Vico Torriani wurde am 21. September 1920 als Vico Oxens Torriani im schweizerischen Genf geboren. Der Sohn einer Schweizer Familie italienischen Ursprungs wuchs in St. Moritz auf, erlernte dort das Hotelfach, ließ sich zum Konditor und Koch ausbilden und arbeitete später als Skilehrer. Während des 2. Weltkrieges wurde er zum Kriegsdienst eingezogen, wo er sich als Soldat im Selbstunterricht Gitarre und Akkordeon beibrachte; 1943 schwer verletzt, musste zwei Jahre lang im Lazarett verbringen. Nach Kriegsende betätigte sich Torriani zunächst als Oberkellner in Zürich, konnte dann aber 1946 als Sänger Fuß fassen, nachdem er bei einem Gesangswettbewerb in Zürich den ersten Platz belegt hatte. Bis Ende der 1940er Jahre arbeitete er für Radio Zürich und Basel, absolvierte Auftritte in Nachtclubs und nahm auch schon erste Schallplatten auf. Zu seinen ersten Titeln gehörten "Liebes gutes Mütterlein", "Lied der Liebe" oder "Addio, Donna Grazia", die den Sänger mit der einschmeichelnden, melodischen Stimme rasch auch in Deutschland bekannt werden ließen.
 

Vico Torriani am 11. März 1960 beim niederländischen Sender KRO
Rechteinhaber: Nationaal Archief (Bestandsnummer: 911-0896)
Urheber/Fotograf: Henk Lindeboom / Anefo
Lizenz: www.gahetna.nl/over-ons/open-data bzw. CC BY-SA 3.0 NL
Quelle:  bzw. Wikimedia Commons
(Ausschnitt des Fotos  Vico_Torriani_911-0896.jpg‎)

Vico Torriani am 11. März 1960 beim niederländischen Sender KRO; Rechteinhaber: Nationaal Archief (Bestandsnummer: 911-0896); Urheber: Henk Lindeboom / Anefo; Lizenz: www.gahetna.nl/over-ons/open-data bzw. CC BY-SA 3.0 NL
Schmachtende Geigen, seine einschmeichelnde Stimme und südländischer Charme prägten in der Folge sein Image. Doch erst 1954 konnte er mit "Tausend Mandolinen" in Deutschland einen ersten Hit landen und zwei Jahre später fand er mit "Grüß' mir die Damen" auch in der Schweiz ein Millionenpublikum. Weitere Spitzenreiter folgten, wie 1957 "Siebenmal in der Woche" und "Ananas aus Caracas", 1958 kam sein Titel "Schön und kaffeebraun" auf den Markt und 1960 erhielt Torriani für seine Nr. 1 der deutschen Hitparade "Kalkutta liegt am Ganges" eine "Goldene Schallplatte". Unter den "Top 10" waren dann 1961 noch "Cafe Oriental" und 1963 "Pepino". Nach 1964 war Torriani bis Anfang der 1970er Jahre nicht mehr in der Besten-Liste zu finden. In den 1970er Jahren wandte sich der Star dann aber der Volksmusik zu und konnte mit "La Pastorella" ein glanzvolles Comeback im Plattengeschäft verzeichnen. Die Nummer entwickelte sich zu einem Hit der volkstümlichen Szene und Torriani erhielt dafür erneut eine weitere "Goldene Schallplatte".
Im Verlaufe seiner fast 50-jährigen Karriere sang der sympathische Schweizer, der von vielen als Schnulzensänger abgetan wurde, über 500 Titel, verkaufte mehr als 25 Millionen Platten und viele seiner Lieder sind zu Evergreens geworden. Er beherrschte sechs Sprachen und sang in zwölfen; so wie er auf der Bühne und im Fernsehen immer wieder internationale – vorwiegend italienisch gesungene – Titel einstreute, so nahm er regelmäßig nicht nur deutsche, sondern auch Platten auf italienisch, französisch, spanisch oder gar rätoromanisch und hebräisch auf. Gastspielreisen und eigene Tourneen machten ihn in allen Städten Europas populär. Musical-Auftritte in "Can Can" und "Gigi" sowie in den Operetten "Im Weißen Rössl" und "Eine Nacht in Venedig" bewiesen die Vielseitigkeit des Künstlers.
Vico Torriani (Bertram) mit Willy Millowitsch (Robert) in dem Schlagerstreifen "Robert und Bertram" (1961); Foto freundlicherweise zur Verfügung gestellt von "Pidax film"

