeitprogramm ausstrahlen durfte, gilt als einer der größten Erfolge seiner Amtszeit, in die auch der Start der Dauerserie "Lindenstraße"1), die Einführung des ARD-Frühstücksfernsehens1) und der Radioprogramme "Eins Live"1) sowie "WDR Radio 5"1) fiel. Zu seinen Aufgaben gehörte auch ab 1991 der einjährige Vorsitz bei der ARD, in der Nowottny maßgeblich zur Neugliederung der ARD nach der Wiedervereinigung beitrug und die Fernsehlandschaft prägte.

Doch vor allem durch seine lockere Berichterstattung in dem "Bericht aus Bonn", mit der der scharfzüngige Polit-Kritiker in genau 1.000 Folgen über den Sender ging, ist er dem Fernsehzuschauer in nachhaltiger Erinnerung geblieben, seine kompetenten, manchmal treffend-ironischen Kommentare machten ihn zu einem der beliebtesten Fernsehjournalisten. Als Studioleiter und Chefkorrespondent begleitete er das politische Tagesgeschehen und brachte es in allgemein verständlicher Form an den Mann bzw. die Frau; letztmalig moderierte er die Sendung am am 7. Juni 1985, gab die Sendung dann an seinen Nachfolger Ernst Dieter Lueg2) ab. Unvergessen sind bis heute Nowottnys kurze, knappen Worte zum Ende der Sendung "Bericht aus Bonn am nächsten Freitag. Auf Wiedersehen. Das Wetter".
  
Seit seiner Pensionierung am 30. Juni 1995 bzw. Übergabe des WDR-Chefpostens an Fritz Pleitgen1) übernimmt Friedrich Nowottny, dem unter anderem 1985 für seine Leistungen das "Große Bundesverdienstkreuz" verliehen wurde, immer wieder verschiedenste Aufgaben für das Fernsehen. So erlebte man ihn beispielsweise bei der Bundestagswahl 2002 als Kommentator bei RTL-Aktuell, und auch in diversen Talk-Shows ist er immer wieder ein gefragter Diskussionspartner, dessen profunde, politischen Kenntnisse eine Bereicherung für jede Gesprächsrunde sind. Er ist als Berater in Medienfragen tätig, meldet sich in Radio- und Zeitungskolumnen zu Wort, hält außerdem Vorträge zu den Themen Kommunikation und Analysen zur politisch-ökonomischen Situation in Deutschland. Zu den von Nowottny veröffentlichen Büchern zählen unter anderem "Information und Verantwortung. Gespräche, Reden, Schriften 1985 bis 1995" sowie "Der Allgemeinheit verpflichtet" mit seinen Reden vor dem Rundfunkrat des WDR.
Neben dem "Großen Bundesverdienstkreuz" erhielt Friedrich Nowottny auch den "Verdienstorden des Landes Nordrhein-Westfalen", 1973 sowie 1982 eine "Goldene Kamera" und 1976 einen "Goldenen Bambi". Am 20. Oktober 2006 konnte der ehemalige WDR-Intendant bei der Galaveranstaltung anlässlich der Verleihung des Deutschen Fernsehpreises im Kölner Coloneum den "Ehrenpreis der Stifter" für sein Lebenswerk entgegennehmen. Kein geringerer als der damalige Bundespräsident Horst Köhler überreichte die Auszeichnung und sagte in seiner Laudatio unter anderem: "Als Sie mit dem "Bericht aus Bonn" auf Sendung gingen, da war die Fernsehwelt in Deutschland noch schwarz-weiß beziehungsweise,– was Politisches anging –, gelegentlich ziemlich grau in grau. Bei Ihnen dagegen wurde man den Eindruck nicht los, man hätte schon Farbfernsehen." → Auswahl der Auszeichnungen bei Wikipedia.
 
 

Friedrich Nowottny am 2. Oktober 2012 beim
"Deutschen Fernsehpreis 2012"1)
Urheber: Wikimedia-User JCS
Lizenz: CC BY-SA 3.0 / GFDL
Quelle: Wikimedia Commons

Friedrich Nowottny am 2. Oktober 2012 beim "Deutschen Fernsehpreis 2012"; Urheber: Wikimedia-User JCS; Lizenz: CC BY-SA 3.0 / GFDL; Quelle: Wikimedia Commons
Anlässlich des 80. Geburtstages des Vollblutjournalisten am 16. Mai 2009 zeichnete Autor Mathias Haentjes mit "Happy Birthday Mr. Bonn" für das WDR Fernsehen ein umfassendes Portrait des Ausnahmejournalisten und ehemaligen Intendanten. Friedrich Nowottny ist immer noch "Mister Bonn". Kaum zu glauben, dass er am 16. Mai 2009 achtzig Jahre alt wird. Denn seinen jugendlichen Charme hat er sich erhalten. Nowottny kommentiert auch heute mit Geist, Witz und einem wohldosierten Quentchen Sarkasmus. Wenn es in diesen Wochen um den Rückblick auf 60 Jahre Grundgesetz geht, wenn Reminiszenzen an die Bonner Republik gefragt sind, wenn die Geschichte des "Bundesdorfes" wieder auflebt, kann und will man nicht auf ihn verzichten: Friedrich Nowottny, den langjährigen Leiter des ARD-Studios Bonn und klugen, witzigen und intensiven Begleiter der Bonner Politik. Zudem ist gerade jetzt, in Zeiten der Krise, ist sein Sachverstand als Politik- und Wirtschaftsjournalist besonders gefragt. Der Terminkalender ist nach wie vor voll: Vorträge, Diskussionsveranstaltungen, Fernsehauftritte und Zeitungsartikel. Seine "journalistische Ich-AG" , wie er sich selbst bezeichnet, hat Hochkonjunktur. Anlässlich des runden Geburtstages widmet das WDR Fernsehen der "Ära Nowottny" diesen Film. (Quelle: www.presseportal.de)
WDR-Intendantin Monika Piel würdigte Nowottnys Verdienste, fast vierzehn Jahre nach seiner Intendantenzeit sei er noch immer ein hervorragender Botschafter für den WDR, den er selbst so lange mit gestaltet habe. "Als Journalist haben Sie die Berichterstattung über die Bonner Republik entscheidend geprägt. Ihre kritische Haltung, Ihr berühmt-berüchtigtes Nachhaken und Ihr unabhängiger Geist haben journalistische Maßstäbe gesetzt, denen wir im WDR uns auch heute noch verpflichtet fühlen." (Quelle: www.wdr.de; Seite nicht mehr abrufbar)
 
Der zweifache Vater Friedrich Nowottny lebt mit seiner Ehefrau Gisela in Swisttal-Buschhoven bei Bonn.
  
Link: 1) Wikipedia, 2) Kurzportrait innerhalb dieser HP
Siehe auch Wikipedia, www.whoswho.de sowie
den Artikel "Mister Bonn" wird 85" (16.05,2014) bei www.tagesspiegel.de
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