Truus van Aalten ca. 1929; Urheber bzw. Nutzungsrechtinhaber: Alexander Binder (1888 – 1929); Quelle: Wikimedia Commons bzw. Wikipedia; Ross-Karte Nr. 4184/1

Truus van Aalten wurde am 2. August 1910 als Geertruida Everdina Wilhelmina van Aalten und Tochter eines Drogisten im niederländischen Arnheim geboren. Dort gemeinsam mit ihrem ein Jahr jüngeren Bruder Frans aufgewachsen, arbeitete sie nach der Schule unter anderem in einem Hutgeschäft und als Kindermädchen, begann dann etwa Anfang 1926 nach dem Umzug der Familie nach Amsterdam eine Lehre zur Verkäuferin bei dem Modehaus "Peek & Cloppenburg". Nachdem das vom Film begeisterte junge Mädchen – ihr Idol war der US-amerikanische Stummfilmstar Colleen Moore1) (1900 – 1988) – im Sommer 1926 einen Wettbewerb der Ufa für den stummen Streifen "Die sieben Töchter der Frau Gyurkovics"2) (1927) gewonnen hatte, zog die erst 16-Jährige nach Berlin. In der heiteren Literaturadaption, in der sich auch Ufa-Star Willy Fritsch zeigte, mimte sie eine der hübschen sieben Töchter, erhielt wenig später von der Ufa ohne jegliche schauspielerische Ausbildung einen 3-Jahres-Vertrag. Ihr nächster Film war die Komödie "Die selige Exzellenz"2) (1927), erneut spielte sie neben Willy Fritsch sowie Max Gülstorff und Olga Tschechowa eine Tochter. Truus van Aalten avancierte dank ihres komödiantischen Talents in weiteren stummen Produktionen in Deutschland rasch zum Publikumsliebling, posierte für Fotos, machte Werbung (unter anderem für die Seife "Lux") und gab Interviews für Filmzeitschriften in ganz Europa. Meist wurde sie als schelmisch-lustiger, frisch-unkomplizierter Backfisch besetzt und wegen ihres Bubikopfes bald als niederländische "Louise Brooks"3) (1906 – 1985) bezeichnet. Sie drehte rund 30 Stumm- und Tonfilme, davon aber nur einen in ihrer Heimat Niederlande.
  

Foto: Truus van Aalten ca. 1929
Urheber bzw. Nutzungsrechtinhaber: Alexander Binder1) (1888 – 1929)
Quelle: Wikimedia Commons bzw. Wikipedia; Ross-Karte Nr. 4184/1
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Zu ihren letzten Arbeiten für den Stummfilm zählt "Der Sonderling" (1929) neben keinen Geringeren als den Komiker-Legenden Karl Valentin3) (1882 – 1948) und Liesl Karlstadt3) (1892 – 1960), hier agierte sie als Film-Nichte von Liesl Karlstadt, der Gattin des Schneidermeisters Kuhn (Ferdinand Martini), die für den Gesellen (Karl Valentin) schwärmt. "Der Sonderling" war übrigens Valentins einziger abendfüllender Spielfilm, durch den Umbruch hin zum Tonfilm erreichte er jedoch keinen nachhaltigen Erfolg → www.film.at.
Trotz ihrer niederländischen Wurzeln bzw. des holländischen Akzents schaffte Truus van Aalten den Übergang zum Tonfilm problemlos. Beispielsweise besetzte sie Georg Jacoby in dem Lustspiel-Klassiker "Pension Schöller"1) (1930) als Tochter des Gutsbesitzers Philipp Klapproth (Jakob Tiedtke), Eugen Thiele als Protagonistin in seiner Komödie "Susanne macht Ordnung"4) (1930), wo sie sich als Susanne Braun auf die Suche nach ihrem verschollenen Vater begab. In Victor Jansons "Der Bettelstudent" (1931) nach der gleichnamigen Operette von Carl Millöcker konnte sie als Bronislawa, Tochter der Gräfin Nowalska (Hansi Arnstaedt) überzeugen, den "Bettelstudenten" Symon Rymanowicz gab Hans Heinz Bollmann, den Oberst Ollendorf Paul Westermeier.
Als Truus van Aalten mit fortgeschrittenem Alter dem Typus des drolligen Mädchens entwachsen war, verblasste ihr Ruhm zusehend, erschwerend kam hinzu, dass sie mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten aufgrund einer Quotenregelung für ausländische Künstler immer weniger Angebote erhielt. Mit "G'schichten aus dem Wienerwald" (1934) drehte sie unter der Regie von Georg Jacoby in Österreich an der Seite von Magda Schneider und Wolf Albach-Retty ihren vorerst letzten deutschsprachigen Film, ging dann in die Niederlande zurück.

