Wirken (Auszuf) |
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Der kanadischer Tenor Jon Vickers wurde am 29. Februar 1926 als
Jonathan Stewart Vickers und
sechstes von acht Kindern in Prince Albert1)
(Provinz Saskatchevan1)) in eine
sehr religiöse Familie hineingeboren. Sein Vater William Vickers,
ein Lehrer sowie Leiter einer
Grundschule, betätigte sich zudem als Hobbymusiker, Hilfsgeistlicher und
Laienprediger, Sohn Jon sang er bereits als Kind in den Gottesdiensten des Vaters. Bevor
er zu einem international renommierten Sänger avancierte, absolvierte Vickers
zunächst eine kaufmännische Lehre und arbeitete im Einzelhandel,
erregte schon zu dieser Zeit als Amateur in
Operetten-Aufführungen sowie im Kirchenchor mit seiner wunderschönen
Naturstimme Aufmerksamkeit. 1950 begann er mittels eines
Stipendiums eine siebenjährige Gesangsausbildung unter anderem bei
dem Bariton George Lambert1)
(1900 1971) am Konservatorium von Toronto1) ("The Royal Conservatory of Music"),
debütierte bereits während seiner Studien bei der "Canadian Opera
Company" mit der Partie des Herzogs von Mantua in der Oper "Rigoletto"1)
von Giuseppe Verdi1).
"In dieser Zeit wirkte er überwiegend als Interpret in Oratorien, trat außerdem beim
kanadischen Rundfunk und im Fernsehen auf, unter anderem sang er
den Maler Cavaradossi in dem Puccini1)-Werk "Tosca"1) und den
Titelhelden Manrico in
Verdis "Il trovatore"1) ("Der
Troubador") Figuren, die er später nie auf der Bühne darstellte."
notiert Wikipedia. Mit seinem Auftritt 1957 am Londoner "Royal Opera House"1) in "Covent Garden"1) als Riccardo, Graf von Warwick/Schwedenkönig Gustav III.1), in Verdis "Un ballo in maschera"1) ("Ein Maskenball") begann die weltweite Karriere des kanadischen Tenors. Nur wenig später erregte er Aufsehen mit seiner Interpretation des trojanischen Helden Aeneas1) in der damals noch recht unbekannten Oper "Les Troyens"1) ("Die Trojaner") von Hector Berlioz1) (Musik/Libretto), basierend auf der "Aeneis"1) des Vergil1) sowie einer Szene aus dem Drama "Der Kaufmann von Venedig"1) von William Shakespeare1). 1958 wurde er zu den "Bayreuther Festspielen" eingeladen und gestaltete dort in der Inszenierung von Wieland Wagner1) eindrucksvoll den Siegmund in "Die Walküre"1) von Richard Wagner1) (→ Besetzung), ebenso wie ein Jahr später an der "Mailänder Scala"1 sowie seit der Premiere am 9. Februar 1960 an der New Yorker "Metropolitan Opera"1) ("Met") in der Inszenierung von Herbert Graf1) und Karl Böhm1) am Dirigentenpult; 44 weitere Vorstellungen sollten bis 1984 folgen. An dem berühmten New Yorker Opernhaus debütierte Vickers bereits am 17. Januar 1960 mit der Partie des Canio/Pagliaccio in "Pagliacci"1) ("Der Bajazzo") von Ruggero Leoncavallo1), Im Laufe der Jahrzehnte feierte er dort in rund 270 Vorstellungen Triumphe, zuletzt am 18. April 1987 mit der männlichen Titelpartie des Samson1) in "Samson et Dalila"1) ("Samson und Dalila") von Camille Saint-Saëns1) (Musik) an der Seite von Marilyn Horne1) als Dalila. Umjubelte Aufführungen gab es unter anderem ab Mitte der 1960er bis Ende der 1970er mit Vickers als Feldherr Otello in der Verdi-Oper "Otello"1) mit dem Libretto von Arrigo Boito1), basierend auf der Tragödie "Othello, The Moore of Venice"1) von William Shakespeare1) → Übersicht der Vorstellungen an der "Metropolitan Opera": archives.metopera.org. Die "Met" blieb für 25 Jahre neben dem Londoner "Royal Opera House"1) diekünstlerische Heimat Jon Vickers, Gastauftritte und Konzerte führten ihn im Verlaufe der Jahre an alle bedeutenden Opernhäuser rund um den Globus, nur in Deutschland trat er kaum auf. An der "Wiener Staatsoper"1) gab er sein Debüt am 8. Januar 1959 ebenfalls