Gisela Schlüter 1938 im "Kabarett der Komiker"; Urheber: Willy Pragher; Lizenz: CC BY 3.0; Rechteinhaber: Landesarchiv Baden-Württemberg; Quelle: Deutsche Digitale Bibliothek bzw. Wikimedia Commons Gisela Schlüter wurde am 6. Juni 1919*) als Tochter eines Berufsoffiziers und einer Tschechin in Berlin geboren, verbrachte ihre Kindheit und Jugend in Dresden, wo sie ein katholisches "Fräulein-Stift" besuchte und die "Mittlere Reife" erwarb.. Ursprünglich wollte sie Tänzerin werden, musste diese Pläne jedoch wegen ihrer Körpergröße von "nur 1,76 m" aufgeben und entschied sich daher für eine Ausbildung zur Schauspielerin bei dem legendären Erich Ponto1) (1884 – 1957) in Dresden, der von ihrem komödiantischen Talent beeindruckt war. Nach ersten Engagements hatte Gisela Schlüter dann ihren Durchbruch auf der Bühne als Partnerin von Günter Lüders1) (1905 – 1975) in dem Boulevardstück "Vorsicht, Brigitte" an der Berliner "Komödie am Kurfürstendamm" und machte sich vor allem als "Schnellrednerin" und "Quasselstrippe vom Dienst" einen Namen. Sie trat in den 1930er und 1940er Jahren mit komischen Rollen in zahlreichen Revuen auf und auch im Hörfunk begeisterte sie das Publikum. Als Partnerin von Brigitte Mira1) (1910 – 2005) wirkte sie beispielsweise auch in Eugen Yorks Propaganda-Kurzfilmserie "Liese und Miese" (1943) mit, die Goebbels dann wegen "falscher" Reaktion des Publikums einstellen ließ.
Dabei war die Volksgenossin "Liese" die "Gute", die sich im Sinne der Nazi-Propaganda richtig verhielt, während die "Miese" alles falsch machte, Feindsender hörte, über knappe Lebensmittel schimpfte und sich mit Spionen einließ. Die Darstellungskunst von Brigitte Mira sorgte jedoch dafür, dass "Miese" beim Publikum mehr Anklang fand als die von Gisela Schlüter gespielte "Liese", so dass das Propagandaministerium die Serie nach zehn Folgen wieder absetzte.2)

  
Gisela Schlüter 1938 im "Kabarett der Komiker"3)
Urheber: Willy Pragher3); Lizenz: CC BY 3.0; Rechteinhaber: Landesarchiv Baden-Württemberg
Quelle: Deutsche Digitale Bibliothek bzw. Wikimedia Commons

Nach Kriegsende konnte Gisela Schlüter ihre Karriere erfolgreich fortsetzen und wurde vor allem durch Auftritte in populären Fernsehshows wie beispielsweise "Gruezi Vico", "Hotel Victoria", "Stelldichein beim Wein" oder "Blauer Bock" zum Inbegriff des schnellsten "Fernseh-Mundwerks" in Deutschland und hatte mit ihrer unverwechselbaren Komik stets die Lacher auf ihrer Seite. Ab 1967 erhielt "Lady Schnatterly", wie sie liebevoll genannt wurde, eine eigene TV-Show unter dem Titel "Zwischenmahlzeit"3), die bis 1982 drei- bis vier Mal jährlich erfolgreich ausgestrahlt wurde und mit den Schlüterschen Wortkaskaden, witzigen Sketchen und Parodien sowie einem großen Aufgebot an Sängern, Schauspielern aber auch Politikern wie Franz Josef Strauß Rekordeinschaltquoten von 44 Prozent erzielte.
In dieser Show war sie in Sketchen, mit Tanzeinlagen und Gesangsdarbietungen zu sehen. Während dieser Zeit wurde sie zu einer Showmasterin, die durch ihre dominierende verbale Rhetorik ihre Bühnenpartner kaum zu Wort zu kommen ließ. Ihre Sprechgeschwindigkeit (mit bis zu 482 Silben pro Minute) und ihr scheinbar nicht enden wollender Redeschwall wurden ihre Markenzeichen. Hieraus resultierten ihre Spitznamen "Lady Schnatterly" und "Quasselstrippe der Nation". Über sich selbst sagte sie einmal: "Derjenige, der bei mir zu Wort kommt, muss erst noch geboren werden."2)
 
