Der erste deutsche Fernsehkoch Clemens Wilmenrod wurde am 24. Juli 1906 als Carl Clemens Hahn in Oberzeuzheim, nahe dem kleinen Dörfchen Willmenrod im Westerwald geboren und hatte sich den Künstlernamen nach seiner Heimatgemeinde gegeben. Ganze acht Wochen nach dem Start des Fernsehens präsentierte der ehemalige, nicht sehr erfolgreiche Schauspieler der bundesdeutschen Hausfrau ab 20. Februar 1953 in der Sendung "Bitte in zehn Minuten zu Tisch" im Abendprogramm um 21.30 Uhr Rezepte mit so wohlklingenden und exotisch anmutenden Namen wie "Spaghetti Napoli" oder "Arabisches Reiterfleisch"1), wobei es sich bei letzterem Gericht eigentlich nur um eine gewöhnliche Boulette handelte. Von nun an zeigte er, dass die Küche nicht nur aus Eintopf und Hausmannskost bestehen musste und "Don Clemente" avancierte als erster Fernsehkoch der Republik zum "Guru" für Geschmacksfragen, wurde mit seinen Köstlichkeiten aus aller Welt zum TV-Star und Inbegriff der deutschen Nachkriegs-Küche. Im tropisch heißen Studio, unterstützt von seiner im Hintergrund wirkenden Gattin Erika und dem vollelektrischen "Schnellbrater Heinzelkoch", plauderte Wilmenrod charmant, würzte seine Rezepte mit Anekdoten und mit vermeintlichen Detailkenntnissen aus fernen Ländern und ließ sich klingende Namen für schlichten Gerichte einfallen – ein paniertes Schnitzel taufte er beispielsweise "Venezianischen Weihnachtsschmaus".
 
Wilmenrods Karriere war bis dahin eher erfolglos verlaufen, Anfang der 1930er Jahre hatte er sich für eine Laufbahn als Schauspieler entschieden und in Düsseldorf Unterricht bei bei der Schauspielerin und Theaterleiterin Louise Dumont genommen. Anschließend folgten erste Engagements in Stendal, am "Residenztheater" in Wiesbaden sowie am "Komödienhaus" in Dresden. Auch nach Kriegsende gelang ihm der Durchbruch zum anerkannten Darsteller nicht, er trat unter anderem am "Hessischen Staatstheater" in Wiesbaden und am Theater "Kleine Komödie" am Neuen Wall in Hamburg auf, übernahm Chargenrollen in Kinostreifen wie "Hochzeitsnacht im Paradies" (1950), "Wenn eine Frau liebt" (1950) oder "Entscheidung vor Morgengrauen" (1951).

Der "Meisterkoch" war bei Berufskollegen umstritten, manche behaupteten, er könne gar nicht kochen, doch das kümmerte seine Fan-Gemeinde wenig und die Hausfrauen kochten nach, was immer er in seiner Sendung außergewöhnliches präsentierte: Er erfand den "Toast Hawaii"1), der zum Klassiker der deutschen Partyküche avancierte, kreierte die Blitzgulasch-Suppe, brutzelte ein Giganto-Omelett aus einem Straußenei oder machte die vorwiegend weiblichen Zuschauerinnen mit dem "Päpstlichen Huhn", den "Würstchen mit Austern", der "Flambierten schwarze Banane", Gefüllten Erdbeere" oder "Zwiebelsuppe René" bekannt.
Er begrüßte sein Publikum anfangs mit "Ihr lieben goldigen Menschen", später mit "Liebe Freunde in Lukull", warb auch schon mal für das eine oder andere Produkt, was in den Anfängen des Fernsehens ein Novum war, und gehörte somit zu den Pionieren, die für "Sponsoren" verdeckte Werbung machten. Wilmenrods Tun hatte bald marktbewegende Tendenzen, das erkannte schon 1954 das Düsseldorfer "Handelsblatt" und schrieb "Als Wilmenrod Kabeljau auf eine besonders schmackhafte Art anbot, war Kabeljau am nächsten Tag in Düsseldorf restlos ausverkauft". Lebensmittel oder Haushaltsgeräte, die der Fernsehkoch in seinen Sendungen einsetzte, erfreuten sich einer regen Nachfrage, er selbst prangte mit seinem Konterfei auf so manchem Produkt und machte damit gutes Geld. Außerdem veröffentlichte er seine Bücher " Es liegt mir auf der Zunge" (1954), "Bitte, in zehn Minuten zu Tisch" –  Kochkunst für eilige Feinschmecker" (1956), "Brevier für Weltenbummler und Feinschmecker – In Abrahams Schoß" (1958) und erreichte damit eine Auflage von mehr als 250.000 Exemplaren.
 
