Lore Lorentz am 26. Mai 1966 mit dem "Kom(m)dchen" in den Niederlanden; Rechteinhaber: Nationaal Archief (Den Haag, Rijksfotoarchief; Bestandsnummer: 919-1959); Urheber/Fotograf: Evers, Joost / Anefo;  mehr bei ?www.gahetna.nl; Quelle: Wikimedia Commons Lore Lorentz wurde am 12. September 1920 als Lore Schirmer und Tochter eines Ingenieurs im heutigen Ostrava (Tschechien), damals Mährisch-Ostrau, geboren. Nach ihrem Schulabschluss studierte sie ab 1940 vier Jahre lang Geschichte, Philosophie und Germanistik in Wien und Berlin. Während des Studiums lernte sie den Regisseur und Autor Kay Lorentz1) (1920 – 1993) kennen, das Paar heiratete 1944 und drei Jahre später gründeten beide in Düsseldorf die "Kleine Literaten-, Maler- und Schauspielbühne "Kom(m)ödchen"1) und feierten mit ihrem ersten Programm am 29. März 1947 Premiere.
Wie eine kleine Kommode sollte auch das "Kom(m)ödchen" verschiedene Schubladen, gefüllt mit unterschiedlichen Themen haben; die ungewöhnliche Schreibweise erklärt sich dadurch, dass der "Duden" 1947 zwei Schreibweisen für eine Kommode erlaubte: Mal mit einem, mal mit zwei "m".
"Positiv dagegen" lautete der Titel des ersten Programms und wurde seither zu einer Art Leitfaden für das "Kom(m)ödchen" selbst. Lore Lorentz avancierte schnell zum weiblichen Star des politisch-literarischen Kabaretts und wurde durch Fernsehübertragungen der Programme auch bundesweit als spitzzüngige Gesellschaftskritikerin bekannt – aber auch für ihre bissigen Pointen gefürchtet. 1959 beispielsweise wurden die Fernsehübertragungen des Kabarettprogramms auf Veranlassung des damaligen Verteidigungsministers Franz-Josef Strauß für ein Jahr verboten.

 
Lore Lorentz am 26. Mai 1966 mit dem "Kom(m)ödchen" in den Niederlanden
Rechteinhaber: Nationaal Archief (Den Haag, Rijksfotoarchief; Bestandsnummer: 919-1959)
Urheber/Fotograf: Evers, Joost / Anefo;  mehr bei → www.gahetna.nl
Quelle: Wikimedia Commons;
Lizenz: www.gahetna.nl/over-ons/open-data / CC BY-SA 3.0 NL
Das "Kom(m)ödchen" gab als erstes deutsches Theater nach dem 2. Weltkrieg Gastspiele in Großbritannien, Frankreich, den Niederlanden, der Schweiz und den USA, galt als Spiegel eines Deutschland, das "wieder ein Gewissen" hat und war darüber hinaus für viele heute populäre Künstler das Sprungbrett für eine steile Karriere, so z. B. für Thomas Freitag1), Harald Schmidt1), Jochen Busse1) oder Hugo Egon Balder1). Lore Lorentz war der Mittelpunkt und die "Seele" der Kleinkunstbühne und zugleich die kritische Begleitstimme der deutschen Politik und Zeitgeschichte.

Lore Lorentz schrieb viele der Stücke, Essays und Chansons selbst, mit denen sie das Publikum auf der Bühne begeisterte, und machte sich einen Namen mit Soloprogrammen wie beispielsweise "Das gestrichene M" (1977) oder "Lore Lorentz präsentiert die Pürkels" (1980), aber auch mit Interpretationen von Heinrich Heine, Bertolt Brecht oder Erich Kästner; ihr letztes Soloprogramm mit Texten von Heinrich Heine war Anfang der 1990er Jahre "Denk' ich an Deutschland", welches auch als CD in den Handel kam.

