Margarete (auch Margarethe) Schlegel wurde am 31. Dezember 1899 in Deutschland geboren, der Geburtsort ist unbekannt. Von dem berühmten Theaterdirektor Max Reinhardt1) (1873 – 1943) ließ sie sich in Wien zur Schauspielerin ausbilden und studierte gleichzeitig Gesang, ihr Bühnendebüt gab sie 1917 noch als Chormitglied unter dem Namen Margot Schlegel am Berliner "Thalia Theater". Dann wandte sie sich dem Sprechtheater zu und trat in dem Lustspiel-Klassiker "Charleys Tante" als Partnerin des damals populären Schauspielers und Komödianten Arnold Rieck2) (1876 – 1924) in Erscheinung. 1919 erhielt Margarete Schlegel von Reinhardt ein Engagement am "Großen Schauspielhaus", später an dem ebenfalls von Reinhardt geleiteten renommierten "Deutschen Theater". Hier erregte sie besonders in Stücken von Frank Wedekind Aufmerksamkeit, so in "Die Büchse der Pandora" (1919 und in "Frühlings Erwachen" (1920), wo sie sowohl die Schülerin Martha Bessel als auch das Mädchen Wendla Bergmann darstellte.
Etwa zeitgleich begann Margarete Schlegels Filmkarriere, ihr Leinwanddebüt gab sie mit einem kleinen Part in Paul Lenis Streifen "Prinz Kuckuck – Die Höllenfahrt eines Wollüstlings" (1919, mit Conrad Veidt), gedreht nach dem dreibändigen Roman "Prinz Kuckuck: Leben, Taten, Meinungen und Höllenfahrt eines Wollüstlings" (1906–1908) von Otto Julius Bierbaum.

Foto: Margarete Schlegel um 1925
auf einer Fotografie von Nicola Perscheid1) (1864 – 1930)
Quelle: Wikipedia; Ross-Karte Nr. 841/1; Angaben zur Lizenz siehe hier

Margarete Schlegel um 1925 auf einer Fotografie von Nicola Perscheid (1864 – 1930); Quelle: Wikipedia; Ross-Karte Nr. 841/1
Margarete Schlegel auf einem Sammelbild aus der Serie "Bühnenstars und ihre Autogramme", die 1933 den "Gold-Saba"-Zigaretten der "Garbaty"-Zigarettenfabrik beilagen. Urheber: Fotoatelier "Zander & Labisch"  (Albert Zander u. Siegmund Labisch) (1863–1942)); Quelle: www.virtual-history.com Bald wurden die Aufgaben größer, in Friedrich Wilhelm Murnaus, heute als verschollen geltenden "Dr. Jekyll und Mr. Hyde"-Adaption "Der Januskopf"1) (1920) mit dem Untertitel "Eine Tragödie am Rande der Wirklichkeit" mimte sie neben Protagonist Conrad Veidt als elegantem Arzt Dr. Warren bzw. verbrecherisch-dämonischem Mr. O'Connor die Doppelrolle der jungen Grace bzw. Jane. "Die Gestalt der Grace, der von Dr. Jekyll geliebten Tochter seines Freundes, war bei Margarete Schlegel gut aufgehoben; in ihrem Spiel lag eine gewisse schüchterne Zurückhaltung, die angenehm wirkte. Zu wilde Gesten und Grimassen hätten wie eine Nacheiferung Veidts ausgesehen und dessen Effekte gestört." notierte beispielsweise der Berliner "Film-Kurier" am 29.04.1920 (Bd. 2, Nr. 89, S. 1), der am 27.08.1920 (Bd. 2, Nr. 190, S. 2) weiter ausführte: Veidt "hat eine erstaunliche Leistung vollbracht, für die ihm Verfasser und Regisseur herzlich Dank wissen sollen. Über ihn steht Margarete Schlegel als die reine Unschuld, die ihm die Erlösungstat schließlich versagt und (noch nicht ganz vollendet im Ausdruck) über die Erkenntnis, daß Dr. Warren und O'Connor ein und dieselbe Person sind, vor Entsetzen den Verstand verliert. Sie spielt jung und schlank und eindrucksvoll."3)

 
Foto: Margarete Schlegel auf einem Sammelbild aus der Serie
"Bühnenstars und ihre Autogramme", die 1933 den
"Gold-Saba"-Zigaretten der "Garbaty"-Zigarettenfabrik beilagen.
Urheber: Fotoatelier "Zander & Labisch"  (Albert Zander u. Siegmund Labisch1) (1863–1942))
Quelle: film.virtual-history.com; Lizenz siehe hier

Murnau besetzte Margarete Schlegel auch in seinem ebenfalls mit Conrad Veidt gedrehten Melodram "Sehnsucht" (1921), in Urban Gads, frei nach Motiven der gleichnamigen Gerhart Hauptmann-Traumdichtung "Hanneles Himmelfahrt"4) (1922) überzeugte die Schauspielerin als junge Hannele Mattern und ihr eindringliches Spiel wurde von der Kritik durchweg gelobt, auch wenn der Film selbst nicht überall auf Zustimmung stieß. In dem Stummfilm-Klassiker "Das alte Gesetz" (1923), mit dem Regisseur E. A. Dupont die Geschichte eines jüdischen Schauspielers, der aus der Welt des orthodoxen Judentums in ein Künstlerleben ausbricht, erzählte, konnte sie als Esther bzw. Jugendliebe des Rabbiner-Sohnes Baruch (Ernst Deutsch) das Publikum für sich einnehmen → www.murnaugesellschaft.de.
Bis Ende der 1920er Jahre stand Margarete Schlegel noch für einige weitere Produktionen vor der Kamera, zu ihren letzten Stummfilmen zählen Carl Wilhelms "Der Zigeunerprimas"1) (1929) nach der gleichnamigen Operette von Emmerich Kálmán, wo sie neben Titelheld Raimondo van Riel die Nichte des "Zigeunerprimas" Julischka darstellt, sowie Carl Heinz Wolffs Drama "Der Sittenrichter" (1929, auch: "§ 218") mit der Rolle der Tochter des Justizwachtmeisters Böhm (Rudolf Lettinger).
 