Wilmenrods Küchenschaffen war geprägt von der konsumorientierten Neugierde der Nachkriegszeit – er verwendete ohne Scheu Dosengemüse, Fertigsoßen und Ketchup bei der Zubereitung seiner Kreationen. Er stellte aber auch die kulinarischen Weichen für die sich entwickelnde Reisesehnsucht der Deutschen in jenen Jahren: Olivenöl, Knoblauch und italienische Pasta- und Pizzagerichte hatten ihren festen Platz in Wilmenrods Küche. Seine launigen Münchhausiaden, in gespielter Weltläufigkeit präsentiert und von mancherlei angeblichen Reisen kündend, taten ein Übriges, ihm in der neu entstehenden westdeutschen "Fernsehrepublik" zu Kultstatus zu verhelfen. (…) Obgleich Wilmenrods Kulinarik dem Vergleich mit modernen Standards der Kochkunst kaum standhält, war seine Wirkung in den 50er Jahren enorm; seine Sendungen waren jedes Mal Straßenfeger. Als ein Zuschauer, Wilmenrod zufolge, ihn beschuldigte, die mit einer schlichten Mandel gefüllte Erdbeere nicht selbst erfunden zu haben, setzte er sich während der Sendung ein langes Küchenmesser auf die Brust und schwor, sich den Stahl ins Herz zu rammen, wenn irgendein Zuschauer anrufen würde, der schon einmal vorher eine gefüllte Erdbeere gegessen habe.2)

Am 16. Mai 1964 wurde die populäre Sendung dann nach elf Jahren eingestellt und Clemens Wilmenrod hatte nach 185 Auftritten auf dem Bildschirm ausgekocht. Kurz vor seinem Tod übernahm er noch eine kleine Rolle in der TV-Serie "Hotel Victoria".
Der zungenfertige, erste Fernsehkoch der Nation starb am 12. April 1967 in München durch Freitod, als man eine unheilbare Erkrankung bei ihm diagnostiziert hatte, und liegt auf dem Friedhof seiner Geburtsgemeinde Willmenrod begraben. Clemens Wilmenrod war mit Ehefrau Erika, Tochter eines Wiesbadener Metzgermeisters, verheiratet, von der er sich 1958 hatte scheiden lassen.
 
Der NDR verfilmte im Frühjahr 2008 den Aufstieg und Fall des ersten Fernsehkochs der Wirtschaftswunder-Zeit mit dem Titel "Es liegt mir auf der Zunge"1). Unter der Regie von Kaspar Heidelbach verkörperte Jan Josef Liefers1) die schillernde Figur des einstigen kochenden TV-Pioniers Clemens Wilmenrod, Ehefrau Erika wurde von Anna Loos1) dargestellt – auch im wahren Leben Liefers Ehefrau. Als Wilmenrods Mutter sah man Nadja Tiller3) gespielt, auch deren Ehemann Walter Giller3) hatte einen Mini-Auftritt. Die ARD strahlte den Film erstmals am 25. November 2009 aus.
 

Link: 1) Wikipedia, 3) Kurzportrait innerhalb dieser Webpräsenz
Quelle: 2) Wikipedia
Siehe auch Wikipedia sowie das Portrait bei www.swr.de
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