Heinrich Peer vor 1929; Urheber bzw. Nutzungsrechtinhaber: Alexander Binder (1888 – 1929); Quelle: Wikipedia; Photochemie-Karte Nr. 167 Der am 25. November 1867 in Wien geborene Schauspieler Heinrich (Friedrich) Peer gehörte zu den Pionieren der deutschsprachigen Stummfilmdarsteller und spielte ab Anfang der 10er Jahre des vergangenen Jahrhunderts bis zu seinem Tod im Jahre 1927 in über 100 Produktionen – dennoch ist er weitgehend in Vergessenheit geraten.
Heinrich Peer kam vom Theater, begann seine Karriere am Wiener "Raimundtheater", 1892 wechselte er nach Esseg (heute Osijek, Kroatien). Über Innsbruck und Pressburg (heute: Bratislava, Slowakei) kam er schließlich 1902 nach Berlin und erhielt ein Engagement am "Intimen Theater". Peer wirkte in der Folgezeit an verschiedenen Berliner Bühnen, so unter anderem 1909 als Operettendarsteller am "Theater des Westens", wo er mit Hauptrollen beispielsweise in "Ein Walzertraum" von Oscar Straus oder in "Die lustige Witwe" von Franz Léhar Furore machte.
Zur noch jungen Kinematographie kam Heinrich Peer durch den Regisseur Urban Gad, Ehemann der legendären Asta Nielsen1) (1881 – 1972), der ihn neben seiner Frau als Baron von Malten in dem Melodram "Nachtfalter"2) (1911) besetzte; der Stummfilm gilt heute als verschollen. Zwei Jahre später drehte er mit Regisseur Max Mack die Komödien "Die blaue Maus"2) (1913) und "Wo ist Coletti?"2) (1913) und etablierte sich bald als vielgefragter Darsteller in den stummen Produktionen jener Jahre. Oft waren es Abenteuer und Kriminalgeschichten, in denen der hochgewachsene, hagere Mann mit den markanten, fast finsteren Gesichtszügen agierte, aber auch in den beliebten Melodramen und Historienverfilmungen fand er mit prägnanten Nebenrollen seinen Platz.

Foto: Heinrich Peer vor 1929
Urheber bzw. Nutzungsrechtinhaber: Alexander Binder2) (1888 – 1929)
Quelle: Wikipedia; Photochemie-Karte Nr. 167; Angaben zur Lizenz siehe hier

Etliche Produktionen entstanden Ende der 1910er Jahre unter der Regie von William Kahn2) (1888 – 1943) bzw. für dessen Berliner "William Kahn-Film GmbH", so auch die kurzlebige Detektivserie um die Figur des (Kriminal-)Rat Arnheim2), den Peer in "Der grüne Vampyr"2) (1918), "Nur ein Zahnstocher" (1919) und "Das wandernde Auge" (1919) mimte. Mehrfach schlüpfte Peer in die Rolle eines Detektivs, so beispielsweise in "Sein letzter Trick" (1919), "Das ausgeschnittene Gesicht" (1920), "Der Meisterschuss" (1920), "Der Kurier von Lissabon" (1921), "Das gestohlene Millionenrezept" (1921) oder "Panzerschrank Nr. 13"3) (1921), wo er als berühmter Detektiv Harry Reep "einen komplizierten Banküberfall mittels einer hervorragend konzipierten, neuerfundenen Alarmanlage zu klären hatte."4)
Peer schien zudem prädestiniert für hochgestellte Persönlichkeiten, spielte Adlige, Grafen oder Fürsten, so hatte er sich schon 1916 neben Henny Porten als Graf Salten in Rudolf Biebrachs "Der Ruf der Liebe"3) gezeigt, vor allem mit Regisseur Friedrich Zelnik entstanden Streifen, in denen Peer historische oder fiktive ranghohe Figuren gestaltete. In "Die Erlebnisse der berühmten Tänzerin Fanny Elßler" (1920) mit Lya Mara als Fanny Elßler2), verlieh er dem österreichischen Außenminister Metternich Kontur, dessen enger Berater Friedrich von Gentz (Rudolf Forster) eine intensive Beziehung zu der Tänzerin unterhielt.
 

Foto: Heinrich Peer Anfang der 1920er Jahre
Urheber bzw. Nutzungsrechtinhaber: Alexander Binder2) (1888 – 1929)
Angaben zur Lizenz siehe hier

