Die Schauspielerin Maria Fein machte sich vor allem als herausragende Charakterdarstellerin am Theater einen Namen, mit ihren überschaubaren Arbeiten für die aufstrebende Kinematographie hinterließ sie jedoch ebenfalls nachhaltigen Eindruck. Geboren wurde Maria Fein am 7. April 1892 in Wien als Tochter des Journalisten bzw. Feuilletonredakteurs bei der "Neuen Freien Presse" Otto Fein und dessen Ehefrau Fanny (geb. Süssermann); ihr Bruder Franz Fein († 20.12.1947) wurde als Schriftsteller bzw. Übersetzer etlicher erfolgreicher amerikanischer Romane bekannt.
 
Ihre schauspielerische Ausbildung erhielt Maria Fein zwischen 1909 und 1911 an der Wiener "k.u.k. Akademie für Musik und darstellende Kunst"1) (heute: Universität für Musik und darstellende Kunst) unter anderem von dem damaligen Leiter, dem Hofschauspieler Ferdinand Gregori1) (1870 – 1928). Nachdem Gregori als Intendant an das Mannheimer "Hoftheater" berufen worden war, holte er Maria Fein 1911 in sein Ensemble, wo die junge Schauspielerin unter anderem mit der Titelrolle in Hebbels "Judith" Aufmerksamkeit erregte. 1913 ging Maria Fein an das "Königliche Schauspielhaus" in Dresden, wo sie zwei Jahre lang wirkte und unter der Intendanz von Walter Bruno Iltz1) (1886 – 1965) zur bedeutenden Charaktermimin avancierte; parallel dazu trat sie als Gast am Berliner "Königlichen Schauspielhaus" auf.
  

Foto: Maria Fein vor 1929
Urheber bzw. Nutzungsrechtinhaber: Alexander Binder1) (1888 – 1929)
Quelle: Wikipedia; Photochemie-Karte Nr. 232
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Maria Fein vor 1929; Urheber bzw. Nutzungsrechtinhaber: Alexander Binder (1888 – 1929); Quelle: Wikipedia; Photochemie-Karte Nr. 232
1915 wechselte sie ganz nach Berlin, arbeitete dort vorwiegend mit dem legendären Max Reinhardt1) (1873 – 1943) zusammen, der ihr erstmals im Oktober 1915 am "Deutschen Theater" die Titelrolle in Schillers "Maria Stuart" anvertraute, weitere bedeutende Interpretationen waren unter anderem im November 1919 am "Großen Schauspielhaus" die Elektra in Aischylos' "Die Orestie" sowie der Part der Königstochter Regan in Shakespeares "König Lear" in Reinhardts letzten Inszenierung an "Großen Schauspielhaus" im April 1923. 
Während ihrer Zeit in Berlin kam Maria Fein mit dem Film in Kontakt, eine erste Rolle erhielt sie von Robert Wiene bzw. der "Messter Film GmbH" in dem kurzen Streifen "Das Leben ein Traum2) (1916/17) als Partnerin von Emil Jannings, auch in der nachfolgenden Produktion "Der Mann im Spiegel"2) (1916/17) führte Robert Wiene Regie. Maria Fein wurde während ihrer kurzen Stummfilm-Karriere vorwiegend mit Hauptrollen besetzt, "bei ihren Filmen handelt es sich häufig um (melo)dramatische, seltener um komödiantische Stoffe" schreibt Kay Weniger3). So trat sie unter anderem als Partnerin von Erich Kaiser-Titz in Friedrich Zelniks "Die Gräfin von Navarra" (1917) und Walter Schmidthässlers "Das Gift der Medici" (1918) auf, drehte mit Max Landa als Detektiv Joe Deebs "Die Kaukasierin" (1917). In Schmidthässlers "Sühne" (1919) trat sie neben Werner Krauss in Erscheinung, als Titelheldin und russische Großherzogin bzw. Zarentochter Maria Pawlowna1) (1786 – 1859) überzeugte sie in Emil Justitz' gleichnamigem Historien-Streifen (1919).
Maria Fein vor 1929; Urheber bzw. Nutzungsrechtinhaber: Alexander Binder (1888 – 1929); Quelle: www.cyranos.ch Sie gab die Gräfin Julia Imperiali, Schwester des von Fritz Kortner verkörperten Gianettino Doria, in "Die Verschwörung zu Genua" (1921), von Paul Leni in Szene gesetzt nach Motiven des Schiller-Dramas "Die Verschwörung des Fiesco zu Genua" mit Hans Mierendorff als Fiesco und Wilhelm Diegelmann als Doge von Genua. Eine weitere tragende Rolle war die der Fürstin Katharina in Rudolf Walther-Feins "Der kleine Herzog" (1924), unter der Regie von Mihaly Kertész, der später in Hollywood als Michael Curtiz mit vielen großen Produktionen – unter anderem dem Klassiker "Casablanca"1) (1942) – berühmt werden sollte, entstand "Das Spielzeug von Paris"4) (1925) mit der Französin und späteren Hollywood-Diva Lili Damita in der Hauptrolle – Maria Fein mimte eine Revue-Primadonna. Ihr letzter Stummfilm war das von Rudolf Meinert inszenierte Drama "Die Vorbestraften" (1927), ein von der Berliner Strafvollzugbehörde unterstützter sozial engagierter Film. Danach stand Maria Fein nur noch für eine Produktion vor der Kamera und spielte in ihrem ersten Tonfilm, der musikalischen Romanze "Friederike" (1932) nach der gleichnamigen Operette von Franz Lehár, einen kleinen Part an der Seite der Titelheldin Mady Christians sowie Veit Harlan, Paul Hörbiger und Adele Sandrock. 

