Die Künstlerin Zizi Jeanmaire wurde am 29. April 1924 als Renée Marcelle Jeanmaire in der französischen Hauptstadt Paris geboren. Schon mit neun Jahren nahm man sie Ende November 1933 als Schülerin an der Tanzschule der Pariser Oper auf, gleichzeitig studierte sie bei dem aus Russland stammenden Ballettpädagogen Boris Kniaseff (1900 – 1975), der viele bedeutende Tänzer unterrichtet hat. Nach einer strengen, nicht immer leichten siebenjährigen Ausbildung wurde sie Ende 1940 in das Ballettkorps der Pariser Oper aufgenommen, dem sie bis 1944 angehörte. Dann wechselte die Ballerina zu "Les Ballets de Monte-Carlo", 1945 schloss sie sich für sechs Monate der Truppe "Les Ballets des Champs-Elysées" an, welche im gleichen Jahr von dem Tänzer und Choreografen Roland Petit1) (1924 – 2011) ins Leben gerufen worden war. 1947 engagierte sie der russisch-englische Ballettmanager Wassily de Basil2) (1888 – 1951, auch Colonel de Basil) für sein "Ballets Russes", wenig später kehrte sie zu Roland Petit zurück, der inzwischen die Compagnie "Les Ballets de Paris" gegründet hatte. Eine lebenslange, nicht nur künstlerische Zusammenarbeit sollte sich zwischen der Primaballerina und dem Choreografen anschließen.
 
In den kommenden Jahren wurde Zizi Jeanmaire zur Protagonistin Petits, seine spektakuläre Aufführung von "Carmen" nach der Oper von Georges Bizet im Londoner "Prince’s Theatre", welche im Februar 1949 Premiere hatte, geriet mit Zizi Jeanmaire in der Titelrolle und Petit als "Don José" zum fulminanten Triumph. Anschließend wurde das Ballett zwölf Wochen lang im Pariser "Marigny-Theater" gezeigt, eine mehrmonatige, glanzreiche Tournee durch die USA schloss sich an.
  

Foto: Zizi Jeanmaire und Roland Petit
Foto mit freundlicher Genehmigung von www.kultur-fibel.de
Das Copyright liegt bei Arma Belen, © Arma Belen

Zizi Jeanmaire und Roland Petit; Copyright arma Belen
Zizi Jeanmaire am 25. Februar 1963; Rechteinhaber: Nationaal Archief (Den Haag, Rijksfotoarchief; Bestandsnummer: 914-8658); Urheber/Fotograf: Pot, Harry / Anefo; mehr bei ? www.gahetna.nl; Quelle: Wikimedia Commons Zurück in Europa feierte Zizi Jeanmaire im Herbst 1950 in Paris mit dem Ballett "La Croqueuse de diamants", welches Petit eigens für sie inszeniert hatte, einen erneuten Erfolg – diesmal auch als Sängerin: Für das gleichnamige Chanson, zu dem Raymond Queneau den Text und Michel Damase die Musik geschrieben hatte, erhielt sie den "Grand Prix du Disque". Auch mit diesem Stück, welches 1952 am New Yorker Broadway Premiere hatte, wurde sie während einer anschließenden Tournee in Amerika umjubelt. Der Filmregisseur und Produzent Howard Hughes war von der französischen Ballerina so begeistert, dass er die Truppe nach Hollywood holte und Zizi Jeanmaire einen Filmvertrag vermittelte. Unter ihrem Mädchennamen Renée Jeanmaire drehte sie an der Seite von Dany Kaye und Farley Granger die musikalische Komödie "Hans Christian Andersen und die Tänzerin" (1952, auch: Herz meiner Träume), in dem auch Roland Petit mitwirkte und welches Charles Vidor in Szene gesetzt hatte: In anmutig poetischem Stil wird ein farbenfrohes Märchen um den dänischen Dichter Hans Christian Andersen erzählt. "Als Hans der Schuhmacher" lebt er in Odense, seinem Heimatstädtchen. Er versammelt die Kinder um sich und erfindet bunte Märchen, deren jeweilige Motive auf kleine, zufällige Anlässe zurückgeführt werden. In der musikalischen Ausführung von bemerkenswerter Sorgfalt, mit einigen ausgezeichneten Ballettszenen. Eher von typisch amerikanischer Show-Mentalität geprägt, entfernt sich der Film zwar vom inneren Gehalt der Andersen-Märchen, bietet aber sympathische Unterhaltung.3)

Zizi Jeanmaire am 25. Februar 1963
Rechteinhaber: Nationaal Archief (Den Haag, Rijksfotoarchief; Bestandsnummer: 914-8658)
Urheber/Fotograf: Pot, Harry / Anefo; mehr bei → www.gahetna.nl
Quelle: Wikimedia Commons
Lizenz: www.gahetna.nl/over-ons/open-data / CC BY-SA 3.0 NL

