Ewald Balser wurde am 5. Oktober 1898 als elftes und letztes Kind des Maurerpoliers Wilhelm Balser und dessen Ehefrau Mathilde in Wuppertal-Elberfeld geboren, erlernte als junger Mann an einer Kunstgewerbeschule die Goldschmiedekunst. Schon früh interessierte er sich für das Theater, nahm erste Unterrichtsstunden bei dem Hofschauspieler Ludwig Lange am Herzoglichen Theater in Coburg-Gotha, musste dann aber seine Ausbildung wegen des 1. Weltkrieges unterbrechen. 1916 wurde er zum Kriegsdienst einberufen, 1918 übernahm er nach seiner Entlassung zunächst ein Geschäft, konnte dieses jedoch in den schweren Nachkriegszeiten nicht halten und kehrte nach Wuppertal zurück, wo er erneut den Weg zum Theater fand. Als er sich 1919 in Wuppertal-Barmen bei einem Theaterintendanten vorstellte, wurde er sofort engagiert und spielte zunächst kleinere, bescheidene Rollen. Schon 1920 erhielt er eine gut bezahlte Stelle in Basel und wurde dort endlich mit "tragenden" Rollen sowohl in klassischen als auch modernen Stücken besetzt. Danach ging er an das Düsseldorfer Schauspielhaus zu Louise Dumont, wechselte anschließend zu Berthold Viertel nach Berlin und kam schließlich 1928 an das Wiener "Burgtheater".
  
In Wien konnte Balser jedoch zunächst nicht so recht "warm" werden, so dass er nach einem Jahr an die "Münchner Kammerspiele" wechselte. Bereits 1931 kehrte er jedoch endgültig an das "Burgtheater" zurück, trat ab 1933 auch in Berlin als Gast an der "Volksbühne" auf, ab 1935 am "Deutschen Theater" und teilte seitdem seine Tätigkeit zwischen Berlin und Wien auf. Seit 1944 spielte Balser ausschließlich in Wien Theater und lebte auch dort.
Das Bühnenrepertoire Balsers war breit gefächert, er brillierte als "Hamlet" ebenso wie als Junker Tobias in Shakespeares "Was ihr wollt", nur selten gab er jugendliche Liebhaber, glänzte vielmehr mit Rollen gewichtiger Männer und tragischer Helden: so beispielsweise als alternder "Galotti", als "Egmont", "Jedermann", "Tellheim", "Orest", "Karl Moor", "Macbeth", "Wallenstein", "König Lear", "Othello" oder "Marquis Posa", um nur einige seiner herausragenden Titelrollen zu nennen; der "Große Kurfürst" in Kleists "Der Prinz von Homburg" soll eine seiner Lieblingsfiguren gewesen sein. Am "Burgtheater" spielte Balser in seinen letzten aktiven Jahren unter anderem den "Faust", dessen 2. Teil er auch inszenierte, den General Harras in Zuckmayers Drama "Des Teufels General" oder den Advokat Helmers in Ibsens "Nora".
Mitte der 1930er Jahre drehte Balser seinen ersten Film und trat mit Leny Marenbach in Robert Lands "Jana, das Mädchen aus dem Böhmerwald" (1935) auf, erst vier Jahre später erlebte man ihn neben Magda Schneider in Josef von Bákys Melodram "Die Frau am Scheideweg" (1939, Asszony a válaszúton). Damit hatte er sich auch auf der Leinwand als charismatischer Darsteller etabliert, war seitdem vermehrt im Kino zu sehen. Er wurde zum Interpreten einer gehobenen Gesellschaftsklasse, ohne durch Pathos zu übertreiben, und wirkte vor allem dadurch, dass er auch deren menschliche Schwäche zeigte.
Bis Mitte der 1940er Jahre drehte Balser sporadisch Filme wie beispielsweise unter der Regie von Hans Schweikart die Liebesromanze "Befreite Hände"1) (1939), gab erneut mit Schweikart hinter der Kamera einen grandiosen Major von Telheim neben Käthe Gold in der Titelrolle in "Das Fräulein von Barnhelm"1) (1940). Zu seinen herausragenden Leistungen jener Zeit gehört die Darstellung des niederländischen Malers in "Rembrandt"1) (1942; auch: Ewiger Rembrandt2)) in Hans Steinhoffs gleichnamiger Filmbiografie, Produktionen wie Géza von Bolvárys Krimi "Der Dunkle Tag"1) (1943), Paul Verhoevens Komödie "Ein Glücklicher Mensch"1) (1943) oder Hans Steinhoffs Melodram "Gabriele Dambrone"1) (1943, mit Gusti Huber) wurden nicht zuletzt aufgrund Balsers eindringlich-sensiblen Spiels zu Erfolgsfilmen.
DVD-Cover "Arzt ohne Gewissen": Abbildung DVD-Cover mit freundlicher Genehmigung von "Pidax film" Auch im deutschen Nachkriegsfilm gehörte Balser zu den beliebten Darstellern, die facettenreich Leinwandhelden zu gestalten wussten. So war er beispielsweise 1946 neben Rudolf Prack und Marte Harell der Professor Franz Wiesinger in Géza von Cziffras Melodram "Glaube an mich", der Dirigent Olav Svendström in "Das Gestohlene Jahr" (1950). Doch in nachhaltigster Erinnerung bleibt Balser mit den großen Figuren der Zeitgeschichte, etwa als Komponist Ludwig van Beethoven in "Eroica"1) (1949) und in "Das Dreimäderlhaus" (1958), als berühmter Arzt Dr. Ferdinand Sauerbruch in "Sauerbruch – Das war mein Leben"1) (1954; siehe auch Wikipedia) oder als Oberst Redl in "Spionage" (1955).
Dass Balser ein brillanter Theaterschauspieler war, zeigte er in Verfilmungen klassischer und literarischer Vorlagen, so 1955 als "Götz von Berlichingen", als "Wilhelm Tell" (1956), als Philipp II. in "Don Carlos" (1961, mit Walter Reyer in der Titelrolle) oder an der Seite von Heidemarie Hatheyer als tyrannischer kanadische Farmer Caleb Gare in "
Ruf der Wildgänse"2) (1961) nach dem Bestseller von Martha Ostenso. Zu Balsers weiteren Filmen zählen unter anderem "Kinder, Mütter und ein General"2) (1955), "Vater, unser bestes Stück"1) (1957), "Nachtschwester Ingeborg" (1958), "Ohne Mutter geht es nicht" (1958) sowie Falk Harnacks "Arzt ohne Gewissen"3) (1959), ein Genre-Mix aus Arztfilm, Thriller, Drama und Horrorfilm. Hier spielte er den falschen Idealen verhafteten ehrgeizigen Herzspezialisten und Chirurg Professor Lund; mehr zum Film kann man hier  und bei www.tv-kult.com lesen.
 

