Willy Fritsch vor 1929; Urheber bzw. Nutzungsrechtinhaber: Alexander Binder (1888 – 1929); Quelle: www.virtual-history.com Willy Fritsch wurde am 27. Januar 1901 als Wilhelm Egon Fritz Fritsch im oberschlesischen Kattowitz (heute: Katowice/Polen) als Sohn des Landwirts und Maschinenfabrikanten Lothar Fritsch und dessen Frau Anni (geb. Bauckmann) geboren. Nachdem der Vater mit seiner Firma Konkurs anmelden musste, zog er 1910 zunächst alleine nach Berlin und arbeitete als Betriebsleiter beim Unternehmen Siemens, zwei Jahre später holte er seine Familie nach. Nach der Schule begann Sohn Willy 1915 zunächst eine Lehre als Mechaniker bei Siemens, brach diese jedoch ab und betätigte sich als Botenjunge und Hilfsschreiber beim Berliner Landgericht. 1919 entschied sich Willy Fritsch für eine künstlerische Laufbahn, schnupperte als Komparse Theaterluft und nahm schließlich Schauspielunterricht an der 1905 von Max Reinhardt1) (1937 – 1943) gegründeten Schauspielschule des "Deutschen Theaters".
Erste kleinere Rollen am "Deutsche Theater" schlossen sich an, doch Fritsch wandte sich schnell dem neuen Medium Film zu. 1921 war er erstmals in dem stummen Streifen "Miss Venus" zu sehen, in rascher Folge drehte er weitere stumme Dramen oder Komödien wie "Die kleine Midinette" (1921), "Gelbstern" (1921), "Schande" (1922), "Die Fahrt ins Glück" (1923), "Seine Frau, die Unbekannte"2) (1923), "Die Carmen von St. Pauli"2) (1925), "Der Farmer aus Texas"2) (1925), "Die Sieben Töchter der Frau Gyurkovics"2) (1927), "Ungarische Rhapsodie"2) (1928 oder "Der Tanzstudent"2) (1928).
 
 
Foto: Willy Fritsch vor 1929
Urheber bzw. Nutzungsrechtinhaber: Alexander Binder1) (1888 – 1929)
Quelle: www.virtual-history.com; Angaben zur Lizenz siehe hier
In etlichen Ufa-Produktionen avancierte er an der Seite von Stummfilmstars wie Henny Porten3) (1890 – 1960), Ossi Oswalda3) (1897 – 1947) oder Lilian Harvey3) (1906 – 1968) zum Publikumsliebling. Mit Henny Porten drehte er beispielsweise das Melodram "Mutter und Kind"1) (1924), mit Ossi Oswalda die Lustspiele "Blitzzug der Liebe"2) (1925) und "Das Mädchen mit der Protektion"2) (1925), machte Furore als jugendlich-eleganter Charmeur und Liebhaber. Lediglich in "Die Boxerbraut"2) (1926) und "Schuldig"2) (1927) sowie in den Filmen von Fritz Lang, "Spione"2) (1927) und "Frau im Mond"2) (1929) wich er von diesem Image ab. Auch international wurde Fritsch schon früh bekannt, der 1925 entstandene Film "Ein Walzertraum"2) lief auch in den USA erfolgreich.
Seinen ersten Film mit seiner bevorzugten Partnerin Lilian Harvey drehte Fritsch 1926, "Die keusche Susanne" hieß die Operettenverfilmung, danach folgte die Literaturadaption "Ihr dunkler Punkt"2) (1928). An der Seite von Lilian Harvey sollte er noch zehn weitere Filme drehen und in den 1930er Jahren mit ihr zum Traumpaar der Leinwand avancieren.