Heinrich Peer Anfang der 1920er Jahre; Urheber bzw. Nutzungsrechtinhaber: Alexander Binder (1888 – 1929)
Zelnik besetzte Peer wiederholt in seinen Filmen neben Protagonistin Lya Mara, so in der Tolstoi-Adaption "Anna Karenina" (1920), wo er den Staatsrat Alexeij Karenin, Ehemann der unglücklichen Titelfigur spielte, in "Die Tochter Napoleons" (1922) als Napoleons Polizeiminister Fouché und in dem Kassenschlager "Die Försterchristl" (1926) als Fürst Kaunitz" – Harry Liedtke mimte in dieser stummen Operetten-Adaption den österreichischen Kaiser Franz Josef, Wilhelm Dieterle den Korporal Földessy und Eduard von Winterstein den Vater der "Försterchristl" → Operette "Die Försterchristl"2). Der Streifen Die sieben Todsünden"3) (1920) blieb die einige Produktion, mit der sich Heinrich Peer – gemeinsam mit Friedrich Zelnik – auch als Regisseur versuchte.
Unter anderem agierte er in Holger-Madsens Tragödie "Der Evangelimann"3) (1924), gedreht nach dem gleichnamigen musikalischen Schauspiel2) von Wilhelm Kienzl, neben den Hauptdarstellern Hanni Weisse und Paul Hartmann als Justiziar, als Graf von Lanny in Manfred Noas "rasantem Rennreiterfilm"4) "Der Mann im Sattel"3) (1925) an der Seite von Ernst Verebes oder als Kammerherr von Bärenfels in "Die Mühle von Sanssouci" (1926), dem dritten Film aus der sogenannten "Fridericus-Rex-Reihe"2) mit Otto Gebühr als Preußenkönig Friedrichs II. In dem Zweiteiler um den ersten Reichskanzler Otto von Bismarck2) (1925: Teil 1/1926: Bismarck, 1862–1898), dargestellt von Franz Ludwig, verkörperte er den österreichischen Diplomaten Friedrich von Thun und Hohenstein2), Präsident der wiederhergestellten Bundesversammlung, der mit dem preußischen Gesandten Otto von Bismarck in heftige Auseinandersetzungen geriet.
 
Zu Heinrich Peers letzten Arbeiten für den Stummfilm zählen Hans Steinhoffs melodramatisches Abenteuer "Der Herr des Todes"3) (1926) mit Frederik Solm und Simone Vaudry, Zelniks Operetten-Verfilmung "Der Zigeunerbaron" (1927) mit Lya Mara, Michael Bohnen und Wilhelm Dieterle, sowie Richard Löwenbeins "Stolzenfels am Rhein. Napoleon in Moskau" (1927) mit Carl de Vogt, wo er sich als Koblenzer Präfekt Doanzan von der Leinwand verabschiedete. 
Heinrich Peer, der ausschließlich für den deutschen Film tätig war, starb zwei Monate nach der Premiere seines letzten Films "Stolzenfels am Rhein" am 13. Mai 1927 mit nur 59 Jahren in seiner Geburtstadt Wien; über die Todesursache ist  nichts bekannt.
Heinrich Peer war mit der Schauspielerin Bella Friese (1878 – ?) verheiratet.
Quelle (unter anderem): Wikipedia nach: W. Fritz: Peer Heinrich*) sowie www.cyranos.ch
*) W. Fritz: Peer Heinrich. In: Österreichisches Biographisches Lexikon 1815–1950 (ÖBL). Band 7, Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Wien 1978, S. 388.
Link: 1) Kurzportrait innerhalb dieser HP, 2) Wikipedia, 3) Murnau Stiftung
Quelle: 4) Murnau Stiftung
Lizenz Foto Heinrich Peer (Urheber: Alexander Binder): Diese Bild- oder Mediendatei ist gemeinfrei, weil ihre urheberrechtliche Schutzfrist abgelaufen ist. Dies gilt für die Europäische Union, die Vereinigten Staaten, Australien und alle weiteren Staaten mit einer gesetzlichen Schutzfrist von 70 Jahren nach dem Tod des Urhebers.
      