Foto: Lore Lorentz Ende September 1948 bei Filmaufnahmen
Historische Originalbeschreibung: Das bekannte Düsseldorfer Kabarett "Komödchen" begann mit den Aussenaufnahmen zu dem ersten westdeutschen Kabarettfilm "Das Fäustchen" (auch aus Anlass des Goethe-Jahres) nach einer Idee von Kay und Lore Lorentz, den Gründern des Kabaretts. In diesem Film wird versucht, zum ersten Mal eine Verbindung zwischen Film und Kabarett zu finden. Die Handlung wird hier von der Leinwand auf die Bühne und umgekehrt übergehen. Unser Bild zeigt eine Szene mit Lore Lorentz während der Aufnahmen mit einem Schmalfilm-Gerät (27.9.1948).
Quelle: Deutsches Bundesarchiv, Digitale Bilddatenbank, Bild 183-1985-1112-500;
Urheber: Unbekannt / Datierung: September 1948 / Lizenz CC-BY-SA 3.0.
Genehmigung des Bundesarchivs zur Veröffentlichung innerhalb dieser Webpräsenz wurde am 11.10.2010 erteilt.
Deutsches Bundesarchiv Bild 183-1985-1112-500 bzw. Wikimedia Commons

Lore Lorentz Ende September 1948 bei Filmaufnahmen; Quelle: Deutsches Bundesarchiv, Digitale Bilddatenbank, Bild 183-1985-1112-500; Urheber: Unbekannt / Datierung: September 1948 / Lizenz CC-BY-SA 3.0.
Im Hörfunkprogramm des WDR tauchte Lore Lorentz in den 1950er Jahren hin und wieder in Operettenproduktionen auf, die von Franz Marszalek1) (1900 – 1975) dirigiert wurden2), beispielsweise aus der Operette "Adrienne"1) (Musik: Walter W. Goetze, Libretto: Oskar Felix) mit dem bekannten "Branntweinlied" ("Meine Tante wohnt im russischen Reich").
Für ihr unermüdliches Engagement wurde Lore Lorentz mit zahlreichen Auszeichnungen im In- und Ausland geehrt, wie unter anderem 1971 mit dem "Offenbach-Preis" der Stadt Köln oder 1978 mit ihrer Ernennung zur "Professorin für Chanson, Song und Musical" durch das nordrhein-westfälische Wissenschaftsministerium. 1981 wurde sie mit dem "Ehrenpreis zum Deutschen Kleinkunstpreis" ausgezeichnet, 1986 erhielt sie den Staatspreis des Landes Nordrhein-Westfalen und 1990 wurde sie zusammen mit ihrem Mann mit der "Ehrengabe der Heinrich-Heine-Gesellschaft"1) in Düsseldorf gewürdigt – um nur einige wenige der Ehrungen zu nennen; die Verleihung des "Bundesverdienstkreuzes" lehnten Kay und Lore Lorentz in den 1970er Jahren ab. Seit 16. Juli 2004 hat die unvergessene Künstlerin einen "Stern der Satire" auf dem "Walk of Fame des Kabaretts"1) in Mainz.

1993 stand Lore Lorentz, die zwischen 1976 und 1978 Dozentin für Chanson, Song und Musical an der "Folkwang-Hochschule" in Essen war, letztmalig auf der Bühne ihres "Kom(m)ödchens"; sie starb am 22. Februar 1994 mit 73 Jahren an den Folgen einer Lungenentzündung in Düsseldorf – ein Jahr nach dem Tod ihres Mannes Kay Lorentz. Ihre letzte Ruhe fand sie neben ihrem Ehemann auf dem Friedhof im Düsseldorfer Stadtteil Heerdt → Foto der Grabstelle bei knerger.de.
 
Das Vermächtnis von Kay und Lore Lorentz die Traditionsbühne wird heute von Sohn Kay Sebastian (geb. 1951) mit großem Erfolg weiter geführt und die unvergessenen Programme seiner Eltern sind auch heute noch Maßstab für anspruchvolles politisches Kabarett. In Düsseldorf erinnern der "Kay-und-Lore-Lorentz-Platz" vor dem "Kom(m)ödchen" sowie eine städtische Kollegschule, die den Namen "Lore-Lorentz-Schule" trägt, an die legendäre Kabarettistin und Chansonette.

Siehe auch Wikipedia, www.geschichte.nrw.de sowie
den tabellarischen Lebenslauf bei "Stiftung Deutsches Historisches Museum"
Website des "Kom(m)ödchens": www.kommoedchen.de
Link: 1) Wikipedia
2) Quelle: Wikipedia (abgerufen 06.10.2011)
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