Willy Birgel 1955 am Rande einer Presseveranstaltung in Frankfurt am Main; Urheber: Kurt Liese (1915 – 2010; "Harald-Reportagen"); Quelle: Wikipedia bzw. Wikimedia Commons; Lizenz: CC-BY-SA 3.0. Willy Birgel wurde am 19. September 1891 als Wilhelm Maria Birgel und Sohn des Goldschmiedes Johann Heinrich Birgel in Köln geboren, wuchs dort zusammen mit fünf Geschwistern, vier Brüdern und einer Schwester auf. Er besuchte nach der Volks- bzw. Oberrealschule zunächst auf Wunsch seines Vaters die Kunstgewerbe- und Handwerkerschule in Köln, anschließend die Kunstakademie in Düsseldorf, da er den väterlichen Betrieb übernehmen sollte. Beeindruckt durch Maurice Maeterlincks Drama "Monna Vanna", welches er als 16-jähriger sah, beschloss er dann jedoch Schauspieler zu werden, wirkte heimlich bei einer heimischen Laienbühne mit und trat schließlich 1910 nach erfolgreicher Aufnahmeprüfung in die Kölner Schauspielschule ein. Seine auffallend guten Leistungen brachten ihm drei Jahre später einen ersten Vertrag am Stadttheater in Bonn ein, wo er unter der Intendanz von Hofrat Beck zunächst jedoch nur mit kleineren Nebenrollen betraut wurde. Dann wurde seine Laufbahn zunächst durch den Ersten Weltkrieg unterbrochen. Birgel rückte im November 1914 als Artellerist ins Feld, wurde durch einen Granatsplitter am Fußschwer verwundet und kämpfte dann nach seiner Genesung bis Kriegsende an der Westfront.
Nach kurzfristigen Engagements in Dessau und Koblenz fand er 1919 am Aachener Stadttheater als "Charakterliebhaber und Bonvivant" eine längerfristige Anstellung. Ab 1924 wurde er dann für zwölf Jahre Mitglied des Mannheimer National-Theaters, wo er sich zum eindrucksvollen Charakterdarsteller entwickelte.
 
Foto: Willy Birgel 1955 am Rande einer Presseveranstaltung in Frankfurt am Main
Urheber: Kurt Liese (1915 – 2010); → Harald-Reportagen
Quelle: Wikipedia bzw. Wikimedia Commons
Lizenz: CC-BY-SA 3.0.
Seine besten Rollen waren unter anderem der Shakespeare'sche "Hamlet", der Franz Moor in Schillers "Die Räuber", der Mephisto in Goethes "Faust", der Gessler in Schillers "Wilhelm Tell", Shakespeares "Heinrich IV." oder die Titelrolle in "Der König Kandaules", einem Drama von André Gide (Le Roi Candaule), das 1905 vom Berliner Bohémien Franz Blei ins Deutsche übertragenen worden war.
  
Bei einem Gastspiel des Mannheimer Nationaltheaters in Berlin wurde Birgel 1934 in dem Cremer'schen Schauspiel "Die Marneschlacht" als Oberstleutnant Hensch die große Überraschung für Kritik, Publikum und Bühnenleiter. Die Ufa trat an ihn heran und als bereits 43-Jähriger begann seine steile Filmkarriere mit einer prägnanten Nebenrolle in Paul Wegeners "Ein Mann will nach Deutschland"1) (1934), gefolgt von der Figur des Sekretärs Petroff in Arthur Robisons "
Fürst Woronzeff"1) (1934) mit Albrecht Schoenhals in der Titelrolle.
 
Nach anfänglichem Pendeln zwischen Mannheim und Berlin siedelte Birgel 1936 endgültig nach Berlin über, wo er sich bald nicht nur am Theater – vornehmlich an Eugen Klöpfers "Volksbühne" –  in tragenden Rollen einen Namen als charismatischer Charakterdarsteller machte. Sein Typ war selten der charmanten Draufgänger, vielmehr geriet er zum Inbegriff des eleganten, noblen, kultivierten Weltmannes reiferen Alters, den er fortan beispielsweise als untadeliger Arzt, hoher Offizier, Dirigent oder Erfinder auch auf der Leinwand verkörperte. 