Foto: Willy Fritsch vor 1929
Urheber bzw. Nutzungsrechtinhaber: Alexander Binder1) (1888 – 1929)
Ross-Karte Nr. 1224/1; Quelle: www.virtual-history.com bzw.
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Willy Fritsch vor 1929; Urheber bzw. Nutzungsrechtinhaber: Alexander Binder (1888 – 1929); Ross-Karte Nr. 1224/1; Quelle: www.virtual-history.com bzw. Wikimedia Commons
Willy Fritsch 1927; Urheber bzw. Nutzungsrechtinhaber: Alexander Binder (1888 – 1929); Quelle: Wikipedia; Ross-Karte Nr. 1224/3 (Ausschnitt); Lizenz: Die Schutzdauer (von 70 Jahren nach dem Tod des Urhebers) für das von dieser Datei gezeigte Werk ist nach den Maßstäben des deutschen, des österreichischen und des schweizerischen Urheberrechts abgelaufen. Es ist daher gemeinfrei. Mit "Melodie des Herzens"2) startete Willy Fritsch Mitte Dezember 1929 eine noch größere Karriere als Tonfilm-Star und war nach erfolgreichem Gesangsunterricht als Interpret von den Liedern "Bin kein Hauptmann, bin kein großes Tier" und "Sieben Sterne hat der Große Bär" auch als Sänger gefragt. Mit dem Operettenfilm "Liebeswalzer"2) (1930) spielte sich das Gespann Fritsch/Harvey endgültig in die Herzen des Publikums, der Song "Du bist das süßeste Mädel der Welt" geriet fortan zum Synonym für die Harvey.
Anschließend drehten beide unter der Regie von Gustav Ucicky den Kassenschlager "Hokuspokus"2) (1930), die erste Verfilmung des gleichnamigen Bühnenstücks von Curt Goetz3) (1888 – 1960); siehe auch Filmbeschreibung bei Wikipedia); der in dieser Krimikomödie gesungene Song "Ich will Deine Kameradin sein" wurde ebenfalls zum Evergreen. Das "Lexikon des internationalen Films" notiert: "Eine höchst unterhaltsame Kriminalkomödie. Inszenatorisch steif und eher wie eine Theateraufführung anmutend, dafür äußert pointiert im Dialog, der von den Darstellern mit ironischem Unterton elegant serviert wird." In der, wegen der noch nicht manifestierten Synchronisationstechnik parallel gedrehten englischsprachigen Version "The Temporary Widow"2), traten neben der sprachbegabten Lilian Harvey zum Teil andere Darsteller auf, so übernahm der legendäre Sir Laurence Olivier3) (1907 – 1989) den Fritsch-Part des mysteriösen Peter Bille.
Mit Wilhelm Thieles heiteren Geschichte "Die Drei von der Tankstelle"1) kam dann 1930 ein Film in die Lichtspielhäuser, der bis heute zu den Klassikern des Genres zählt. Neben den Stars Lilian Harvey und Willy Fritsch sowie Oskar Karlweis3) (1894 – 1956) tauchte noch ein anderer Schauspieler auf, der bald schon zu den ganz Großen der deutschen Filmszene zählen sollte – Heinz Rühmann3) (1902 – 1994).
 
Foto: Willy Fritsch 1927
Urheber bzw. Nutzungsrechtinhaber: Alexander Binder1) (1888 – 1929)
Quelle: Wikipedia; Ross-Karte Nr. 1224/3 (Ausschnitt)
Angaben zur Lizenz siehe hier
 
Die Geschichte:
Drei Freunde ( Willy Fritsch, Heinz Rühmann, Oskar Karlweis) leben im Luxus und Reichtum, stehen aber plötzlich vor dem Bankrott und haben den Gerichtsvollzieher (Felix Bressart) im Haus. Knapp entkommen sie mit ihrem Auto als letzter Habe, aber als diesem das Benzin ausgeht, stehen sie allein auf einer Landstraße. Sie beschließen, das Auto zu verkaufen und hier eine Tankstelle aufzumachen. Und die erste Kundin (Lilian Harvey) lässt nicht lange auf sich warten, um deren Liebe sie dann konkurrieren… Mit Hilfe von Konsul Cossmann (Fritz Kampers) und dessen Freundin Edith (Olga Tschechowa) wird die Zukunft aller drei gesichert und Willy erhält die schöne Lilian.

