Peter Anders wurde am 1. Juli 1908 als einziges Kind einer Beamtenfamilie in Essen geboren. Bevor er zu einem der bedeutendsten Tenöre seiner Generation avancierte, hatte er zunächst eine Ausbildung als Buchhalter absolviert und arbeitete eine Zeit lang als Bücherrevisor. Schon in seiner Freizeit nahm er Gesangsunterricht, studierte dann an der "Berliner Hochschule für Musik" bei dem renommierten Musikpädagogen Ernst Grenzebach, zusätzlich erhielt er Unterricht von der Altistin Lula Mysz-Gmeiner1) (1876 – 1948). In einem Interview erzählte er einmal über diese Zeit "Was es für einen lebenslustigen jungen Mann bedeutet, nach achtstündiger Bürozeit Abend für Abend Gesang zu studieren, kann ein Laie überhaupt nicht ermessen… Dazu gehörte eiserne Energie und ein unerschütterlicher Glaube an sich selbst und seine Berufung."
Sein Bühnendebüt gab Anders 1932 in Heidelberg mit Buffo-Rollen, wechselte ein Jahr später an das Darmstädter Landestheater, wo er bis 1935 zum Ensemble gehörte. Eine weitere Station seiner Laufbahn wurde dann bis 1936 die Oper in Köln sowie bis 1938 die Oper in Hannover. Von dem damaligen Generalintendanten und Generalmusikdirektor der Bayerischen Staatsoper, Clemens Krauss, wurde Anders dann nach München berufen und stand dort bis 1940 auf der Bühne. Dann ging er nach Berlin, gehörte für acht Jahre dem Ensemble der Staatsoper in Ost-Berlin an, wechselte dann in den Westen und machte Hamburg zu seiner künstlerischen Heimat, wo er am 10. September 1954 im Hafenkrankenhaus mit nur 46 Jahren den Verletzungen eines fünf Tage zuvor erlittenen schweren Autounfalls (auf der Fahrt von Hannover nach Hamburg) erlag; seine letzte Ruhe fand Peter Anders auf dem Hamburger Friedhof Ohlsdorf.

Peter Anders 1945 als Graf von Mantua in "Rigoletto"1) 
von Giuseppe Verdi an der "Deutschen Staatsoper" Berlin
Quelle: Deutsche Fotothek, (file: df pk 0000021 018); © SLUB Dresden/Deutsche Fotothek
Urheber: Abraham Pisarek (1901–1983; Link Wikipedia); Datierung: 1945.09 / Lizenz CC-BY-SA 3.0.
Genehmigung der Deutschen Fotothek zur Veröffentlichung innerhalb dieser Webpräsenz wurde am 12.11.2010 erteilt.
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Peter Anders 1945 als Graf von Mantua in "Rigoletto" von Giuseppe Verdi in der "Deutschen Staatsoper" Berlin; Quelle: Deutsche Fotothek, (file: df pk 0000021 018); Copyright SLUB Dresden/Deutsche Fotothek; Urheber: Abraham Pisarek (19011983); Datierung: 1945.09 / Lizenz CC-BY-SA 3.0.
Der Tenor hatte sich zu Beginn seiner Karriere als Buffo mit der Rolle des Pedrillo in Mozarts "Die Entführung aus dem Serail" einen Namen gemacht oder trat beispielsweise 1932 in Heidelberg als Jaquino in Beethovens "Fidelio" auf, wechselte dann jedoch auf Anraten von Lula Mysz-Gmeiner in das lyrische Fach. Vor allem als Mozart-Interpret begeisterte Anders Publikum und Kritik, sein Auftritt 1943 bei den Salzburger Festspielen als Tamino in Mozarts "Die Zauberflöte" unter Karl Böhm erregte auch internationales Aufsehen. Zu seinen "lyrischen Höhepunkten" zählen beispielsweise auch der Edelmann Belmonte in Mozarts "Die Entführung aus dem Serail", der Lyonel in Flotows "Martha" oder der Alfredo in Verdis "La Traviata" – um nur einiges zu nennen.

In späteren Jahren wandte Anders sich vermehrt dem Helden-Fach zu, sein früher Unfalltod verhinderte eine Weiterentwicklung in diesem Genre. Seine Wechsel hatte 1949 mit dem Radames in Verdis "Aida" begonnen, 1950 interpretierte er bei den Festspielen von Glyndebourne und Edinburgh den Bacchus in der Richard-Strauss-Oper "Ariadne auf Naxos", seine künstlerisch Umorientierung setzte sich 1951 mit dem Florestan in Beethovens "Fidelio" und ein Jahr später mit dem Stolzing in Wagners "Meistersinger" fort. Höhepunkte wurden dann Verdis "Othello" sowie der Wagnersche "Lohengrin", die er für den Rundfunk aufgenommen hatte; zu einem Auftreten in Bayreuth kam es durch den frühen Tod nicht mehr.
Daneben wurde Anders als Solist in Oratorien und religiösen Musikwerken, vor allem aber mit dem Kunstlied gefeiert und so zum populärsten Sänger der Nachkriegsjahre; seine perfekte Diktion sowie sein Verständnis für das Wort wurde er auch von den Kritikern gewürdigt. Er gab umjubelte Gastspiele im In- und Ausland, spielte für den Rundfunk viele Operettenaufnahmen ein, die ihn auch bei Freunden der "leichten Muse" überaus beliebt machten; zahlreiche Schallplattenaufnahmen zeugen noch heute von der großen sängerischen Dominanz des Tenors.  
Peter Anders war mit der Tochter von Lula Mysz-Gmeiner, Susanne Mysz-Gmeiner (1909 – 1979), verheiratet, die unter dem Namen Susanne Anders als Sängerin auftrat. Auch seine 1943 geborene Tochter Sylvia Anders machte sich als Sängerin bzw. Chansonette und Schauspielerin einen Namen.
Berliner Gedenktafel, Peter Anders, Thomasiusstraße 25, Berlin-Moabit; Quelle: Wikipedia bzw. Wikimedia Commons; Urheber: Wikimedia-Benutzer OTFW, Berlin, Lizenz CC-BY-SA 3.0.

Seine Stimme war nicht die eines schweren oder baritonal gefärbten Heldentenors. Sie war sehr hell, nicht voluminös und setzte sich durch, dank der manchmal schneidenden Brillanz der relativ engen hohen Lage. Die nutzte er etwa im Pocco-Allegro-Teil der Florestan-Arie mit großem Geschick und auch mit gutem Tonsinn; was allerdings fehlt, ist der bewegend-pathetische Ausdruck eines Julius Patzak oder John Vicker, ist auch das vokale Finish. Anders war ein stets zuverlässiger, sympathischer Sänger, kam aber nur selten über jene Gediegenheit hinaus, die zeittypisch war und sich beispielsweise auch im deutschen Film zeigte…2)
 
 
Berliner Gedenktafel, Peter Anders, Thomasiusstraße 25, Berlin-Moabit
Quelle: Wikipedia bzw. Wikimedia Commons
Urheber: Wikimedia-Benutzer OTFW, Berlin, Lizenz CC-BY-SA 3.0.

Link: 1) Wikipedia
Quelle: 2) Jürgen Kesting: "Die Großen Sänger des 20. Jahrhunderts", Sonderausgabe für Cormoran Verlag München, 1993, S. 622
Siehe auch Wikipedia sowie den Artikel zum 100. Geburtstag bei oe1.orf.at
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