Foto: Willy Birgel und Alberth Florath (rechts) in "Diesel"1)
einem Historienfilm aus dem Jahre 1942 
Foto mit freundlicher Genehmigung der Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung

Willy Birgel und Alberth Florath (rechts) in "Diesel", einem Historienfilm aus dem Jahre 1942; Foto: Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung
1935 sah man ihn in populären Produktionen wie dem musikalischen Historienfilm "Barcarole"1), Gustav Ucickys Jeanne d'Arc-Verfilmung "Das Mädchen Johanna"1) oder Paul Martins "Schwarze Rosen"1). Als charmanter Grandseigneur wirkte er in unzähligen Kinoproduktionen an der Seite der großen Ufa-Stars mit, so unter anderem neben Zarah Leander in "Zu neuen Ufern"2) (1937), "Der Blaufuchs"1) (1938) und "Das Herz der Königin"2) (1939).  
Wegen seiner Mitwirkung in nationalsozialistischen Propagandastreifen wie "
Ritt in die Freiheit"1) (1937), "Feinde"1) (1940) oder der Rolle des Rittmeisters Ernst von Brenken in dem Kassenschlager "…reitet für Deutschland" (1941) war Birgel nach dem Zweiten Weltkrieg von den Alliierten zunächst mit einem zweijährigen Auftrittsverbot belegt worden, aber bald sah man den Künstler wieder erfolgreich mit vielen eindrucksvollen Figuren auf der Leinwand. Auch auf der Bühne konnte er seine Triumphe fortsetzen, so unter anderem als General Harras in Zuckmayers "Des Teufels General", außerdem brillierte er beispielsweise in den Dramen "Das letzte Abenteuer" von Sándor Márai oder "Rebecca" von Daphne du Maurier. Einen langersehnten Wunsch erfüllte er sich 1959 mit einem mehrjährigen Engagement am Schauspielhaus Zürich und seit Mitte der 1960er Jahre trat er auch am Bayerischen Staatsschauspiel auf. Birgel setzte bis zum Tod seine Bühnenlaufbahn erfolgreich fort und war auch im Fernsehen zu sehen. Noch mit fast 80 Jahren spielte er 1971 die Hauptrolle in der Komödie "Sind wir das nicht alle?" am Kölner Theater am Dom; neben seiner umfangreichen Arbeit für Bühne, Film und Fernsehen war Birgel als Dozent an der Essener "Folkwang-Schule" tätig.

Die Zugkraft Birgels im deutschen Nachkriegsfilm blieb viele Jahre lang ungebrochen und er konnte seine fraglos starke schauspielerische Persönlichkeit in zahllosen Filmen, wenn auch oft in Melodramen und Heimatfilmen, vor allem in den 1950er Jahren zeigen: Nach seinem ersten Nachkriegsfilm "Zwischen gestern und morgen"2) (1947) unter der Regie von Harald Braun folgten so kassenträchtige Streifen wie "Vom Teufel gejagt"2) (1950), "Das ewige Spiel"2) (1951), "Wenn die Abendglocken läuten" (1951), "Mein Herz darfst du nicht fragen" (1952), "Heidi"2) (1952), "Der Kaplan von San Lorenzo"2) (1952), "Sterne über Colombo"2) (1953) und die Fortsetzung "Die Gefangene des Maharadscha" (1954), "Konsul Strotthoff" (1954) oder "Rittmeister Wronski"2) (1954) – eine Paraderolle für den Leinwandstar. Die "Heidi"-Fortsetzung "Heidi und Peter"2) (1955), Melodramen wie "Ein Mann vergisst die Liebe" (1955), "Die Toteninsel" (1955), "Rosenmontag" (1955, auch Regie), "Rosen für Bettina" (1956), "Johannisnacht"2) (1956) waren weitere Highlights mit Willy Birgel. Bis Anfang der 1960er Jahre drehte er Streifen wie "Zwischen Zeit und Ewigkeit" (1956), "Ein Herz kehrt heim" (1957), "Frauenarzt Dr. Bertram" (1957), "Der Priester und das Mädchen"2) (1958), "Liebe kann wie Gift sein"2) (1958), "Arzt aus Leidenschaft" (1959), "Geliebte Bestie" (1959), "Frau Cheneys Ende"2) (1961) oder "Romanze in Venedig"2) (1962). Seine letzten bedeutenden Leinwandauftritt hatte Birgel 1966 als alternder Jagdschriftsteller in Peter Schamonis "Schonzeit für Füchse"2) (1965), die Mitwirkung in Helmut Förnbachers Krimi "Sommersprossen"2) (1968) ist eher zu vernachlässigen.
 