Liest man heute die Handlung des Films, kann man nicht begreifen, dass er ein so großer Erfolg wurde: Ein Rechtsanwalt diktiert singend seine Post, Einbrecher räumen tanzend eine Villa aus und der Gerichtsvollzieher pfändet im Dreivierteltakt. Doch ganz Deutschland wollte dieses "Tagesgespräch" sehen und alle sangen die Lieder dieses Films, der zur damaligen Zeit ganz etwas Neues war und für das später in Amerika die Bezeichnung "Musical" geprägt wurde.5)
Auch hier wurde eine fremdsprachige respektive französische Version gedreht, Henri Garat (1902 – 1959) spielte in "Le chemin du paradis"2) den Part des Willy Fritsch, René Lefèvre (1898 – 1991) den von Hans Rühmann. Lieder wie "Ein Freund, ein guter Freund", "Lieber guter Herr Gerichtsvollzieh'r" oder "Liebling, mein Herz lässt Dich grüßen" gerieten zu Gassenhauern, das "Lexikon des internationalen Film" vermerkt: "Der berühmt gewordene Film, der durch seinen virtuosen Umgang mit Erzählung, Tanz und integrierter Musik eine neue filmische Form erfand, mit der er das US-Musical vorwegnahm." Bei prisma-online kann man lesen: "Der schwungvolle, sehr unterhaltsame Film erfand durch den virtuosen Umgang mit Erzählung, Tanz und integrierter Musik eine damals neue filmische Form: das Musical. Er ließ die kleine Handlung mit Liedern besingen, die äußerst populär wurden (…) und den Erfolg des Films mitbegründeten."; siehe auch die Filmbeschreibung bei der Murnau Stiftung.
Der Film "Die drei von der Tankstelle" bekam zwar 1930 zunächst Jugendverbot, wurde dann doch genehmigt und 1937 erneut verboten, "da er die öffentliche Ordnung gefährde und die an einen deutschen Film zu stellenden Anforderungen nicht mehr erfülle".

 
In der nachfolgen musikalischen Ehekomödie "Einbrecher"1) (1930) war Rühmann als charmant-eleganter Monsieur Sérigny ebenfalls wieder an der Seite des Traumpaares Fritsch/Harvey, trällerte unter anderem mit Willy Fritsch das Lied "Ich laß' mir meinen Körper schwarz bepinseln". Auch wenn der ganz große Erfolg an den Kinokassen eher ausblieb, hatte Regisseur Hanns Schwarz1) (1888 – 1945) mit "Einbrecher"2) doch eine vergnügliche Geschichte auf die Leinwand gebracht. 1931 kam dann ein Film in die Lichtspielhäuser, der bis heute ebenfalls unvergessen geblieben ist: In der von Erik Charell1) (1894 – 1974) aufwendig gedrehten Romanze "Der Kongreß tanzt"1) (1931) mimte Fritsch den russischen Zar Alexander, der sich in ein Mädchen aus dem Volk verliebt.

Die Geschichte:
Wien 1814: In der Donaumetropole Wien sind die Fürsten und Diplomaten Europas versammelt, um den Sieg über Napoleon zu feiern und neue Grenzen auszuhandeln. Doch statt sich um die Politik zu kümmern, geben sich die Kongressdelegierten lieber ausgiebigen Tanzabenden hin.
Derweil nutzt die temperamentvolle Handschuhmacherin Christl Weinzinger (Lilian Harvey) dieses Ereignis, um für ihren kleinen Laden ein bisschen Reklame zu machen und gerät dabei an den Zaren Alexander (Willy Fritsch).
Eine aufregende Romanze beginnt. Fürst Metternich (Conrad Veidt), der politische Schwierigkeiten befürchtet, mischt bei diesem Spiel seinerseits mit. Und während der Zar und seine Christl und mit ihnen der ganze Kongress tanzt, zieht Napoleon in Frankreich ein.
  
Quelle: Dirk Jasper FilmLexikon; siehe auch Filmbeschreibung der Murnau-Stiftung sowie ein Filmplakat bei www.dhm.de