Abbildung DVD-Cover mit freundlicher Genehmigung von "Pidax film"
Ab Anfang der 1960er Jahre erlebte man den großen Mimen auch vereinzelt auf dem Bildschirm, wo er vornehmlich in TV-Adaptionen sowohl klassischer als auch moderner Bühnenstücke mitwirkte. Unter anderem spielte er 1962 unter der Regie von John Olden den Oberst Brunnthaler in "Leutnant Gustl" (1962) nach Arthur Schnitzler, im gleichen Jahr die Titelrolle in "Donadieu" von Fritz Hochwälder. In dem von Theodor Grädler inszenierten Grillparzer-Stück "Des Meeres und der Liebe Wellen" (1968) war er als Oberpriester zu sehen, letztmalig trat er als "Leonarto" in dem von Otto Schenk inszenierten Shakespeare-Schauspiel "Viel Lärmen um nichts" (1975) im Fernsehen auf.
Ewald Balser ging noch auf Tourneen, als er schon über 70 Jahre alt war; sein Leidensweg begann jedoch im 77. Lebensjahr, als er seinen Text nicht mehr behalten konnte und ihn schließlich sein Krebsleiden die letzten Monate seines Lebens an den Rollstuhl fesselte. Der große Ewald Balser, einer der letzten Repräsentanten einer legendären Theaterepoche, starb am 17. April 1978 in Wien und wurde in einem Ehrengrab der Stadt Wien auf dem Neustifter Friedhof beigesetzt → Foto der Grabstätte bei Wikipedia.
Sein privates Glück fand Balser in seiner zweiten Ehe mit der 14 Jahre jüngeren Schauspielerin Ernestine "Erny" Bauer (1911 – 2006), 1950 hatte das Paar geheiratet; aus der Verbindung stammt Tochter Evelyn, die ebenfalls Schauspielerin wurde. In erster Ehe war Balser mit der österreichischen Schauspielerin Vera Eberle2) (1897 – 1982) verheiratet gewesen.