DVD-Cover mit freundlicher Genehmigung von www.e-m-s.de

Rittmeister Wronski
Zu seinen wichtigsten Fernsehproduktionen zählen Literaturadaptionen und Theateraufzeichnungen wie "Die Möwe" (1963) von Anton Tschechow, "Die Sakramentskarosse" (1964) nach dem Buch von Prosper Mérimée, Max Frischs "Andorra" (1965) sowie 1966 seine Rolle des Richters in "Der Kreidegarten" nach dem Schauspiel von Enid Bagnold.
Seine kultivierte Männlichkeit nach Gutsherrenart prädestinierte ihn für aristokratische Figuren, auch wo er bürgerliche Nobelmänner im Frack spielte. Er galt schnell als der "nationale Schauspieler des deutschen Films", dessen Ritterlichkeit vom Rücken der Pferde herab besonders gut wirkte. Willy Birgel spielte auch nach 1945 nur in Birgel-Tradition die erstklassigen Offiziere, russischen Gouverneure, eleganten Ratsherren, Industriellen mit feiner Lebensart, den Konsul Strotthoff und den Rittmeister Wronski. Seine große, straffe Gestalt, die dunklen Augen und der volle Mund mit den etwas angegriffenen, scharfen Falten daneben, ließen ihn auch als Liebhaber mit wehmütiger Noblesse und innerer Contenance glänzen.3)
  
reitet für Deutschland:

Nach einer von Clemens Laar bearbeiteten Biographie des Rittmeisters Carl-Friedrich Freiherr von Langen
(1887–1934)
Erstaufführung: 11.04.1941 in Hannover
Regie: Arthur Maria Rabenalt
Drehbuch: Josef Maria Franck, Fritz Reck-Malleczewen, Dr. Richard Riedel
Kamera: Werner Krien
Musik: Alois Melichar
Darsteller: Willy Birgel (Rittmeister von Brenken), Herbert A.E. Böhme (Olav Kolrep), Paul Dahlke (Dolinski), Gertrud Eysoldt (Tante Ulle), und andere
  
Der Rittmeister Ernst von Brenken (Willy Birgel) erhält im Ersten Weltkrieg den Auftrag, mit dem von ihm ausgewählten Pferd Harro eine wichtige Nachricht zu überbringen. Als er dabei von polnischen Legionären entdeckt und angeschossen wird, fällt er vom Pferd, das aber Hilfe von einem deutschen Posten holt. Nachdem der Krieg beendet ist, bleibt Brenken durch die einstige Rückenmarksquetschung weiterhin ans Bett gefesselt. Doch der erfahrene Tournierreiter will kein Leben als Invalide führen und richtet sich zum erstaunen der Ärzte auf. Eines Tages macht ihn sein ehemalige Kamerad auf das Pferd "Harro" aufmerksam, der inzwischen mehrmals den Besitzer gewechselt hat. Brenken erwirbt das Pferd, das ihm alles bedeutet und sitzt eines Tages sogar wieder auf dessen Rücken. Um sein hoch verschuldetes Gut vor der Pfändung zu bewahren, meldet sich Brenken für den Großen Preis von Europa an. Doch die Zuschauer erschweren ihm den Start mit Harro durch laute Zwischenrufe und Pfiffe…
 
Siehe auch Murnau Stiftung, Wikipedia
Link: Wikipedia; Kurzportrait innerhalb dieser HP
Wenn die Abendglocken läuten

Heimatfilm nach dem Lied "Les Trois Cloches" von Jean Villard (1895–1982)
Erstaufführung: 21.12.1951
Regie Alfred Braun
Drehbuch: Werner P. Zibaso, Hans Scheffel
Kamera: Georg Krause
Musik: Willy Schmidt-Gentner; Jean Villard (Lieder)
Darsteller: Willy Birgel, Maria Holst, Hans Holt, Paul Hörbiger, Peter Voss, Käthe Haack, und andere
  