 
Foto: Maria Fein vor 1929
Urheber bzw. Nutzungsrechtinhaber: Alexander Binder1) (1888 – 1929)
Quelle:
www.cyranos.ch
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Seit Mitte der 1920er Jahre hatte sich Maria Fein wieder verstärkt ihrer Arbeit am Theater gewidmet, gehörte zwischen 1924 und 1926 zum Ensemble des von Max Reinhardt geführten bzw. am 1. April 1924 neu eröffneten Wiener "Theaters in der Josefstadt", trat darüber hinaus an anderen Wiener Bühnen (u.a. "Deutsches Volkstheater") sowie bis 1933 an diversen Berliner Theatern (u.a. "Tribüne") auf.
Mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten wurde eine Arbeit in Deutschland für die Schauspielerin mit jüdischen Wurzel mütterlicherseits immer schwieriger, 1935 musste sie den Ausschluss aus der "Reichstheaterkammer" bzw. "Reichsfilmkammer" hinnehmen. Mit behördlicher Genehmigung hatte sie zwischen 1933 und 1936 noch des Restaurant bzw. den Künstlertreffpunkt "Grüner Zweig" in Berlin leiten dürfen. Mit dem Anschluss Österreichs bzw. der De-facto-Annexion durch das nationalsozialistische Deutsche Reich am 13. März 1938 fand die Karriere der inzwischen nach Österreich geflohenen Schauspielerin auch dort ein jähes Ende. Sie emigrierte zunächst in die Niederlande, dann über Frankreich in die Schweiz und fand zur Spielzeit 1938/39, wie viele deutsche Schauspieler(innen) und Regisseure, am "Zürcher Schauspielhaus" eine neue Wirkungsstätte. Dann ging sie nach Frankreich zurück und wurde dort 1941 für kurze Zeit in einem Lager interniert.
 

Maria Fein 1921
Foto mit freundlicher Genehmigung der Österreichischen Nationalbibliothek1) (ÖNB)
Urheber: Atelier Madame d'Ora1) (1881–1963); Datierung: 08.01.1921 
© ÖNB/Wien, Bildarchiv (Inventarnummer 204351-D

Maria Fein 1921; Foto mit freundlicher Genehmigung der Österreichischen Nationalbibliothek (ÖNB); Urheber: Atelier Madame d'Ora (1881–1963); Datierung: 08.01.1921;Copyright ÖNB/Wien, Bildarchiv (Inventarnummer 204351-D
1942 konnte sie auf Vermittlung ihrer in Zürich lebenden Tochter Maria Becker wieder in die Schweiz einreisen, gab in Zürich zunächst zahlreiche Rezitationsabende, zum Teil zusammen mit ihrer Tochter; ab 1945 gehörte sie erneut zum Ensemble des "Zürcher Schauspielhauses". Gastspielreisen durch die Schweiz – so unter anderem als Protagonistin in Grillparzers "Medea" (1946) schlossen sich an, ab 1949 ging sie mit einer eigenen Schauspiel-Truppe auf Tournee, glänzte unter anderem als Klytämnestra in "Elektra" von Giraudoux an der Seite ihrer Tochter Maria Becker in der Titelrolle oder als Titelheldin in Shaws "Frau Warrens Gewerbe" – jeweils in eigenen Inszenierungen.
 