Wenig später kam es 1953 zwischen Zizi Jeanmaire und Roland Petit zu Differenzen, sie kehrte ihm bzw. der Truppe den Rücken, trat unter anderem am Broadway in dem Musical "The Girl in Pink Tights" auf. Die Trennung von Petit dauerte nur kurze Zeit, bereits 1954 fand das Paar in Los Angeles wieder zueinander und noch im gleichen Jahr gingen sie die Ehe miteinander ein.
Schon 1955 kam es zu einem weiteren Hollywood-Film: Die Paramount verpflichtete beide für den Revuefilm "Anything Goes" (1956, Broadway-Zauber), den Robert Lewis nach dem gleichnamigen Musical von Cole Porter erneut verfilmte; hier war Zizi Jeanmaire als Partnerin von Bing Crosby, der bereits in der 1936 von Lewis Milestone verfilmten Version neben Ethel Merman die Hauptrolle gespielt hatte, auf der Leinwand zu sehen, während Petit für die hochgelobte Choreografie verantwortlich zeichnete. Noch im gleichen Jahr kam Henri Decoins turbulenter Streifen "Folies-Bergère" (auch: Paradies der Liebe) mit Eddie Constantine in die Kinos: Ein bunter und flotter, aber nicht sehr origineller Film, der immerhin illustriert, was die Reiseprospekte für Paris unter dem Stichwort "Folies-Bergère" versprechen: rhythmische Musik, schöne Mädchen, viel Getanze und "gewagte" Szenen aus dem Nachtleben.1)
Nach der Geburt ihrer Tochter Valentine (1955) mimte die Jeanmaire dann, erneut unter der Regie Henri Decoins, in der Komödie "Charmants garçons" (1957, Kavaliere) die Hauptrolle der Tänzerin Lulu und hatte Daniel Gelin und Henri Vidal als Partner, anschließend stand sie für die heitere Gangsterstory "Guinguette (1959, Die Schenke der Verlockung) mit Jean-Claude Pascal vor der Kamera. Ihre letzte Leinwandrolle spielte sie 1960 in "1-2-3-4 ou Les Collants noirs" (USA: Black Tights, Deutschland: Carmen 62): Keine Aufarbeitung des Carmenstoffes, sondern ein französischer Ballettfilm von hoher künstlerischer Qualität in Stil, Milieuzeichnung und Interpretation. Die Regie von Terence Young reiht vier Ballette, von denen ein Akt sich auf Carmen bezieht, lose aneinander, in denen der individuelle Ausdruck des modernen Tanzes das Wort ersetzt. Hohes Können und perfekte Choreografie Roland Petits vereinen sich zu einer sehenswerten Unterhaltung für die Freunde der Tanzkunst.3)
Erwähnt werden soll noch der Film " Le Jeune homme et la mort (1965, Der Jüngling und der Tod), den sie gemeinsam mit der Tanz-Legende Rudolf Nurejew1) (1938 – 1993) für das französische Fernsehen drehte, ebenso wie der 1980 entstandene TV-Film "Carmen" mit dem Ballett-Star Mikhail Baryshnikov1).
  
Neben ihren Ausflügen auf die Leinwand blieb Zizi Jeanmaire stets der Star der Inszenierungen ihres Mannes, stand in zahlreichen seiner erfolgreichen, opulent ausgestatteten Revuen – überwiegend in prächtigen Kostüme von Yves Saint-Laurent – auf der Bühne, begeisterte das Publikum unter anderem mit Chansons von Serge Gainsbourg, Boris Vian oder Jacques Prévert. Man erlebte sie beispielsweise Ende der 1950er Jahre mit der Rolle der "Roxanne" in der Petit-Inszenierung "Cyrano de Bergerac", 1961 brillierte sie im Pariser "Alhambra" in "Mon truc en plumes", dessen gleichnamiger Titelsong zu ihren vielen Erfolgen als Chansonette zählt; weitere glanzvolle Auftritte hatte sie unter anderem in "La Chaloupée" (1961), "La Revue Zizi Jeanmaire" (1963) oder "Zizi je t’aime" (1970).
Zizi Jeanmaire zeigte ihre Kunst weltweit, Tourneen durch alle Kontinente ließen sie gemeinsam mit ihrem Mann zu Topstars der Szene werden. In den 70er Jahren ist beispielsweise an der Pariser Oper "La Symphonie fantastique" (1975) mit Michaël Denard als Partner zu nennen, gemeinsam mit dem "Ballet National de Marseille" tanzte sie "La Chauve-souris" (1979), am Broadway wurde sie 1981 in "Can-Can" gefeiert. Eine Darstellung ihrer Hollywood-Jahre wurde 1984 mit "Hollywood Paradise" auf die Bühne gebracht, eine Show, mit der sie zwischen 1985 und 1987 während einer Tournee in ganz Europa das Publikum eroberte; eine weitere erfolgreiche, europaweit gezeigte Show war unter anderem "Zizi aux Bouffes du Nord" (1989), in den 1990er Jahren sind Theaterstücke wie "Marcel et la belle excentrique" am "Théâtre Montparnasse" (1992) oder die Revue "Zizi au Zénith" (1994, Musik: Serge Gainsbourg) zu nennen.
  
Ein einzigartiges Bühnen-Comeback gelang Zizi Jeanmaire im November 2000 mit einer Vorstellung in der Pariser "Opéra national", welche auch im Fernsehen gezeigt wurde: Hier interpretierte sie noch einmal ihre erfolgreichsten Titel, zu denen auch das von ihrer Tochter geschriebene Chanson "Entre rires et chagrins" zählt, und zeigte einmal mehr, dass sie von Publikum und Presse nicht zu unrecht als "französische Legende" tituliert wird, über die ihr Mann Roland Petit einmal sagte "Ohne sie wäre Paris nicht Paris".
 
Link: 1) Wikipedia (deutsch), 2) Wikipedia (englisch)
3) Quelle: Filmlexikon von www.kabel1.de
  Siehe auch Wikipedia
Filmografie bei der Internet Movie Database
Um zur Seite der Bühnen-Stars zurückzukehren, bitte dieses Fenster schließen.
Home: www.steffi-line.de