Vereinzelt übernahm Gisela Schlüter auch Rollen für den Film. Ihr Leinwanddebüt gab sie 1938 mit einer kleinen Rolle in dem Abenteuer "Der Tiger von Eschnapur"3), war im gleichen Jahr auch in dem Nachfolge-Film "Das Indische Grabmal"3) sowie in den Komödien "Eine Nacht im Mai"4) und "Narren im Schnee"4) zu sehen. Es folgte der Musikfilm "Wir tanzen um die Welt"4) (1939), in dem Streifen "Sechs Tage Heimaturlaub" mimte sie 1941 eine Puszta-Schönheit, tauchte als "entzückende kleine Frau" in der Rühmann-Komödie "Der Gasmann"3) (1941) auf. In den 1950ern übernahm sie Nebenrollen in "Dreizehn unter einem Hut" (1950), "Mikosch, der Stolz der Kompanie" (1957), "Die Große Chance"3) (1957) und "Peter schießt den Vogel ab" (1959). 1972 agierte sie in Franz Antels eher albernem Lustspiel "Die Lustigen Vier von der Tankstelle"3) und ein Jahr später in dem Klamauk "Unsere Tante ist das Letzte" (1973), doch ihre eigentliche Domäne blieben stets das Boulevardtheater sowie das Fernsehen.

Nach dem Tod ihres langjährigen Lebensgefährten  und Textschreibers, dem Drehbuchautor Hans Hubberten3) (1929 – 1988), zog sich Gisela Schlüter weitgehend aus dem Showgeschäft zurück; 1991 konnten die Fernsehzuschauer sie letztmalig in der Sendung "Showgeschichten" auf dem Bildschirm erleben.
Ihre letzten Lebensjahre verbrachte Gisela Schlüter zurückgezogen und nach einem schweren Sturz an den Rollstuhl gefesselt in ihrem Haus in Mittenwald (Oberbayern), wo sie am 28. Oktober 1995 mit 76 Jahren nach einem Schlaganfall starb5); ihre letzte Ruhestätte fand die zu Lebzeiten umtriebige Künstlerin auf dem Friedhof von Bad Kohlgrub (Oberbayern) → Foto der Grabstelle bei www.knerger.de.

1983 veröffentlichte die legendäre Schauspielerin und Kabarettistin Gisela Schlüter unter dem Titel "Lassen Sie mich auch mal zu Wort kommen" Sprüche, Parodien, Witzkaskaden, lustige Sketche und heitereren Kollegenklatsch und erzählt darin auch über ihre Begegnungen mit berühmten Künstlern wie Karl Valentin, Liesl Karlstadt, Weiß Ferdl oder dem Politiker Franz Josef Strauß. Bereits 1968 hatte sie das Buch "Schnattern gehört zum Handwerk" auf den Markt gebracht, außerdem verfasste sie Klatsch-Kolumnen für die Zeitschrift "Funkuhr".
 

Siehe auch Wikipedia, www.cyranos.ch
Filmografie bei der Internet Movie Database
*) In verschiedenen Quellen wird als Geburtsjahr 1914 angegeben, was jedoch offensichtlich falsch ist.
Link: 1) Kurzportrait innerhalb dieser HP, 3) Wikipedia, 4) Murnau Stiftung
Quelle: 2) Wikipedia (abgerufen 06.10.2011)
5) nach anderen Angaben gestorben in Bad Kohlgrub
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