Anita Dorris 1928; Urheber bzw. Nutzungsrechtinhaber: Alexander Binder (1888 – 1929); Quelle: Wikipedia; Ross-Karte Nr. 3107/1 (Ausschnitt) Die Schauspielerin Anita Dorris gehörte ab Mitte der 1920er Jahren für kurze Zeit zu den Stars der Stummfilm-Ära. Geboren am 21. Dezember 1903 in Lübeck als Anita Dorothea Schmidt, begann die Tochter eines Druckereibesitzers ohne eigentliche Schauspielausbildung – sie hatte lediglich Sprachunterricht bei dem Charakterdarsteller des Lübecker Stadttheaters Carl Pündter genommen – auf Vermittlung eines befreundeten Schauspieler-Ehepaares ihre Karriere 1921 am Stadttheater von Eger (heute Cheb, Tschechien).*) Über die heute zu Tschechien gehörenden Städte Pilsen (Plzeň) und Franzensbad (Františkovy Lázně) kam sie 1923 nach Prag, wo sie zwei Jahre lang unter anderem neben Paul Hörbiger und anderen bekannten Schauspielern jener Jahre auf der Bühne stand. Beispielsweise trat sie in Uraufführungen wie Egon Erwin Kischs "Die gestohlene Stadt" und Max Brods "Prozeß Bunterbart" auf, wurde als Partnerin bei Gastspielen von Max Pallenberg in "Der Wauwau" und 1924 von Alexander Moissi in "Paracelsus" von der Kritik lobend erwähnt.*)
  
Ihre erste Filmrolle erhielt sie in der dritten Verfilmung der sogenannten "Fridericus-Rex"1)-Reihe "Die Mühle von Sanssouci" (1926) mit Otto Gebühr als preußischem König Friedrich II. und spielte die Tochter des Müllers Casper (Jakob Tiedtke). Sie nannte sich nun Anita Dorris und trat in der nachfolgenden Zeit in rund fünfzehn weiteren stummen Produktionen in Erscheinung. Die überaus attraktive junge Frau avancierte in Deutschland und in Österreich zu einer bekannten und beliebten Filmschauspielerin, wurde von Regisseuren wie Hans Steinhoff, Richard Oswald, Karl Grune oder Jaap Speyer mit Haupt- bzw. prägnanten Nebenrollen besetzt.

Foto: Anita Dorris 1928
Urheber bzw. Nutzungsrechtinhaber: Alexander Binder1) (1888 – 1929)
Quelle: Wikipedia; Ross-Karte Nr. 3107/1 (Ausschnitt)
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Anita Dorris zeigte sich in Komödien, Melodramen und Historienfilmen, in Jaap Speyers Drama "Bigamie"2) (1927) beispielsweise mimte sie die hübsche Gerichtsschreibers-Tochter Elise, die schon lange in den Klempnermeister Engel (Heinrich George) verliebt ist. Dieser erliegt jedoch den Reizen der rassigen Tänzerin Ada (Maria Jacobini), nach einer kurzen, fehlgeschlagenen Ehe findet Engel zu Elise zurück – allerdings will es mit der Scheidung von Ada nicht so recht klappen …
 
In Karl Grunes Historien-Zweiteiler um die preußische "Königin Luise" (1927: Teil 1; 1928: Teil 22)) mit Mady Christians in der Titelrolle verkörperte Anita Dorris die jüngste Schwester der berühmten preußischen Königin Luise1), die Friederike, Herzogin zu Mecklenburg1). Aufsehen erregte Anita Dorris als Partnerin von Paul Wegener in Gennaro Righellis Literatur-Adaption "Svengali" (1927), einer freien Verfilmung des Bestsellers "Trilby"1) des britischen Autors George du Maurier. Hier spielte sie eindrucksvoll die junge Wäscherin Trilby, die in den Bann des berühmten Musikers Svengali (Paul Wegener) gerät und seiner dämonischen Macht erliegt. Mit Hilfe seiner hypnotischen Fähigkeiten verhilft Svengali ihr zu einer großen Karriere als Sängerin, allerdings um den Preis, dass sie ihr bisheriges Leben vergisst und auch ihren Geliebten (André Mattoni) nicht mehr wiedererkennt … (Quelle → www.filmblatt.de)
  

Foto: Anita Dorris auf einer Fotografie von
Wilhelm Paulsen (verstorben 1920/21)
Quelle: Wikipedia; Photo-Postkarte (Autogrammkarte)
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Anita Dorris auf einer Fotografie von Wilhelm Paulsen (verstorben 1920/21); Quelle: Wikipedia; Photo-Postkarte (Autogrammkarte)
Eine weitere tragende Rolle war unter anderem die der Pflegetochter von Bernhard Goetzke in Jaap Speyers "Die Sache mit Schorrsiegel" (1928) nach dem gleichnamigen, anfangs in der "Berliner Illustrierten" erschienenen Krimi von Fred Andreas. Zu ihren letzten Arbeiten für den Stummfilm zählen Hauptrollen in der heiteren Geschichte "Das Mädel aus der Provinz" (1929, mit Alfred Döderlein) und in Conrad Wienes Drama "Eros in Ketten" (1929, auch "Sexualnot"), mit dem die sozialen Repressionen gegen ledige Mütter thematisiert wurde: Maria, Tochter des Rechnungsrats Faber (Christian Holt), wird ungewollt schwanger und von der Kriminalpolizei in ein Mädchenerziehungshaus überwiesen, wo sie einen Knaben gebärt. An Leib und Seele gebrochen, kehrt sie mit Hoffnung auf ein Happy End in die elterliche Wohnung zurück. (Quelle → www.stummfilm.at
  
