Eugen Burg um 1920; Urheber bzw. Nutzungsrechtinhaber: Alexander Binder (1888 – 1929); Quelle: Wikimedia Commons bzw. Wikipedia; Photochemie-Karte Nr. 296

Der Schauspieler Eugen Burg wurde am 6. Januar 1871 als Eugen Hirschburg in Berlin geboren. Bevor er mit 43 Jahren zum Film kam, hatte er bereits eine beachtliche Theaterkarriere vorzuweisen, zeigte sich in Dramen, vor allem aber in Komödien und gehörte zu den bedeutenden Charaktermimen seiner Zeit; verschiedentlich schrieb und inszenierte er selber Stücke.
Seine Ausbildung zum Schauspieler hatte Burg in Wien von Maximilian Streben erhalten, damaliger Direktor des "Fürstlich Sulkowsky-Privattheaters" in der Wiener Vorstadt Matzleinsdorf. Ein erstes Theaterengagement schloss sich 1889 im für seine Moorbäder berühmt gewordenen Franzensbad1) (heute Františkovy Lázně; Tschechien) an. Weitere Theaterstationen wurden Bielitz (Ostschlesien; heute Bielsko-Biała, Polen), Wiener Neustadt (Niederösterreich), Reichenberg (Nordböhmen; heute Liberec, Tschechien) und Troppau (Mährisch-Schlesien; heute Opava, Tschechien). 1894 wurde Burg von Otto Brahm1) (1856 – 1912), der gerade die Intendanz des "Deutschen Theaters" übernommen hatte, nach Berlin berufen. Hier erregte der Schauspieler unter anderem Aufmerksamkeit mit der Rolle des Franz Ferner in Ludwig Anzengrubers Volksstück "Der Meineidbauer"1). Zwei Jahre lang blieb Eugen Burg am "Deutschen Theater", wechselte dann zur Spielzeit 1896/97 an das Stadttheater im südmährischen Brünn (heute Tschechien), kam dann für weitere drei Jahre an das Wiener "Raimund Theater", wo er auch Rollen im Wiener Dialekt übernahm.

Foto: Eugen Burg um 1920
Urheber bzw. Nutzungsrechtinhaber: Alexander Binder1) (1888 – 1929)
Quelle: Wikimedia Commons bzw. Wikipedia; Photochemie-Karte Nr. 296
Angaben zur Lizenz siehe hier

Ab 1900 wurde für vier Jahre das Hamburger "Schauspielhaus" Burgs künstlerische Heimat, hier glänzte er unter anderem zur Spielzeit 1901/02 als Künstler Osvald Alving in Ibsens "Gespenster" sowie ein Jahr später als galanter Assessor Brack in "Hedda Gabler", ebenfalls von Ibsen. Anschließend zog es ihn wieder nach Berlin, zur Spielzeit 1904/05 wirkte er bei Max Reinhardt1) (1873 – 1943) am "Kleinen Theater Unter den Linden" sowie am "Neuen Theater", dem späteren "Theater am Schiffbauerdamm".
Eugen Burg war zu einem vielbeschäftigten und gefragten Mimen avanciert, der sich auch als Regisseur einen Namen machte. Nach seiner Zeit am Hamburger "Carl Schultze-Theater"1) (1905–1907) arbeitete Burg als Schauspieler und Oberregisseur am "Deutschen Theater" in New York (1907–1909), dessen Direktor er zuletzt auch war, als Regisseur und Schauspieler am "Düsseldorfer Schauspielhaus" (1909/1910), ging dann endgültig nach Berlin zurück. Hier wirkte er sowohl als Schauspieler als auch Regisseur am "Berliner Theater" (1912–1919), am "Trianon-Theater" bzw. "Residenztheater" (1919–1923), an den sogenannten "Rotter-Bühnen" (1924/25) von Alfred Rotter1) (1886 – 1933), am "Deutschen Künstlertheater" (1926/27), am "Kleinen Theater" und am "Theater am Kurfürstendamm" (1927/28).
Zur Spielzeit 1928/29 wurde Eugen Burg Oberspielleiter des von Ralph Arthur Roberts4) (1894 – 1940) geleiteten "Theater in der Behrenstraße". Mit Beginn der 1930er Jahre trat er zudem am "Admiralspalast" sowie an der "Komischen Oper" auf, wo Burg im Oktober 1931 in der Uraufführung der Operette "Zur goldenen Liebe" (Musik: Ralph Benatzky) mitwirkte. Zuletzt war Burg zwischen 1932 und der Spielzeit 1933/34 wieder Regisseur und Schauspieler am "Theater in der Behrenstraße". Hier wurde er in Komödien wie "Ehe in Dosen" von Leo Lenz und Ralph Arthur Roberts als Partner von Trude Marlen gefeiert, in dem Lustspiel "Hau–ruck!" von Paul Vulpius und Ralph Arthur Roberts trat er sowohl als Darsteller als auch als Regisseur in Erscheinung.