als Siegmund in "Die Walküre", glänzte dort unter anderem als Don José in "Carmen"1) von Georges Bizet1), als Verdi-Interpret mit der Partie des Feldherrn Radamè in "Aida"1) und der Titelrolle in "Don Carlos"1) ("Don Carlo"), dem Poeten Andrea Chénier in "Andrea Chénier"1) von Umberto Giordano1) oder dem Gefangene Florestan, Ehemann der Leonore alias "Fidelio", in "Fidelio"1) von Ludwig van Beethoven1). Als Feldherrn Otello in "Otello" konnte man ihn ebenfalls in Wien bewundern, wenn auch nur ein einziges Mal am 1. Oktober 1976 aufgeführt nach einer Inszenierung von Herbert von Karajan1) unter der musikalischen Leitung von Anton Guadagno1) mit Teresa Żylis-Gara1) als Desdemona → Übersicht Wirken an der "Wiener Staatsoper". Auch bei den "Salzburger Festspielen"1) wirkte Vickers in den Inszenierungen sowie unter der musikalischen Leitung von Herbert von Karajan, 1966 und 1967 als Don José in "Carmen" an der Seite von Grace Bumbry in der Titelpartie sowie 1970 bis 1972 als Feldherr Otello in "Otello" mit Mirella Freni1) als Desdemona. Zudem beteiligte er sich zwischen 1967 und 1973 an den von Karajan unabhängig von den "Salzburger Festspielen" gegründeten "Osterfestspielen"1). Ein einziges Mal präsentierte er 1964 seine Kunst noch einmal bei den "Bayreuther Festspielen", gab den Titelhelden in dem von Wieland Wagner1) in Szene gesetzten Wagner-Werk "Parsifal"1) Hans Knappertsbusch1) stand am Dirigentenpult, unter anderem erlebte man George London1) als Gralskönig Amfortas, Heinz Hagenau2) als dessen Vater Titurel, Josef Greindl1) (29.07.), Hans Hotter als Gralsritter Gurnemanz und Barbro Ericson2) als Kunfry. Aufgrund seiner religiösen Überzeugung (Vickers war bekennender Christ) weigerte sich der Tenor, den "Tannhäuser"1) darzustellen. Auch den "Siegfried"1) aus der gleichnamigen Oper1) wollte er nicht interpretieren. Zu einer Aufnahme der gleichen Rolle in "Götterdämmerung"1), zu der er sich nach langem Überlegen schließlich bereit erklärte, kam es ebenfalls nie.3) Außer den Komponisten wie Giuseppe Verdi1), Hector Berlioz1), Ludwig van Beethoven1) oder Richard Wagner1) neben dem Siegmund ("Die Walküre"1)) und dem "Parsifal"1) brillierte er mit seiner nuancenreichen, ausdrucksstarken Stimme auch als Jäger Erik in "Der fliegende Holländer" sowie als Tristan in "Tristan und Isolde"1) war Vickers zudem ein herausragender Interpret der Titelpartie in der Oper "Peter Grimes"1) von Benjamin Britten1), die er an der "Met" erstmals im Januar 1967 und später Ende der 1970er auch am Londoner "Royal Opera House" sang. Hervorzuheben ist sein Jason1), später Gemahl der Medea1), in "Médée"1) ("Medea") von Luigi Cherubini1) (Musik) mit dem Libretto von François-Benoît Hoffman1), basierend auf der Tragödie "Medea"1) des Euripides1) und dem Drama "Médée" von Pierre Corneille1), den er des öfteren an der Seite der legendären Maria Callas in der Titelpartie der von Jason verstoßenen Medea gab, unter anderem 1958/59 in der "Dallas Opera"1) im texanischen Dallas1) mit Nicola Rescigno1) am Dirigentenpult inszeniert von Alexis Minotis1). Bei den Opernfestspielen im südfranzösischen Orange1)1) ("Chorégies d'Orange") trat er 1974 im antiken "Theater von Orange"1) als römischer Prokonsul Pollione in "Norma"1) von Vincenzo Bellini1) zusammen mit "Titelheldin" Montserrat Caballé1) auf, sowie unter der musikalischen Leitung von Rudolf Kempe1) als Herodes1) in "Salome"1) von Richard Strauss1) mit Leonie Rysanek als Salome1) sowie unter anderem Ruth Hesse1) als deren Mutter Herodias1) und Thomas Stewart1) als Jochanaan1) (Johannes der Täufer); von beiden Aufführungen existieren auf CD veröffentlichte Live-Mitschnitte. Neben den genannten großen Bühnen zeigte