Albert Bassermann wurde am 7. September 1867 in Mannheim als Fabrikantensohn geboren und erhielt zunächst eine Ausbildung als Chemiker, wurde dann 1887 Volontär am Mannheimer Theater. Zunächst galt es, ein großes Hindernis zu überwinden, nämlich seine krankhaft heisere, zerbrochene raue Stimme, die er durch eiserne Disziplin zu einem einzigartigen Instrument künstlerischen Ausdrucks zwang. 
Albert Bassermann als Shylock in Shakespeares "Der Kaufmann von Venedig"; aufgenommen im Fotoatelier Hans Boehm, Berlin; Bildrechte/-herkunft: Meininger Museen: Theatermuseum "Zauberwelt der Kulisse"; Originalfoto sowie weitere Infos bei "Museum digital Thüringen" (www.museum-digital.de) Nach weiteren Engagements unter anderem in Heidelberg, Köln, Aachen und Basel (1889) erarbeitete sich Bassermann sein handwerkliches Können dann weiter ab 1891 für vier Spielzeiten am berühmten "Hoftheater"1) in Meiningen, gestaltete dort viele klassische Charakterrollen, zu nennen ist vor allem der Mephisto in Goethes "Faust"1). Als Lessing-Interpret gab er den den Patriarchen "Nathan der Weise"1) und den Riccaut de la Marliničre in "Minna von Barnhelm"1), stellte den Hofmarschall von Kalb in Schillers "Kabale und Liebe"1) ebenso glänzend dar wie den Mortimer in Schillers "Maria Stuart"1). Dass er auch im heiteren Fach zu überzeugen wusste, bewies er beispielsweise als Gutsbesitzer Philipp Klapproth in dem unverwüstlichen Schwank "Pension Schöller"1) oder als Rittergutsbesitzer Christian Wieberg in dem Lustspiel "Die beiden Leonoren" von Paul Lindau.1) "Vier schöne, unvergeßliche Winter! Fach der guten Rollen!", schrieb er später über diese Zeit." Dann wechselte Bassermann 1895 nach Berlin an das "Deutsche Theater" sowie ab 1904 an das "Lessingtheater", wo er unter Otto Brahm1) (1856 – 1912) vorwiegend in Ibsen-Dramen auftrat. Ab 1909 zählte er dann unter der Regie von Max Reinhardt1) (1873 – 1943), neben Paul Wegener2) (1874 – 1948) und Alexander Moissi2) (1879 – 1935), zu den bedeutendsten Charakter-Schauspielern des angehenden 20. Jahrhunderts. Zu seinen Glanzrollen zählten neben dem Faust'schen "Mephisto" zudem die großen Shakespeare-Figuren wie der "Richard III."1), der "Hamlet"1), der "Heinrich IV."1) oder der Shylock in "Der Kaufmann von Venedig"1). Ab 1915 schloss er sich keinem Ensemble mehr an, er ging auf Tourneen und gab Gastspiele.

 
Albert Bassermann als Shylock in Shakespeares "Der Kaufmann von Venedig",
aufgenommen im Fotoatelier Hans Boehm, Berlin
Bildrechte/-herkunft: Meininger Museen: Theatermuseum "Zauberwelt der Kulisse"
Originalfoto sowie weitere Infos bei "Museum digital Thüringen" (www.museum-digital.de)
Zum Film kam Bassermann Anfang der 1910er Jahre des vergangenen Jahrhunderts und war erstmals in Max Macks Stummfilm "Der Andere"1) (1913) auf der Leinwand zu sehen. In einer dieser frühen Versionen des "Jeckyll/Hyde"-Themas spielte er den Gelehrten Dr. Hallers bzw. dessen nächtliche Monsterausgabe → "Der Andere" bei YouTube.
Obwohl der Streifen keine überragenden Kritiken bekam, blieb Bassermann in den folgenden Jahren dem Film treu, spielte neben seiner Arbeit am Theater viele herausragende Rollen und gehört bis heute zu den Giganten der klassischen Schauspielkunst – auch in der Filmgeschichte. Bis zum Ende der Stummfilm-Ära zeigte sich Bassermann mit prägnante Rollen unter anderem in dem Dreiteiler "Masken"1) (1922), verkörperte oftmals historische Figuren wie den Kardinal Mazarin1) in dem Abenteuer "Der Mann mit der eisernen Maske"1) (1922) oder den Papst Alexander VI.1) in dem Historienstreifen "Lucrezia Borgia"1) (1922).