Der Kongreß tanzt" war der erste große Musikfilm des deutschen Tonfilms. Regisseur Erik Charell war in Berlin Regisseur großer Revuen und Operetten und setzte seinen Revuestil nun auch auf der Leinwand in Perfektion um. Der Film ist geprägt von für die damalige Zeit hohem Tempo und großen Ballszenen. Zum größten Erfolg des Films wurde "Christels Lied", besser bekannt unter dem Namen "Das gibt's nur einmal" (Musik: Werner Richard Heymann, Text: Robert Gilbert). Ebenfalls sehr bekannt ist Paul Hörbigers Heurigenlied "Das muss ein Stück vom Himmel sein", "Wien und der Wein …", bei dem Heymann die Melodie des Walzers "Mein Lebenslauf ist Lieb und Lust" von Josef Strauss verwendet. Der Film erlebte seine Uraufführung am 29. September 1931 in Wien und lief ab dem 20. Oktober 1931 in den deutschen Kinos.4) Auch hier gab es wieder nicht-deutschsprachige Fassungen, sowohl in der französischen Version "Le congrès s'amuse"2) als auch in der englischen Version "Congress Dances" übernahm Henri Garat die Rolle von Willy Fritsch. Lilian Harvey spielte in allen drei Filmen die weibliche Hauptrolle der jungen Handschuhmacherin Christel Weinzinger, die sich in den russischen Zaren verliebt.

Gleich mit zwei attraktiven Männer bzw. zwei Willys bekam es Lilian Harvey dann in "Ein blonder Traum"2) (1932) zu tun – Willy Fritsch und Willi Forst3)  (1903 – 1980) als die beiden jungen Fensterputzer Willy I und Willy II waren ihre Partner in der von Paul Martin1) in Szene gesetzten Komödie. Auch hier gab es wieder unvergessliche Schlager, so beispielsweise "Irgendwo auf der Welt gibt's ein kleines bisschen Glück" oder "Wir zahlen keine Miete mehr". In der französischen Fassung "Un rêve blond"2) buhlten dann Pierre Brasseur3) (1905 – 1972) und erneut Henri Garat um die schöne Jou-Jou, in der englischen Version "Happy Ever After"2) die britischen Schauspieler Jack Hulbert1) (1892 – 1978) und Sonnie Hale1) (1902 – 1959).
Am 23. Dezember 1935 gelangte Paul Martins deutschsprachige Version des in England gedrehten Melodrams "Did I Betray"2) unter dem Titel "Schwarze Rosen"2) in die Lichtspielhäuser, der Streifen wurde vom Publikum jedoch nicht gerade mit Enthusiasmus aufgenommen, obwohl Willy Fritsch an Harveys Seite war. Die witzige, ebenfalls von Paul Martin inszenierte Screwball-Komödie "Glückskinder"2) (1936; französische Version: Les gais lurons), in der Willy Fritsch zum x-ten Male nach Umwegen das Herz von Lilian Harvey erobern konnte, ließ jedoch erneut die Kinokassen klingeln; der von Peter Kreuder1) (1905 – 1981) komponierte und von Lilian Harvey, Oskar Sima, Paul Kemp und Willy Fritsch geschmetterte Ohrwurm "Ich wollt' ich wär' ein Huhn" bleibt unvergessen. Ebenso legendär wurde das Lied "Ich tanze mit Dir in den Himmel hinein" aus der erneut von Paul Martin inszenierten Komödie "Sieben Ohrfeigen"2) (1937). Letztmalig konnte man Willy Fritsch und Lilian Harvey in Paul Martins Komödie "Frau am Steuer"2) (1939) bewundern. Im Frühjahr 1939 verließ "der blonde Traum" Deutschland, lebte in ihrer südfranzösischen "Villa Asmodée". Als die Deutschen Südfrankreich besetzten, flüchtete sie im Juni 1941 über Barcelona und Lissabon nach Amerika und ließ sich im Oktober in Hollywood nieder.
 
Zwar drehte Willy Fritsch auch mit anderen Partnerinnen erfolgreiche Filme, doch in der Rückschau wird sein Name stets mit Lilian Harvey in Verbindung gebracht. Mehrfach eroberte er auf der Leinwand das Herz der der schönen Käthe von Nagy3) (1904 – 1973), so in der heiteren Romanze "Ihre Hoheit befiehlt"2) (1931), in dem Musikfilm "Ronny"2) (1931), in "Ich bei Tag und Du bei Nacht"2)  (1932) und in der Literaturadaption  "Prinzessin Turandot"2) (1934). Für Camilla Horn3) (1903 – 1996) war er "Der Frechdachs"2) in Carl Boeses gleichnamigen Komödie, in "Des jungen Dessauers große Liebe"2) (1933) erlebte man Alice Treff3) (1906 – 2003) an seiner Seite. Als smarter Lufthansa-Kapitän gab es mit Jutta Freybe3) (1917 – 1971) in dem Krimi "Gewitterflug zu Claudia"2) (1937) schließlich doch noch ein Happy End, in dem von Gerhard Lamprecht inszenierten Melodram "Die Geliebte"2) (1939) endet die Affäre des eleganten Oberleutnants Adalbert von Warp (Willy Fritsch) zu einer Blumenverkäuferin, gespielt von Viktoria von Ballasko3) (1909 – 1976), in einer Tragödie. In dem Ende Juli 1936 uraufgeführten Film "Boccaccio"2) mimte er den Schreiber Petruccio und trällerte mit seiner Filmehefrau Heli Finkenzeller3) (1914 – 1991) unter anderem das Lied "Alles, alles tu ich aus Liebe zu Dir".
  