Von seinen zahlreichen Bühnenparts sind nur wenige überliefert, etwa 1902/03 die Rolle des Leutnants Victor von Hohenegg in dem Lustspiel "Im bunten Rock"2) von Franz von Schönthan1) (1849 – 1913) und Freiherr von Schlicht2) (1867 – 1926). Das "Hamburger Fremdenblatt" vom 2. November 1902 notierte unter anderem anlässlich eines Gastspiels am Hamburger "Thalia-Theater": "Man merkte allen Darstellern an, daß sie mit Lust und Liebe spielten. Frl. Hönigsvald gab die amerikanische Missis mit dem ganzen Charme ihrer Persönlichkeit und in drei prachtvollen Toiletten, die, wenn sie allgemein getragen würden, den Sieg der Reformkleider sehr in Frage stellen dürften; Herr Eugen Burg war ein schneidiger Husarenleutnant und Liebhaber; Herr Ludwig Max gab den philiströs bürgerlich gefärbten, ewig aufgeregten Fabrikanten Wiedebrecht mit unwiderstehlicher Komik und Herr Paul Biensfeldt schuf aus dem etwas begriffsstutzigen Hans eine drollige Charakterfigur."3) In dem heiterem Schauspiel "Der Leibgardist" von Ferenc Molnár begeisterte er 1911 auch das Münchener Publikum.
 