In etwa einem Dutzend musikalischen Unterhaltungsfilmen der 1950er und 60er Jahre war Torriani auf der Leinwand zu sehen und zu hören. In seinen ersten Filmen steuerte er zwar nur eine Handvoll Gesangs-Einlagen bei, wie beispielsweise 1951 in "Der bunte Traum" oder ein Jahr später in "Meine Frau macht Dummheiten". 1953 mimte er dann in "Straßenserenade" schon die Hauptrolle eines Busfahrers, der zum Gesangsstar aufsteigt, in einer ähnlichen Rolle agierte er 1954 in einem seiner bekanntesten Filme "Gitarren der Liebe", wo es um die Entdeckung eines gesanglichen Naturtalents ging. Ab Mitte der 1950er Jahre folgten Schlagerfilme wie "Ein Herz voll Musik" (1955), "Santa Lucia" (1956), "Der Fremdenführer von Lissabon" (1957) oder "Siebenmal in der Woche" (1957). Meist waren diese Streifen eine Mischung aus schmalzigem Liebes-Weh und sanfter Komik an südlichen Schauplätzen mit viel Musik.
 
Vico Torriani (Bertram) mit Willy Millowitsch (Robert)
in dem Schlagerstreifen bzw. der Komödie "
Robert und Bertram"1) (1961)
Foto freundlicherweise zur Verfügung gestellt von "Pidax film",
welche die Produktion Anfang Juni 2013 auf DVD herausbrachte.
 

Ende der 1950er Jahre war auch das Fernsehen auf Torriani aufmerksam geworden und vertraute ihm eine Reihe von Schlager-Revuen an, in der er auch seine Erfahrungen als Koch einbringen konnte. "Grüezi Vico" war ab 1959 seine erste eigene Fernsehsendung in Deutschland, ebenfalls ab 1959 lief die überaus erfolgreiche TV-Reihe "Hotel Victoria"1), mit der er zehn Jahre lang sein Publikum erfreute. Den eigentlichen Höhepunkt der TV-Popularität erreichte Vico Torriani zwischen 1967 und 1969, als er die Nachfolge Lou van Burgs2) (1917 – 1986) in der ZDF-Spielsendung "Der goldene Schuss"1) antrat. Die Unterhaltungs-Show erzielte Traum-Einschaltquoten von 80 Prozent; danach folgte seine ganz persönliche Sendung "Veni Vidi Vici". Im Alter machte sich Torriani dann noch auch als Autor von Kochbüchern einen Namen.

Seine letzten Lebensjahre verbrachte Vico Torriani, belastet von gesundheitlichen Problemen, zurückgezogen in seiner Villa Solaria in Agno (Tessin), wo er am 25. Februar 1998 nach schwerer Krankheit 77-jährig an Lymphdrüsenkrebs starb. Er hinterließ seine Ehefrau Evelyne (1930 – 2010), die er 1952 geheiratet hatte, sowie die gemeinsamen Kinder, Tochter Nicole und Sohn Reto. Seine letzte Ruhestätte fand der beliebte Unterhaltungsstar auf dem Luganer Hauptfriedhof.
 

Foto: Vico Torriani 1990, aufgenommen in Lugano
Urheber: Wilfried Wittkowsky, Lizenz: CC-by-SA 3.0
Quelle: Wikimedia Commons

Vico Torriani 1990, aufgenommen in Lugano; Urheber: Wilfried Wittkowsky, Lizenz: CC-by-SA 3.0; Quelle: Wikimedia Commons
Siehe auch Wikipedia mit einer Auswahl bekannter Musiktitel
Einige Fotos bei film.virtual-history.com
Link: 1) Wikipedia, 2) Kurzportrait innerhalb dieser HP
  
Kinofilme
Filmografie bei der Internet Movie Database
(Link: Wikipedia)
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