Auch während des NS-Regimes wurde Fritsch, der zu den bestbezahlten Schauspielern seiner Zeit zählte, überwiegend gemäß seinem Film-Image als Charmeur und Frauenschwarm besetzt; für Propagandazwecke der braunen Machthaber ließ er sich trotz seiner Mitgliedschaft in der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei (NSDAP) bis auf wenige Ausnahmen – etwa Herbert Maischs propagandistisches Abenteuer "Menschen ohne Vaterland"2) (1937), Hans Weidemanns kriegsverherrlichender Streifen "Anschlag auf Baku"2)  (1942) oder Alfred Weidenmanns "Junge Adler"2) (1944) – nicht einspannen. Mit zunehmendem Alter wandte er sich mehr und mehr dem Charakterfach zu, wie etwa mit der Titelrolle bzw. der Figur des Jupiter in Reinhold Schünzels Kleist-Adaption "Amphitryon"2) (1935) oder der Rolle des Richard Hellwerth in Robert A. Stemmles Literaturadaption "Am seidenen Faden"2) (1938).
Weitere Produktionen mit Willy Fritsch in den 1930er Jahren waren unter anderem Gustav Ucickys Krimi "Im Geheimdienst"2) (1931), Kurt Gerrons Schwank "Ein Toller Einfall"2) (1932), Reinhold Schünzels Komödie "Saison in Kairo"2) (1933), Ludwig Bergers musikalischer Unterhaltungsstreifen "Walzerkrieg"2) (1933), Hans Steinhoffs spannende Geschichte "Die Insel"2) (1934), Erich Waschnecks Literaturadaption "Streit um den Knaben Jo"2) (1937) oder Peter Paul Brauers Lustspiel "Das Mädchen von gestern Nacht"2) (1938). Eher zu vernachlässigen ist das Melodram "Zwischen den Eltern"2) (1938) mit Fritsch als dem Arzt Dr. Hans Ravenborg, der das Glück seiner Familie aufs Spiel setzt – erneut war Jutta Freybe seine Partnerin. Paul Martins Historienfilm "Preußische Liebesgeschichte"2) mit Willy Fritsch und Lida Baarová3) (1914 – 2000) in den Hauptrollen gelangte erst am 12. April 1950 unter dem Titel "Liebeslegende" zur Erstaufführung. Aufgrund der bekannt gewordenen Affäre Baarovás mit Propagandaminister Joseph Goebbels war der Film im NS-Regime verboten worden. 
Bis Kriegsende zeigte sich Willy Fritsch vornehmlich in meist heiter-harmlosen Unterhaltungsstreifen als charmanter Liebhaber an der Seite der weiblichen Ufa-Stars jener Jahre: Camilla Horn3) (1903 – 1996) war "Die Keusche Geliebte"2) (1940) in Viktor Tourjanskys gleichnamiger Verwechslungskomödie, Friedl Czepa1) (1998 – 1973) "Das Leichte Mädchen"2) (1940), mit Gisela Uhlen3) (1919 – 2007) musste er "Die Unvollkommene Liebe"2) (1940) durchleben. Als Rittmeister von Karstein tauchte er neben Marika Rökk3) (1913 – 2004) in dem ersten großen deutschen Farbfilm "Frauen sind doch die besseren Diplomaten"2) (1941) auf. Mit Marte Harell3) (1907 – 1996) gab es schließlich ein Happy End in dem romantischen Kostümfilm "Dreimal Hochzeit"2) (1941), auch das Herz von Brigitte Horney3) (1911 – 1988) konnte Fritsch schließlich endgültig in der Lovestory "Geliebte Welt"2) (1942) erobern. In "Die Gattin"2) (1943) flirtete er als netter Möbelhändler Walter Baumann mit Jenny Jugo3) (1904 – 2001), in der Kästner-Adaption "Der Kleine Grenzverkehr"2) (1943) verliebte er sich als Gelehrter Georg Rentmeister in das Stubenmädchen bzw. die Komtesse Konstanze von Raitenau alias Hertha Feiler3) (1916 – 1970). Die Zuneigung zu Hannelore Schroth3) (1922 – 1987) in Viktor Tourjanskys mehrere Jahrzehnte umspannenden Melodram "Liebesgeschichten"2) (1943) verlief eher unglücklich.
  