Foto: Truus van Aalten ca. 1929
Urheber bzw. Nutzungsrechtinhaber: Alexander Binder1) (1888 – 1929)
Quelle: Wikipedia (englisch)
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Truus van Aalten ca. 1929; Urheber bzw. Nutzungsrechtinhaber: Alexander Binder (1888 – 1929); Quelle: Wikipedia (englisch)
Dort spielte sie die Hauptrolle in dem von Rudolf Meinert in Szene gesetzten Streifen "Het Meisje met den blauwen hoed" (1934), zugleich die einzige Arbeit in ihrer Muttersprache; obwohl der Film in den Niederlanden ein großer Erfolg wurde, ging er nicht in den internationalen Verleih. Weitere Filmangebote blieben aus, lediglich in Fritz Peter Buchs "Ein ganzer Kerl"2) (1939), der propagandistischen Geschichte um eine tüchtige junge Gutsverwalterin (Heidemarie Hatheyer), die ihren verbummelten Arbeitgeber (Albert Matterstock) "an die Scholle" und zugleich an sich zu binden versucht5), trat sie nach längerer Pause noch einmal mit dem kleinen Part der jungen Witwe Anni auf der Leinwand in Erscheinung.
 
Nach Kriegsende versuchte Truus van Aalten in ihrem Heimatland sowie in Großbritannien im Filmgeschäft Fuß wieder zu fassen, doch die Bemühungen blieben erfolglos. 1954 gründete sie in der Gemeinde Voorhout (Provinz Südholland; seit 2006 Teil von Teylingen) das erfolgreiche Import-Export-Unternehmen für holländische Souvenir- und Werbeartikeln "Handelsonderneming T. van Aalten", 1964 heiratete sie ihren sechs Jahre jüngeren Mitarbeiter Henk Godwaldt (verstorben Ende November 1988).
Der einst gefeierte Filmstar Truus van Aalten starb am 27. Juni 1999 im Alter von 88 Jahren in der psychogeriatrischen Klinik Mariënhaven nahe des Dorfes Warmond bei Voorhout (heute ebenfalls Teil von Teylingen). Dort hatte die an der Alzheimer-Krankheit leidende frühere Schauspielerin die letzten beiden Jahre ihres Lebens in geistiger Umnachtung verbracht. Nach der Einäscherung wurde die Urne mit ihren sterblichen Überreste fünf Tage später auf dem "Begraafplaats en Crematorium Rhijnhof" in Leiden beigesetzt.
Der Nachlass von Truus van Aalten wurde 2009 von ihrer Nichte Rinie van Aalten dem Niederländischen Filmmuseum (seit 2012: "EYE Film Instituut Nederland") übergeben.
Quellen (unter anderem): Wikipedia, www.truusvanaalten.com (englischsprachige Fan-Seite)
Siehe auch www.cyranos.ch
Fotos bei www.virtual-history.com, Wikimedia Commons sowie www.truusvanaalten.com
Link: 1) Wikipedia, 2) Murnau Stiftung, 3) Kurzportrait innerhalb dieser HP, 4) www.film.at
Quelle: 5) Wikipedia (Artikel zu Fritz Peter Buch)
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(Link: Murnau Stiftung, filmportal.de, Wikipedia)
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