Klaus Havenstein wurde am 7. April 1922 als Sohn eines Lokführers und späteren Reichsbahnoberinspektors in Wittenberge an der Elbe geboren. Da sein Vater nach Hamburg versetzt wurde, wuchs Havenstein in der Hansestadt auf und machte dort nach der Schule eine Ausbildung zum Einzelhandelskaufmann. Doch seine Liebe galt schon früh der Schauspielerei und so nahm er ohne Wissen seiner Eltern privaten Schauspielunterricht. Während des 2. Weltkrieges wurde Havenstein als Soldat eingezogen und geriet noch gegen Ende des Krieges als Leutnant in amerikanische Gefangenschaft. Dort machte er mit seinem komödiantischen Talent auf sich aufmerksam, wurde von den Amerikanern in ein "Special Camp" nach Garmisch-Partenkirchen verlegt, wo er zur Truppenunterhaltung eingesetzt wurde. In Garmisch-Partenkirchen war es auch, wo Havenstein erstmals auf der Bühne eines Theaters stand und sich schnell einen Namen machte; er kam zum Hörfunk des Bayerischen Rundfunks, wo er seit 1950 zahlreiche Sendungen moderierte, und auch das Fernsehen bediente sich früh des Multitalents Havenstein. Er trat als Märchen- und Geschichtenerzähler auf, erhielt Mitte der 1960er Jahre eigene Kindersendungen wie "Sport, Spiel, Spannung"1) und "Zwei aus einer Klasse" oder war Gastgeber der Sendungen "Telefonwunschkonzert" und "Gut aufgelegt". 
In nachhaltiger Erinnerung ist er auch mit den märchenhaften Geschichten um den quirligen Wichtel "Jeremias Schrumpelhut" des Kinderbuchautors Wolf von Tippelskirch geblieben. In der kultigen Hörfunkserie des "Bayerischen Rundfunks" sprach er zwischen Februar 1960 und November 1971 250 Folgen lang alle 50 Rollen selbst, neben der Titelfigur ("Grüß euch Gott, Kinder – hier ist der Jeremias Schrumpelhut!") beispielsweise auch dessen Freunde, den Zwergenkönig Eierbatz, den kleinen Angsthasen Quietsch, den Hausgeist Knille Mallepatsch sowie mehrere Bewohner des Traumsterns "Traumatia"; siehe auch den Artikel bei www.donaukurier.de sowie Arbeiten für den Hörfunk bei Wikipedia.

Das Foto wurde mir freundlicherweise von der
Fotografin Virginia Shue (Hamburg) zur Verfügung gestellt.
Das Copyright liegt bei Virginia Shue.

Klaus Havenstein; Copyright Virginia Shue
1956 gründete Havenstein zusammen mit Sammy Drechsel2) (1925 – 1986) und Dieter Hildebrandt2) das legendäre Kabarett "Münchner Lach- und Schießgesellschaft"1) und wurde mit zahlreichen Programmen einem bundesweiten Publikum bekannt. Gemeinsam mit Dieter Hildebrandt, Hans Jürgen Diedrich2) , Ursula Herking2), Ursula Noack2), Jürgen Scheller2), später auch Achim Strietzel2) und Horst Jüssen2), prägte der Kabarettist eine bis dahin nicht gekannte bissige und provozierende Unterhaltung; 1972 löste sich die "Lach- und Schießgesellschaft" in der Originalbesetzung auf, doch Havenstein zog sich nicht ins Privatleben zurück. Er blieb dem Medium Fernsehen treu und produzierte im Verlaufe der Jahre rund 3.000 Sendungen, machte sich als Sprecher in Hörfunksendungen einen Namen und übernahm aber auch hin und wieder Rollen in Kino- und Fernsehfilmen. 
Bereits seit den 1950er Jahren stand Havenstein mit kleineren Rollen vor der Kamera, mimte beispielsweise den Leutnant Hakenstaller in der romantischen Leinwandkomödie "Königswalzer"1) (1955), den Schuster in dem Kinderfilm "Die Heinzelmännchen"1) (1956) oder wirkte unter der Regie von Sammy Drechsel in der Spionage-Satire "Zwei Girls vom roten Stern"1) (1965) mit. Zur Filmografie zählen auch der Krimi "Menschen im Netz" (1959) mit Hansjörg Felmy und Johanna von Koczian oder der Rühmann-Streifen "Ein Mann geht durch die Wand"1) (1959), die Fernsehzuschauer erlebten ihn unter anderem 1962 als Dr. Blass in Georg Marischkas bissiger Komödie "Streichquartett" an der Seite seiner Kollegen von der "Münchner Lach- und Schießgesellschaft". Havenstein war mit Gastrollen in verschiedenen populären TV-Serien auf dem Bildschirm präsent, in den 1970er Jahren unter anderem in den Krimiserien "Lokaltermin" und "Der Kommissar" sowie in dem Mehrteiler "Zwei Mann um einen Herd" (1979) mit Günter Pfitzmann, Walter Hoor und Edith Hancke. In den 1980er Jahren tauchte er mit verschiedenen Figuren neben Grit Böttcher und Harald Juhnke in der erfolgreichen Sketch-Reihe "Ein verrücktes Paar"1) auf, war in der Comedy-Sendung "Rudis Tagesshow"1) zu sehen oder hatte Auftritte in weiteren beliebten TV-Produktionen wie "Detektivbüro Roth"1), "Die Schwarzwaldklinik"1) und "Großstadtrevier"1).
 