Sein Gesangstalent konnte Fritsch einmal mehr als verarmter Komponist "Pe Pe" Müller in Arthur Maria Rabenalts "Leichte Muse"2) (1941) mit Ohrwürmern wie "Ach, Gott was sind die Frauen dumm", "Immer an der Wand lang" oder "Warte, warte noch ein Weilchen" unter Beweis stellen. Die von Willi Forst inszenierte Verfilmung "Wiener Blut"1) (1942) nach Motiven der gleichnamigen Operette von Johann Strauß kam im Frühjahr 1942 in die Kinos, Fritsch glänzte in diesem "amourösen Geplänkel eines Kleinstaatdiplomaten auf dem Wiener Kongreß 1815"6) als Graf Wolkershein, als seine Partnerin sah man in diesem "mit Schwankszenen und Situationskomik vortrefflich inszenierten und gespielten Film"6) Maria Holst3) (1917 – 1980).
Géza von Bolvárys Adaption der Johann Strauß-Operette "Die Fledermaus"2) mit Johannes Heesters in der Hauptrolle des Herbert Eisenstein und Fritsch als Gefängnisdirektor Frank war noch kurz vor Kriegsende abgedreht worden und galt nach 1945 zunächst als verschollen. Erst am 16. September 1949 feierte der Film mit "den unsterblichen Melodien in einer vergleichsweise eleganten Filmfassung"6) laut der "Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung" seine Kino-Premiere; mehr bei Wikipedia.
 
Nach Ende des 2. Weltkrieges ließ sich Willy Fritsch in Hamburg nieder, stand schon bald wieder vor der Kamera. Sein erster Nachkriegsfilm war der von Rudolf Jugert in Szene gesetzte Streifen "Film ohne Titel"7) (1947), in dem Fritsch mit der Figur eines Schauspielers an der Seite von Hans Söhnker und Hildegard Knef sein Liebhaber-Image persiflierte, von dem er sich nun aufgrund des Alters endgültig verabschiedete. Fortan gab Fritsch mehr den seriösen Gentleman oder schlüpfte auch schon mal in Vater-Rollen, wie in dem musikalischen Heimatfilm "Wenn der weiße Flieder wieder blüht"1) (1953) als Vater der jungen Romy Schneider bei deren Leinwanddebüt.
Im Unterhaltungsfilm der 1950er Jahre fand der gefeierte Ufa-Star zwar weiterhin zahlreiche Aufgaben, musste sich jedoch in eher seichten Produktionen mit meist prägnanten Nebenrollen begnügen. Für Hans Deppe spielte er einen Amtsrichter in dem Inbegriff des deutschen Heimatfilms, "Grün ist die Heide"1) (1951), Deppe besetzte ihn auch in der Komödie "Ferien vom Ich"1) (1952). Weitere Arbeiten waren beispielsweise die mit zahlreichen Volksliedern gespickte "sentimentale 'Heimatfilm'-Mixtur aus Folklore, Militäroperette und Kriminalhandlung um einen Verbrecher aus Liebe"6) mit dem Titel "Am Brunnen vor dem Tore"1) (1953), das Abenteuer "Stern von Rio"2) (1955) und das von Hans Wolff inszenierte Remake des 1930er-Kassenschlagers "Die Drei von der Tankstelle"1) (1955), wo Fritsch diesmal den Part des Konsuls Willy Kossmann spielte. Zur Filmografie zählen Heimatfilme wie "Schwarzwaldmelodie"1) (1956), "Das Donkosakenlied" (1956), "Schwarzwälder Kirsch"1) (1958), "Hubertusjagd"1) (1959) oder "Wenn die Heide blüht"1) (1960), aber auch eher klamaukhafte Lustspiele wie "Der schräge Otto"1) (1956) mit Walter Giller. Seinen letzten Film, "Das hab’ ich von Papa gelernt"1) (1964), drehte Willy Fritsch unter der Regie von Axel von Ambesser gemeinsam mit seinem Sohn Thomas, danach zog er sich vom Filmgeschäft zurück