Den Übergang zum Tonfilm schaffte Anita Dorris aufgrund ihrer Bühnenerfahrungen ohne Probleme, ihre erste "sprechende" Arbeit war der von E. W. Emo in Szene gesetzte kurze Streifen "Mein Traum wär ein Mädel" (1930) als Partnerin von Rudolf Platte – der erste deutsche Tonfilm überhaupt. Danach stand sie nur noch für sechs Produktionen vor der Kamera, ihre wohl bedeutendste Leinwandrolle im Tomfilm erhielt sie in der von Paul Merzbach inszenierten Romanze bzw. der in Schweden produzierten deutschen Version von "Mach mir die Welt zum Paradies" (1930, För hennes skull) an der Seite der schwedischen Theaterlegende Gösta Ekman. "Gösta Ekman, der Schwede, der so reizvoll deutsch spricht, und Anita Dorris, die feine, blondstrahlende Zart-Menschliche, sind das erfreuliche Erlebnis dieses nicht in allem gleichwertigen Films." notierte unter anderem die "Münchener Telegramm-Zeitung" (13.10.1930).
Nach dem musikalischen Streifen "Student sein, wenn die Veilchen blühen" (1931) verabschiedete sich Anita Dorris auf Wunsch ihres Ehemannes vom Filmgeschäft, am 28. Oktober 1930 hatte sie den österreichischen Filmregisseur E. W. Emo1) (1898 – 1975) geheiratet. Adele Sandrock, die sie sehr schätzt, gelingt es noch einmal, sie 1931 während der Abwesenheit ihres Mannes bei Außenaufnahmen in Paris zu einem Bühnenauftritt als Cecily in "Bunbury" (mit der Sandrock als Lady Bracknell) im Berliner "Renaissance-Theater" zu bewegen, doch dann beendet sie endgültig ihre schauspielerische Laufbahn und zieht sich ins Privatleben zurück.*) Die am 8. Juni 1936 geborene gemeinsame Tochter Maria Emo1) machte sich später als gefeierte Theaterschauspielerin einen Namen, trat aber auch gelegentlich vor die Kamera.
 
Anita Dorris, die seit 1939 mit ihrer Familie in Wien lebte, starb dort am 24. Dezember 1993 im hohen Alter – drei Tage nach ihrem 90. Geburtstag.
Quelle (unter anderem): Wikipedia sowie www.cyranos.ch
Fotos bei www.virtual-history.com
*) Quelle: CineGraph – Lexikon zum deutschsprachigen Film (Lg. 24)
Link: 1) Wikipedia, 2) Murnau Stiftung
Lizenz Fotos Anita Dorris (Urheber: Alexander Binder/Wilhelm Paulsen): Diese Bild- oder Mediendatei ist gemeinfrei, weil ihre urheberrechtliche Schutzfrist abgelaufen ist. Dies gilt für die Europäische Union, die Vereinigten Staaten, Australien und alle weiteren Staaten mit einer gesetzlichen Schutzfrist von 70 Jahren nach dem Tod des Urhebers.
      
Filme
Filmografie bei der Internet Movie Database
(Link: Murnau Stiftung,Wikipedia,  www.stummfilm.at)
Stummfilme
  • 1926: Die Mühle von Sanssouci
  • 1926: Ballettmädels / Frau Sopherl vom Naschmarkt
  • 1926: Fedora / Frauenliebe – Frauenhass
  • 1926: Wien – Berlin / Ein Liebesspiel zwischen Spree und Donau
  • 1926: Im weißen Rössl
  • 1926: Es blasen die Trompeten
  • 1926: Als ich wiederkam
  • 1927: Wie bleibe ich jung und schön – Ehegeheimnisse
  • 1927: Liebeshandel / Agentur Übersee
  • 1927: Bigamie
  • 1927: Svengali
  • 1927/28: Königin Luise
  • 1928: Ehre Deine Mutter
  • 1928: Die Sache mit Schorrsiegel
Noch: Stummfilme
  • 1928: Hinter Klostermauern
  • 1929: Die Frau auf der Banknote / Banknotenfälscher
  • 1929: Das Mädel aus der Provinz
  • 1929: Eros in Ketten / Sexualnot → filmportal.de
  • 1930: Sturm auf drei Herzen
  • 1930: Alimente
Tonfilme
  • 1930: Mein Traum wär ein Mädel
  • 1930: Sturm auf drei Herzen
  • 1930: Die Jugendgeliebte / Goethes Frühlingstraum
  • 1930: Gigolo / Der schöne, arme Tanzleutnant
  • 1930: Mach mir die Welt zum Paradies
  • 1930: Nur Du
  • 1931: Student sein, wenn die Veilchen blühen
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