Jon Vickers seine Gesangskunst beispielsweise bei der von Sarah Caldwell1) gegründeten "Opera Company of Boston"1), gab dort im Mai 1075 in der von Caldwell inszenierten US-amerikanischen Erstaufführung der Oper "Benvenuto Cellini"1) von Hector Berlioz1) den Renaissance-Künstler Benvenuto Cellini1) → Artikel (englisch) bei www.nytimes.com. Mehrfavh wirkte er mit seinen "Paraderollen" seit Ende der 1950er an der "San Francisco Opera"1) (→ Übersicht bei archive.sfopera.com) sowie seit Anfang der 1960er an der "Lyric Opera of Chicago"1) (→ Übersicht bei lyricopera.org). In Europa ist neben dem Londoner "Royal Opera House"1), der "Mailänder Scala"1), den "Salzburger Festspielen"1) oder der "Wiener Staatsoper"1) auch die "Pariser Oper"1) zu nennen, wo er im März 1978 im "Palais Garnier"1) als Kaiser Nerone/Nero1) in "L’incoronazione Operdi OperPoppea"1) ("Die Krönung der Poppea") von Claudio Monteverdi1) Pubikum und Kritiker gleichermaßen beeindruckte unter der musikalischen Leitung von Julius Rudel1) sangen an seiner Seite Gwyneth Jones1) (Neros 3. Gattin Poppea1)) sowie unter anderem Christa Ludwig1) (Neros 1. Gemahlin Kaiserin Ottavia1)) und Nikolaj Gjaurow1) (Philosoph Seneca1). Wie auch diese Aufführung wurden einige weitere im Fernsehen ausgesrahlt → Übersicht bei der "Internet Movie Database". Darüber hinaus machte sich Vickers einen Namen mit den Tenor-Partien in konzertanten Werken sowie als Interpret des Kunstliedes. Zu seinem Repertoire zählten die Oratorien "The Dream of Gerontius"1) ("Der Traum des Gerontius") von Edward Elgar1), "Messiah"1) und "Samson"1) von Georg Friedrich Händel1) ebenso wie "Messa da Requiem"1) von Giuseppe Verdi1), die "Serenade to Music" von Ralph Vaughan Williams1), die "9. Sinfonie in d-Moll op. 125"1) von Ludwig van Beethoven1) und der sinfonischer Liederzyklus "Das Lied von der Erde"1) von Gustav Mahler1). Als Liedsänger verfügte er über ein enormes Spektrum in englischer, französischer und italienischer Sprache, Werke deutscher Komponisten brachte er im Original zu Gehör so die Zyklen "Winterreise"1) von Franz Schubert1) mit Gedichten von Wilhelm Müller1) und "Dichterliebe"1) von Robert Schumann1) zu Gedichten aus "Lyrisches Intermezzo" von Heinrich Heine1). Aus "Zigeunermelodien" ("Cigánské melodie"), den von Antonín Dvořák1) vertonten Texte von Adolf Heyduk1), stammte auch das bekannte Lied "Als die alte Mutter sang"1) → Übersicht (Auszug) Repertoire. Der Kulturwissenschaftler und Publizist Jens Malte Fischer1) führt in seiner Veröffentlichung "Grosse Stimmen"4) aus: "Als Vickers' größte Interpretationen sind sicher zu Recht sein "Otello"1), sein "Tristan"1) und sein "Peter Grimes" in Brittens gleichnamiger Oper1) bezeichnet worden. Über seine Otello-Interpretation gibt das Otello-Intermezzo Auskunft. Mit dem "Peter Grimes" hat er es geschafft, die Erinnerung an den nun wirklich kategorial anders gearteten Peter Pears1) zumindest schwächer werden zu lassen. ( ) Über seinen "Tristan" gibt es geteilte Ansichten, für mich gehört er mit Lauritz Melchior, Max Lorenz1), Ludwig Suthaus1) und Ramón Vinay1) zu den ganz großen Interpreten dieser Rolle. Die zwiespältige Aufnahme, die Vickers immer wieder erfahren hat, hängt ohne Zweifel mit dem eigentümlichen Stimmklang zusammen, der nicht wegzudiskutieren ist. Vickers' Tenor ist von schier unerschöpflichem Volumen, wohl die größte Stimme seines Faches, die es nach dem Krieg gegeben hat. So üppig sie in der Breite ist, so wenig Spitze hat sie aber auch, und so fehlt diesen stammdicken Tönen oft die notwendige Zentrierung. Jeden anderen Sänger hätte die Notwendigkeit matt gesetzt, die fehlende metallische Durchschlagskraft durch die Ausdehnung in