Ewald Balser wurde für seine Leistungen als Schauspieler mehrfach ausgezeichnet: Im März 1948 wurde er in Anerkennung seiner Verdienste zum "Regisseur des Burgtheaters" ernannt – eine seltene Ehrung. 1952 erhielt er den "Renner-Preis" der Stadt Wien, 1955 das "Große Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich" sowie die "Kainz-Medaille" der Stadt Wien; 1956 wurde er als ordentliches Mitglied in die Deutsche Akademie der Darstellenden Künste in Hamburg aufgenommen, erhielt im September 1958 den Ehrenring der Stadt Wien. Ende 1958 wurde er Mitglied der Berliner Kunstakademie, 1963 überreichte man ihm den "Goldenen Schlüssel" des Düsseldorfer Schauspielhauses". Ewald Balser war Ehrenmitglied des Wiener Burgtheaters und erhielt von der nordrhein-westfälischen Landesregierung den Professorentitel.
  
Im Mai 2004 erschien von Ursula Cerha im Wiener Böhlau-Verlag die Biografie "Ewald Balser – Theater, das berührt, verführt und verändert": "Ich werde es Euch zeigen, Ihr werdet Euch noch wundern, ich werde einmal etwas ganz Besonderes!", kündigte Ewald Balser als Kind seiner Familie an. Dafür erntete er Spott und Prügel zur Abhärtung. Denn damals, an der Wende zum 20. Jahrhundert, konnte sich eine arme deutsche Arbeiterfamilie ein Kind mit realitätsfernen Flausen nicht leisten. Doch er schaffte es und wurde ein berühmter, mit Auszeichnungen und Ehren überschütteter Bühnen- und Filmschauspieler. Gefördert von den Herren des "Literarischen Kränzchens" in Elberfeld, erkannte er die Bedeutung der Sprache "als Mittlerin des Geistes und der Seel" und für einen sozialen Aufstieg.
Die große Luise Dumont am Düsseldorfer Schauspielhaus und Otto Falckenberg an den Münchner Kammerspielen waren u. a. seine kongenialen Lehrer. Sein Durchbruch am Burgtheater, dem er dann 50 Jahre angehörte, gelang erst durch die Unterstützung Alma Mahler-Werfels. Als besonderen Meister der Sprache wünschten sich ihn viele Dichter für Uraufführungen und Lesungen ihrer Werke, wie Arthur Schnitzler, Gerhart Hauptmann, Carl Zuckmayer, Franz Theodor Csokor, Anton Wildgans, Josef Weinheber, Josef Wenter, Frank Thieß, J. B. Priestley u. a.; Ewald Balser spielte an allen bedeutenden deutschsprachigen Bühnen, nahezu alle großen klassischen Rollen. In schwierigen beruflichen, privaten und politischen Phasen seines Lebens war das Schauspiel seine "Therapie". In der Zeit des Nationalsozialismus – des "Theaters als Narkotikum" – setzte er Zeichen des geistigen Widerstandes. Unter anderem wird unvergessen bleiben, wie er in einer "Don Carlos"-Aufführung am Deutschen Theater in Berlin zum anwesenden Josef Goebbels "Geben Sie Gedankenfreiheit, Sire!" so beziehungsvoll sprach, dass das Publikum der Aussage mit tumultartigen Reaktionen zustimmte. Er war ein Mann voller künstlerischer Skrupel und Zweifel. Das machte ihn groß. Später wollte er sich nicht jeder Deutung, jedem Regiestil und Einfall bei der Interpretation von Klassikern unterwerfen und eroberte sich noch im Alter ein neues Fach.
(Quelle: www.boehlau.at)

Siehe auch Wikipedia, www.cyranos.ch
  Fotos bei www.virtual-history.com
 
Link: 1) Murnau-Stiftung, 2) Wikipedia, 3) filmportal.de
   
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Filmografie bei der Internet Movie Database
(Link: Murnau Stiftung, Wikipedia, filmportal.de)
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