Eugen Burgs erste Leinwandauftritte werden in stummen Streifen des Filmpionier bzw. -regisseurs Max Mack1) (1884 – 1973) für die Berliner Filmfirma "Projektions-AG Union" (PAGU) nachgewiesen. Für Max Mack stand der Schauspieler noch mehrmals vor der Kamera, so auch mit der Hauptrolle des Robert als Partner des den Bertram mimenden Ferdinand Bonn4) (1861 – 1933) in der spaßigen Geschichte "Robert und Bertram"1) (1915), welche den Untertitel "Die lustigen Vagabunden" trug und in der auch der berühmte Ernst Lubitsch1) (1892 – 1947) als Kommis Max Edelstein zu sehen war. In der äußerst beliebten, von der Berliner PAGU produzierten "Sherlock-Holmes"-Reihe spielte er in "Das dunkle Schloss"1) (1915) den "Meisterdetektiv". Zur Entstehung des Films notiert Wikipedia: "Das dunkle Schloß" war ursprünglich als dritter Teil der Filmreihe "Der Hund von Baskerville" geplant. Rechtsstreitigkeiten mit dem Produzenten Jules Greenbaum1) führten jedoch dazu, dass die produzierende PAGU den Film unter diesem Titel nicht führen durfte. Greenbaums Firma hatte nämlich selbst einen Film "Der Hund von Baskerville, 3. Teil" mit dem Untertitel "Das unheimliche Zimmer" unter der Regie von Richard Oswald her- und unmittelbar zuvor fertiggestellt. Daraufhin machte die juristisch unterlegene PAGU Paul Davidsons1) kurzerhand aus ihrem Sherlock Holmes einen Detektiv Braun und aus der von Hanni Weiße gespielte Laura Lyons eine Else Schmidt. Lediglich beim Baskerville-Schurken Stapleton verzichtete man auf eine Umbenennung.
In etlichen stummen Produktionen unterschiedlichen Genres arrivierte Eugen Burg mit Haupt- und Nebenrollen nun zum vielbeschäftigten Leinwand-Star, führte zwischen 1916 und Anfang der 1920er Jahre auch mehrfach Regie und drehte Filme mit Publikumslieblingen wie Ressel Orla4) (1889 – 1931), Wanda Treumann4) (1889– ca. 1940er Jahre), Oscar Marion4) (1894 – 1986) oder Karl Beckersachs4) (1886 – 1942?); bei "Das Abenteuer der Bianetti" (1919) spielte auch Tochter Hansi mit.
Zu seinen bekanntesten Arbeiten als Darsteller zählen die beiden ersten Teile des Historienfilms "Fridericus Rex"1) (1921, mit Otto Gebühr), das Melodram "Violet"5) (1921, mit Olga Tschechowa), die Operetten-Adaption "Der Zigeunerbaron" (1926/27) oder die Komödie "Eine Dubarry von heute"1) (1927), in der auch sein Schüler und Protegé bzw. "Schwiegersohn" Hans Albers4) (1891 – 1960) auftrat.
Seit 1923 war Burgs Tochter Hansi Burg1) (1898 – 1975) die Lebensgefährtin von Hans Albers, "mit dem Machtantritt der Nationalsozialisten 1933 geriet das christlich-jüdische Paar bald unter Beobachtung und dann unter Beschuss des Propagandaministers. Um seine Karriere nicht zu gefährden und den Druck abzumildern, erklärte Albers in einem offiziellen Schreiben an Joseph Goebbels vom 15. Oktober 1935 seine offizielle Trennung von der Jüdin Hansi Burg. Zum Schein heiratete sie den norwegischen Staatsbürger Erich Blydt, um aus dem Fadenkreuz der NS-Rasseideologen zu geraten. Aber: De facto lebten Hans & Hansi auch weiterhin als Paar am Starnberger See zusammen bis Hansi Burg Albers' Wankelmut eigene Entschlossenheit entgegensetzte und 1939 auf eigene Faust klammheimlich ins Exil über die Schweiz nach London abreiste.6) 1946 kehrte Hansi Burg aus England nach Deutschland zurück und setzte ihre Beziehung mit Albers bis zu dessen Tod 1960 fort.7)
 
Mit Hans Albers drehte Eugen Burg Anfang der 1930er Jahren einige weitere Filme, so "Der Greifer" (1930), "Der Sieger"5) (1932) und "Der weiße Dämon"5) (1932), seine letzten Auftritte hatte er in Erich Waschnecks Romanze "Unmögliche Liebe" (1932, mit Asta Nielsen) und in dem Kurzfilm "Meine Frau – seine Frau" (1933). 
Danach war seine Karriere im Nazi-Deutschland beendet, als sogenannter "Volljude" verlor er sein Engagement bei der Ufa, wurde vermutlich Ende 1933 von der "Reichsfachschaft Film"1) (RFF) bzw. der "Reichstheaterkammer"1) (RTK) mit Berufsverbot belegt. Eine spätere Flucht ins gesicherte Ausland misslang, Eugen Burg wurde gefasst und am 28. Januar 1943 in das KZ Theresienstadt deportiert. Dort ermordeten die Nazi-Schergen den inzwischen nahezu erblindeten 73-Jährigen am 17. November 1944 – auch eine Intervention seines Freundes Hans Albers hatte ihn nicht retten können. Das bisher angenommene Todesdatum "15. November" konnte laut Kay Weniger1), basierend auf unlängst freigegebenen Unterlagen der Gedenkstätte Theresienstadt, widerlegt werden.
Der Künstler war seit 1889 mit der Koloratursopranistin Emmy Raabe7) (geb. 02.06.1877 in Przemysl (Galizien), gest. 06.07.1927 in Berlin) verheiratet; aus der Verbindung stammten neben Hansi Burg noch die Töchter Stefanie-Marie Burg sowie Rita Burg (1900 – ?), ebenfalls Schauspielerin.