Den Übergang zum Tonfilm schaffte Margarete Schlegel zwar problemlos, dennoch wirkte sie nur noch in drei Produktionen mit. Ihren größten Erfolg feierte sie nach Géza von Bolvárys musikalischen Komödie "Das Lied ist aus" (1930) – mit Willi Forst und Liane Haid, die darin den Erfolgsschlager "Adieu, mein kleiner Gardeoffizier" trällerte – zweifellos in Phil Jutzis ersten Verfilmung des berühmten gesellschaftskritischen Großstadtromans "Berlin – Alexanderplatz"1) (1931) von Alfred Döblin. Hier spielte sie neben einem grandiosen Heinrich George als Franz Biberkopf dessen Freundin Mieze, die schließlich von Biberkopfs vermeintlichem Freund Reinhold (Bernhard Minetti) erwürgt wird. Victor Jansons heitere Geschichte "Das Blaue vom Himmel" (1932, mit Marta Eggerth und Hermann Thimig) war Margarete Schlegels letzte Arbeit für das Kino bzw. als Schauspielerin.
 
Ihr Rückzug vom Filmgeschäft hatte private Gründe: Seit 1924 mit dem jüdischen Ökonomen und Autor Dr. Hermann Levy1) (1881 – 1949) verheiratet, emigrierte sie 1935 mit ihrer Familie nach London, wo ihr Ehemann kurzfristig eine Professur an der Londoner Universität antrat, überwiegend jedoch als Schriftsteller tätig war → www.pressestelle.tu-berlin.de. Am 2. Juli 1938 wurde Margarete Schlegel von den Nazis offiziell aus der "Reichstheaterkammer" ausgeschlossen, da sie sich geweigert hatte, von ihrem Mann scheiden zu lassen.
Während des 2. Weltkrieges engagierte sich der einstige Leinwandstar im Radio für deutschsprachige Anti-Nazi-Sendungen, wirkte später in Hörfunk-Operettensendungen der BBC mit. Nach dem Tod ihres Ehemannes heiratete sie erneut und ließ sich an der englischen Südküste nieder. Dort starb sie im Jahre 1987 im 88. Lebensjahr stehend; das genaue Todesdatum bzw. der Sterbeort ist unbekannt.
Quelle: Wikipedia, www.cyranos.ch
Fotos bei www.virtual-history.com
Link: 1) Wikipedia, 2) Kurzportrait innerhalb dieser HP, 4) Murnau Stiftung
Quelle: 3) www.filmhistoriker.de
Lizenz Foto Margarete Schlegel (Urheber Nicola Perscheid): Diese Bild- oder Mediendatei ist gemeinfrei, weil ihre urheberrechtliche Schutzfrist abgelaufen ist. Dies gilt für die Europäische Union, die Vereinigten Staaten, Australien und alle weiteren Staaten mit einer gesetzlichen Schutzfrist von 70 Jahren nach dem Tod des Urhebers.
Lizenz Foto Margarete Schlegel (Urheber "Fotoatelier Zander & Labisch", Berlin): Das Atelier von Albert Zander und Siegmund Labisch († 1942) war 1895 gegründet worden; die inaktive Firma wurde 1939 aus dem Handelsregister gelöscht. Externe Recherche ergab: Labisch wird ab 1938 nicht mehr in den amtlichen Einwohnerverzeichnissen aufgeführt, so dass sein Tod angenommen werden muss; Zander wiederum war laut Aktenlage ab 1899 nicht mehr aktiv am Atelier beteiligt und kommt somit nicht als Urheber dieses Fotos in Frage. Die Schutzdauer (von 70 Jahren nach dem Tod des Urhebers) für das von dieser Datei gezeigte Werk ist nach den Maßstäben des deutschen, des österreichischen und des schweizerischen Urheberrechts abgelaufen. Es ist daher gemeinfrei. (Quelle: Wikipedia)
Filme
Filmografie bei der Internet Movie Database
(Link: filmportal.de, Murnau Stiftung, Wikipedia)
Stummfilme Noch: Stummfilme
  • 1923: Irene d'Or
  • 1923: Opfer der Liebe
  • 1923: Das alte Gesetz
  • 1925: Wunder der Schöpfung (Kultur-/Dokumentarfilm)
  • 1925: Die Frauen zweier Junggesellen
  • 1925: Det store hjerte
  • 1925: Der Schuss im Pavillon
  • 1925: Venezianische Liebesabenteur (Venetian Lovers)
  • 1926: Der Bankkrach unter den Linden
  • 1926: Der Abenteurer
  • 1927: Die Vorbestraften
  • 1927: Die heilige Lüge
  • 1927: Zwei unterm Himmelszelt
  • 1928: Ledige Mütter
  • 1929: Der Zigeunerprimas
  • 1929: Der Sittenrichter (§ 218)
Tonfilme
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