Albert Bassermann, fotografiert von Franz Xaver Setzer1) (1886 – 1939)
Quelle: www.cyranos.ch; Angaben zur Lizenz siehe hier

Albert Bassermann,  fotografiert von Franz Xaver Setzer (1886 – 1939); Quelle: www.cyranos.ch
Albert Bassermann 1913; Foto mit freundlicher Genehmigung der Österreichischen Nationalbibliothek (ÖNB); Urheber: Atelier Madame d'Ora (1881–1963); Copyright ÖNB/Wien, Bildarchiv (Inventarnummer 204733-C); Datierung: 18.01.1913 Zusammen mit Asta Nielsen trat er in "Erdgeist" (1923), einer frühen Verfilmung des "Lulu"-Stoffes von Frank Wedekind in Erscheinung und mimte den wohlhabenden Dr. Schön, der den Reizen der schönen Lulu verfallen ist → filmportal.de. In Manfred Noas hochgelobten, monumentalem Zweiteiler "Helena"1) (1924) mimte er den trojanischen Seher Aisakos, verkörperte den britischen General Sir Hudson Lowe1) in Lupu Picks "Napoleon auf St. Helena"1) (1929). Sein letzter Stummfilm war Paul Czinners Schnitzler-Adaption "Fräulein Else"1) (1929), wo er als Partner von Elisabeth Bergner den Dr. Alfred Thalhof, Vater der Titelheldin darstellte.
Mit der Rolle des Geheimrats ten Brinken in Richard Oswalds Literaturadaption "Alraune" (1930; → filmportal.de) sowie des Oberst Picquart1) in dem ebenfalls von Oswald in Szene gesetzten Drama "Dreyfus"1) (1930) begann Bassermanns in Deutschland kurze Tonfilmkarriere.
Unter anderem besetzte ihn Robert Siodmak mit der tragenden Figur des Landgerichtsrats Dr. Konrad Bienert in "Voruntersuchung"1) (1931), einmal mehr für Richard Oswald verlieh er in dem Historienfilm "1914, die letzten Tage vor dem Weltbrand"1) (1931) dem Reichskanzler Theobald von Bethmann Hollweg1) Kontur. Sein letzter in Deutschland gedrehter Film war Gerhard Lamprechts Krimi "Ein Gewisser Herr Gran" (1933) mit Hans Albers in der Titelrolle, wo sich Bassermann als reicher, skrupelloser Kunsthändler Tschernikoff zeigte → Murnau Stiftung.
 
 
Albert Bassermann 1913
Foto mit freundlicher Genehmigung der Österreichischen Nationalbibliothek1) (ÖNB)
Urheber: Atelier Madame d'Ora1) (1881–1963); Datierung: 18.01.1913
© ÖNB/Wien, Bildarchiv (Inventarnummer 204733-C)
1934 emigrierte der Schauspieler als 67-Jähriger in die Schweiz, da er sich von seiner jüdischen Frau Else  Bassermann1) (geborene Elisabeth Sara Schiff; 1878 – 1961), mit der er seit 1908 verheiratet war, nicht trennen wollte. Oft stand er mit Else Bassermann gemeinsam mit ihr auf der Bühne, setzte meist bei Gastengagements auch ein solches für seine Frau als seine Partnerin durch, weil ihr Gegenspiel ihn zu höchster Entfaltung seines Könnens anreizte. Als Bassermann im April 1934 ein Gastspiel in Leipzig abschließen wollte, lehnte der Theaterdirektor Else Bassermann aus "rassischen Gründen" ab; darüber erzürnte ihr Mann derartig, dass er seinen Austritt aus der "Genossenschaft deutscher Bühnenangehöriger" erklärte, auch seine Ehrenmitgliedschaft niederlegte und sich nach Arosa in sein Landhaus zurückzog.
In den nachfolgenden Jahren spielte Bassermann bis zum "Anschluss" Österreichs an das nationalsozialistische Deutsche Reich auf verschiedenen Bühnen Österreichs und der Schweiz, emigrierte dann direkt nach der Annektierung am 13. März 1938 mit seiner Frau in die USA, die dort als Schauspielerin jedoch nicht Fuß fassen konnte. Noch im hohen Alter erlernte ihr Mann die englische Sprache und erhielt unter anderem 1940 die kleine Rolle des Dr. Robert Koch in Wilhelm Dieterles "Dr. Ehrlich's Magic Bullet"1) (1940, Paul Ehrlich – Ein Leben für die Forschung) neben Edward G. Robinson in der Titelrolle. Von da ab folgte eine sieben Jahre andauernde Karriere in Amerika mit abwechslungsreichen Rollen, die meist einen positiven Charakter aufwiesen, eine Seltenheit für einen deutschen Schauspieler in den USA jener Zeit.