Noch kurz vor ihrem Tod wurden 1964 ihre eigenen Erlebnisberichte über das Berliner Theater vor 1933 in zwölf Hörfunk-Folgen vom Norddeutschen Rundfunk (NDR) gesendet, geplante Erweiterungen zu Vorträgen ihrer Autobiografie kamen wegen ihres Todes nicht mehr zustande.5)
Maria Fein, die als herausragende Interpretin klassischer, aber auch moderner Frauenfiguren galt, starb am 5. September 1965 im Alter von 73 Jahren in Zürich. Sie war in zweiter Ehe einige Jahre mit dem Staatsschauspieler Theodor Becker6) (1880 – 1952) verheiratet, der als Anhänger der Nationalsozialisten galt. Eine der gemeinsamen Töchter war die am 28. Januar 1920 in Berlin geborene, international renommierte Theaterschauspielerin Maria Becker6), die am 5. September 2012 in Uster (Kanton Zürich) im Alter von 92 Jahren starb. Als Maria Becker erst vier Jahre alt war, hatte der Vater die Familie verlassen, Maria Becker blieb bei der Mutter, die jüngere Schwester Thea Becker wuchs beim Vater auf; im Jahre 1936  erfolgte die offizielle Scheidung.
Quellen: Wikipedia, tls.theaterwissenschaft.ch*), www.exilarchiv.de sowie www.cyranos.ch
*) Julia Danielcyzk: "Maria Fein", in: Andreas Kotte (Hrsg.): Theaterlexikon der Schweiz, Chronos Verlag Zürich 2005, Band 1, S. 570/71
Link: 1) Wikipedia, 2) Murnau Stiftung, 4) www.film.at, 6) Kurzportrait innerhalb dieser HP
Quelle:
3) Kay Weniger: "Es wird im Leben dir mehr genommen als gegeben…". Lexikon der aus Deutschland und Österreich emigrierten Filmschaffenden 1933 bis 1945. Eine Gesamtübersicht, Hamburg, ACABUS Verlag 2011, S. 165
5) Handbuch des deutschsprachigen Exiltheaters 1933 – 1945; Herausgeber: Frithjof Trapp, Werner Mittenzwei, Henning Rischbieter, Hansjörg Schneider;
Band 2: Biographisches Lexikon der Theaterkünstler von Frithjof Trapp, Bärbel Schrader, Dieter Wenk, Ingrid Maaß (Teil 1, A-K; K G  Saur, München 1999)
Lizenz Fotos Maria Fein (Urheber: Alexander Binder): Diese Bild- oder Mediendatei ist gemeinfrei, weil ihre urheberrechtliche Schutzfrist abgelaufen ist. Dies gilt für die Europäische Union, die Vereinigten Staaten, Australien und alle weiteren Staaten mit einer gesetzlichen Schutzfrist von 70 Jahren nach dem Tod des Urhebers.
Filme
Filmografie bei der Internet Movie Database
(Link: Murnau Stiftung, www.film.at)
Stummfilme
  • 1916/17: Das Leben ein Traum
  • 1916/17: Der Mann im Spiegel
  • 1917: Mutter
  • 1917: Die Gräfin von Navarra
  • 1917: Nur ein Modell. Seine kleine Madonna
  • 1917/18: Die Kaukasierin
  • 1918: Apokalypse
  • 1918: Raimundus und das Hexlein, Teil 2: Die Erlösung des Reimundus
  • 1918: Edelwild
  • 1918: Das Gift der Medici
  • 1918: Liebesopfer
  • 1918: Die Vision
  • 1918: Der Wahn ist kurz
  • 1919: Sühne
  • 1919: Nicht eher sollst Du Liebe fühlen, als …
  • 1919: Der Ehestifter
  • 1919: Die Feste des Fürsten von Ferrara
  • 1919: Maria Pawlowna
  • 1920: Weiße Rosen
  • 1921: Die Verschwörung zu Genua
  • 1924: Der kleine Herzog
  • 1925: Das Spielzeug von Paris
  • 1927: Die Vorbestraften
Tonfilm
  • 1932: Friederike
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