der Breite zu ersetzen, nicht so Vickers, den die Natur mit einer physischen Kraft ausgestattet hat, die an die Zeiten von Leo Slezak, Melchior und Vinay erinnert 4) 1987 nahm Jon VickersAbschied von der Opernbühne und lebte seither zurückgezogen auch eine Zeit lang in seinem Domizil auf den Bermudas1). Für seine ausdrucksstarken Wagner-Interpretationen erhielt Vickers zuletzt im Jahre 2002 den "Anton-Seidl-Preis" ("Anton-Seidl-Award"), von der "Wagner-Society of New York" ins Leben gerufen für exzellente Wagner-Interpretationen an der "Metropolitan Opera" im Andenken an den ungarisch-amerikanischen Dirigenten und Orchesterleiter Anton Seidl1) (1850 1898). Bereits 1968 ernannte man ihn zum "Companion of the Order of Canada", der höchsten Stufe bzw. Auszeichnung für Zivilpersonen des "Order of Canada"1). Zudem würdigte man 1998 seine Lebensleistung mit dem "Governor General's Award"1) in der Kategorie "Performing Arts"/"Klassische Musik" ("Governor General's Performing Arts Award"). Die "Academy of Vocal Arts"1) (AVA) in Philadelphia1) nahm ihn 1985 in ihre "Vocal Arts Hall of Fame for Great American Singers" auf. 1999 erschien von Jeannie Williams die Biografie "Jon Vickers: A Hero's Life" mit einem Vorwort seiner gelegentlichen Partnerin Birgit Nilson1) (1918 2005), in der die Autorin chronologisch Vickers Karriere dokumentiert und auch Einblicke in das Leben des Künstlers "hinter dem Bühnenvorhang" gibt. Der einst gefeierte Heldentenor Jon Vickers starb am 10. Juli 2015 im Alter von 88 Jahren in Ontario1) (Kanada); seit längerer Zeit litt er an der Alzheimer-Krankheit1) und lebte in einem Pflegeheim; eine Grabstelle ist derzeit unbekannt. Vickers hinterließ laut Presseberichten außer seiner Witwe eine Schwester, fünf Kinder, 11 Enkel und zwei Urenkel. Aus seiner ersten, Ende Juli 1953 mit der Lehrerin Henrietta Outerbridge geschlossenen ersten Ehe gingen die fünf gemeinsamen Kinder Allison, William, Jonathan, Kenneth und Wendy hervor. Nach dem Tod von Henrietta, die am 24. November 1991 den Folgen einer Krebserkrankung erlag, heiratete der Tenor Ende März 1993 die ehemalige Flugbegleiterin Judith Stewart (01.10.1939 25.05.2019). Jens Malte Fischer nannte den "Jahrhunderttenor" Vickers in seinem Nachruf in der "Süddeutschen Zeitung" (12.07.2015) "Der Monumentale" und schreibt unter anderem: "Vickers war kein Darsteller der extrovertierten, körperlich agilen Sorte, seine Gestalten waren immer in vokales und darstellerisches Granit gehauene Monumente, unter deren gepanzerter Oberfläche jedoch der pathetische Leidensausdruck jederzeit ausbrechen konnte. ( ) Jon Vickers war ein äußerst eigenwilliger Mann, tief religiös, streng mit sich, den Kollegen und dem Publikum. Vor seinen Zornausbrüchen musste man sich in Acht nehmen. Nie nahm er ein Blatt vor den Mund, was ihn nicht bei allen im Musikbetrieb beliebt machte. Er dürfte der einzige "Tristan" aller Zeiten sein, der es wagte, einen penetranten Dauerhuster im 3. Akt mitten in der Vorstellung anzufahren: "Hören Sie auf mit Ihrem verdammten Husten!" diesen historischen Moment kann man im Netz nachgenießen." (Quelle: sueddeutsche.de) |
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Siehe auch Wikipedia
(deutsch), Wikipedia
(englisch), www.cantabile-subito.de, den Artikel zum 80. Geburtstag (2006) bei oe1.orf.at sowie den Nachruf von Jens Malte Fischer1) bei sueddeutsche.de |
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Fremde Links: 1) Wikipedia, 2) bayreuther-festspiele.de Quelle: 3) Wikipedia (abgerufen 30.09.2011), 4) Jens Malte Fischer: "Grosse Stimmen" (Verlag J. B. Metzler, Stuttgart/Weimar, 1993, S. 469471) |
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