Albert Bassermann 1913
Foto mit freundlicher Genehmigung der Österreichischen Nationalbibliothek1) (ÖNB)
Urheber: Atelier Madame d'Ora1) (1881–1963); Datierung: 05.06.1913
© ÖNB/Wien, Bildarchiv (Inventarnummer 203654-D)

Albert Bassermann 1913; Foto mit freundlicher Genehmigung der Österreichischen Nationalbibliothek (ÖNB); Urheber: Atelier Madame d'Ora (1881–1963); Datierung: 05.06.1913; Copyright ÖNB/Wien, Bildarchiv (Inventarnummer 203654-D)
Für seine prägnante Nebenrolle des Politikers Van Meer in Alfred Hitchcocks "Foreign Correspondent"1) (1940, Der Auslandskorrespondent) wurde Albert Bassermann für den "Oscar" nominiert. Man sah den charismatischen Schauspieler beispielsweise 1941 als Konsul Magnus Barring in George Cukors Krimi "Woman's Face"1) (Die Frau mit der Narbe) neben Joan Crawford, als Ludwig van Beethoven glänzte er in Reinhold Schünzels "New Wine" (1941, Die Unvollendete)", dem Biopic über den Komponisten Franz Schubert, gespielt von Alan Curtis. 1943 war er der Dr. Carl Hesser in "Good Luck, Mr. Yates", im gleichen Jahr der Professor Jean Perote in Mervyn LeRoys Biografie "Madame Curie"1) mit Greer Garson und Walter Pidgeon als Ehepaar Curie.
Bassermann gehörte zur Besetzung von John Cromwells Melodram "Since You Went Away"1) (1944, Als du Abschied nahmst), 1945 gab er den sterbenden deutschen Musiklehrer Professor Frank in Irving Rappers Gershwin-Biografie "Rhapsodie in Blue"1); nach Ende des Krieges folgten nur noch wenige Arbeiten für den Film. Albert Lewin besetzte ihn in "The Private Affairs of Bel Ami" (1947, Die Privataffären des Bel Ami), Peter Godfrey in dem Errol Flynn-Melodram "Escape Me Never" (1947), seine letzte Leinwandrolle mimte Bassermann 1948 als eigenwilliger Bühnenbildner Ratow unter der Regie von Michael Powell in dem französisch-britischen Ballettfilm "The Red Shoes"1) (Die roten Schuhe). Neben seiner Arbeit für den Film spielte Bassermann in den USA an einem deutschsprachigen Theater am Broadway.
  
In Europa war der Schauspieler erst nach Beendigung des zweiten Weltkrieges wieder auf der Theaterbühne zu sehen; so übernahm er noch als 83-Jähriger innerhalb einer Woche Rollen in Basel, Berlin und Amsterdam.
Im November 1945 war der Schauspieler von der neuen Leitung des Deutschen Theaters in Berlin zur Rückkehr nach Deutschland gebeten worden, Bassermann folgte diesem Wunsch umgehend. 1946 stand er in Zürich in einer seiner Ibsen'schen Glanzrollen gemeinsam mit seiner Frau erstmals wieder auf einer europäischen Bühne. Ende Januar 1947 wurde dem großen Mimen, den die Stadt Wien bereits im Jahr zuvor durch Überreichung des Bürgerbriefes geehrt hatte, vom österreichischen Bundespräsidenten der Professortitel verliehen. Anfang Juli 1949 erfolgte dann in Hamburg das erste "Wiederauftreten Albert und Else Bassermanns in Deutschland nach 16-jähriger Abwesenheit" als "Pastor Manders und "Helene Alving" in Ibsens "Gespenster"; beide wurden sowohl von der Kritik als auch dem Publikum begeistert gefeiert. Ein Jahr später brillierte das Paar am Stadttheater in Heidelberg in den Rollen des "alten Goethe" und der "Charlotte Butt" in einer Dramatisierung von Thomas Manns "Lotte in Weimar"; im Juli 1951 erlebte das Stuttgarter Theaterpublikum den großen Bühnenkünstler noch einmal im "Kammertheater" des Württembergischen Staatstheaters mit einem Rezitationsabend.