Beim Spielen im Mühlbach hat Michael (Hans Holt), der Sohn des Dorflehrers und Kantors Storm (Paul Hörbiger), das Töchterchen des Gutsherrn von Brenda (Peter Voss), seine kleine Freundin Rosemarie (Julia Fjorsen), vor dem Ertrinken gerettet. Herr von Brenda übernimmt, um ihn zu belohnen, die Kosten für Michaels Schulausbildung und das von dem Jungen so ersehnte Musikstudium. Aber damit ist für die beiden Kinder auch die Trennungsstunde gekommen. Der Abschied fällt ihnen schwer, doch sie versprechen sich, immer ganz fest aneinander zu denken. Jahre vergehen. Michael ist erwachsen und ein begabter Musikstudent geworden. Auch Rosemarie hat sich zu einer hübschen Frau entwickelt. Doch ihr Vater will Sie mit dem reichen und viel zu alten Nachbarn, Herrn von Finke (Willy Birgel), vermählen. Da Michael völlig mittellos dasteht, rät er schweren Herzens seiner geliebten Rosemarie, dieser Heirat einzuwilligen. Zur Hochzeit komponiert Michael das Lied seiner Sehnsucht …

DVD-Cover mit freundlicher Genehmigung von www.e-m-s.de

Siehe auch Wikipedia
Link: Wikipedia (deutsch/englisch); Kurzportrait innerhalb dieser HP
Wenn die Abendglocken läuten
   
Grabstelle von Willy Birgel auf dem Kölner Friedhof "Melaten" (Lit. D); Copyright Wilfried Paqué An Auszeichnungen erhielt Willy Birgel unter anderem 1961 den "Bambi"2) und den "Deutschen Filmpreis", 1966 das "Filmband in Gold"2) für "langjähriges und hervorragendes Wirken im deutschen Film" und 1972 den "Grillparzer-Ring" der Stadt Wien.
Willy Birgel starb am 29. Dezember 1973 mit 82 Jahren an Herzversagen in Dübendorf bei Zürich, wo er seit Mitte der 1960er Jahre gewohnt hatte. Seine letzte Ruhe fand er auf dem Kölner Friedhof "Melaten". Der Nachlass befindet sich im "Städtischen Reiss-Museum" in Mannheim (Wilhelm Hermann: "Willy Birgel. Leben und Dokumente", Bildhefte des "Städtischen Reiss-Museums" Mannheim, Nr. 7).
 
Der Grandseigneur des deutschen Films war in erster Ehe seit 1913 mit seiner Kollegin, der Schauspielerin Carola Cajetan verheiratet, die er am Bonner Stadttheater kennengelernt hatte; aus der Verbindung stammte der 1914 geborene Sohn Georg. Nach der Scheidung (1940) ging Birgel noch im gleichen Jahr seine zweite Ehe mit der Schauspielerin Charlotte Michael ein, auch diese Ehe endete trotz einer gemeinsamen Tochter Christine (geb. 1942) 1968 vor dem Scheidungsrichter.
 
1979 erschien von von E. Mertens das Buch "Reitet für Deutschland – Das große Willy-Birgel-Erinnerungsbuch", unter anderem mit umfangreichem Fotomaterial.

 

Foto: Grabstelle von Willy Birgel auf dem Kölner Friedhof  "Melaten" (Lit. D)
© Wilfried Paqué

Link: 1) Murnau-Stiftung, 2) Wikipedia
Quelle: 3) "Lexikon der deutschen Film- und TV-Stars" von Adolf Heinzelmeier/Berndt Schulz, Ausgabe 2000, S. 40
   Siehe auch Wikipedia, www.dhm.de, www.cyranos.ch
sowie Institut für Theaterwissenschaft  und www.rheinische-geschichte.lvr.de
Umfangreiches Fotomaterial bei film.virtual-history.com
  
Kinofilme
Filmografie bei der Internet Movie Database
(Link: Murnau Stiftung, filmportal.de, Wikipedia)
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