Stummfilme
Filmografie bei der Internet Movie Database sowie
Auszug bei www.earlycinema.uni-koeln.de
(Link: Wikipedia, Murnau Stiftung, Kurzportrait innerhalb dieser HP, filmportal.de)
  • 1911: Nachtfalter
  • 1913: Die blaue Maus
  • 1913: Wo ist Coletti? → Murnau Stiftung
  • 1915: Der Hermelinmantel
  • 1915: Wie werde ich Amanda los?
  • 1915: Schlemihl. Ein Lebensbild
  • 1915: Hampels Abenteuer
  • 1915: Der Geheimsekretär (mit Max Landa als Joe Deebs)
  • 1916: Die Gespensteruhr (mit Max Landa als Joe Deebs)
  • 1916: Die Liebe war nur ein Traum
  • 1916: Die Zwillingsschwestern
  • 1916: Talarso, der Mann mit den grünen Augen (als Talarso)
  • 1916: Das Kind des Anderen
  • 1916: Der Ruf der Liebe
  • 1916: Auto 444
  • 1917: Im stillen Ozean
  • 1917: Die Liebe der Betty Raymond
  • 1917: Die Königstochter von Travankore
  • 1917: Eine Nacht in der Stahlkammer (als Detektiv Harry Reep) 
  • 1918: Des Lebens Rutschbahn
  • 1918: Arme Lena!
  • 1918: Wenn Gräber sich öffnen
  • 1918: Opfer um Opfer
  • 1918: In Sachen Marc Renard
  • 1918: Weib gegen Weib
  • 1918: Der tote Gast. Der Fall Rödern
  • 1918: Mitternacht
  • 1918: Er soll dein Herr sein
  • 1918: Die Bettelgräfin
  • 1918: Die Ehe der Lea Psantir
  • 1918: Auf des Lebens rauher Bahn
  • 1918: Carmen
  • 1918/19: als Kriminal-)Rat Arnheim:
  • 1919: Bergsünden
  • 1919: Die Medaille der Republik
  • 1919: Hang Lu oder: Der verhängnisvolle Schmuck
  • 1919: Verlorene Töchter, 2. Teil: Opfer der Schmach
  • 1919: Die Rächerin. Das Abenteuer des Architekten Terzky
  • 1919: Der Spieler
  • 1919: Der Kampf unter dem Meeresspiegel
  • 1919: Pierettes goldene Tasche
  • 1919: Die Tochter der Berge
  • 1919: Der Seelenverkäufer
  • 1919: Wahnsinn
  • 1919: Der Herr über Leben und Tod
  • 1919: Opfer der Schmach / Die rote Laterne
  • 1919: Die blaue Maus – 2. Teil
  • 1919/20: Detektiv Hull"-Reihe (als Detektiv Hull)
    • 1919: Sein letzter Trick
    • 1920: Der Meisterschuss
  • 1920: Ewiger Strom
  • 1920: Das Grauen
  • 1920: Vergiftetes Blut / Dämon Blut, 2. Teil
  • 1920: Die Spieler
  • 1920: Eine Demimonde-Heirat / Demimonde-Ehe
  • 1920: Der Mann mit den drei Frauen
  • 1920: Die Nacht auf Goldenhall
  • 1920: Das ausgeschnittene Gesicht (als Detektiv Fogg)
  • 1920: Die Wölfin
  • 1920: Der Kurier von Lissabon (als Detektiv Tom Perry)
  • 1920: Die Erlebnisse der berühmten Tänzerin Fanny Elßler
  • 1920: Anna Karenina
  • 1920: Der Abenteurer von Paris
  • 1920: Das Gesetz der Wüste
  • 1920: Die Prinzessin vom Nil
  • 1920: Der Tod im Nacken
  • 1920: Die sieben Todsünden (auch Co-Regie)
  • 1921: Panzerschrank Nr. 13 (als Detektiv Harry Reep)
  • 1921: Dämon der Welt
    • Teil 1: Das Schicksal des Edgar Morton
  • 1921: Fasching
  • 1921: Götzendämmerung. Opfer der Keuschheit
  • 1921: Klatsch
  • 1921: Die Geliebte des Grafen Varenne
  • 1921: Die Abenteuer eines Ermordeten
    • Teil 2: Der Smaragd des Badjah von Panlanzur
  • 1921: Aus den Tiefen der Großstadt
  • 1921: Aus dem Schwarzbuch eines Polizeikommissars
    • 1. Teil: Loge Nr. 11
  • 1921: Entgleist
  • 1921: Der Kurier von Lissabon
  • 1921: Das gestohlene Millionenrezept
  • 1921: Schuld oder Schein
  • 1921: Der Sträfling von Cayenne
  • 1921: Pariserinnen
  • 1921: Der unsichtbare Gast
  • 1921: Piraten der Schönheit
  • 1921: Der Eisenbahnkönig
    • Teil 1: Mensch und Mammon
    • Teil 2: Lauernder Tod
  • 1922: Maciste und die Tochter des Silberkönigs
  • 1922: Die vom Zirkus
  • 1922: Die Lüge eines Sommers
  • 1922: Tanja, die Frau an der Kette
  • 1922: Strandgut der Leidenschaft
  • 1922: Praschnas Geheimnis
  • 1922: Die Tochter Napoleons
  • 1922: Der Bekannte Unbekannte
  • 1922: Graf Festenberg
  • 1922: Ich versichere Sie
  • 1923: Fräulein Raffke
  • 1924: Der Evangelimann
  • 1924: Das kalte Herz
  • 1924: Garragan
  • 1925: Die Venus von Montmarte
  • 1925: Die Beute
  • 1925: Das alte Ballhaus (2 Teile)
  • 1925: Volk in Not / Ein Heldenlied von Tannenberg
  • 1925: Der Mann im Sattel
  • 1925: Der Bastard
  • 1925/26: Bismarck
    • 1925: Teil 1
    • 1926: Teil 2: 1862–1898
  • 1926: Die Mühle von Sanssouci (als Kammerherr von Bärenfels)
  • 1926: Die Försterchristl (als Fürst Kaunitz)
  • 1926: Der schwarze Pierrot
  • 1926: Spitzen (als Fürst von Eyckhof)
  • 1926: Der Herr des Todes
  • 1926: Nixchen
  • 1927: Der Zigeunerbaron (als Der Kanzler)
  • 1927: Stolzenfels am Rhein. Napoleon in Moskau
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