  
Danach zog er sich als Schauspieler vermehrt zurück, widmete sich anderen interessanten Aufgaben. So war er von 1990 bis 1992 Intendant der "Burgfestspiele" in Bad Vilbel. Auch wenn ihm der Abschied vom Fernsehen und zuletzt vom Rundfunk schwer fiel, blieb Havenstein im Grunde heiter: "Das pikt ein bisserl, aber das kann man überwinden", so sein Kommentar, als er 1996 als Moderator beim "Bayerischen Hörfunk" ausschied.
Havensteins unverwechselbar sonore Stimme bleibt auch unvergessen als Synchronsprecher, unter anderem für Jack Lemmon in dem humorvollen Kriegsfilm "Keine Zeit für Heldentum"1) (1955, Mister Roberts) oder für Michel Galabru in der Komödie "Der Gendarm von St. Tropez"1) (1964, Le Gendarme de St. Tropez). In "Ein toller Käfer"1) (1968, The Love Bug) lieh er Buddy Hackett seine Stimme, als Erzähler fungierte er in dem Zeichentrickfilm "Die Konferenz der Tiere"1) (1969). Doch vor allem als deutsche Stimme des "King Louie" in Walt Disneys "Das Dschungelbuch"1) (1967) wird er für immer "im Ohr" bleiben. Weitere Synchronarbeiten in animierten Filmproduktionen waren unter anderem die Figur der Straßenkatze Swingy in "Aristocats"1) (1970), der liebenswerter Kleinganove Fagin in "Oliver & Co"1) (1988, Oliver & Company) oder "Der Reporter" in "Das kleine Gespenst"1) (1992).

Havenstein mit Figuren aus dem "Dschungelbuch",
dem Bären Balu und dem Affenkönig "King Louie".
Das Foto wurde mir freundlicherweise von der
Fotografin Virginia Shue (Hamburg) zur Verfügung gestellt.
 Das Copyright liegt bei Virginia Shue.

Klaus Havenstein mit den Figuren aus dem "Dschungelbuch", dem Bären Balu und dem Affenkönig "King Louie"; Copyright Virginia Shue
Der Kabarettist, Schauspieler, Regisseur, Moderator und "Märchenonkel" Klaus Havenstein, der sich auch erfolgreich als Komponist, Sänger und Schriftsteller betätigte, erlag am 19. März 1998 mit 75 Jahren in München einem Herzleiden; er war seit 1958 mit seiner Frau Marina verheiratet. Seine letzte Ruhe fand Havenstein auf dem Münchener Nordfriedhof (Grab Nr. 119–1–30) → Foto der Grabstelle bei knerger.de.
 
Link: 1) Wikipedia, 2) Kurzportrait innerhalb dieser HP
Siehe auch Wikipedia; Filmografie bei der Internet Movie Database
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