Quelle (unter anderem8)): Wikipedia und www.cyranos.ch
Fotos bei www.virtual-history.com
Link: 1) Wikipedia, 2)  www.karlheinz-everts.de, 4) Kurzportrait innerhalb dieser HP, 5) Murnau Stiftung,  7) OPERISSIMO
Quelle: 3) www.karlheinz-everts.de, 6)7) Wikipedia, Artikel zu Hansi Burg mit 6) Zitat Kay Weniger: "Zwischen Bühne und Baracke" (Berlin 2008, S. 14)
8) weitere Quellen: Handbuch des deutschsprachigen Exiltheaters 1933 – 1945; Herausgeber: Frithjof Trapp, Werner Mittenzwei, Henning Rischbieter, Hansjörg Schneider;
Band 2: Biographisches Lexikon der Theaterkünstler von Frithjof Trapp, Bärbel Schrader, Dieter Wenk, Ingrid Maaß (Teil 1, A-K; K G  Saur, München 1999)
Lizenz Foto Eugen Burg (Urheber: Alexander Binder): Diese Bild- oder Mediendatei ist gemeinfrei, weil ihre urheberrechtliche Schutzfrist abgelaufen ist. Dies gilt für die Europäische Union, die Vereinigten Staaten, Australien und alle weiteren Staaten mit einer gesetzlichen Schutzfrist von 70 Jahren nach dem Tod des Urhebers.
Filme (als Darsteller)
Filmografie bei der Internet Movie Database, filmportal.de
(Link: Murnau Stiftung, Wikipedia, filmportal.de)
Stummfilme Noch: Stummfilme
  • 1927: Rinaldo Rinaldini. Abenteuer eines Heimgekehrten
  • 1927: Der Zigeunerbaron
  • 1927: Das edle Blut
  • 1927: Eine Dubarry von heute → Murnau Stiftung
  • 1927: Sein größter Bluff
  • 1927: Schwere Jungens – leichte Mädchen
  • 1927: Glanz und Elend der Kurtisanen
  • 1927: Es zogen drei Burschen/Drei Seelen und ein Gedanke
  • 1927: Die Geliebte
  • 1927: Der Mann ohne Kopf
  • 1927: Das tanzende Wien
    • Teil 2: An der schönen blauen Donau
  • 1928: Herkules Maier
  • 1928: Wer das Scheiden hat erfunden
  • 1928: Panik
  • 1928: Mädchen, hütet Euch!
  • 1928: Mädchenschicksale
  • 1928: Mann gegen Mann
  • 1928: Gaunerliebchen
  • 1928: Der erste Kuss
  • 1928: Der Adjutant des Zaren
  • 1929: Spielereien einer Kaiserin
  • 1929: Spiel um den Mann
  • 1929: Ohne Geld durch die Welt
  • 1929: Morgenröte
  • 1929: Ludwig der Zweite, König von Bayern
  • 1929: Jennys Bummel durch die Männer
  • 1929: Ja, ja, die Frau'n sind meine schwache Seite
  • 1929: Flucht in die Fremdenlegion
  • 1930: Liebeskleeblatt
Tonfilme
Um zur Seite der Publikumslieblinge zurückzukehren, bitte dieses Fenster schließen.
Home: www.steffi-line.de