Schon seit dem Tod seiner Frau, der Tänzerin Dinah Grace1), die am 12. März 1963 gestorben war, hatte sich Willy Fritsch mehr und mehr aus der Öffentlichkeit zurückgezogen. Seit März 1937 waren beide verheiratet gewesen, aus der Verbindung stammen die Söhne Michael und Thomas. Der 1944 geborene Thomas Fritsch3) machte sich ebenfalls einen Namen als erfolgreicher Bühnen- und Filmschauspieler.
Seine letzen Jahre verbrachte Willy Fritsch fern vom Medienrummel in seinem Haus in Hamburg. Dort starb er am 13. Juli 1973 mit 72 Jahren in einem Krankenhaus an Herzversagen; seine letzte Ruhestätte fand er auf dem Friedhof Hamburg-Ohlsdorf.
1965 hatte man ihm das "Filmband in Gold" für "langes und hervorragendes Wirken im deutschen Film" verliehen, im gleichen Jahr erhielt Fritsch den begehrten Medien- und Fernsehpreis "Bambi". Seine Autobiografie mit dem bezeichnenden Titel "… das kommt nicht wieder" hatte der ehemalige Leinwandstar im Jahre 1963 publiziert.

Willy Fritsch war der lachende Liebhaber. Auch wenn er pfiff oder sang, den Hut ins Genick schob und die Arme in die Hüfte stemmte, wirkte er unwiderstehlich. Das erkannten schon die Macher seines zweiten Films "Seine Frau, die Unbekannte" (1923) und bauten den ursprünglichen Problemstoff auf sein sonniges Lächeln hin um. Ausnahmen wie sein Geheimagent in "Spione" (1928), mit glimmendem Zigarettenstummel im stoppligen Gesicht und verwegener Melone, oder sein glatzköpfiger Jupiter in "Amphitryon" bestätigen die Regel, dass sein Fach die sorglos-heiteren Männer in sentimentalen Liebesgeschichten und Filmoperetten waren, denen alles gelingt. Ein Held des Happy Ends.8) 
  
  

Willy Fritsch mit Unterschrift 1926
Urheber bzw. Nutzungsrechtinhaber: Alexander Binder1) (1888 – 1929)
Quelle: EYE Film Institute Netherlands bzw.
Wikimedia Commons;
Angaben zur Lizenz siehe hier

Willy Fritsch 1926; Urheber bzw. Nutzungsrechtinhaber: Alexander Binder (1888 – 1929); Quelle: EYE Film Institute Netherlands bzw. Wikimedia Commons

Textbausteine des Kurzportraits von der Seite des LeMO-Projekts (Deutsches Historisches Museum).
Siehe auch Wikipedia, www.cyranos.ch
Fotos bei film.virtual-history.com
Link: 1) Wikipedia, 2) Filmbeschreibung der Murnau-Stiftung, 3) Kurzportrait innerhalb dieser HP, 7) www.hist.uni-hannover.de
Quellen:
4) Wikipedia,
5) www.heidecker-post.com  (Seite nicht mehr abrufbar)
6) Lexikon des internationalen Films
8) Lexikon der deutschen Film- und TV-Stars von Adolf Heinzlmeier und Berndt Schulz, Ausgabe 2000, S. 109
Lizenz Fotos Willy Fritsch (Urheber Alexamder Binder): Die Schutzdauer (von 70 Jahren nach dem Tod des Urhebers) für das von dieser Datei gezeigte Werk ist nach den Maßstäben des deutschen, des österreichischen und des schweizerischen Urheberrechts abgelaufen. Es ist daher gemeinfrei.
  
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