Albert Bassermann, seit 1911 Träger des "Iffland-Ringes"1), starb am 15. Mai 1952 an den Folgen eines Herzanfalles während eines Fluges von New York, kurz vor der Landung in Zürich. Er hinterließ seine Ehefrau, die Schauspielerin Else Bassermann, sowie die geistig behinderte Tochter Carmen. Als Ehrenbürger seiner Geburtsstadt Mannheim (seit 1929) fand er seine letzte Ruhestätte auf dem dortigen Friedhof → Foto der Grabstätte bei Wikimedia Commons.
 
Vom verhaltenen Spiel des Ibsen-Schauspielers geprägt, beherrschte Bassermann alle Stile der Schauspielkunst – expressionistische und realistische. Er setzte seine Figuren kunstvoll aus einem Mosaik unauffälliger Gesten zusammen und gilt als ein Film-Avantgardist, der früh die vielfältigen Ausdrucksmöglichkeiten des Mediums voraussah.3)

Gedenktafel für Albert Bassermann, Joachim-Friedrich-Str. 54, Berlin-Halensee;
enthüllt am 19. Oktober 1993.
Quelle Wikimedia; Urheber des Fotos: Axel Mauruszat, Berlin
Lizenz zur Nutzung bzw. Veröffentlichung siehe hier

Gedenktafel für Albert Bassermann. Joachim-Friedrich-Str. 54, Berlin-Halensee; enhüllt am 19. Oktober 1993;  Quelle Wikimedia; Urheber des Fotos: Axel Mauruszat, Berlin; Lizenz Foto der Gedenktafel: Der Urheber gestattet jedermann jede Form der Nutzung, unter der Bedingung der angemessenen Nennung seiner Urheberschaft. Weiterverbreitung, Bearbeitung und kommerzielle Nutzung sind gestattet.
Textbausteine des Kurzportraits stammen von www.cyranos.ch
sowie "Lexikon der deutschen Film- und TV-Stars" von Adolf Heinzelmeier/Berndt Schulz (Ausgabe 2000, S. 25/26)
Siehe auch Wikipedia, www.exilarchiv.de, tls.theaterwissenschaft.ch
Fotos bei film.virtual-history.com
Lizenz Foto Albert Bassermann (Urheber: Franz Xaver Setzer): Der Urheber dieses Werks ist 1939 gestorben; es ist daher gemeinfrei, weil seine urheberrechtliche Schutzfrist abgelaufen ist. Dies gilt für das Herkunftsland des Werks und alle weiteren Staaten mit einer gesetzlichen Schutzfrist von 70 oder weniger Jahren nach dem Tod des Urhebers.
Lizenz Foto der Gedenktafel: Der Urheber gestattet jedermann jede Form der Nutzung, unter der Bedingung der angemessenen Nennung seiner Urheberschaft. Weiterverbreitung, Bearbeitung und kommerzielle Nutzung sind gestattet.
Link: 1) Wikipedia, 2) Kurzportrait innerhalb dieser HP
3) "Lexikon der deutschen Film- und TV-Stars" von Adolf Heinzelmeier/Berndt Schulz (Ausgabe 2000, S.  26)
Filme
Filmografie bei der Internet Movie Database sowie
eine Reihe von Stummfilmen bei www.earlycinema.uni-koeln.de
(Link: Wikipedia (deutsch/englisch), Murnau Stiftung, filmportal.de)
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